{"id":7051,"date":"2022-06-03T00:00:14","date_gmt":"2022-06-02T22:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=7051"},"modified":"2026-05-27T17:19:09","modified_gmt":"2026-05-27T15:19:09","slug":"anleihen-und-zinsaenderungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/anleihen-und-zinsaenderungen\/","title":{"rendered":"Anleihen und Zins\u00e4nderungen \u2013\u00a0ein Fallbeispiel"},"content":{"rendered":"
Von Alexander Weis<\/a>\u00a0und\u00a0Daniel Kanzler<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Noch vor gut einem Jahr wollte es niemand glauben, doch jetzt ist es passiert: Die Zinsen sind deutlich gestiegen. In absoluter Betrachtung sind die Zinsen aus historischer Perspektive zwar immer noch niedrig, aber relativ zum Tiefpunkt Mitte 2021 sind sie in den meisten L\u00e4ndern fast dramatisch nach oben geschnellt. So sind sie in Deutschland um etwas \u00fcber einen Prozentpunkt gestiegen und in den USA sogar noch deutlicher. [1]<\/span><\/strong><\/p>\n Steigende Zinsen wirken sich kurzfristig tendenziell negativ auf die meisten Anlageklassen aus, ganz besonders negativ allerdings auf mittel- und langfristige Anleihen.<\/p>\n F\u00fcr Privatanleger, die einen Teil Ihres Portfolios in Anleihen investiert haben \u2013\u00a0darunter fallen Einzelanleihen, Anleihen-ETFs und aktiv gemanagte Rentenfonds \u2013 wirft das die Frage auf, welche Implikationen steigende Zinsen speziell auf ihre Anleihen haben und wie sie damit umgehen sollen. In diesem Beitrag beantworten wir diese Fragen am Beispiel konkreter Anleihen-ETFs.<\/p>\n <\/p>\n Zu Beginn ein kurzer Refresher \u00fcber Anleihen-Theorie und Bond-Mathematik: Das Risiko von Anleihen l\u00e4sst sich zerlegen in W\u00e4hrungs-, Bonit\u00e4ts- und Laufzeitrisiko. Da wir uns dem Effekt von Zins\u00e4nderungen widmen m\u00f6chten, haben wir ETFs gew\u00e4hlt, deren zugrunde liegende Indizes kein W\u00e4hrungs- und das geringstm\u00f6gliche Bonit\u00e4tsrisiko aufweisen, sodass das Laufzeitrisiko \u2013\u00a0das bezeichnend oft auch Zins\u00e4nderungsrisiko genannt wird \u2013\u00a0ausschlaggebend f\u00fcr die erwartete Rendite der betrachteten Produkte ist.<\/p>\n Wichtig ist in diesem Zusammenhang zun\u00e4chst zu verstehen, dass zwischen der Ver\u00e4nderung des allgemeinen Zinsniveaus und Anleihenrenditen ein negativer Zusammenhang besteht. Unter sonst gleichen Umst\u00e4nden gilt n\u00e4mlich: Wenn Zinsen fallen, steigen die Kurse von Anleihen und wenn Zinsen steigen, dann fallen die Kurse. Wer diesen f\u00fcr Anleihen-Anleger fundamentalen und in seiner Wichtigkeit kaum zu \u00fcbersch\u00e4tzenden Mechanismus noch besser verstehen m\u00f6chte, dem empfehlen wir unseren Blog-Beitrag „Das Zins\u00e4nderungsrisiko bei Anleihen<\/a>“ vom Dezember 2019.<\/p>\n Ferner sollte man sich als Anleger in zinstragenden Anlagen dar\u00fcber im Klaren sein, dass es nicht „den“ Zins gibt, sondern man eigentlich immer dazusagen m\u00fcsste, von welchem Zins oder welchem Zinsmarkt man spricht, wenn von Zins- bzw. Marktzins\u00e4nderungen die Rede ist. Ein Anstieg der Zinsen einj\u00e4hriger deutscher Staatsanleihen um einen Prozentpunkt bedeutet nicht zwangsl\u00e4ufig den gleichen Anstieg zehnj\u00e4hriger deutscher Staatsanleihen \u2013\u00a0man spricht von Ver\u00e4nderungen der sogenannten Zinsstrukturkurve (englisch „Yield Curve“).<\/p>\n \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den Zinsen verschiedener L\u00e4nder oder W\u00e4hrungsr\u00e4ume: Steigt beispielsweise das Zinsniveau in Gro\u00dfbritannien, muss es hierzulande nicht unbedingt ebenfalls zu einem Zinsanstieg kommen, wenngleich Zinsver\u00e4nderungen in offenen Volkswirtschaften wie den USA aufgrund von wirtschaftlichen Verflechtungen mit mehr oder weniger gro\u00dfer Zeitverz\u00f6gerung tendenziell mit \u00e4hnlichen \u00c4nderungen in anderen offenen Volkswirtschaften einhergehen.<\/p>\n Auch die Marktzinss\u00e4tze f\u00fcr Anleihen-Emittenten unterschiedlicher Bonit\u00e4t (Beispiel: Deutsche Unternehmen mit mittlerem Bonit\u00e4ts-Rating gegen\u00fcber dem kreditw\u00fcrdigeren deutschen Staat) sind innerhalb einer W\u00e4hrung und bei identischer Restlaufzeit naturgem\u00e4\u00df nicht identisch. Wer sich f\u00fcr die \u00f6konomischen Hintergr\u00fcnde dazu interessiert, kann das hier<\/a> und hier<\/a> nachlesen.<\/p>\n Um unser folgendes Fallbeispiel m\u00f6glichst einfach zu halten und leicht nachvollziehbar zu machen, unterstellen wir vereinfachend, dass unser „Marktzins“ dem Zinssatz f\u00fcr zehnj\u00e4hrige deutsche Staatsanleihen entspricht. Wie eingangs erw\u00e4hnt, betrug der nominale Marktzins nach dieser Definition Ende April 2021 rund \u20130,2% p. a. und Ende April 2022 lag er bei etwa +0,8% p. a. \u2013 ein Anstieg um einen Prozentpunkt. (Das trifft sich insofern gut, als man aus didaktischer Perspektive mit einer Ver\u00e4nderung von genau einem Prozentpunkt angenehm leicht rechnen kann.)<\/p>\n Dahinter steckt das \u00f6konomische Konzept der Modified Duration<\/em>, mit der man den erwarteten Einfluss von Zins\u00e4nderungen auf Anleihenkurse unter sonst gleichen Umst\u00e4nden („ceteris paribus“) misst. Die Modified Duration (kurz oft auch einfach nur Duration genannt) gibt an, wie stark der Kurs einer Anleihe sinkt, wenn der entsprechende Marktzins um einen Prozentpunkt steigt und umgekehrt: Steigen die Marktzinsen um Z%, f\u00e4llt der Marktkurs einer Anleihe um Z\u00a0\u00d7 D%, wobei Z dem Zinsanstieg in Prozentpunkten und D der Duration der Anleihe (bzw. des Anleihen-Portfolios) entspricht. Ein Beispiel: Die Zinsen steigen „von heute auf morgen“ um einen halben Prozentpunkt von 1,0% auf 1,5% und die Duration einer Anleihe betr\u00e4gt 5 Jahre. In einem solchen Fall wird der Kurs der Anleihe um ungef\u00e4hr 0,5% \u00d7 5 = 2,5% fallen. W\u00e4ren die Zinsen hingegen von 1,0% auf 0,0% gefallen, h\u00e4tte der Kurs unserer fiktiven Anleihe um 5,0% zugelegt.<\/p>\n Bei Anleihen mit niedrigen Kuponzahlungen\u00a0entspricht die Duration in etwa der Restlaufzeit in Jahren; bei Anleihenportfolios mit hohen Kuponzahlungen liegt die Duration deutlich unter der durchschnittlichen Restlaufzeit der betreffenden Anleihen. Die Duration eines ETFs l\u00e4sst sich meistens im Fact Sheet der Fondsgesellschaft nachlesen.<\/p>\n So viel zur \u2013 leider etwas trockenen \u2013\u00a0Theorie. Jetzt aber geht’s zur\u00fcck in die Praxis.<\/p>\n <\/p>\n Wir beschr\u00e4nken uns in unserer nachfolgenden Minifallstudie auf die folgenden drei ETFs (bzw. Indizes, die von diesen ETFs abgebildet werden):<\/p>\n Diese ETFs bilden deutsche Staatsanleihen (genauer gesagt einen Staatsanleihen-Korb) mit unterschiedlichen durchschnittlichen Restlaufzeiten ab. [2]<\/span><\/strong> Die zugrunde liegende Indexreihe „eb.rexx\u00ae Government Germany“ eignet sich deswegen gut f\u00fcr unsere Zwecke, weil die unterschiedlichen Restlaufzeiten jeweils als ETF verf\u00fcgbar sind (Die eb.rexx\u00ae-Indizes werden von einem Tochterunternehmen der Deutschen B\u00f6rse AG erstellt, das auch den DAX berechnet).<\/p>\n Die Rendite von Anleihen in einer bestimmten W\u00e4hrung wird im Wesentlichen durch drei Faktoren bestimmt:<\/p>\n (a) Laufzeit, Die Faktoren (b) und (c) sind bei diesen drei ETFs definitionsgem\u00e4\u00df nahezu identisch und k\u00f6nnen den Vergleich, den wir weiter unten in unserer Minifallstudie anstellen, demzufolge nicht wesentlich beeinflussen.<\/p>\n Wie soeben angedeutet, unterscheidet sich die Zusammensetzung dieser drei Indizes bzw. ETFs in nur einem wesentlichen Punkt: Der durchschnittlichen Restlaufzeit und damit einhergehend auch der Duration \u2013 und auf die kommt es an \u2013 der enthaltenen Staatsanleihen. Beim ersten ETF betr\u00e4gt die Duration ungef\u00e4hr zwei, weshalb wir ihn im Folgenden als Duration-2-ETF<\/em> bezeichnen. Beim zweiten bzw. dritten ETF bel\u00e4uft sich die Duration auf rund vier bzw. sieben, demnach haben sie bei uns die Namen Duration-4-ETF<\/em> und Duration-7-ETF<\/em>. [3]<\/span><\/strong><\/p>\n In der folgenden Grafik ist die Kursentwicklung der drei beispielhaften Anleihen-ETFs in den zw\u00f6lf Monaten vom 30.04.2021 bis zum 30.04.2022 abgebildet:<\/p>\n Grafik: Kursentwicklung dreier Anleihen-ETFs auf deutsche Staatsanleihen mit unterschiedlicher Duration vom 30.04.2021 bis zum 30.04.2022 (1 Jahr)<\/strong><\/span><\/p>\n Quelle: Eigene Berechnungen mit Kursdaten der Comdirect Bank AG<\/span><\/p>\n Wir erinnern uns: Die Marktzinsen stiegen \u00fcber den hier gemessenen Zeitraum um etwa einen Prozentpunkt. Der oben erl\u00e4uterten Theorie zufolge h\u00e4tten die Kurse unserer drei ETFs also um rund zwei, vier und sieben Prozent sinken m\u00fcssen. In Tabelle 1 haben wir die Duration und die Kursver\u00e4nderungen unserer illustrativen Anleihen einander gegen\u00fcbergestellt.<\/p>\n Tabelle 1: Vergleich erwartete und tats\u00e4chliche Kurseffekte dreier Anleihen-ETFs auf deutsche Staatsanleihen mit unterschiedlicher Duration vom 30.04.2021 bis zum 30.04.2022 (1 Jahr)<\/strong><\/span><\/p>\n [A] Duration des dem Index (und damit dem ETF) zugrundeliegenden Anleihenkorbs. \/\/\/ [B] Quelle: Eigene Berechnungen mit Kursdaten der Comdirect Bank AG<\/span><\/p>\n Was l\u00e4sst sich aus der Tabelle ablesen? \u00dcber unseren Betrachtungszeitraum sieht man den oben erl\u00e4uterten Zusammenhang deutlich: Die tats\u00e4chlichen Kursver\u00e4nderungen unserer Anleihen-ETFs liegen nach einem (etwas \u00fcber) einprozentigen Marktzinsanstieg recht nahe an der aus der Duration abgeleiteten Kursver\u00e4nderungen.<\/p>\n Dass die Duration tats\u00e4chliche Kurseffekte nur n\u00e4herungsweise prognostiziert, war zu erwarten und hat mehrere Ursachen, darunter: (a) Die Duration ver\u00e4ndert sich im Zeitablauf nicht linear (m\u00fcsste demnach also jeden Tag neu berechnet werden); (b) ETF-Kosten werden bei der Duration nicht mitber\u00fccksichtigt; und (c) die Annahme von „unter sonst gleichen Umst\u00e4nden“ h\u00e4lt in der echten Welt nicht, d. h. es gibt eine Reihe weiterer Faktoren, die Einfluss auf den Kurs von Anleihen nehmen. Es ist also wichtig zu betonen, dass es sich bei der Duration um eine Faustformel handelt.\u00a0(NB: Wer es genauer wissen will, sollte einen Blick auf das etwas komplexere finanzmathematische Konzept der Konvexit\u00e4t<\/a> werfen.)<\/p>\n Unserer Erfahrung als Verm\u00f6gensverwalter nach und dem damit verbunden Einblick in die Portfolios von Mandanten unmittelbar bevor sie von einem Wettbewerber zu uns wechseln, liegt die Duration von Anleihenportfolios verm\u00f6gender Privathaushalte oft in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von f\u00fcnf bis zehn und f\u00e4llt manchmal sogar deutlich h\u00f6her aus. In solchen F\u00e4llen war der negative Kurseffekt aus dem Zinsanstieg in den letzten zw\u00f6lf Monaten vergleichsweise hoch.<\/p>\n Es gibt aber auch sehr viel l\u00e4nger laufende Anleihen: So hat zum Beispiel die Republik \u00d6sterreich 2017 als erstes Euroland eine 100-j\u00e4hrige Anleihe (ISIN: AT0000A2HLC4) begeben. Ihr Kurs brach vom 30.04.2021 bis 30.04.2022 aufgrund der gestiegenen Marktzinsen um \u00fcber 35% ein.<\/p>\n <\/p>\n Anleger werden sich nun die Frage stellen, was das f\u00fcr ihr Portfolio und\/oder ihren Investmentansatz bedeutet. Zun\u00e4chst h\u00e4ngt das von ihrer Ausgangssituation ab. F\u00fcr diejenigen, die ihren risikoarmen („risikofreien“) Portfolioteil \u2013 der „Risikoanker“ im Depot\u00a0\u2013 gem\u00e4\u00df unserer Kriterien (sehr geringes Bonit\u00e4tsrisiko, sehr geringes Zins\u00e4nderungsrisiko, kein Wechselkursrisiko) umgesetzt haben, haben wir gute Nachrichten: Sie m\u00fcssen gar nicht t\u00e4tig werden, weil die Anleihen in ihrem risikoarmen Portfolioteil einerseits nur in sehr moderatem Umfang von m\u00f6glicherweise noch auf uns zukommenden Zinserh\u00f6hungen betroffen sein und andererseits relativ bald von den gestiegenen Zinsen profitieren w\u00fcrden.<\/p>\n Da dieses Argument nicht selbsterkl\u00e4rend ist, lohnt es sich, es etwas weiter auszuf\u00fchren: Unterstellen wir daf\u00fcr einen Anleihen-ETF mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von einem Jahr. Das hei\u00dft, dass im Durchschnitt alle in ihm enthaltenen Anleihen nach einem Jahr gegen neue ausgetauscht werden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass \u2013 im Falle eines Zinsanstiegs heute \u2013 nach Ablauf eines Jahres alle vergleichsweise niedrig verzinsten Anleihen gegen Anleihen mit h\u00f6herer Verzinsung ausgetauscht worden sind.<\/p>\n Hingegen m\u00fcssen sich Anleger, die einzelne Anleihen, Anleihen-ETFs oder aktiv gemanagte Anleihenfonds mit langer Duration im Portfolio haben, \u00fcberlegen, ob sie das mit diesen Anleihen einhergehende h\u00f6here Zins\u00e4nderungsrisiko auch weiterhin tragen wollen. Sollten diese Anleger der Meinung sein, dass die Nominalzinsen noch einmal \u00fcber das jetzige Niveau hinaus merklich steigen werden, dann m\u00fcssten diese Anleger die betreffenden Anleihen noch vor diesem erwarteten Anstieg ver\u00e4u\u00dfern.<\/p>\n Im Weltportfolio-Konzept von Gerd Kommer ist der risikoarme Portfolioteil n\u00e4herungsweise so gestaltet wie das „risk-free asset“, also die „risikofreie Anlage“ in der Wissenschaft: Minimales Durationsrisiko, minimales Bonit\u00e4tsrisiko und kein Wechselkursrisiko. Ganz „null“ wie f\u00fcr das risk-free asset in der Wissenschaft angenommen wird, kann in der Praxis allerdings keines dieser drei Risiken sein, da solche Assets in der Realit\u00e4t nicht existieren; es existieren jedoch Assets, die den Vorgaben des wissenschaftlichen Modells ziemlich nahe kommen. So wird das auch in der Robo Advisor Strategie<\/a> von Gerd Kommer\u00a0und in der Verm\u00f6gensverwaltung von Gerd Kommer Invest<\/a> umgesetzt. F\u00fcr diese Portfolios besteht also f\u00fcr Anleger, die weiter steigende Nominalzinsen erwarten, kein Handlungsbedarf.<\/p>\n Zu guter Letzt gibt es noch einen weiteren Aspekt, der vielen Anlegern oft gar nicht wirklich bewusst ist: Wenn die Zinsen steigen, sinken zwar die Kurse von Anleihen, deren Umlaufrenditen [4]<\/span><\/strong> erh\u00f6hen sich aber \u2013 wenngleich prozentual nicht im gleichen Ausma\u00df. Wir haben also zwei gegenl\u00e4ufige Effekte: (a) Den einmaligen Kursr\u00fcckgang und (b) die dauerhaft h\u00f6here Verzinsung im Sinne der Umlaufrendite.<\/p>\n Um zu unserem Beispiel zur\u00fcckzukommen: Die Umlaufrenditen unserer drei ETFs belaufen sich per 30.04.2022 auf j\u00e4hrlich +0,26% (Duration-2-ETF) bzw. +0,58% (Duration-4-ETF) bzw. +0,80% (Duration-7-ETF). Folglich betr\u00e4gt die Differenz zwischen dem Duration-2- und dem Duration-4-ETF also 0,32% (=0,58% \u2013 0,26%) und die zwischen dem Duration-2- und dem Duration-7-ETF 0,54% (=0,80% \u2013 0,26%) p. a. Um das greifbarer zu machen, haben wir eine weitere Tabelle erstellt:<\/p>\n Tabelle 2: Fallstudie \u2013 wie lange dauert es nach der Zinserh\u00f6hung vom 30.04.2021 bis zum 30.04.2022 den damit einhergehenden Kursr\u00fcckgang f\u00fcr Anleihen (oder Anleihen-ETFs) mit l\u00e4ngerer Duration gegen\u00fcber den Kurzl\u00e4ufern aufzuholen?<\/strong><\/span><\/p>\n [A] Die Umlaufrendite entspricht der Rendite bis zur F\u00e4lligkeit unter sonst gleichen Umst\u00e4nden („ceteris paribus“). \u25ba [B] Rechenbeispiel f\u00fcr den Duration-4-ETF: Die Renditedifferenz (4,9% minus 2,4%) wird durch die Differenz der Umlaufrenditen (0,58% \u2013 0,26% = 0,32%) dividiert und damit erh\u00e4lt man die Dauer (in Jahren), bis die beiden Produkte unter sonst gleichen Umst\u00e4nden „break-even“ sind.<\/span><\/p>\n Tabelle 2 zeigt die gegenl\u00e4ufigen Effekte von sofortigen Kursr\u00fcckg\u00e4ngen und anschlie\u00dfenden Zinsvorteilen beispielhaft f\u00fcr den konkreten Fall unserer deutschen Staatsanleihen in den zw\u00f6lf Monaten von Ende April 2021 bis Ende April 2022. Aus der letzten Spalte l\u00e4sst sich ablesen, dass es unter sonst gleichen Umst\u00e4nden 7,8 Jahre dauern w\u00fcrde, bis der Duration-4-ETF den Renditenachteil aus dem j\u00fcngsten Zinsanstieg wieder eingeholt hat. Der Duration-7-ETF wird ceteris paribus 10,7 Jahre ben\u00f6tigen, um diesen Break-even-Punkt zu erreichen.<\/p>\n Zwar haben langfristige Anleihen (oder Anleihen-ETFs) unter der Annahme einer normalen (aufw\u00e4rtsgerichteten) Zinsstrukturkurve einen Renditevorteil gegen\u00fcber kurzlaufenden Anleihen. Ob dieser Vorteil das geringere Zins\u00e4nderungsrisiko von Kurzl\u00e4ufern ausgleicht, darf allerdings bezweifelt werden. Wir sind der Meinung, dass das im Allgemeinen nicht der Fall ist. M\u00f6glicherweise ist der seit den 1980er-Jahren anhaltende, in den letzten 300 Jahren in Bezug auf H\u00f6he und Dauer vermutlich einmalige Zinssenkungstrend seit Anfang 2021 vorbei. Soweit diese Hypothese stimmt, sind kurzlaufende Anleihen als Risikoanker im Portfolio nun besonders attraktiv.<\/p>\n Anleger, die Betr\u00e4ge unter 100.000 Euro in die risikoarme Anlage (den „Risikoanker“) investieren m\u00f6chten, k\u00f6nnen als Alternative zu Anleihen-ETFs auch Bankguthaben verwenden, allerdings nur bei Instituten, die der gesetzlichen Einlagensicherung von Staaten h\u00f6chster Bonit\u00e4t unterliegen.<\/p>\n <\/p>\n Die Zinsen sind seit einigen Monaten am Steigen. Vor allem langlaufende Anleihen sind davon stark betroffen. Das immer schon bestehende, aber in den rund 40 Jahren von ungef\u00e4hr 1980 bis 2021 sich kaum materialisierende Zins\u00e4nderungsrisiko von Langl\u00e4ufern reduziert die im risikoarmen Portfolioteil gew\u00fcnschte Stabilit\u00e4t. Wer seinem Portfolio Anleihen beimischt, um dessen Gesamtrisiko zu reduzieren, sollte daher sicherstellen, dass diese auch wirklich risikoarm sind und auch bei weiter steigenden Zinsen nicht zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Die letzten zw\u00f6lf Monate waren ein Vorgeschmack darauf, wie sich das Zins\u00e4nderungsrisiko von Anleihen in einem Kapitalmarktportfolio manifestieren kann.<\/p>\n Wer die Gesamtrendite seines Portfolios erh\u00f6hen m\u00f6chte, sollte das unseres Erachtens nicht \u00fcber das Beimischen langlaufender Anleihen tun, sondern vielmehr \u00fcber die prozentuale Erh\u00f6hung des risikobehafteten Teils im Gesamtportfolio. Nur damit kann die Aufgabenverteilung im Portfolio zwischen „Renditemotor“ (risikobehafteter Portfolioteil) und „Stabilit\u00e4tsanker“ (risikoarmer Portfolioteil) gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Die Umlaufrendite f\u00fcr zehnj\u00e4hrige deutsche Staatsanleihen stieg \u00fcber den Zeitraum vom 30.04.2021 bis zum 30.04.2022 von \u20130,21% auf +0,82%, also um insgesamt 1,03 Prozentpunkte. In den USA stieg die Umlaufrendite in diesem Zeitraum von 1,65% auf 2,89% und damit um 1,24 Prozentpunkte.<\/p>\n [2]<\/strong> Wichtig: Bei den genannten ETFs handelt es sich ausdr\u00fccklich nicht um Produkt- oder Investmentempfehlungen, sondern wir haben sie ausschlie\u00dflich zu Illustrationszwecken ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n [3]<\/strong> Die hier angegebenen Durationen sind aus Vereinfachungsgr\u00fcnden kaufm\u00e4nnisch gerundete Werte. Die genauen Durationswerte betrugen am 31.03.2022 1,93 (vs. gerundet 2,0) bzw. 3,97 (vs. 4,0) bzw. 7,25 (vs. 7,0).<\/p>\n [4]<\/strong> Eine altmodische, synonyme Bezeichnung f\u00fcr Umlaufrendite ist „Verfallsrendite“. Gelegentlich wird falsch behauptet\/geschrieben dass sich das Wort „Umlaufrendite“ nur auf ganze Anleihensegmente beziehe, „Verfallsrendite“ hingegen auf eine einzelne Anleihe.<\/p>\n <\/p>\n Kommer, Gerd; Schweizer, Jonas (2018): „Das Prinzip der Sovereign Ceiling“; Blog-Beitrag; Dezember 2018; Link: https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/konzept-der-sovereign-ceiling\/<\/a><\/p>\n Kommer, Gerd; Schweizer, Jonas (2019): „Das Konzept der Cash-Flow-Kaskade“; Blog-Beitrag; Januar 2020; Link: https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/cash-flow-kaskade\/<\/a><\/p>\n Kommer, Gerd; Weis, Alexander (2019): „Das Zins\u00e4nderungsrisiko bei Anleihen“; Blog-Beitrag; Dezember 2019; Link: https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/zinsaenderungsrisiko\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Wir zeigen anhand konkreter ETFs, wie sich Zinserh\u00f6hungen auf die Asset-Klasse Anleihen auswirken.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7070,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9,8],"tags":[15,14,42],"class_list":["post-7051","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ratgeber","category-risikomanagement","tag-anleihen","tag-zinsen","tag-zinsstruktur"],"yoast_head":"\nAnleihen und Zinsen \u2013\u00a0ein Auffrischer<\/strong><\/span><\/h2>\n
ETFs in unserem Vergleich<\/strong><\/span><\/h2>\n
\n
\n(b) Bonit\u00e4t (Kreditw\u00fcrdigkeit)
\n(c) W\u00e4hrung (Wechselkurs).<\/p>\n
<\/p>\n
<\/p>\nSo what?! \u2013 Implikationen f\u00fcr Anleger<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nFazit<\/strong><\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n
Literatur<\/strong><\/span><\/h2>\n