{"id":6404,"date":"2021-12-10T00:00:13","date_gmt":"2021-12-09T23:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=6404"},"modified":"2026-05-27T16:26:16","modified_gmt":"2026-05-27T14:26:16","slug":"rebalancing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/rebalancing\/","title":{"rendered":"Rebalancing: Vorteile, Methoden, Prinzipien"},"content":{"rendered":"

Von Gerd Kommer<\/a> und\u00a0Jonas Schweizer<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n

Im Kontext von passivem Investieren versteht man unter Rebalancing die periodische Wiederherstellung der urspr\u00fcnglich gew\u00e4hlten Portfoliostruktur (Asset-Allokation), nachdem sich diese durch unterschiedliche Renditeentwicklung der einzelnen Portfoliokomponenten verschoben hat \u2013 eine Situation, die im Zeitablauf zwangsl\u00e4ufig eintritt und normal ist. Nachfolgend erl\u00e4utern wir die wichtigsten Aspekte von Rebalancing. Wir tun das im Wege der Beantwortung von acht Fragen zu Rebalancing.<\/p>\n

In diesem Blog-Post stellen wir die Rebalancing-Standardmethode dar. Neben dem Standardansatz existiert allerdings noch ein modifizierter RB-Ansatz, der in der Fachliteratur selten behandelt wird, der aber f\u00fcr viele Anleger eine attraktive RB-Alternative sein kann. Diesen modifizierten Ansatz nennen wir „Safe-Asset-Floor-Rebalancing“ (SAF-RB). Auf ihn gehen wir in einem gesonderten Blog-Beitrag ein (siehe hier<\/a><\/u>). Wer sich erstmalig mit Theorie und Praxis von Rebalancing befasst, sollte sich u. E. zun\u00e4chst den vorliegenden Text zur Standardmethode lesen und sich erst danach mit der SAF-RB-Variation befassen.<\/em><\/p>\n

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(1) Weswegen ist Rebalancing sinnvoll?<\/span><\/h2>\n

Die folgende Tabelle zeigt hierzu ein Ein-Perioden-Beispiel f\u00fcr ein simples Portfolio mit drei gleich gewichteten Einzelbestandteilen und einem gesamten Anlagebetrag von 100 Euro. Die unterschiedliche individuelle Rendite der drei Portfoliokomponenten in der Betrachtungsperiode f\u00fchrt zu einer deutlichen Verschiebung der Asset-Allokation zwischen dem Beginn der Periode und ihrem Ende.<\/p>\n

Tabelle 1: Illustration der Notwendigkeit von Rebalancing<\/strong><\/span><\/p>\n

\"\"<\/p>\n

\u25ba Zahlen kaufm\u00e4nnisch gerundet.<\/span><\/p>\n

Das Zahlenbeispiel in Tabelle 1 illustriert, dass alle drei Portfoliokomponenten nach Ablauf des Jahres gegen\u00fcber der urspr\u00fcnglichen Portfoliostruktur unter- bzw. \u00fcbergewichtet sind. Bei Komponente A h\u00e4lt sich die relative Ver\u00e4nderung noch in relativ moderaten Grenzen. Die zumindest bei B und C recht starken Verschiebungen der Gewichtung sind hingegen kritisch zu sehen, da sie das Risikoprofil des Gesamtportfolios materiell ver\u00e4ndern. Die risikoreichste Portfoliokomponente hat nun ein Gewicht von 41% (vorher 33,3%) \u2013 eine Zunahme von mehr als einem F\u00fcnftel (22%). Im Gegenzug ist das Gewicht der beiden risiko\u00e4rmeren Komponenten zusammen um 22% gesunken.<\/p>\n

Da risikoreiche Asset-Klassen langfristig h\u00f6here Renditen aufweisen als risikoarme Asset-Klassen, werden die risikoreichen Portfolioteile bei einem Verzicht auf Rebalancing (nachfolgend der K\u00fcrze halber „RB“) \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum \u00a0ein steigendes Gewicht im Portfolio einnehmen \u2013 so wie im Rechenbeispiel in Tabelle 1. Dadurch wird das Portfolio ohne RB \u00e0 la longue<\/em> immer risikoreicher \u2013 und ertragreicher.<\/p>\n

Die Krux bei solchen Situationen: Der Anleger registriert zwar die „Evolution“ des Portfolios weg von seiner einmal bewusst gew\u00e4hlten Ausgangsstruktur, ist aber oft genug geneigt, das zu tolerieren, weil er annimmt, es k\u00f6nne doch nicht richtig sein, „ausgerechnet jetzt“ die in der unmittelbaren Vergangenheit gut gelaufenen Anlagen nun teilweise zu verkaufen und die schlecht gelaufenen aufzustocken. F\u00fcr manchen noch schwerer zu ertragen: Jetzt wegen Rebalancing Steuern auf realisierte Gewinne zu zahlen.<\/p>\n

Kurz- oder mittelfristig k\u00f6nnte nat\u00fcrlich auch das Gegenteil geschehen: Die risikoreichen Portfoliokomponenten produzieren Verluste, also deutlich schlechtere Renditen als die risikoarmen Komponenten \u2013 beispielsweise in einem Aktien-Crash. (Die Einstufung „risikoreich“ kommt ja nicht von ungef\u00e4hr.) In diesem Fall ist das Portfolio durch die negative Markteinwirkung vorw\u00e4rts gerichtet risiko\u00e4rmer\/sicherer und renditeschw\u00e4cher geworden.<\/p>\n

In diesem Szenario \u2013 wenn die risikoreichen\/renditestarken Portfoliokomponenten stark negative Renditen hatten \u2013 fehlt vielen Anlegern der Mut nun risikoarme Portfolioteile zu ver\u00e4u\u00dfern und in die soeben eingebrochenen risikoreichen Komponenten umzuschichten. Das impliziert auch, dass RB eben nicht immer hei\u00dft, das Portfolio risiko\u00e4rmer zu machen, es kann auch das Gegenteil hei\u00dfen, risikoreicher und ertragreicher.<\/p>\n

Rebalancing bedeutet ganz allgemein, die origin\u00e4re hier urspr\u00fcnglich drittlige, Zielstruktur wiederherzustellen, weil es diese origin\u00e4re Struktur ist, die die Pr\u00e4ferenz des Anlegers im Sinne der erwarteten Rendite-Risikokombination korrekt widerspiegelt.<\/p>\n

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(2) Was sind die Vorteile, was die Nachteile von Rebalancing?<\/span><\/h2>\n

Der wichtigste Grund f\u00fcr und Vorteil von RB ist das, was bereits anhand des Zahlenbeispiels in Tabelle 1 angedeutet wird: RB sorgt daf\u00fcr, dass der Risikograd eines Portfolios sich nicht zu weit von der vom Anleger bewusst gew\u00e4hlten Gr\u00f6\u00dfenordnung entfernt. RB ist also in erster Linie ein Risikomanagement-Instrument und dieser Risikomanagement-Aspekt sollte letztlich der alleinige oder jedenfalls der ma\u00dfgebliche Grund sein, RB durchzuf\u00fchren.<\/p>\n

Daneben bringt RB aber auch \u2013 je nach Betrachtungsweise wie wir gleich sehen werden \u2013 einen Renditevorteil. Innerhalb von Asset-Klassen mit etwa derselben erwarteten Rendite, also Asset-Klassen \u00e4hnlichen Risikos, erh\u00f6ht RB langfristig die j\u00e4hrliche Rendite auf Portfolioebene zwischen 0,1 bis 0,4 Prozentpunkte, w\u00e4hrend das Risiko sich kaum ver\u00e4ndert oder sogar minimal sinkt. Dieser Effekt wird in der Literatur „Rebalancing-Bonus“ oder „Diversifikationsrendite“ genannt. \u00dcber ein „Anlegerleben“ von rund 35 Jahren bedeuten 0,4 Prozentpunkte mehr Rendite einen Zugewinn von rund 15% beim Verm\u00f6gensendwert.<\/p>\n

Wie erkl\u00e4rt sich der RB-Bonus? Bez\u00fcglich der m\u00f6glichen Renditeverbesserung resultiert er daraus, dass er die Regression zum Mittelwert<\/em> [1]<\/strong> ausbeutet, sowie m\u00f6glicherweise auch in milder Form den Value- und den Size-Effekt. RB ist eine Anwendung des Prinzips von Buy Low, Sell High. Manche sprechen im Zusammenhang mit RB auch von „antizyklischem Investieren“ (Contrarian Investing<\/em>). Das ist allerdings insofern etwas ambivalent, weil kontrarisches Investieren (eine Form aktiven Investierens) neben Gemeinsamkeiten mit RB auch viele Unterschiede zu diesem aufweist.<\/p>\n

Nahezu jede grunds\u00e4tzlich vorteilhafte Entscheidung beim Investieren bringt auch mindestens einen Nachteil mit sich. Das gilt auch f\u00fcr RB. (Die ber\u00fchmte einzige Ausnahme vom „No-Free-Lunch-Prinzip“ bei der Verm\u00f6gensanlage ist Diversifikation.) Die drei Hauptnachteile von RB sind:<\/p>\n

(a) Zwischen Portfoliokomponenten mit deutlich unterschiedlichen erwarteten Renditen (z. B. Aktien und kurzfristigen High Quality-Anleihen \u2013 also dem risikoreichen und dem risikoarmen Portfolioteil) reduziert RB langfristig die Portfoliorendite gegen\u00fcber reinem, „radikalen“ Buy-and-Hold. Wer einen Augenblick lang nachdenkt, wird erkennen warum. Dessen ungeachtet f\u00fchrt RB auch in diesem Fall zu einer tendenziellen Erh\u00f6hung der risikogewichteten Rendite in Form der Sharpe Ratio. [2]<\/strong><\/p>\n

Betrachtet man hierzu zwei entgegengesetzte „Verschiebungsszenarien“ der Asset-Allokation gilt Folgendes: In einer Aktien-Crash-Situation wird RB die Rendite auf kurze bis mittlere Sicht deutlich erh\u00f6hen. \u00dcber die Zeitperiode eines Aktien-Crashs und seiner unmittelbar nachfolgenden Erholung ist RB auf mittlere Sicht normalerweise besonders rentabel, da man damit die g\u00fcnstig bewertete Asset-Klasse Aktien vor Beginn der Erholung nachkauft. [3]<\/strong> Zugleich erfordert RB in diesem Moment viel Disziplin und Nervenst\u00e4rke. Beides fehlt den meisten Privatanlegern in dieser Situation. „Rebalancing im Crash“ \u00fcberfordert mental viele Anleger und unterbleibt daher leider.<\/p>\n

In einem langen Bullenmarkt (das ist das andere Verschiebungsszenario) wird RB die Rendite gegen\u00fcber Nichtstun dagegen senken.<\/p>\n

In der „Totalperiode“ (25+ Jahre) \u00fcberwiegt wahrscheinlich der Senkungseffekt. (Trotzdem finden sich im Internet zahlreiche Publikation von „Praktikern“ \u2013 nicht von Wissenschaftlern \u2013, die einen generell renditeerh\u00f6henden Effekt von Rebalancing behaupten. Leider falsch. Hinter solchen Behauptungen steckt entweder Unwissen oder der Wunsch, auf diese Weise Kunden zu gewinnen.<\/p>\n

(b) Kosten und Steuern: RB, soweit es im Wege von Umschichtungen geschieht (dazu weiter unten mehr), verursacht Transaktionskosten f\u00fcr Verkaufen und Kaufen von Investments, die ein „radikaler Buy-and-Hold-Ansatz“ ohne RB nicht hat. Erfreulicherweise sind diese Kosten gering, wenn man es richtig anstellt. RB produziert ferner einen kleinen Steuernachteil, da es den von zu vielen Privatanlegern \u00fcbersehenen steuerlichen Barwerteffekt durch Buy-and-Hold<\/a> minimal reduziert.<\/p>\n

(c) Arbeitsaufwand: RB verursacht naturgem\u00e4\u00df auch Arbeitsaufwand. Wenngleich dieser Nachteil erw\u00e4hnenswert ist, d\u00fcrfte er selten sehr hoch wiegen, da der Aufwand alles in allem verkraftbar gering ist. Sofern es sich nicht um ein Do-it-Yourself-Portfolio handelt, entf\u00e4llt das Argument ganz.<\/p>\n

Die RB-Arbeit erleichtern kann man sich durch Nutzung eines web-basierten RB-Rechners. Im Internet finden sich mehrere kostenlose RB-Tools, mit denen man f\u00fcr eine gegebene Depotstruktur leicht ermitteln kann, was die Zielbetr\u00e4ge in einer gegebenen Situation f\u00fcr ein Depot sind. (Man kann das nat\u00fcrlich auch mit einer selbst gebastelten Excel-Tabelle herausfinden.) Googeln Sie einfach die Worte „extraETF rebalancing-rechner“ oder „finanzfluss rebalancing-rechner“.<\/p>\n

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(3) Welche Rebalancing-Methoden existieren?<\/span><\/h2>\n

Grunds\u00e4tzlich existieren drei verschiedene RB-Techniken oder Methoden. Eine vierte besteht in der Kombination der drei individuellen Techniken.<\/p>\n

(a) Kalenderbasiertes RB: Hierbei wird an einem fixen Zeitpunkt, beispielsweise alle zw\u00f6lf oder alle 24 Monate RB durch Umschichtung (Verk\u00e4ufe und K\u00e4ufe) vorgenommen.<\/p>\n

(b) B\u00e4nderbasiertes RB: Ein Zahlenbeispiel: Bei einer gegebenen Asset-Allokation bleibt man im Falle von Verschiebungen in der Asset-Allokation, wie sie in Tabelle 1 dargestellt werden, so lange unt\u00e4tig, bis mindestens eine Asset-Klasse ihre Zielallokation bspw. um 20% (Prozent, nicht Prozentpunkte) \u00fcber- oder unterschreitet (siehe unterste Zeile Tabelle 1) \u2013 das RB-Band hat also eine Weite von plus\/minus 20%. Soll eine Portfoliokomponente beispielsweise ein anf\u00e4ngliches Gewicht (Zielgewicht) von 40% haben, w\u00fcrde das bedeuten, dass sich diese Portfoliokomponente zwischen 32% und 48% bewegen darf (40% \u00d7 20% = 8%). Erst eine Verschiebung \u00fcber das Band hinaus l\u00f6st eine Umschichtung aus.<\/p>\n

Kalenderbasiertes und b\u00e4nderbasiertes RB sind die zwei Varianten von „Umschichtungs-RB“. Ihnen steht Cash-Flow-basiertes RB gegen\u00fcber.<\/p>\n

(c) Cash-Flow-basiertes RB: Die meisten Haushalte befinden sich in Bezug auf ihr Portfolio in einem von zwei Zust\u00e4nden: Entweder sie f\u00fchren dem Portfolio im Zeitablauf regelm\u00e4\u00dfig oder unregelm\u00e4\u00dfig per Saldo neue Mittel zu (Portfolioaufbauphase) oder sie entnehmen dem Portfolio im Zeitablauf Mittel (Portfolionutzungs- oder -abbauphase). Ersteres ist tendenziell bei jungen Haushalten der Fall, letzteres tendenziell bei Ruhest\u00e4ndlern. Mit anderen Worten, die Mehrzahl aller Portfolios sind in diesem Sinne „dynamisch“ in Abgrenzung zu „statisch“. Aus Rebalancing-Perspektive ist es erfreulich, weil sich diese Cash-Flows nutzen lassen, um kostenlos und steuerneutral laufendes RB zu betreiben. Bei Portfoliozuf\u00fchrungen, indem man die neuen Mittel stets in die am meisten untergewichteten Portfoliokomponenten lenkt; bei Portfolioentnahmen, indem man Komponenten, deren Gewicht gestiegen ist, stets zuerst verkauft. Hier sind also, anders als bei den beiden vorgenannten Methoden (Kalendermethode und B\u00e4ndermethode), keine<\/em> Umschichtungen mit den damit verbundenen Nachteilen (Kosten, Steuern) erforderlich. Die CF-Methode, sofern sie im konkreten Anlegerfall m\u00f6glich ist, ist im Prinzip gegen\u00fcber den beiden o. g. Umschichtungsmethoden immer zu bevorzugen, denn CF-basiertes RB verursacht keine Transaktionskosten oder Steuerzahlungen (bei Verk\u00e4ufen), die nicht ohnehin stattfinden w\u00fcrden. In diesem spezifischen Sinne ist RB hier kostenlos und (bei Verk\u00e4ufen) steuerneutral. Auch Fondssparpl\u00e4ne und fixe Auszahl-\/Entnahmepl\u00e4ne (sofern das eine oder das andere bei einem Anleger existiert) sollten stets f\u00fcr CF-basiertes RB verwendet werden, indem man beispielsweise alle zw\u00f6lf\u00a0Monate den Plan so umstellt, dass die RB-Wirkung erzielt wird.<\/p>\n

(d) Mischmethode: Alle drei vorgenannten Methoden k\u00f6nnen miteinander kombiniert werden. In einem Portfolio, dem im Zeitablauf Mittel regelm\u00e4\u00dfig oder unregelm\u00e4\u00dfig zugef\u00fchrt oder entnommen werden, kann CF-basiertes RB mit einer der beiden Umschichtungsmethoden oder mit beiden verbunden werden. Priorit\u00e4t hat jedoch grunds\u00e4tzlich CF-basiertes RB, weil es de facto kostenlos und steuerneutral ist. Bei einem relativ zu den monatlichen Sparleistungen oder Portfolioentnahmen sehr gro\u00dfen Portfolio und\/oder in einer B\u00f6rsen-Crash-Situation, kann es allerdings sein, dass die absehbaren Cash-Inflows oder Cash-Outflows nicht ausreichen, um realistischerweise das Portfolio \u00fcber einen Zeitraum von maximal 36 Monaten wieder nahe genug an die Zielallokation zur\u00fcckzubringen. In diesem Fall muss eine der beiden Umschichtungsmethoden ran, auch wenn das ung\u00fcnstige Konsequenzen bez\u00fcglich Transaktionskosten und eventuell Steuerliquidit\u00e4t hat. Das deutet darauf hin, dass RB \u00fcber Cash-Flows gewisserma\u00dfen „allm\u00e4hliches“ Rebalancing sein kann und zumeist ist, nicht vollst\u00e4ndiges RB „auf einen Schlag“.<\/p>\n

In gewisser Weise existiert noch eine f\u00fcnfte, grunds\u00e4tzlich andere Methode, die wir Safe Asset-Floor-Rebalancing (SAF-RB) nennen. Auf dieses gehen wir im vorliegenden Blog-Post nicht ein, weil SAF-RB nicht „markt\u00fcblich“ ist und sich fundamental vom hier dargestellten, universell verbreiteten RB-Standardansatz unterscheidet. Mit SAF-RB befassen wir uns in einem gesonderten Blog-Beitrag hier<\/a><\/u>.<\/em><\/p>\n

Bei allen drei oben dargestellten individuellen Methoden k\u00f6nnte man noch differenzieren zwischen „Rebalancing exakt zum Ziel“ oder „Rebalancing zum n\u00e4chstliegenden \u00e4u\u00dferen Rand des Bandes“. (Falls man kalenderbasiertes RB praktizieren will, muss man in diesem Fall auch dabei ein Band definieren.) Wenn man nur zum n\u00e4chstliegenden \u00e4u\u00dferen Rand des Bandes, statt „exakt zum Ziel“ rebalanciert, dann kann man die Transaktionskosten vielleicht noch einmal etwas reduzieren, weil geringere Anlagevolumina gekauft und verkauft werden.<\/p>\n

Ferner muss man zumindest gedanklich noch differenzieren zwischen zwei unterschiedlich wichtigen RB-Ebenen \u2013 Level 1 und Level 2. Level 1 ist die oberste Asset-Allokationsebene zwischen dem risikoreichen, renditestarken Portfolio Teil und dem risikoarmen, renditearmen Teil. Level 2, darunter, ist die Asset-Allokation innerhalb<\/em> dieser beiden Portfolioteile. RB auf Level 1 ist bedeutsamer und hat h\u00f6here Priorit\u00e4t als auf Level 2. Bei Level 2 kann man im Interesse der Transaktionskostenminimierung gegebenenfalls l\u00e4nger warten (Kalendermethode) oder breitere B\u00e4nder definieren (B\u00e4ndermethode), sofern man diese zus\u00e4tzliche Komplexit\u00e4t (Differenzierung zwischen diesen beiden Levels) im eigenen RB-Ansatz nicht scheut.<\/p>\n

F\u00fcr Privatanleger, die im Do-it-Yourself-Modus anlegen, d\u00fcrfte kalenderbasiertes RB einfacher umzusetzen sein als b\u00e4nderbasiertes RB.<\/p>\n

Nachfolgend zur Vervollst\u00e4ndigung des Zahlenbeispiels in Tabelle 1 die jeweiligen Rebalancing-Betr\u00e4ge, wenn man eine der beiden Umschichtungsmethoden und sofortiges, vollst\u00e4ndiges RB unterstellt (kein Cash-Flow-RB).<\/p>\n

Tabelle<\/strong> 2: <\/strong>Umschichtungsbetr\u00e4ge zum Zahlenbeispiel aus Tabelle 1<\/strong><\/span><\/p>\n

\"\"<\/p>\n

\u25ba Zahlen kaufm\u00e4nnisch gerundet. \u25ba Ohne Ber\u00fccksichtigung etwaiger Steuereffekte.<\/span><\/p>\n

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(4) Was sagt die Wissenschaft \u00fcber die Vor- und Nachteile der einzelnen Rebalancing-Methoden?<\/span><\/h2>\n

Mit der akademischen Literatur \u00fcber RB k\u00f6nnte man eine kleine Bibliothek f\u00fcllen. Die Quintessenz aus wohl mehreren Hundert akademischen Studien zu RB: Der Nutzen und die Vorteile von RB sind ausreichend klar und gro\u00df, dass RB f\u00fcr alle Anleger angeraten ist.<\/p>\n

Da, wo CF-basiertes RB m\u00f6glich ist, sollte stets diese Methode maximal genutzt werden, weil sie keine relevanten Transaktionskosten oder Steuernachteile verursacht.<\/p>\n

Welche der beiden Umschichtungsmethoden oder welche Kombination der Methoden nach<\/em> der CF-Methode die Beste ist, l\u00e4sst sich nicht eindeutig bestimmen. In jedem konkreten historischen Zeitfenster liefert eine bestimmte Methode oder Methodenkombination die besten Ergebnisse. Allerdings sind die Renditeunterschiede zwischen den einzelnen Methoden zumeist eher moderat. In Ausnahmef\u00e4llen k\u00f6nnen w\u00e4hrend kurzer Zeitfenster auch gro\u00dfe Unterschiede auftreten, die sich sp\u00e4ter und auf lange Sicht vermutlich wieder nivellieren.<\/p>\n

Auf alle F\u00e4lle sagt die Wissenschaft, dass die Wirksamkeitsunterschiede zwischen den zwei Umschichtungsmethoden insgesamt zu gering und zu unprognostizierbar sind, als dass man zwischen den beiden Methoden einen klaren Favoriten ausmachen k\u00f6nnte.\u00a0Das schlie\u00dft zwei Schl\u00fcsselaspekte der Umschichtungsmethoden mit ein: Bei der Kalendermethode, wie h\u00e4ufig RB stattfinden sollte, bei der B\u00e4nder-Methode, wie eng die B\u00e4nder sein sollten. Schlussendlich br\u00e4uchte man 500 oder 1.000 Jahre historische Kapitalmarktdaten, um zu einer verl\u00e4sslichen Bestimmung der „einen, besten Methode“ zu gelangen. Wir verf\u00fcgen aber nur \u00fcber etwa 100 Jahre Daten hinreichender Qualit\u00e4t. Ergo spielt es keine Rolle, welche spezifische Methode man verwendet, solange man eine bestimmte w\u00e4hlt und einigerma\u00dfen sauber umsetzt.<\/p>\n

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(5) Wie h\u00e4ufig sollte Rebalancing stattfinden?<\/span><\/h2>\n

Generell gilt hier f\u00fcr die beiden Umschichtungsmethoden: Gerade so h\u00e4ufig, dass Transaktionskosten und Arbeitsaufwand auf der einen Seite in einem sinnvollen Verh\u00e4ltnis mit der Risikomanagementwirkung von RB auf der anderen Seite stehen. Bei der Kalendermethode bedeutet das, vermutlich maximal einmal j\u00e4hrlich und vielleicht sogar nur alle 24 oder 36 Monate (nach M\u00f6glichkeit diszipliniert immer im gleichen Monat). Bei der B\u00e4ndermethode w\u00e4hlt man die B\u00e4nder so, dass Transaktionskosten und Risikomanagementwirkung in einem gesunden Verh\u00e4ltnis zueinander stehen. Pragmatisch k\u00f6nnte man aus Privatanlegersicht sagen 20%. Bei einer 30%-Portfoliokomponente entspr\u00e4che das plus\/minus sechs Prozentpunkten. Bei der CF-basierten Methode stellt sich die Frage der H\u00e4ufigkeit nicht, weil man einfach jeden hinreichend gro\u00dfen Cash-Flow f\u00fcr RB-Zwecke nutzt, ganz egal, wann immer er stattfindet.<\/p>\n

Alles in allem wird deutlich, dass man aus der Wahl der spezifischen RB-Methode und ihrer konkreten Umsetzung keine Religion machen sollte im Sinne eines einzigen, allein seligmachenden Ansatzes und seiner hochpr\u00e4zisen Umsetzung. Es kommt weniger darauf an, dass man die formulierten Regeln sklavisch eng einh\u00e4lt, sondern, (a) dass man \u00fcberhaupt RB durchf\u00fchrt und (b) dass man RB nicht zu aktivem Spekulieren durch die Hintert\u00fcr missbraucht. RB sollte ein regelbasierter, mechanischer, emotionsloser, prognosefreier, disziplinierter Prozess sein \u2013 kein spekulatives Market Timing oder aktives antizyklisches Investieren.<\/p>\n

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(6) Wie passt Rebalancing mit dem Buy-and-Hold-Prinzip zusammen?<\/span><\/h2>\n

Selbstverst\u00e4ndlich bedeutet RB eine Abweichung von „reinem, radikalen Buy-and-Hold“. Buy-and-Hold repr\u00e4sentiert ein zentrales Kernelement prognosefreien passiven Investierens, aber vollkommen passives Investieren im Wortsinne existiert sowieso nicht. Buy-and-Hold sollte niemals verstanden werden als ein borniertes „ich darf niemals \u2013 auch nicht regelgebunden und intelligent \u2013 Anpassungen in meinem Portfolio vornehmen.“ (Manche Kritiker von Buy-and-Hold, die verzweifelt nach Schw\u00e4chen in dieser smarten Anlagephilosophie suchen, schie\u00dfen gegen diese unrealistische Karikatur von Buy-and-Hold.)<\/p>\n

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(7) Hei\u00dft Rebalancing immer zur urspr\u00fcnglichen Asset-Allokation zur\u00fcckzukehren?<\/span><\/h2>\n

Nein, hei\u00dft es nicht. Wenn sich die Risikotoleranz oder allgemeiner formuliert, die pr\u00e4ferierte Rendite-Risikokombination eines passiven Anlegers\/Haushaltes \u00e4ndert, dann wird sich im Normalfall auch seine Level-1-Asset-Allokation \u00e4ndern. Die \u00c4nderung der Risikotoleranz kann viele Ursachen haben und wird im Laufe eines Anlegerlebens vermutlich mehrfach geschehen. Hier ein paar typische Ausl\u00f6ser: Das Verm\u00f6gen des Anlegers und\/oder seine Absicht weiter berufst\u00e4tig zu sein (also sein Humankapital) \u00e4ndern sich entweder pl\u00f6tzlich oder ganz allm\u00e4hlich durch Erbschaft, Schenkung, Lotteriegewinn, Immobilienfinanzierung, Unternehmensverkauf, Heirat, Ehescheidung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Unfall, Lebenskrise, weltanschauliche Umorientierung, Emigration ins Ausland, staatliche Ma\u00dfnahmen, den ganz banalen Alterungsprozess und, und, und.<\/p>\n

Rebalancing sollte solche \u00c4nderungen der aktuellen Ziel-Asset-Allokation nat\u00fcrlich mitber\u00fccksichtigen. Das impliziert auch, dass nicht zwangsl\u00e4ufig zur unmittelbar vorhergehenden Asset-Allokation zur\u00fcckbalanciert werden muss.<\/p>\n

 <\/p>\n

(8) Macht Rebalancing auch Sinn f\u00fcr aktiv gemanagte Portfolios?<\/span><\/h2>\n

Nein, letztlich nicht. Obwohl vor allem in angels\u00e4chsischen Bereich vielfach das Wort Rebalancing<\/em> oder to rebalance<\/em> im Kontext aktiver Anlagestrategien verwendet wird, hat RB, so wie es in diesem Beitrag dargestellt wird, mit aktivem Investieren wenig oder nichts zu tun. Ein aktiver Anleger entscheidet seine Asset-Allokation im Prinzip laufend und „opportunistisch“ oder „taktisch“ neu in Abh\u00e4ngigkeit von der fortw\u00e4hrenden \u00c4nderung der Umst\u00e4nde und seiner Einsch\u00e4tzung derselben. In einem solchen Setting w\u00e4re RB jedenfalls im Sinne eines regelbasierten Prozesses widersinnig.<\/p>\n

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Fazit<\/span><\/h2>\n

Rebalancing ist ein integraler Bestandteil des rationalen Passiv-Investieren-Ansatzes. RB l\u00e4sst sich auf der Basis einiger simpler, pragmatischer Regeln durchf\u00fchren oder \u2013 wenn man will \u2013 nach einem recht anspruchsvollen Algorithmus, sofern dieser im Vorhinein jede Eventualit\u00e4t abdecken soll. In beiden F\u00e4llen ist das Zauberwort jedoch dasselbe: Disziplin<\/em>. RB sollte in allererster Linie als Risiko-Management gesehen werden, nicht als ein Versuch die Rendite kurz- oder mittelfristig zu steigern. CF-basiertes Rebalancing ist kostenloses Rebalancing und daher besonders attraktiv. Aus Anlegerperspektive ist Rebalancing ein Ausdruck von „ich selbst sitze im Driver Seat, nicht der Markt mit seinen kurz- und mittelfristig in alle denkbaren Richtungen ausschlagenden Kapriolen.“<\/p>\n

Mit einem abgewandelten RB-Ansatz \u2013 Safe-Asset-Floor-RB \u2013 befassen wir uns in einem einem gesonderten Blog-Beitrag (hier<\/a><\/u>). <\/em><\/p>\n

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Endnoten<\/b><\/span><\/h2>\n

[1] <\/strong>Regression zum Mittelwert: In Bezug auf Investmentrenditen die statistische Tendenz, dass auf \u00fcberdurchschnittliche Renditen in einer Teilperiode (z. B. zwei Jahre), eine Teilperiodenrendite folgt, die n\u00e4her am Durchschnitt liegt (umgekehrt bei unterdurchschnittlichen Teilperiodenrenditen). Salopp und etwas unscharf formuliert: Die Tendenz zum Mittelwert (siehe Artikel „Regression zur Mitte“ in der dt. Wikipedia).<\/p>\n

[2]<\/strong> Sharpe Ratio: Eine Kennzahl, die die „risikogewichtete“ oder „risikoadjustierte“ Rendite eines Investments ausdr\u00fcckt. In der einfachsten Form wird die Sharpe Ratio berechnet, indem die Durchschnittsrendite (arithmetischer Durchschnitt) \u00fcber eine Gesamtperiode (z. B. zehn Jahre)\u00a0 durch die Standardabweichung der Einzelperiodenrenditen dividiert wird. Salopp formuliert: Die Rendite pro Risikoeinheit.<\/p>\n

[3]<\/strong> Wann diese Erholung nach dem RB nachhaltig einsetzen wird, ist im Moment des RBs naturgem\u00e4\u00df unklar.<\/p>\n

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Literaturhinweise<\/span><\/h2>\n

Arnott, Amy (2020): „Why Rebalancing (Almost Always) Pays Off“; 06.06.2020; Morningstar; Internet-Fundstelle: https:\/\/www.morningstar.com\/articles\/990564\/why-rebalancing-almost-always-pays-off<\/p>\n

Chambers, Donald\/John Zdanowicz (2014): „The Limitations of Diversification Return“; In: The Journal of Portfolio Management; Vol. 40; No. 4; 2014<\/p>\n

Dichtl, Hubert\/Wolfgang Drobetz\/Martin Wambach (2014): „Testing Rebalancing Strategies for Stock-Bond Portfolios Across Different Asset Allocations“; In: Applied Economics; September 2015; Vol. 48; No. 9; pp. 1-17<\/p>\n

Ilmanen, Antti\/Thomas Maloney (2015): „Portfolio Rebalancing, Part 1 of 2: Strategic Asset Allocation“; Dec. 2015; AQR; Internet-Fundstelle: https:\/\/www.aqr.com\/Insights\/Research\/White-Papers\/Portfolio-Rebalancing-Part-1-Strategic-Asset-Allocation<\/p>\n

Kiskiras, John\/Andrea Nardon (2013): „Portfolio Rebalancing: A stable source of alpha?“; 23.01.2013; Internet-Fundstelle: https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2202736<\/p>\n

McNamee, Jenna\/Thomas Paradise\/Maria Bruno (2019): „Getting back on track: A guide to smart rebalancing“; 10.04.2019; Vanguard; Internet-Fundstelle: https:\/\/advisors.vanguard.com\/insights\/article\/IWE_InvResBkOnTrkGdeSmrtRblncng<\/p>\n

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