{"id":3311,"date":"2019-11-01T00:00:10","date_gmt":"2019-10-31T23:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=3311"},"modified":"2026-02-24T09:16:48","modified_gmt":"2026-02-24T08:16:48","slug":"gold-als-investment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/gold-als-investment\/","title":{"rendered":"Gold als Investment \u2013 braucht man das?"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und Alexander Weis<\/a><\/em><\/p>\n Hinweis: Dieser Beitrag wurde im Februar 2026 aktualisiert.<\/em><\/p>\n Am Anfang jedes Nachdenkens \u00fcber Rendite und Risiko einer Asset-Klasse sollte eine Betrachtung ihrer historischen Rendite und ihres historischen Risikos stehen. Generell gilt dabei die Regel, so weit zur\u00fcckzugehen, wie es Datenqualit\u00e4t und -verf\u00fcgbarkeit zulassen. Im Falle von Gold reichen diese Renditen zwar \u00fcber 200 Jahre oder sogar noch l\u00e4nger zur\u00fcck, doch besteht hier eine Ausnahme: Renditedaten von vor den 1970er-Jahren sollten ignoriert werden, denn vor 1971 war Gold in den USA, Gro\u00dfbritannien und vielen anderen L\u00e4ndern die De-facto-W\u00e4hrung; will hei\u00dfen, dass die nationalen W\u00e4hrungen den gr\u00f6\u00dften Teil der Zeit w\u00e4hrend dieser 200 Jahre eine gesetzlich vorgeschriebene, feste Austauschrelation zu Gold besa\u00dfen \u2013 der sogenannte Goldstandard. <\/p>\n Der Goldpreis in den W\u00e4hrungen Dollar, Pfund, Yen, Franken usw. wurde somit vom Staat festgesetzt, schwankte also nicht frei nach Angebot und Nachfrage, wie das heute der Fall ist. Wenn Gold und Geld (das gesetzliche Zahlungsmittel) das Gleiche sind, kann Gold naturgem\u00e4\u00df gemessen in dieser W\u00e4hrung nur eine Rendite von (nahe) null haben, also weder eine nennenswert positive noch eine negative. (Dass Gold auch zu Zeiten des Goldstandards im 18. und 19. Jahrhundert eine leicht positive inflationsbereinigte Rendite hatte, hing damit zusammen, dass der Goldstandard von den Herrschenden immer wieder manipuliert wurde.)<\/p>\n Der (klassische) Goldstandard wurde, je nach Land, zwischen 1914 und 1933 abgeschafft (zu unterschiedlichen Zeitpunkten je nach Land). \u00dcber den klassischen Goldstandard und speziell, warum er wahrscheinlich das damalige Wirtschaftswachstum bremste, haben wir einen eigenen wirtschaftsgeschichtlichen Blog-Beitrag<\/a><\/u> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n 1944 als das Ende des 2. Weltkriegs absehbar war kam es zur Einf\u00fchrung des sogenannten Bretton-Woods-W\u00e4hrungssystems, in dem nur der US-Dollar einen fixen Goldpreis besa\u00df. [1]<\/span><\/strong> Da die meisten anderen westlichen W\u00e4hrungen im Bretton-Woods-Regime einen von der Zentralbank des jeweiligen Landes festgelegten „halbfesten“ Wechselkurs gegen\u00fcber dem US-Dollar besa\u00dfen, besa\u00dfen auch diesen W\u00e4hrungen eine „weiche“ Bindung an den Goldwert. Es bestand also ein Quasi-Goldstandard oder „verw\u00e4sserter“ Goldstandard, da formell nur eine einzige W\u00e4hrung an Gold gekn\u00fcpft war, und da die US-Regierung den Golddeckungsgrad der US-Dollar-Geldmenge (z. B. 100% oder 75% oder weniger) weder fix festlegte noch jemals ver\u00f6ffentlichte. <\/p>\n Das Bretton-Woods-System wurde von der US-Regierung im August 1971 einseitig beendet und damit die Goldpreisbindung des Dollars aufgehoben. Mit der nun endg\u00fcltigen Abschaffung des (Quasi-)Goldstandards \u00e4nderten sich die Spielregeln f\u00fcr Gold im Sinne eines Investments grundlegend, denn von da an schwankte der Goldpreis frei und bewegte sich erstmalig nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt. F\u00fcr Gold als Verm\u00f6gensanlage markierte der August 1971 damit das, was Statistiker einen Strukturbruch nennen.<\/p>\n Wer diese Argumentation akzeptiert, f\u00fcr den beginnen die aus Investmentsicht relevanten Preisschwankungen von Gold fr\u00fchestens im September 1971. Vor diesem Datum waren die realen Goldrenditen weit niedriger als danach. Von 1792 bis August 1971 (180 Jahre) sank der reale Goldpreis in USD um durchschnittlich 0,4% pro Jahr \u2013 das entspricht einem kumulativen Preisr\u00fcckgang von \u00fcber 50%. Ab September 1971 zogen die Goldrenditen im Vergleich zu den vorhergehenden 180 Jahren stark an.<\/p>\n Allerdings d\u00fcrfte auch der September 1971 kein wirklich gut geeignetes Startdatum f\u00fcr ein historisches Gold-Rendite-Benchmarking gegen andere Asset-Klassen sein. Die US-Regierung und auch einige andere westliche Staaten lie\u00dfen erst ab Anfang 1975 privaten Goldbesitz ihrer B\u00fcrger wieder zu. Zwischen 1934 und Ende 1974 hatte in den USA ein vierzigj\u00e4hriges „Goldverbot“ f\u00fcr Privathaushalte bestanden. [2]<\/span><\/strong> In allen damals sozialistischen Staaten, einschlie\u00dflich Russland, China und Indien, blieb das Goldverbot noch lange nach 1971 bestehen. China und Indien sind bis heute die zwei L\u00e4nder mit der gr\u00f6\u00dften Goldnachfrage weltweit. Die Goldnachfrage aus diesen beiden Staaten ist in den meisten Jahren f\u00fcnf bis zehnmal so gro\u00df wie die Goldnachfrage von amerikanischen K\u00e4ufern.<\/p>\n Jahrzehntelange Verbote privaten Goldbesitzes hatte es im 20. Jahrhundert in praktisch allen westlichen L\u00e4ndern \u2013 Demokratien und Diktaturen gleicherma\u00dfen \u2013 einschlie\u00dflich Deutschland gegeben. Die rechtlichen Konsequenzen einer Verletzung dieser Verbote waren zum Teil drakonisch; so konnte in Deutschland privater Goldbesitz im Dritten Reich mit dem Tod bestraft werden. \u00c4hnliche Grausamkeiten galten jahrzehntelang in Russland und anderen sozialistischen Staaten. Auch die demokratische Weimarer Republik f\u00fchrte 1923 eine Zwangsabgabe auf Gold in Privatbesitz ein. Das nationalsozialistische Goldverbot wurde in der Bundesrepublik 1955 beseitigt.<\/p>\n In den gut drei Jahren, die zwischen der Beendigung des Quasi-Goldstandards (Bretton-Woods-System) im August 1971 und der Legalisierung von Privatbesitz an Gold in den USA im Dezember 1974 lagen, stieg der reale Goldpreis in USD um 238% oder 44,2% p. a. Man kann wohl sagen, dass in dieser Phase strukturell abnormale und damit nicht repr\u00e4sentative Sonderbedingungen herrschten, die sich so nicht wiederholen werden. Nach 40 Jahren Goldverbot hatte sich bei der US-Bev\u00f6lkerung und in anderen L\u00e4ndern, einem riesigen K\u00e4ufersegment, eine R\u00fcckstaunachfrage gebildet und die schon vorher absehbare Freisetzung trug ma\u00dfgeblich zum drastischen Preisanstieg in den dreieinhalb Jahren bis Ende 1974 bei.<\/p>\n Deshalb sollte eine historische Goldrenditeanalyse, soweit man aus ihr belastbare Erkenntnisse f\u00fcr die Zukunft ableiten will, eigentlich nur die Zeit nach 1974 ber\u00fccksichtigen, denn erst ab 1975 hatten sich die Verh\u00e4ltnisse hinreichend normalisiert. Eine Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen \u2013 wenn diese in ihrer Datenanalyse weiter als 20 bis 30 Jahre zur\u00fcckgehen \u2013 verwendet aus diesen Gr\u00fcnden den Januar 1975 als Startzeitpunkt ihrer empirischen Datenanalyse, wenn es um f\u00fcr die Zukunft potenziell relevante historische Goldrenditen geht, so z. B. Erb\/Harvey 2024, Erb\/Harvey 2025 oder Lohre\/van Vliet 2024. [3]<\/span><\/strong><\/p>\n Abbildung 1 zeigt den inflationsbereinigten Goldpreis in USD, also den den Goldpreis in heutigem Geld (heutiger Kaufkraft).<\/p>\n Abbildung 1: Die Entwicklung des inflationsbereinigten indexierten Goldpreises in USD von 1975 bis 2025 (51 Jahre)<\/strong><\/span><\/p>\n In Erg\u00e4nzung zu Abbildung 1 fasst die folgende Tabelle einige Kennzahlen zu Rendite und Risiko im Vergleich zu Aktien zusammen.<\/p>\n Tabelle 1: Rendite und Risiko von Gold und Aktien im Vergleich \u2013 in USD, real von 1975 bis 2025 (51 Jahre)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Ohne Steuern und Kosten. \u25ba Inflationsbereinigte Renditen. \u25ba Volatilit\u00e4t = Annualisierte Standardabweichung der Monatsrenditen. \u25ba Daten: Gold Council, MSCI, Dimensional Fund Advisors.\u00a0<\/span><\/p>\n Manchem Leser m\u00f6gen die in der Tabelle gezeigten Goldrenditen \u00fcberraschend niedrig anmuten, doch das sind die langfristigen Fakten.<\/p>\n Einen historischen Renditevergleich von Gold, Silber, Platin und Palladium haben wir in einem gesonderten Blog-Beitrag<\/u><\/a> angestellt.<\/p>\n Nachfolgend gehen wir noch auf dreizehn andere wichtige Fragen rund um Gold als Investment ein:<\/p>\n (1) \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Was ist der „wahre“ oder „faire“ Wert von Gold? <\/p>\n Zu Frage 1: Was ist der „wahre“ oder „faire“ Wert von Gold? <\/strong><\/p>\n Ob der aktuelle Goldpreis hoch oder tief, \u00fcber- oder unterbewertet ist, l\u00e4sst sich kaum beurteilen, denn anders als Aktien, Anleihen und Immobilien, erzeugt Gold keine Cashflows (Zahlungsstr\u00f6me) und hat damit keinen theoretisch bestimmbaren „fundamentalen Barwert“ oder \u2013 anders formuliert \u2013 hat einen „intrinsischen Wert von null“. Bei einem normalen Cashflow-produzierenden Asset wird der fundamentale Wert mit der so genannten Discounted-Cash-Flow-Methode ermittelt, indem zuk\u00fcnftige (gesch\u00e4tzte) Zahlungsstr\u00f6me auf heute abgezinst werden. [4]<\/span><\/strong> Bei Gold ist das nicht m\u00f6glich. Kennzahlen, die bei Aktien, Anleihen und Immobilien routinem\u00e4\u00dfig f\u00fcr die grobe Einsch\u00e4tzung einer etwaigen \u00dcber- oder Unterbewertung der Asset-Klasse oder eines einzelnen Investments verwendet werden, existieren f\u00fcr Gold nicht.<\/p>\n Auch hat Gold keine nennenswerte industrielle Verwendung wie alle anderen Rohstoffe.<\/p>\n Die Kennzahlen, die manche Gold-Bugs (\u00fcberzeugte Gold-Fans) verwenden, um angeblich hohe oder tiefe Bewertung von Gold anzuzeigen, kommen \u00fcberwiegend aus dem Kuriosit\u00e4tenkabinett der technischen Analyse und sind wertlos.<\/p>\n Zu Frage 2: L\u00e4sst sich der Goldpreis hinreichend zuverl\u00e4ssig prognostizieren? <\/strong><\/p>\n Nein. Wer das k\u00f6nnte, w\u00e4re schon l\u00e4ngst m\u00e4rchenhaft reich. Der Goldmarkt ist, genauso wie der Aktienmarkt, ein sehr informationseffizienter Markt. Wer versucht, den Goldpreis zu spekulativen Zwecken zu prognostizieren, bewegt sich damit in der Welt des reinen Gl\u00fccksspiels \u2013 einem Gl\u00fccksspiel mit hohen Teilnahmekosten (Transaktionskosten) und einem unattraktiven statistischen Erwartungswert.<\/p>\n Zu Frage 3: Wird der Goldpreis von Zentralbanken oder Staaten manipuliert? <\/strong><\/p>\n Das ist eine Verschw\u00f6rungstheorie, die so evidenzlos und so einf\u00e4ltig ist, dass man sich nicht n\u00e4her mit ihr besch\u00e4ftigen muss. Trotzdem gibt es in der Gold-Bug-Gemeinde eine Minderheit, die sie glaubt. In unserem Blog-Beitrag (hier<\/u><\/a>) gehen wir n\u00e4her auf diese Frage ein.<\/p>\n Zu Frage 4: Sch\u00fctzt Gold vor Inflation? <\/strong><\/p>\n Gold sch\u00fctzt schlecht gegen kurz- und mittelfristige Erh\u00f6hungen der Inflation \u2013 genauso schlecht wie Aktien, Immobilien, langfristige Staats- und Unternehmensanleihen, Kryptow\u00e4hrungen und Sammlerobjekte. All diese Asset-Klassen sind schlechte Inflation Hedges<\/em>, d. h. die kurzfristige Korrelation von Gold mit der Inflation (z. B. auf der Basis monatlicher oder j\u00e4hrlicher Intervalle) liegt nahe bei null und ist nur unwesentlich h\u00f6her als die von Aktien.<\/p>\n Auf sehr lange Sicht sch\u00fctzen alle<\/em> oben genannten Asset-Klassen vor Inflation in dem Sinne, dass sie sehr langfristig h\u00f6here Nominalrenditen haben als die Inflation.<\/p>\n Gold w\u00e4re allerdings wahrscheinlich eine n\u00fctzliche Depotbeimischung, wenn es zu einer l\u00e4nger anhaltenden galoppierenden Inflation oder Hyperinflation k\u00e4me. Mit galoppierender Inflation ist hier eine mindestens hohe einstellige j\u00e4hrliche Inflationsrate \u00fcber einen Zeitraum von drei Jahren oder l\u00e4nger gemeint.<\/p>\n Generell sind Rohstoffe (pr\u00e4zise formuliert Rohstoff-ETFs) und inflationsindexierte Anleihen mit kurzer Restlaufzeit wesentlich bessere kurzfristige Inflation Hedges als Gold.<\/p>\n Zu Frage 5: Hat es eine echte Relevanz, dass „Papiergeldw\u00e4hrungen“ relativ zu Gold immer weiter abwerten? <\/strong><\/p>\n Zun\u00e4chst ist festzustellen, dass alle W\u00e4hrungen in den letzten 100 Jahren 90% oder mehr ihrer Kaufkraft gegen\u00fcber Konsumg\u00fctern eingeb\u00fc\u00dft haben (sofern die betreffende W\u00e4hrung schon so lange besteht). Das gilt f\u00fcr den US-Dollar, f\u00fcr den Schweizer Franken, f\u00fcr das britische Pfund, f\u00fcr die norwegische Krone, f\u00fcr den australischen Dollar \u2013 ganz einfach f\u00fcr alle W\u00e4hrungen. Spielt das eine \u00f6konomisch relevante Rolle? Nein, tut es nicht, vorausgesetzt die Kaufkraft der Haushalte aus ihrem inflationsbereinigten Haushaltseinkommen steigt und genau das ist diesen 100 Jahren in dramatischer Weise der Fall gewesen.<\/p>\n Das Wirtschaftswachstum pro Kopf fast aller westlichen L\u00e4nder war sogar in den rund 100 Jahren nach<\/em> der Abschaffung des klassischen Goldstandards (zw. 1914 und 1932, je nach Land) h\u00f6her<\/em> als in den 100 Jahren vor der Abschaffung des Goldstandards (siehe dazu auch unser gesonderter Blog-Beitrag zum Goldstandard<\/a><\/u>).<\/p>\n Dass eine Geldeinheit (z. B. ein US-Dollar oder ein Schweizer Franken) heute betr\u00e4chtlich weniger Goldeinheiten (z. B. Unzen Gold) wert ist, ist aus Investmentsicht gleicherma\u00dfen irrelevant. Genau dasselbe gilt auch f\u00fcr eine Geldeinheit gegen\u00fcber Aktien, Anleihen und Immobilien. Und selbst, wenn eine bestimmte Papiergeldw\u00e4hrung in den letzten 100 Jahren keinerlei Inflation erlebt h\u00e4tte, w\u00fcrde man damit heute drastisch weniger Gold kaufen k\u00f6nnen. Das ist eine mathematische Begleiterscheinung des banalen Falls, dass das betreffende Asset \u00fcber den fraglichen Zeitraum eine positive Realrendite hatte.<\/p>\n Zu Frage 6: Was bedeutet es, dass in Gold gerechnet ein gehobener Herrenanzug heute das Gleiche kostet wie vor 3.000 Jahren?<\/strong><\/p>\n Dieses kuriose Ph\u00e4nomen wird in der Literatur \u00fcber Gold als „Golden Constant“ bezeichnet (siehe z. B. Erb u.a. 2017) und von manchen Gold-Bugs als irgendwie sehr wichtig eingestuft. Vermutlich ist die goldene Konstante ganz einfach Zufall. Auf alle F\u00e4lle hat sie keine \u00f6konomische Bedeutung. Auf die Tauschrelation zwischen Gold und anderen Konsum- oder Produktionsg\u00fctern w\u00e4hrend der letzten 3.000 Jahre oder der letzten 150 Jahre w\u00fcrde der Sachverhalt (eine konstante Tauschrelation) nicht zutreffen. Oder andersherum: Es lie\u00dfen sich solche \u00fcber einen historisch langen Zeitraum auf den ersten Blick seltsam konstanten Tauschrelationen auch zwischen einer bestimmten Menge von Immobilien oder Aktien oder Staatsanleihen (oder dem j\u00e4hrlich durchschnittlichen Einkommen aus diesen) und irgendeinem Konsum- oder Produktionsgut X finden, sofern man seine Zeit mit einer Suche danach vergeuden m\u00f6chte. The Golden Constant ist ein \u00f6konomischer Jux, ein lustiger Datenartefakt ohne wirtschaftlichen Informationsgehalt. Weil das so ist, sagt die goldene Konstante auch nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t von Gold als Investment aus.<\/p>\n Zu Frage 7: Ist Gold eine W\u00e4hrung?<\/strong><\/p>\n In einem Interview im September 2023 sagte Christian Rauch, Vorstandschef von Degussa, dem gr\u00f6\u00dften deutschen Goldhandelsunternehmen, „Gold ist eine phantastische W\u00e4hrung, die extrem wertbehaltend ist“. Dass Gold eine W\u00e4hrung sei, wird auch im Internet und vielen Gold Bugs behauptet. Dennoch ist diese Aussage v\u00f6lliger Unsinn und sie wird auch nicht durch noch so h\u00e4ufige Wiederholung wahr. Gold war einmal eine W\u00e4hrung als es den Goldstandard noch gab, ist es aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Gold ist heute in keinem einzigen der rund 195 Staaten der Welt gesetzliches Zahlungsmittel und keine einzige W\u00e4hrung der Welt ist goldgedeckt, weder teilweise noch ganz. Ebenso wenig wird Gold f\u00fcr Zahlungstransaktionen eingesetzt. Dass Gold in einem mikroskopisch kleinen Anteil aller Billionen von Zahlungsvorg\u00e4ngen, die jedes Jahr auf diesem Planeten stattfinden, der Gl\u00e4ubiger dem Schuldner freiwillig<\/u><\/em> gestattet, dessen Verbindlichkeit in Gold zu begleichen \u2013 also faktisch und juristisch ein Tauschgesch\u00e4ft mit ihm eingeht \u2013 macht Gold nicht zu einer W\u00e4hrung. Wer das behauptet, sagt zugleich, dass jedes<\/em> Tauschgesch\u00e4ft eine W\u00e4hrung schaffen kann \u2013 eine absurde These. Wenn Herr Schulze sein Reihenhaus im Wert von 400.000 Euro an Herrn Maier \u00fcbertr\u00e4gt und Herr Maier seine Schuld durch die \u00dcbertragung eines Ferraris im Wert von 400.000 an Herrn Schulze begleicht, ist der Ferrari deswegen noch keine W\u00e4hrung. Das Gleiche gilt f\u00fcr Gold. Es wird nicht dadurch zu W\u00e4hrung, dass es in seltenen F\u00e4llen im Rahmen von Tauschgesch\u00e4ften zur Begleichung von Verbindlichkeiten eingesetzt wird. Auch das Zentralbanken Gold halten, macht Gold nicht zu einer W\u00e4hrung. Zentralbanken halten ihr Verm\u00f6gen (ihre „Reserven“) auch in Aktien, Anleihen und anderen Assets. Sie alle werden dadurch aber nicht zur „W\u00e4hrung“.<\/p>\n Zu Frage 8: K\u00f6nnte der Goldstandard in Zukunft wieder eingef\u00fchrt werden?<\/strong><\/p>\n Die Wahrscheinlichkeit daf\u00fcr in der \u00fcberschaubaren Zukunft (z. B. den n\u00e4chsten zehn Jahren), bewegt sich unseres Erachtens im subatomaren Bereich, weil die Bef\u00fcrworter des Goldstandards in Politik, Wissenschaft und Zentralbanken eine verschwindende Minderheit sind. Und wenn es dazu k\u00e4me, ginge diese Wiedereinf\u00fchrung vermutlich mit einem vorherigen Goldverbot f\u00fcr private Haushalte einher.<\/p>\n Zu Frage 9: Ist Gold ein „US-Dollar-Asset“? <\/strong><\/p>\n Gemeint ist, dass der Dollarwechselkurs zu anderen W\u00e4hrungen den Goldpreis strukturell beeinflusst, in dem Sinne, dass ein schwacher Dollar tendenziell einen steigenden Goldpreis bewirkt und ein starker Dollar einen fallenden Goldpreis. Diese Denke ist ohne Wenn und Aber falsch, auch wenn dieser Nonsens jeden Tag irgendwo auf der Welt von einem „Experten“ neu verbreitet wird. Gold und die meisten Rohstoffe h\u00e4ngen \u00f6konomisch mit \u00fcberhaupt keiner bestimmten W\u00e4hrung zusammen.<\/p>\n Dass der Goldpreis weltweit \u00fcberwiegend in Dollar quotiert wird ist nur eine Konvention, hat jedoch keine fundamentale \u00f6konomische Substanz; genauso wenig wie Entfernungen davon abh\u00e4ngen, ob sie in Meilen oder Kilometern angegeben werden. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Gold in britischem Pfund quotiert.<\/p>\n Gold w\u00e4re nur dann ein US-Dollar-Asset, wenn ein sehr gro\u00dfer, dominierender Teil der j\u00e4hrlichen globalen Produktion und Nachfrage aus den USA stammte. Das ist nicht der Fall. Im Durchschnitt der letzten Jahre betrug der US-Produktionsanteil lediglich rund sieben Prozent. Die Nr. 1 bei der Produktion ist \u2013 mit gro\u00dfem Abstand \u2013 China. Auch bei der Nachfrage rangieren die USA mit gro\u00dfem Abstand hinter China und Indien.<\/p>\n Wenn eine W\u00e4hrung X relativ zu einem Korb der wichtigsten Weltw\u00e4hrungen aufwertet, dann hat das \u2013 unter sonst gleichen Umst\u00e4nden \u2013 immer<\/em> den Effekt, dass der Goldpreis in der W\u00e4hrung X geringer rentiert als in den anderen W\u00e4hrungen. Dieses Ph\u00e4nomen hat rein gar nichts zu tun mit dem US-Dollar, sondern ist eine mathematische Trivialit\u00e4t. Dieser Arithmetik-Effekt w\u00fcrde genauso auf Aktien, Eisenerz oder Hosenkn\u00f6pfe zutreffen.<\/p>\n W\u00e4re Gold ein USD-Asset m\u00fcsste die Volatilit\u00e4t des Goldpreises in Dollar deutlich niedriger sein als in anderen W\u00e4hrungen. Das ist aber nicht der Fall. In Wirklichkeit ist die Volatilit\u00e4t des Goldpreises \u00fcber aussagekr\u00e4ftige Zeitr\u00e4ume von 10+ Jahren in verschiedenen W\u00e4hrungen (z. B. USD, Euro, CHF, Yen) nahezu identisch.<\/p>\n Gold hat keine bestimmte W\u00e4hrung. Es ist ein „globales“, w\u00e4hrungsunabh\u00e4ngiges Asset, wie Bitcoin, wie ein gemischter Rohstoff-Index oder der MSCI World Aktienindex. W\u00e4hrungsunabh\u00e4ngige Assets haben ihren „\u00f6konomischen Motor“ (Herstellung, Angebot und Nachfrage) nicht in einem einzelnen, bestimmten W\u00e4hrungsraum, sondern in vielen W\u00e4hrungsr\u00e4umen. Globale, w\u00e4hrungsunabh\u00e4ngige Assets erkennt man \u2013 neben der soeben geschilderten Sachlogik \u2013 daran, dass ihre Volatilit\u00e4t \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume gemessen in unterschiedlichen W\u00e4hrungen etwa gleich hoch ist. Dennoch kann sich die nominale Rendite von Gold in unterschiedlichen W\u00e4hrungen in kurzen aber auch l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen (nicht prognostizierbar) deutlich unterscheiden.<\/p>\n Zu Frage 10: <\/strong>Sch\u00fctzt Gold in Megakatastrophen? <\/strong><\/p>\n Die wissenschaftliche Literatur ist hier zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen (exemplarisch Baur u.a. 2010, Bulut u.a. 2019, Gomis-Porqueras u.a. 2020, Lohre\/van Vliet 2024).<\/p>\n In den beiden gr\u00f6\u00dften Katastrophen in den letzten 120 Jahren, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, fiel der Goldpreis in US-Dollar.<\/p>\n Auf alle F\u00e4lle k\u00f6nnten \u00dcberlegungen in diese Richtung sowieso nur \u00fcberzeugen, wenn man dem Auftreten einer „Megakatastrophe“ in den n\u00e4chsten Jahren eine relativ hohe Wahrscheinlichkeit zuordnet. Mit Megakatastrophe sind bspw. der Dritte Weltkrieg, ein gr\u00f6\u00dferer Krieg in Westeuropa, der Staatskonkurs von Deutschland, der chaotische Zusammenbruch der Eurozone oder eine mehrj\u00e4hrige galoppierende Inflation in der Eurozone gemeint. Wir sch\u00e4tzen die Wahrscheinlichkeit dieser „Schwerstkrisenszenarien“ aus heutiger Sicht als sehr niedrig und unser Wissen \u00fcber ihre denkbare Auspr\u00e4gung als zu vage ein. <\/p>\n Zu Frage 11: Verbessert Gold als Beimischung die Rendite eines Aktienportfolios?<\/strong><\/p>\n Das ist unklar. \u00dcber den Zeitraum von 1975 bis 2025 verschlechterte eine Goldbeimischung von 10% die Rendite eines global diversifizierten Aktienportfolios. In den letzten 15 Jahren hingegen half die Gold-Beimischung bei der Rendite und sogar substanziell. <\/p>\n Immerhin: Gold als Beimischung (z. B. 10% in einem Aktien-Gold-Portfolio) reduziert das Risiko des Aktienportfolios ein wenig (Volatilit\u00e4t, Maximum Drawdown), da Gold und Aktien eine niedrige Korrelation aufweisen (siehe Tabelle 1).<\/p>\n Zu Frage 12: Hat Gold steuerliche Vorteile relativ zu Aktien oder Anleihen?<\/strong><\/p>\n In Deutschland ja, wenn man es im Privatverm\u00f6gen h\u00e4lt. In den meisten anderen Steuerjurisdiktionen wohl eher nein.<\/p>\n Zu Frage 13: Sind die Aktien von Goldminenunternehmen ein guter Ersatz f\u00fcr ein Investment in physisches Gold?<\/strong><\/p>\n Nein. Solche Aktien haben zwar langfristig h\u00f6here Renditen als Gold (wie die Asset-Klasse Aktien allgemein), ihre Rendite korreliert aber nur vergleichsweise schwach mit Gold und hat damit einen abweichenden Grundcharakter. Goldminenaktien sind „mehr Aktien als Gold“ (siehe speziell zu diesem Thema auch unser YouTube-Video<\/a><\/u>).<\/p>\n <\/p>\n Seit der Goldpreis ab etwa 1975 frei am Markt schwankt, hat Gold alles in allem eine passable Rendite, aber eben auch schlechtere Rendite als Aktien produziert \u2013 bei eher h\u00f6herem Risiko. Vor 1975 war die Rendite von Gold niedriger, ist aber irrelevant, weil Gold damals kein Investment-Asset, sondern die Grundlage (Deckung) von gesetzlichen Zahlungsmitteln war. Dementsprechend bestanden vor 1975 bzw. vor 1971 v\u00f6llig andere Bedingungen f\u00fcr die Goldpreisentwicklung als heute.<\/p>\n \u00dcber Gold kursieren unter „Goldexperten“ und oberfl\u00e4chlichen Finfluencern erstaunlich viele schr\u00e4ge Fabeln, z. B., dass es auch heute noch eine W\u00e4hrung sei, dass es ein US-Dollar-Asset sei, dass der Goldpreis von Staaten systematisch manipuliert werde, dass der Goldpreis langfristig nur steigen k\u00f6nne, da die Goldmenge auf dem Planeten Erde physisch begrenzt sei und manche andere merkw\u00fcrdige These.<\/p>\n Aus unserer Sicht ist Gold kein zwingender Bestandteil eines Privatanlegerportfolios, ausgenommen vielleicht (a) f\u00fcr Haushalte, die f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre eine „Megakatastrophe“ (siehe Erl\u00e4uterung weiter oben) f\u00fcr nennenswert wahrscheinlich halten und\/oder (b) f\u00fcr Haushalte, die erwarten, dass die Inflation im eigenen W\u00e4hrungsraum in der absehbaren Zukunft f\u00fcr drei Jahre oder l\u00e4nger im hohen einstelligen Bereich oder noch h\u00f6her liegen wird.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Siehe Artikel „Bretton-Woods-System“<\/a><\/u> in der deutschen Wikipedia. <\/p>\n [2]<\/strong> Siehe Artikel „Goldverbot“<\/a><\/u> in der deutschen Wikipedia.<\/p>\n [3]<\/strong> Aus unserer Sicht sind Erb\/Harvey vielleicht die weltweit f\u00fchrenden wissenschaftlichen Forscher zu Gold als Investment. <\/p>\n [4]<\/strong> Siehe Artikel „Discounted Cash-Flow“<\/a><\/u> in der deutschen Wikipedia.<\/p>\n <\/p>\n Baur, Dirk\/McDermott, Thomas (2010): „Is Gold a Safe Haven? International evidence“; In: Journal of Banking & Finance; Vol. 34; Issue 8; August 2010<\/p>\n Bulut, Levent\/Rizvanoghlu, Islam (2019): „Is Gold a Safe Haven? International Evidence revisited“; 20.01.2019; Internet-Fundstelle hier<\/a><\/p>\n Erb, Claude\/Campbell, Harvey (2013): „The Golden Dilemma“; In: Financial Analysts Journal, July\/August, Vol. 69; No. 42; 2013<\/p>\n Erb, Claude\/Campbell, Harvey (2017): „The Golden Constant“; In: The Journal of Investing; Spring 2017<\/p>\n Erb, Claude\/Campbell, Harvey\/Tadas, Viskanta (2020): „Gold, the Golden Constant, and D\u00e9j\u00e0 Vu“; In: Financial Analyst Journal; Vol. 76; No. 4; 2020<\/p>\n Erb, Claude\/Harvey, Campbell (2024): „Is There Still a Golden Dilemma?“, 7 May 2024; Internet-Fundstelle hier<\/a><\/u><\/p>\n Erb, Claude\/Campbell, Harvey (2025): „Understanding Gold“, 10 Dec. 2025; Internet-Fundstelle hier<\/a><\/u><\/p>\n Gomis-Porqueras, Pedro u. a. (2020): „Gold as a Financial Instrument“; 20.08.2020; Internet-Fundstelle: hier<\/a><\/u><\/p>\n Lohre, Harald; van Vliet, Pim (2024): „The golden rule of investing“; In: Journal of Alternative Investments, Volume 26, Issue 3; Winter 2024; Internet-Fundstelle: hier<\/a><\/u><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" In diesem Beitrag befassen wir uns mit Gold als m\u00f6glicher Beimischung in Privatanlegerportfolios.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3310,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[87,41,39,40],"class_list":["post-3311","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asset-klassen","tag-aktualisiert","tag-edelmetalle","tag-gold","tag-rohstoffe"],"yoast_head":"\n
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\n(2) \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0L\u00e4sst sich der Goldpreis hinreichend zuverl\u00e4ssig prognostizieren?
\n(3) \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Wird der Goldpreis von Zentralbanken oder Staaten manipuliert?
\n(4)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Sch\u00fctzt Gold vor Inflation?
\n(5)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Hat es eine echte Relevanz, dass „Papiergeldw\u00e4hrungen“ relativ zu Gold immer weiter abwerten?
\n(6)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Was bedeutet es, dass in Gold gerechnet ein gehobener Anzug heute das Gleiche kostet wie vor 3.000 Jahren?
\n(7)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Ist Gold eine W\u00e4hrung?
\n(8)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0K\u00f6nnte der Goldstandard in Zukunft wieder eingef\u00fchrt werden?
\n(9)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Ist Gold ein „US-Dollar-Asset“?
\n(10) \u00a0\u00a0 Sch\u00fctzt Gold in Megakatastrophen?
\n(11) \u00a0\u00a0 Verbessert Gold als Beimischung die Rendite eines Aktienportfolios?
\n(12) \u00a0\u00a0 Hat Gold steuerliche Vorteile relativ zu Aktien oder Anleihen?
\n(13)\u00a0\u00a0\u00a0 Sind die Aktien von Goldminenunternehmen ein guter Ersatz f\u00fcr ein Investment in physisches Gold?<\/p>\nFazit<\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/span><\/h2>\n
Literatur<\/span><\/h2>\n