{"id":3195,"date":"2019-10-04T00:00:59","date_gmt":"2019-10-03T22:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=3195"},"modified":"2026-05-27T14:16:25","modified_gmt":"2026-05-27T12:16:25","slug":"vermietungsimmobilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/vermietungsimmobilien\/","title":{"rendered":"Sind Vermietungs­immobilien attraktive Verm\u00f6gens­anlagen?"},"content":{"rendered":"

Von Alexander Weis<\/a>\u00a0und\u00a0Gerd Kommer<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n

Knapp 60% der gut 24 Millionen vermieteten Wohnungen in Deutschland geh\u00f6ren Privatpersonen oder „Kleinvermietern“, wie das Statistische Bundesamt jene Vermieter nennt, die das Wohnimmobilienvermietungsgesch\u00e4ft nur in bescheidenem Stil betreiben \u2013 durch die nicht hauptberufliche Vermietung von nur einer oder wenigen Wohneinheiten. Die anderen etwa zehn Millionen Mietwohnungen stehen im Eigentum professionell-gewerblicher Anbieter, darunter des gr\u00f6\u00dften, der Vonovia SE mit Sitz in D\u00fcsseldorf. Die Vonovia ist ein b\u00f6rsennotiertes Immobilienunternehmen, Mitglied des DAX-Index und bewirtschaftet rund 500.000 Mietwohnungen, die ihr \u00fcberwiegend selbst geh\u00f6ren.<\/p>\n

Angesichts des hohen Anteils privater Vermieter in Deutschland k\u00f6nnte man annehmen, dass die Vermietung von Wohnimmobilien durch Private, also Kleinvermieter ein lukratives Gesch\u00e4ft sei. An die vier Millionen privater Immobilieninvestoren k\u00f6nnen schlie\u00dflich nicht irren. Oder vielleicht doch?<\/p>\n

Niemand wird bezweifeln, dass der Zweck einer vermieteten Immobilie aus der Sicht des Vermieters darin besteht, eine zufriedenstellende Rendite zu erwirtschaften, die in einem vern\u00fcnftigen Verh\u00e4ltnis zum Risiko des Investments steht. Allerdings bestehen Zweifel daran, ob private Kleinvermieter diese zufriedenstellende Rendite im Durchschnitt tats\u00e4chlich erzielen. Die seit Einsetzen der Wohnimmobilieneuphorie in Deutschland ab etwa 2013 nicht mehr z\u00e4hlbaren Ratgeberb\u00fccher zum Thema „reich werden mit Immobilien“ \u00e4ndern an dieser Einsch\u00e4tzung nichts. Besonders auff\u00e4llig ist bei Ratgeberb\u00fcchern und Internet-Seiten zum Vermietungsgesch\u00e4ft f\u00fcr Privathaushalte die v\u00f6llige Abwesenheit ernstzunehmender Daten zu historischen Renditen und Risiken. Viele von diesen Ver\u00f6ffentlichungen fallen in die Kategorie „Investmentpornographie“ wie beispielsweise „Reicher als die Geissens: Mit null Euro Startkapital in f\u00fcnf Jahren zum Immobilien-Million\u00e4r“, „Das Einmaleins der Immobilien-Investition: Warum Immobilien so ph\u00e4nomenal lukrativ sind“ oder „In 180 Tagen zum Immobilienprofi“.<\/p>\n

Solche Ich-mache-Sie-reich-Botschaften und -B\u00fccher ergie\u00dfen sich immer dann flutartig auf den Anlegermarkt, nachdem eine bestimmte Asset-Klasse ein paar \u00fcberdurchschnittlich gute Jahre in Folge erlebt hat. Anfang der 90er-Jahre waren es steuerlich getriebene „Bauherrenmodelle“ in den neuen Bundesl\u00e4ndern, Ende der 90er-Jahre Technologie- und Internetaktien, von 2008 bis 2012 war es Gold und heute sind es (wieder) Wohnimmobilien. Konsumiert werden diese Get-rich-quick-Publikationen und die zugrundeliegenden Investitionen \u00fcberwiegend nachdem der gr\u00f6\u00dfte Teil des Booms bereits vor\u00fcber ist und ein Einstieg auf teurerem und damit auch risikoreicherem und ertrags\u00e4rmerem Niveau stattfindet. F\u00fcr die Sp\u00e4teinsteiger materialisierte sich dieses Risiko b\u00f6se in den erstgenannten drei Beispielen ab Mitte der 90er Jahre (Bauherrenmodelle), ab Anfang 2000 (Technologieaktien) und ab Anfang 2013 (Gold).<\/p>\n

Zur\u00fcck zu vermieteten Wohnimmobilien: Bei Wohnungen und Einfamilienh\u00e4usern gibt es zwar immer mal wieder ein tats\u00e4chlich einzigartiges und daher au\u00dferhalb des Wettbewerbs stehendes Objekt. Die allermeisten Immobilien konkurrieren jedoch gegen viele dutzende, hunderte, manchmal auch tausende andere Objekte und werden dementsprechend auf einem wettbewerbsintensiven Markt gehandelt. Wirtschaftsstudenten lernen im Grundstudium: Der Preis eines Gutes in einem funktionierenden Markt tendiert in Richtung des Preises des Kostenf\u00fchrers, also dem g\u00fcnstigsten Preis auf dem Markt. Alle teureren Anbieter m\u00fcssen dem g\u00fcnstigsten Anbieter preislich nach unten folgen, andernfalls wird ihr Gut nicht oder nicht vollst\u00e4ndig abgenommen \u2013 das ist auch auf dem Wohnungsmarkt nicht anders. Der Kostenf\u00fchrer diktiert den Marktpreis und auf dem Mietwohnungsmarkt sind das die gewerblichen Vermieter \u2013 nicht die privaten. Warum?<\/p>\n

Ganz einfach, die gewerblichen Vermieter besitzen aufgrund des gegen\u00fcber dem privaten Kleinvermieter viel gr\u00f6\u00dferen Volumens ihrer Immobilienk\u00e4ufe und ihrer Immobilienbewirtschaftung enorme Kostenvorteile. [1]<\/span><\/strong> Daher sind sie es, die tendenziell den Marktpreis (die Mieth\u00f6he) bestimmen, an der sich alle zu orientieren haben. Da M\u00e4rkte sich kontinuierlich ver\u00e4ndern und von keinem kleinen Marktteilnehmer beeinflussen lassen, k\u00f6nnen die privaten Vermieter in diesem Hase-Igel-Rennen nur mithalten, wenn sie sich im Vergleich zu gewerblichen Vermietern mit einer niedrigeren Rendite zufriedengeben.<\/p>\n

Bei allen nachfolgend genannten Einflussfaktoren, die die Anschaffungskosten und laufenden Kosten von Vermietungsimmobilien betreffen, haben gewerbliche Gro\u00dfvermieter betr\u00e4chtliche wirtschaftliche Vorteile gegen\u00fcber Kleinvermietern. In Einzelnen betrifft das:<\/p>\n