{"id":21708,"date":"2026-02-23T16:16:36","date_gmt":"2026-02-23T15:16:36","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=21708"},"modified":"2026-03-03T13:50:03","modified_gmt":"2026-03-03T12:50:03","slug":"edelmetalle-als-beimischung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/edelmetalle-als-beimischung\/","title":{"rendered":"Edelmetalle als Beimischung \u2013 macht das Sinn?"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Jakob Riemensperger<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n In den letzten zehn Jahren hatte Gold eine au\u00dferordentlich hohe Rendite, welche die ebenfalls historisch hohe Rendite des globalen Aktienmarktes noch deutlich \u00fcberstieg. Silber outperformte im zur\u00fcckliegenden Jahrzehnt sowohl Aktien als auch Gold. <\/p>\n Wenig \u00fcberraschend haben daher Medienberichte \u00fcber Gold und Silber als Investment j\u00fcngst stark zugenommen. <\/p>\n Ende Januar 2026 gab es bei Gold und Silber kurzzeitig einen Preiseinbruch von 15% und fast 40% bei Silber (gemessen in Euro). Beide Einbr\u00fcche waren aber nur eine kurze „Schrecksekunde“. Sie blieben bisher geringer als die Preissteigerungen in den drei Wochen davor.<\/p>\n Anlass genug f\u00fcr uns, in diesem Blog-Beitrag die Frage der Attraktivit\u00e4t von Gold und den aus Anlegersicht drei wichtigsten weiteren Edelmetallen \u2013 Silber, Platin und Palladium \u2013 zu untersuchen. Der Schwerpunkt unserer Analyse liegt dabei auf langfristigen historischen Daten, erg\u00e4nzt um zentrale sachlogische Argumente. <\/p>\n Wie wir sehen werden, liefert die parallele Analyse der vier investmentm\u00e4\u00dfig wichtigsten Edelmetalle nebeneinander interessante Einblicke und Erkenntnisse, die eine isolierte Betrachtung nur von Gold oder nur von Silber nicht geliefert h\u00e4tte. (F\u00fcr Gold individuell haben wir eine \u00e4hnliche Betrachtung inklusive Literaturauswertung bereits in einem fr\u00fcheren Blog-Beitrag<\/u><\/a> vorgenommen.) <\/p>\n Bevor wir mit der Darstellung der Renditedaten beginnen, hier noch einige allgemeine, vielleicht nicht jedem bekannte realwirtschaftliche Fakten zu den vier Edelmetallen:<\/p>\n Tabelle 1: Ausgew\u00e4hlte realwirtschaftliche Schl\u00fcsseldaten zu vier Edelmetallen<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Alle angegebenen Gewichtszahlen sind grobe Sch\u00e4tzungen aus einer Reihe unterschiedlicher Quellen. \u25ba [A] Das heute weltweit vorhandene, von Menschen bisher aus der Erdkruste entnommene Volumen („above ground stock pile“). \u25ba [B] In der Reihenfolge des Produktionsvolumens. \u25ba [C] In der Reihenfolge des Nachfragevolumens.<\/span><\/p>\n Insgesamt existieren 15 Edel- und Halbedelmetalle. Kurioserweise sind diese beiden Begriffe in verschiedenen Kulturkreisen und Sprachen gem\u00e4\u00df Wikipedia nicht genau deckungsgleich, umfassen also zum Teil unterschiedliche Metalle. <\/p>\n In der Anlegerpraxis nimmt Gold unter den Edelmetallen die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung ein, was niemanden \u00fcberraschen wird. Die in diesem Blog-Beitrag nicht weiter betrachteten neben Gold, Silber, Platin und Palladium elf anderen Edel- und Halbedelmetalle spielen im Investmentmarkt nur marginale Rollen. [1]<\/span><\/strong> <\/p>\n Institutionelle Investoren und Zentralbanken investieren im Wesentlichen nur in Gold und kaum oder gar nicht in Silber, Platin und Palladium. <\/p>\n Die Marktkapitalisierung der Edelmetalle ist im Vergleich zu derjenigen des Aktienmarktes und des Anleihenmarktes klein (siehe unterste Zeile von Tabelle 1). Am Jahresende 2025 hatte der globale Aktienmarkt eine Marktkapitalisierung von ca. $130.000 Mrd. (mehr als viermal so hoch wie die von Gold), der Anleihenmarkt eine von $140.000 Mrd. Bitcoin besa\u00df Ende 2025 eine Market Cap von etwa $1.700 Mrd. (etwa ein Prozent derjenigen des Aktienmarktes).<\/p>\n In die vier Edelmetalle kann man in Deutschland als Privatanleger bequem \u00fcber ETFs, genauer „ETCs“ (Exchange Traded Commodities), investieren. Der Vorteil von Edelmetall-ETCs relativ zu Direktinvestments sind geringere Transaktionskosten (Nebenkosten f\u00fcr Kauf und Verkauf) bei f\u00fcr Privatanleger normalen Investmentbetr\u00e4gen (Mengen). Ferner entfallen bei ETCs die Kosten f\u00fcr Schlie\u00dffachmiete und Versicherung. Au\u00dferdem bieten sie relativ zu Direktinvestments gr\u00f6\u00dfere Bequemlichkeit und eine h\u00f6here operative Sicherheit. Beispielsweise ist das Verlustrisiko durch Diebstahl oder Fahrl\u00e4ssigkeit im Falle von Edelmetall-ETCs geringer als bei Direktinvestments. Ebenso erfolgt der Handel schneller, was ein Rebalancing im Gesamtportfolio erleichtert. Die Kosten (Total Expense Ratios\/TERs) der g\u00fcnstigsten unter diesen ETCs sind vertretbar. Im Falle von Gold-ETCs sind sie besonders niedrig.<\/p>\n <\/p>\n Steuerlich werden Direktanlagen in alle vier Edelmetalle in Deutschland in der Privatanlegerkonstellation gleichbehandelt. Es besteht Steuerfreiheit nach einem Jahr Haltedauer („privates Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4ft“ nach \u00a7 23 EStG), beim Verkauf vor Ablauf von 12 Monaten kommt der normale Einkommensteuertarif zur Anwendung. <\/p>\n ETCs, die das jeweilige Edelmetall physisch halten und einen so genannten Auslieferungsanspruch beinhalten (was bei vielen, aber nicht allen in Deutschland vertriebenen Edelmetall-ETCs der Fall ist), werden einkommenssteuerlich bei Privatanlegern gleich vorteilhaft behandelt wie eine Direktanlage. <\/p>\n K\u00e4ufe von Direktanlagen durch Privatanleger bei Silber, Platin und Palladium sind (anders als bei Gold) umsatzsteuerpflichtig, sprich beim Kauf f\u00e4llt 19% Umsatzsteuer an. Diesen Nachteil haben Edelmetall-ETCs nicht. (Beim Verkauf von Direktanlagen muss ein Privatanleger keine Umsatzsteuer vom K\u00e4ufer verlangen.)<\/p>\n Silber, Platin und Palladium werden in gro\u00dfem Umfang industriell genutzt, sind also echte „Rohstoffe“, nicht nur reine Investments. Gold besitzt \u2013 abgesehen von seiner Verwendung als Schmuckmetall \u2013 praktisch keine gewerbliche Nutzung. Ob allerdings „Schmuck“ \u00fcberhaupt als „gewerbliche\/industrielle Verwendung“ einzustufen ist, darf man bezweifeln, da in den beiden Hauptnachfragel\u00e4ndern f\u00fcr Goldschmuck \u2013 Indien und China \u2013 dieser in der Bev\u00f6lkerung tendenziell die Rolle einnimmt, die Goldbarren und Goldm\u00fcnzen in westlichen L\u00e4ndern haben.<\/p>\n Alle drei industriell verwendeten Edelmetalle und auch Gold sind pro Gewichtseinheit so wertvoll, dass die einmal produzierten (gesch\u00fcrften) Mengen danach nicht mehr verschwinden (z. B. im M\u00fcll), sondern durch Recycling dauerhaft im Verkehr (Bestand) bleiben.<\/p>\n <\/p>\n Kommen wir zum Investmentaspekt. Abbildung 1 zeigt die inflationsbereinigten Wertsteigerungen der vier Edelmetalle und des MSCI World-Aktienindex \u00fcber die 49 Jahre von Anfang 1977 bis Ende 2025. Den Startzeitpunkt 1977 haben wir gew\u00e4hlt, weil monatliche Renditedaten f\u00fcr Palladium erst ab diesem Zeitpunkt verf\u00fcgbar sind. Aber auch f\u00fcr Gold k\u00f6nnte eine historische Investmentanalyse nicht viel weiter zur\u00fcckgehen als 1977. Renditedaten von Gold vor 1975 sind letztlich nicht aussagekr\u00e4ftig, da erst Ende 1974 das jahrzehntelange Goldverbot<\/em> [2]<\/span><\/strong> in den USA aufgehoben wurde. Die entsprechenden Goldverbote in den f\u00fcr die globale Goldnachfrage enorm wichtigen Staaten China und Indien blieben nach 1974 noch eine Reihe von Jahren bestehen. (Bis Ende 1971 war der Goldpreis in US-Dollar vom amerikanischen Staat im Kontext des so genannten Bretton-Woods-W\u00e4hrungssystems staatlich vorgegeben, woraus sich eine Rendite in Dollar von nahe null ergab.)<\/p>\n Abbildung 1: Inflationsbereinigte indexierte Preisentwicklung von Gold, Silber, Platin, Palladium und Aktien (MSCI World Index) von 01-1977 bis 12-2025 (49 Jahre) in USD<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Datenquellen: Bloomberg, www.macrotrends.net, Dimensional Fund Advisors. \u25ba Ohne Kosten und Steuern.<\/span><\/p>\n In Abbildung 1 verwenden wir eine logarithmische vertikale Skala. Diese stellt sicher, dass eine gegebene prozentuale Wertver\u00e4nderung von einem Zeitintervall (Monat, Jahr) auf das n\u00e4chste optisch f\u00fcr den Betrachter \u00fcber den gesamten Zeitraum hinweg (horizontale Achse) gleich gro\u00df erscheint, was bei einer linearen vertikalen Skala nicht der Fall w\u00e4re. Wenn das Ziel darin besteht, prozentuale Renditen und Verm\u00f6genszuw\u00e4chse \u00fcber Teilzeitr\u00e4ume eines langen Gesamtzeitraums zu analysieren, sind logarithmische Darstellungen weniger missverst\u00e4ndlich.<\/p>\n Die zwei Hauptschlussfolgerungen aus Abbildung 1 sind: \u00dcber den Gesamtzeitraum von 49 Jahren outperformte der MSCI World die drei Edelmetalle deutlich. Die zahlenm\u00e4\u00dfigen Durchschnittsrenditen dazu werden weiter unten in Tabelle 2 aufgef\u00fchrt. Der Zinseszinseffekt f\u00fchrt dazu, dass aus einem durchschnittlichen Renditevorsprung von Aktien vor Gold von 3,3 Prozentpunkten per annum \u00fcber diese knapp f\u00fcnf Jahrzehnte ein drastischer Endwertvorteil f\u00fcr Aktien vor den Edelmetallen resultiert (26,5 Geldeinheiten f\u00fcr Aktien versus 6,6 Geldeinheiten f\u00fcr Gold als dem rentabelsten Edelmetall).<\/p>\n <\/p>\n Zudem war die Renditeentwicklung des Aktienportfolios sowohl auf kurze als auch auf lang Frist stetiger, weniger volatil als diejenige der vier Edelmetalle. Tabelle 2 illustriert das durch drei Risikokennzahlen und die risikogewichtete Rendite (Sharpe Ratio).<\/p>\n Tabelle 2: Ausgew\u00e4hlte Performance-Kennzahlen zu den vier Edelmetallen und Aktien (inflationsbereinigte Renditen in USD)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Aktien-Global = MSCI World Index. \u25ba [B] Vereinfachte Sharpe Ratio = risikogewichtete Rendite (definiert als arithmet. \u00d8-Rendite \u00f7 Standardabw.). \u25ba [C] Maximaler Drawdown = max. kumulativer Verlust im Betrachtungszeitraum. \u25ba [D] Datum des Maximalen Drawdowns. \u25ba [E] Maximale Nullrenditeperiode = l\u00e4ngster Zeitraum innerhalb dieser 49 Jahre, \u00fcber den hinweg eine reale Nullrendite bestand. \u25ba Alle Datenquelle: Siehe Abb. 1. \u25ba Ohne Kosten und Steuern.<\/span><\/p>\n Aus Tabelle 2 ergeben sich weitere interessante Einblicke: <\/p>\n \u00dcber den 49-Jahre-Gesamtzeitraum war Gold das unter den vier Edelmetallen am besten rentierende, nicht jedoch in den letzten zehn Jahren. W\u00fcrde man weitere mehrj\u00e4hrige Teilzeitr\u00e4ume zeigen (was wir aus Platzgr\u00fcnden nicht tun), l\u00e4ge die Goldrendite nur in einer Minderheit auf Platz 1 und in einer Mehrheit auf Platz 2 oder weiter hinten. <\/p>\n Bei Palladium erscheint die innerhalb der Vierergruppe relativ hohe Langfristrendite bemerkenswert. Sie lag nur geringf\u00fcgig unter derjenigen von Gold. Bei Silber sticht die spektakul\u00e4re Rendite in der letzten Dekade heraus. <\/p>\n Im Hinblick auf das Risiko nimmt Gold unter den Metallen tendenziell den ersten (den besten) Rang ein. Allerdings erscheint die relative Risikobilanz von Gold nicht „makellos“: Zun\u00e4chst einmal ist Gold (wie auch die anderen Edelmetalle) merklich risikoreicher als die Anlageklasse Aktien-Global. <\/p>\n Die Volatilit\u00e4t der Goldrenditen und der Maximum Drawdown (MDD) von Gold sind zwar besser als die der drei anderen Metalle, aber bei der Kennzahl Maximale Nullrenditeperiode [3]<\/span><\/strong> schneidet Gold schlechter ab als Palladium.<\/p>\n Die in Tabelle 2 aufgef\u00fchrten Zeitr\u00e4ume f\u00fcr die Edelmetalle zur Maximalen Nullrenditeperiode m\u00f6gen manchem Betrachter schockierend lang erscheinen. Die Zahlen sind jedoch korrekt. Der Grund f\u00fcr die hohen MNRP-Werte liegt in der Inflationsadjustierung der Renditen in Kombination mit der hohen Volatilit\u00e4t von Edelmetallrenditen. Greifen wir zur Erl\u00e4uterung beispielhaft Gold heraus: Gold hatte im Januar 1980 ein Allzeithoch von 850 USD pro Unze, was in heutigem Geld (Geldwert von Ende 2025), also „aufinflationiert“, etwa 3.500 Dollar entspricht. Diesen Preis \u00fcberschritt Gold jedoch tats\u00e4chlich erst wieder im August 2024 nach 45 qu\u00e4lend langen Jahren. So \u00e4hnlich verhielt es sich mit den anderen drei Edelmetallen. Nur Palladium schneidet hier mit einer Maximalen Nullrenditeperiode von „nur“ 20 Jahren merklich besser ab (1980 bis 2000).<\/p>\n <\/p>\n In Tabelle 3 werfen wir einen Blick auf die Korrelationen. Mit ihnen wollen wir messen, wie gut sich die vier Edelmetalle zur Diversifikation in einem aktienlastigen Portfolio eignen. <\/p>\n Aus der Korrelation mit der Inflation (ganz rechte Spalte) l\u00e4sst sich die Qualit\u00e4t der Inflation-Hedging<\/em>-Eigenschaften der individuellen Investments ableiten. [4]<\/span><\/strong><\/p>\n Tabelle 3: Korrelation von Edelmetallen mit Aktien, mit der Inflation und untereinander<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Aktien global = MSCI World Index. \u25ba Datenquelle: Siehe Fu\u00dfnoten zu Abbildung 1.<\/span><\/p>\n Welche Einblicke ergeben sich aus Tabelle 3? Alle Edelmetalle korrelieren niedrig mit der Anlageklasse Aktien-Global. Aus einer reinen Diversifikationsperspektive scheinen sich somit alle vier Metalle tendenziell gut zu eignen, das Risiko (die Volatilit\u00e4t) eines reinen Aktienportfolios zu mindern. Allerdings braucht es f\u00fcr das Pr\u00e4dikat „guter Diversifizierer“ niedrige Korrelation und attraktive Renditen.<\/p>\n Platin und Palladium korrelieren relativ moderat mit Gold und mit Silber. Palladium erscheint daher geeignet, das Risiko (Volatilit\u00e4t) von Gold zu diversifizieren (niedrige Korrelation bei ann\u00e4hernd gleich hoher Langfristrendite). Platin zeigt eine noch geringere Korrelation zu Gold bei jedoch schwacher historischer Rendite. <\/p>\n Neben der reinen Korrelationsanalyse betrachteten wir noch die sieben Perioden zwischen 1977 und 2025, in denen der MSCI World Index einen inflationsbereinigten Drawdown von 20% oder mehr erlitt [5]<\/span><\/strong> und pr\u00fcften, welches der vier Edelmetalle in diesen sieben Aktienmarkteinbr\u00fcchen insgesamt die beste Aktien-Hedge war, also geringer einbrach als der Aktienmarkt oder eventuell sogar positive Renditen hatte. Auch bei diesem hier nicht gesondert anhand von Zahlen gezeigten Diversifikationstest schnitt Gold unter den vier Metallen am besten ab.<\/p>\n Ein Grund f\u00fcr die insgesamt bessere Performance von Gold in Krisenphasen k\u00f6nnte sein, dass die drei anderen Edelmetalle jeweils umfangreiche industrielle gewerbliche Verwendungen haben. Wenn die Konjunktur in gro\u00dfen Industriel\u00e4ndern schw\u00e4chelt (was w\u00e4hrend negativer Aktienmarktrenditen oft der Fall ist), leidet tendenziell auch deren industrielle Nachfrage.<\/p>\n <\/p>\n Alle vier Edelmetalle wie auch Aktien-Global haben mit der Konsumg\u00fcterinflation eine Korrelation nahe null. Somit war keines dieser Investments im Mittel der letzten 50 Jahre eine gute Inflation Hedge (Hedge = Absicherung). Die in der Finanzbranche, bei Finanzjournalisten und bei Finfluencern seit anno dazumal immer wieder geh\u00f6rte Aussage, Gold und Aktien b\u00f6ten „guten Inflationsschutz“ ist letztlich Nonsens. Wir sind nicht die ersten in der Fachwelt, die das bemerken. Viele glauben, dass ein Investment, das auf lange Sicht eine h\u00f6here Nominalrendite produziert als die Inflation, deswegen „Inflationsschutz“ biete. Dieses langfristige „Inflation Beating“, das jede Anlageklasse leistet, ist aber nicht das, was die Wissenschaft unter „Inflation Protection“ oder „Inflation Hedging“, also Inflationsschutz versteht. Inflation Hedging und Inflation Beating sind zwei Paar Schuhe.<\/p>\n In Tabelle 4 illustrieren wir, wie gut die vier Edelmetalle im Betrachtungszeitraum jeweils als Beimischung (Diversifizierer) f\u00fcr ein globales Aktienportfolio abschnitten.<\/p>\n Tabelle 4: Wie gut eignen sich die vier Edelmetalle als Diversifizierer f\u00fcr ein aktienlastiges Portfolio (inflationsbereinigte Renditen in USD)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba [A] Vola = annualisierte Standardabweichung der Monatsrenditen. \u25ba [B] Vereinfachte Sharpe Ratio: Siehe Fu\u00dfnoten zu Tabelle 1. \u25ba Datenquelle: Siehe Fu\u00dfnoten zu Abbildung 1.<\/span><\/p>\n Auch die Schlussfolgerungen aus Tabelle 4 sind interessant:<\/p>\n Eine Edelmetallbeimischung von 10% mit regelm\u00e4\u00dfigem mechanischem Rebalancing hat im Betrachtungszeitraum von 1977 bis heute die absolute Rendite relativ zu einem 100%-Aktienportfolio bei allen vier Edelmetallen entweder leicht verbessert, unver\u00e4ndert gelassen oder nur moderat verschlechtert. In den letzten 10 Jahren war die Diversifizierer-Bilanz noch ein wenig besser als im Gesamtzeitraum. <\/p>\n Die in Tabelle 4 auf den ersten Blick vielleicht unplausibel erscheinenden Renditeunterschiede f\u00fcr den Gesamtzeitraum sind korrekt, z. B., dass das 90\/10-Palladium-Portfolio eine h\u00f6here Rendite hat, als das 100%-Aktienportfolio, obwohl die Rendite von Palladium individuell recht deutlich niedriger war als die von Gold. Auch die jeweiligen Unterschiede zwischen den vier 90\/10-Portfolios sind korrekt. Diese Effekte resultieren aus der niedrigen Korrelation der vier Edelmetalle zu Aktien und vermutlich auch aus dem spezifischen historischen Renditeprofil in diesen 49 Jahren. Der Effekt ist in der Literatur als „Diversification Return“ oder „Rebalancing Premium“ bekannt. Bei sehr niedrig korrelierenden Assets und stark unterschiedlichen Komponentengewichten (hier 90% versus 10%) kann die Rendite des gemischten Portfolios geringf\u00fcgig h\u00f6her sein als die Rendite der gr\u00f6\u00dferen Komponente. [6]<\/span><\/strong><\/p>\n Bei den beiden Risikokennzahlen (Volatiliti\u00e4t und Maximum Drawdown) ergaben sich durch die Beimischungen durchweg leichte Verbesserungen.<\/p>\n In Bezug auf die risikogewichtete Rendite (Vereinfachte Sharpe Ratio) schnitten die gemischten Portfolios ebenfalls durchweg leicht besser ab als das 100%-Aktienportfolio.<\/p>\n Obwohl die Unterschiede in Tabelle 4 auf den ersten Blick eher gering erscheinen, geht Gold im Wettbewerb „Beste Beimischung unter den vier Edelmetallen“ aus den folgenden Gr\u00fcnden f\u00fcr uns dennoch als relativ klarer Sieger durch die Ziellinie:<\/p>\n F\u00fcr Edelmetall-Fans unter Privatanlegern k\u00f6nnte ein Palladium-ETC auf der Basis der Daten von 1977 bis heute ein erw\u00e4genswerter Diversifizierer f\u00fcr ein Goldinvestment sein (Ersetzung eines Teils des Goldinvestments durch Palladium). Das setzt allerdings voraus, dass der Anleger die damit einhergehende zus\u00e4tzliche Komplexit\u00e4t nicht scheut. <\/p>\n Bei unserer Auswertung darf nicht vergessen werden, dass die grunds\u00e4tzlich hohe Preisvolatilti\u00e4t bei allen vier Metallen dazu f\u00fchrt, dass die eher geringen Renditeunterschiede auch Zufall gewesen sein k\u00f6nnten. Ein Statistiker w\u00fcrde angesichts der hohen Volatilit\u00e4t bem\u00e4ngeln, dass der Renditevorsprung von Gold nicht „statistisch signifikant“, also nicht ausreichend verl\u00e4sslich sei. W\u00fcrde man beispielsweise die 49 Jahre-Daten in zwei H\u00e4lften aufteilen, s\u00e4he das Bild in den zwei h\u00e4lftigen Zeitr\u00e4umen ziemlich anders aus, weshalb Vorsicht bei der Interpretation geboten ist.<\/p>\n <\/p>\n Bei Investment-Assets, die keinen laufenden Ertrag erzeugen (keine laufenden Cash-Flows), wie das f\u00fcr Edelmetalle, konventionelle Rohstoffe, Sammlerobjekte und Bitcoin der Fall ist, sind die in der \u00d6konomie \u00fcblichen fundamentalen Bewertungsmethoden nicht anwendbar. Ein alternativer Bewertungsindikator f\u00fcr solche ertragslosen Verm\u00f6genswerte ist das Verh\u00e4ltnis ihres aktuellen Preises zum inflationsbereinigten historischen Durchschnittspreis. Diesen groben Bewertungsindikator zeigen wir in Tabelle 5. <\/p>\n Gemessen an diesem Ma\u00dfstab sind zwei der vier Edelmetalle heute teuer, n\u00e4mlich Gold und Silber. Eines ist sehr billig: Platin. Palladium bewegt sich relativ marginal \u00fcber seinem historisch mittleren realen Preis. Hohe Bewertungen f\u00fchren vorw\u00e4rtsgerichtet tendenziell zu niedrigeren k\u00fcnftigen Renditen.<\/p>\n Tabelle 5: Das aktuelle Bewertungsniveau der vier Edelmetalle \u2013 Vielfaches des inflationsbereinigten durchschnittlichen Preises seit 1977 (in USD)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba „Aktuelles Bewertungsniveau“: Verh\u00e4ltnis des Preises f\u00fcr eine Feinunze am 31.1.2026 relativ zum durchschnittlichen inflationsadjustierten („aufinflationierten“) Preis seit Januar 1977. Lesebeispiel: Der Goldpreis lag am 31.01.2026 um 165% \u00fcber seinem inflationsadjustierten historischen Mittelwert seit 1977. \u25ba Datenquellen: Siehe Fu\u00dfnoten zu Abbildung 1.<\/p>\n Naturgem\u00e4\u00df sind solche Erw\u00e4gungen (die Ber\u00fccksichtigung des aktuellen Bewertungsniveaus) f\u00fcr denjenigen irrelevant, der glaubt die Preisentwicklung dieser Edelmetalle in der relevanten Zukunft hinreichend verl\u00e4sslich prognostizieren zu k\u00f6nnen oder f\u00fcr jemand, der glaubt, dass aufgrund k\u00fcnftiger \u00f6konomischer oder politischer Entwicklungen, die bei Gold und Silber bereits heute sehr hohen Preise, noch weiter stark steigen werden. Wir halten einen solchen Prognoseanspruch f\u00fcr wenig realistisch und bei Umsetzung in Form von Market Timing letztlich renditesch\u00e4dlich. Wir glauben auch nicht, dass die hohen Renditen von Gold und Silber in den zur\u00fcckliegenden 15 Jahren im Mittel der n\u00e4chsten 15 Jahre erreicht werden.<\/p>\n <\/p>\n F\u00fcr Gold werden die in den letzten Jahren sehr hohen Preissteigerungen \u00fcblicherweise begr\u00fcndet mit hohen und steigenden Staatsverschuldungsquoten, umfangreichen Goldk\u00e4ufen von Zentralbanken (weil diese Dollaranleihen in ihren Reserven abbauen und partiell durch Gold ersetzen) sowie ein „neues Misstrauen“ eines wachsenden Bev\u00f6lkerungsteils in „die Eliten“ und das „FIAT-Geldsystem“ (dieses Misstrauen wird mit Goldk\u00e4ufen zum Ausdruck gebracht). Allerdings: Selbst, wenn es sich hier um eine korrekte Identifikation der wesentlichen preistreibenden Faktoren handelt, sind die Informationen und das Wissen um diese Faktoren heute vermutlich bereits eingepreist. Wie sie sich in der kurz- und mittelfristigen Zukunft entwickeln werden und damit wie sich der Goldpreis kurz- und mittelfristig entwickeln wird, ist aus unserer Sicht heute unbekannt.<\/p>\n Dass die aktuelle Dollarschw\u00e4che ein relevanter Vorteil f\u00fcr die Renditen von Gold und anderen Edelmetallen sein sollen, ist ein verbreiteter Denkfehler, den wir hier<\/u><\/a> (siehe dort „Frage 9“) und hier<\/u><\/a> widerlegen.<\/p>\n <\/p>\n Keines der hier untersuchten vier Edelmetalle hatte historisch langfristig \u00e4hnlich hohe Renditen wie Aktien. <\/p>\n Unter den vier Edelmetallen war Gold in den rund 50 Jahren von 1977 bis 2025 das rentabelste. Bei der Langfristrendite ging Palladium \u2013 das mag eine \u00dcberraschung sein \u2013 als „knapper Zweiter“ durchs Ziel.<\/p>\n Aktuell erscheinen Gold und Silber hoch bewertet, also teuer, Platin dagegen billig, Palladium bewegt sich nahe am durchschnittlichen Preis. Eine hohe Bewertung reduziert aus statistischer Sicht vorw\u00e4rtsgerichtet die erwartete Rendite<\/em> relativ zu den hohen Renditen der letzten Jahre.<\/p>\n Gold war im Betrachtungszeitraum das alles in allem risiko\u00e4rmste Edelmetall. Es weist zudem die niedrigste Korrelation zum globalen Aktienmarkt auf und war auch in den sieben starken Aktienmarkt-Downphasen seit 1977 der in Summe beste Aktiendiversifizierer.<\/p>\n F\u00fcr Privatanleger besteht im Falle von Direktanlagen (nicht bei ETCs) f\u00fcr Silber, Platin und Palladium ein umsatzsteuerlicher Nachteil relativ zu Gold. <\/p>\n Auch bei den Nebenkosten des Anlegens schneidet Gold unter den vier Edelmetallen per Saldo am besten ab. <\/p>\n Somit geht Gold im Wettbewerb „wer ist die (relativ) beste Beimischung?“ recht klar als Sieger hervor. Den zweiten Platz belegt dabei aus unserer Sicht nicht Silber, wie mancher vielleicht erwartet h\u00e4tte, sondern Palladium.<\/p>\n Eine Gold-Beimischung d\u00fcrfte vorw\u00e4rtsgerichtet auf lange Sicht zwar die Rendite relativ zu „100% Aktien“ nicht erh\u00f6hen und evtl. sogar etwas senken, sie kann aber das Risikoprofil des Gesamtportfolios moderat verbessern.<\/p>\n Wer die Edelmetalle individuell betrachtet, also nicht die aggregierten Effekte in einem Gesamtportfolio mit Edelmetallbeimischung, der muss als Anleger ihre hohen Drawdowns und extrem langen Nullrenditeperioden verkraften k\u00f6nnen. Das d\u00fcrfte f\u00fcr die meisten Privatanleger nur dann dauerhaft funktionieren \u2013 sprich nicht in sch\u00e4dlichen Panikverk\u00e4ufen m\u00fcnden \u2013, wenn der prozentuale Anteil von (allen) Edelmetallen in Summe an ihrem Gesamtverm\u00f6gensportfolio relativ gering ist \u2013 z. B. maximal 10 Prozent.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Siehe deutsche Wikipedia, Artikel „Edelmetalle“<\/u><\/a>. Neben den hier vier dargestellten Metallen geh\u00f6ren die folgenden zu den 15 Edel- und Halbedelmetallen: Iridium, Osmium, Quecksilber, Polonium, Rhodium, Ruthenium, Bismut, Technetium, Rhenium, Antimon und Kupfer.<\/p>\n [2]<\/strong> Das Verbot f\u00fcr private Haushalte Gold zu besitzen bestand im 20. Jahrhundert in sehr vielen kapitalistischen und kommunistischen L\u00e4ndern \u00fcber mehrere Jahrzehnte hinweg. Eine Verletzung war zumeist mit harten und in manchen Staaten mit drakonischen Strafen belegt. Siehe Artikel „Goldverbot“<\/u><\/a> in der deutschen Wikipedia.<\/p>\n [3]<\/strong> Maximale NRP = L\u00e4ngster Zeitraum innerhalb dieser 49 Jahre, in dem eine reale Nullrendite bestand. <\/p>\n [4]<\/strong> Eine kurze Erkl\u00e4rung der Kennzahl „Korrelation“ findet sich am Ende dieses Blog-Beitrags.<\/p>\n [5]<\/strong> Darunter die Crashes im Oktober 1987, der Dot-Com-Crash (Beginn Nuller-Jahre), die Gro\u00dfe Finanzkrise (ab 2007), der Covid-Crash (2020), der Ukraine-Krieg-und-Zinswende-Crash (2022).<\/p>\n [6]<\/strong> Siehe z. B. Hallerbach, Winfried (2016): „Disentangling Rebalancing Return“, 10.Dez. 2016, Internet-Fundstelle: Social Sciences Research Network\/SSRN.<\/p>\n Infobox: Korrelation \u2013 eine schnelle Erkl\u00e4rung<\/strong> In diesem Blog-Beitrag zeigen wir, wie gut die vier Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium als Beimischung in einem Aktienportfolio taugen. <\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":21725,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[41,39,180],"class_list":["post-21708","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asset-klassen","tag-edelmetalle","tag-gold","tag-silber"],"yoast_head":"\n
<\/p>\nSteuern auf Edelmetallinvestments<\/strong><\/span><\/h2>\n
Die historischen Renditen der vier Edelmetalle<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nRisikokennzahlen zu den vier Edelmetallen im Vergleich mit Aktien<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nEdelmetalle zur Diversifikation in einem aktienlastigen Portfolio<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nDer vermeintliche Inflationsschutz von Edelmetallinvestments<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n\n
Das aktuelle Bewertungsniveau der Edelmetalle<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nUrsachen f\u00fcr die hohen Preissteigerungen von Gold in der j\u00fcngeren Vergangenheit<\/strong><\/span><\/h2>\n
Fazit<\/strong><\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n
\nDie Korrelation ist eine Kennzahl aus der Statistik, die den Grad der Parallelit\u00e4t in der Entwicklung zweier Variablen (Zahlenreihen) misst, zum Beispiel der Kursver\u00e4nderungen zweier Wertpapiere oder zweier Anlageklassen im Zeitablauf. Die Korrelation wird gemessen in Form des Korrelationskoeffizienten, der zwischen +1,0 und \u20131,0 liegt, wobei +1 f\u00fcr vollst\u00e4ndige Korrelation (exakte Parallelentwicklung), 0 f\u00fcr vollst\u00e4ndig unabh\u00e4ngige (oder zuf\u00e4llige) Entwicklung und \u20131 f\u00fcr exakt gegenl\u00e4ufige Entwicklung steht. Je niedriger die Korrelation zwischen zwei Finanzanlagen, desto besser eignen sie sich unter sonst gleichen Umst\u00e4nden zur Diversifikation in einem Portfolio. Genauso wie Renditen schwanken auch Korrelationen im Zeitablauf, allerdings weniger stark.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"