{"id":1510,"date":"2018-08-30T00:00:06","date_gmt":"2018-08-29T22:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=1510"},"modified":"2025-09-05T13:53:14","modified_gmt":"2025-09-05T11:53:14","slug":"das-risiko-von-investments-in-immobilien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/das-risiko-von-investments-in-immobilien\/","title":{"rendered":"Das Risiko von Investments in Immobilien"},"content":{"rendered":"

Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und Jonas Schweizer<\/a> \u00a0<\/em><\/p>\n

Eine der „ewigen Fragen“, die Privatanleger seit biblischen Zeiten umtreibt, ist, wie hoch das Risiko von Direktanlagen in Immobilien ist. Und \u2013 damit in Zusammenhang stehend \u2013 wie dieses Risiko im Vergleich mit demjenigen von Kapitalmarktanlagen, also Aktien, zinstragenden Anlagen, Derivaten, W\u00e4hrungen, Rohstoffen und Edelmetallen, aussieht.<\/p>\n

Die Risikofrage bei Kapitalmarktanlagen ist recht einfach zu beantworten. F\u00fcr „Aktien und Co.“ kann sich letztlich jeder mit geringem Aufwand nahezu jede erdenkliche Risikomesszahl f\u00fcr jede vorstellbare historische Periode und, verallgemeinert, auch in die Zukunft gerichtet besorgen. Messzahlen sind zum Beispiel die Volatilit\u00e4t (die Schwankungsintensit\u00e4t von Renditen), der maximale kumulative Verlust („Maximum Drawdown“) und das Shortfall Risk<\/em> (die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Mindestrendite in einer bestimmten Periode zu unterschreiten). Die unter Finanz\u00f6konomen ebenfalls recht bekannte Kennzahl Value at Risk <\/em>ist mit dem Shortfall Risk<\/em> eng verwandt. Zahlreiche weitere Risikokennzahlen und ihre Auspr\u00e4gungen sind bei Wertpapieren f\u00fcr all jene laufend verf\u00fcgbar und messbar, die noch genauer hinsehen m\u00f6chten.<\/p>\n

Bei der Asset-Klasse Immobilien sieht das Thema objektive, moderne Risikomessung jedoch anders aus. Bildhaft gesprochen und mit einem Augenzwinkern liegt der Entwicklungsstand der Risikomessung und die Datenverf\u00fcgbarkeit bei Immobiliendirektanlagen gegen\u00fcber dem Stand bei Wertpapieren ungef\u00e4hr so weit zur\u00fcck wie die Funktionalit\u00e4t eines Nokia-3310-Handys aus dem Jahr 2000 von der des aktuellen Apple iPhone X. Warum Immobilien diesen drastischen „Risikodaten-R\u00fcckstand“ aufweisen und was er f\u00fcr Privatanleger bedeutet, versuchen wir in diesem Blog-Beitrag zu zeigen.<\/p>\n

Bei Wertpapieren basiert die Risikomessung auf Marktkursen, d. h. auf fortlaufend aktualisierten Marktpreisen. Man kann das simpel so zuspitzen: Ohne Marktpreise keine Risikomessung. Diese Marktpreise werden jeden Tag durch reale Kauf-Verkauf-Transaktionen von vielen hunderten und in manchen F\u00e4llen sogar von mehreren hunderttausenden Marktteilnehmern objektiv \u2013 im Sinne von f\u00fcr jeden Beobachter zweifelsfrei und verbindlich \u2013 bestimmt. Wenn der Aktienkurs der SAP-Aktie am 21.08.2018 um 12 Uhr 102,50 Euro betr\u00e4gt, wei\u00df jeder \u2013 wirklich jeder \u2013 nach menschlichem Ermessen zu 100% sicher, was die Aktie in diesem Moment kostet und dass er in diesem Moment zu genau diesem Kurs kaufen oder verkaufen kann. [1]<\/span><\/strong>\u00a0<\/span><\/p>\n

Zwar k\u00f6nnte man sich mit den im Einzelnen unterschiedlichen „Liquidit\u00e4tsgraden“ und deren Implikation f\u00fcr das Traden (Handeln) der vielen Hunderttausend global existierenden Wertpapieren ad infinitum <\/i>besch\u00e4ftigen, doch bleibt die generelle Schlussfolgerung unver\u00e4ndert: Marktpreise f\u00fcr Kapitalmarktanlagen werden zwischen enorm vielen Marktteilnehmern mit oft ganz unterschiedlichen Informationsgraden und Ansichten \u00fcber den fundamentalen Wert eines Wertpapiers intersubjektiv, konsensuell, kontinuierlich, f\u00fcr den Gesamtmarkt transparent erkennbar und zweifelsfrei neu festgelegt \u2013 buchst\u00e4blich jede Minute und manchmal sogar noch h\u00e4ufiger. Der technologische Fortschritt macht diesen Prozess jedes Jahr noch transparenter, noch verl\u00e4sslicher und noch besser.\u00a0<\/span><\/p>\n

Bei Direktinvestments in Immobilien \u2013 sowohl Wohn- als auch Gewerbeimmobilien \u2013 gilt das alles nicht. Hier existiert keine B\u00f6rse, auch kein au\u00dferb\u00f6rslicher „Over-the-Counter-Handel“, wie das f\u00fcr manche weniger liquiden Kapitalmarktprodukte der Fall ist. F\u00fcr wohl 99,9% aller Immobilien weltweit wird an einem gegebenen Tag kein Marktpreis durch eine Kauf-Verkauf-Transaktion festgestellt. Anders als eine bestimmte BMW-Aktie, norwegische Staatsanleihe oder ein Goldbarren ist jede Immobilie ein einzigartiges Unikat und es verstreichen f\u00fcr ein solches Objekt typischerweise mehrere Jahre und oft Jahrzehnte zwischen zwei Transaktionen (Kauf\/Verkauf). Allerdings k\u00f6nnte nur mit diesen der objektive Marktpreis im Zeitpunkt des Trades festgestellt werden. Dieses fast permanente Fehlen von best\u00e4tigten Marktpreisen ist der Grund, warum zu Fragen der H\u00f6he des Marktrisikos von Immobiliendirektanlagen tausend Immobilieninvestoren tausend verschiedenen Meinungen haben.<\/p>\n

Man k\u00f6nnte jetzt fragen, warum angesichts des Mangels an Marktpreissignalen Risikomessungen nicht einfach anhand von Immobilienindizes durchgef\u00fchrt werden. Diese Methode, obwohl in der Immobilienbranche weit verbreitet \u2013 f\u00fchrt jedoch in die Irre. Aus klassischen Immobilienindizes l\u00e4sst sich das Risiko von Immobiliendirektanlagen nicht herleiten. Warum man sich nicht auf diesen Holzweg begeben sollte, hat die folgenden vier Gr\u00fcnde: Immobilienindizes<\/p>\n