{"id":13755,"date":"2025-04-14T19:09:10","date_gmt":"2025-04-14T17:09:10","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=13755"},"modified":"2025-09-04T16:54:00","modified_gmt":"2025-09-04T14:54:00","slug":"zollkrieg-crash","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/zollkrieg-crash\/","title":{"rendered":"Der „Zollkrieg-Crash“: Was tun?"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Praval Kapoor<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Nach den f\u00fcr Aktien exzellenten Jahren 2023 und 2024 hat es in den dreieinhalb Monaten seit Januar 2025 betr\u00e4chtliche Aktienverluste gegeben. Auch bei einigen anderen Anlageklassen, darunter Bitcoin und langfristige Anleihen, ging es abw\u00e4rts. Tabelle 1 gibt einen \u00dcberblick:<\/p>\n Tabelle 1: Renditen ausgew\u00e4hlter Anlageklassen und Einzelinvestments vom 01.01.2025 bis 11.04.2025 (100 Tage) \u2013 in Euro<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Alle Zahlen auf volle Prozent gerundet. \u25ba [A] Amazon, Apple, Meta\/Facebook, Microsoft, Nvidia, Google\/Alphabet, Tesla. \u25ba [B] MSCI World Information Technology Index. \u25ba [C] S&P Listed Private Equity Index (Aktien der 30 weltweit gr\u00f6\u00dften Private Equity-Firmen). \u25ba [D] FTSE EPRA\/NAREIT Developed Dividend+ Index. \u25ba [E] S&P GSCI TR Index. \u25ba [F] US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von ca. 19 Jahen (Bloomberg Barclays U.S. 10+ Year Treasury Bond Index).\u25ba [G] Industriel\u00e4nder ohne USA. \u25ba [H] Dt. Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von ca. 19 Jahren (Deutsche B\u00f6rse EUROGOV\u00ae Germany 10+ Index). \u25ba [I] ESTR-Zins + 0,085% (Tagesgeld-\u00c4quivalent). <\/span><\/p>\n Ausgel\u00f6st wurde der Einbruch von der Initiierung eines „Handelskriegs“ durch die US-Regierung, als diese Anfang April 2025 hohe Importz\u00f6lle f\u00fcr G\u00fcter aus Staaten, mit denen die USA ein Handelsbilanzdefizit haben, ank\u00fcndigte. [1]<\/span><\/strong> Die US-Z\u00f6lle werden nach aktuellem Informationsstand erst im Juli 2025 wirksam. F\u00fcr China sind sie bereits in Kraft, aber auch hier sind einige f\u00fcr die USA wichtige Produktkategorien vorerst von Einfuhrabgaben ausgenommen.<\/p>\n Als Reaktion auf die Zollank\u00fcndigung werden die betroffenen L\u00e4nder wohl \u00e4hnlich hohe Z\u00f6lle auf amerikanische G\u00fcter erheben. Wie diese Auseinandersetzung im Detail final und l\u00e4ngerfristig ausgehen wird, ist im Moment jedoch noch unklar. Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass die Trump-Regierung die angek\u00fcndigten Z\u00f6lle in den n\u00e4chsten Monaten abmildern muss, da sich sch\u00e4dliche Auswirkungen auf die US-Volkswirtschaft andeuten, darunter eine Erh\u00f6hung der Langfristzinsen, die den Kapitaldienst f\u00fcr die hohe US-Staatsverschuldung und private Immobilienschulden verteuert, [2]<\/span><\/strong> negative Auswirkungen auf den US-Aktienmarkt (65% aller US-Haushalte besitzen Aktien) und ein potenzieller Inflationsschub. Auch die Langfristzinsen im Euroraum zogen an.<\/p>\n Was in der medialen Diskussion des Aktienmarkteinbruches allerdings oft fehlt, ist, dass zwei Teilsegmente des globalen Marktes \u2013 US-Aktien in regionaler Sicht und Tech-Aktien in sektoraler Sicht \u2013 aufgrund ihrer weit \u00fcberdurchschnittlichen Renditen in den 10+ Jahren bis Ende 2024 vor dem Einbruch sehr hoch bewertet, also „teuer“, waren. Hingegen bestand in den Aktienmarktsegmenten „Welt ex USA“ und „Welt ex Tech“ Ende 2024 eine normale und teilweise sogar g\u00fcnstige Bewertung.<\/p>\n Die in Tabelle 1 erkennbaren besonders hohen Verluste f\u00fcr US-Aktien und Tech-Aktien k\u00f6nnten daher der Beginn einer schrittweisen Korrektur und R\u00fcckkehr zu normaleren Bewertungen sein. Eine R\u00fcckkehr, die von der gegenw\u00e4rtigen Protektionismuswelle ausgel\u00f6st, aber nicht fundamental von ihr verursacht wurde. Naturgem\u00e4\u00df kann eine vollst\u00e4ndige Korrektur in Gestalt einer noch st\u00e4rkeren oder langfristigen relativen Unterrendite von Tech und USA gegen\u00fcber dem restlichen Aktienmarkt auch noch einige Zeit auf sich warten lassen. (Dass Tech-Aktien historisch keine systematisch h\u00f6heren Renditen als der allgemeine Aktienmarkt hatten und es keinen wirklich \u00fcberzeugenden Grund gibt, eine dauerhafte Mehrrendite f\u00fcr die Zukunft anzunehmen, haben wir hier<\/u><\/a> gezeigt.)<\/p>\n <\/p>\n Es stellt sich nun die Frage: Wie sollten Privatanleger auf die neue Situation und auf etwaige Verluste im eigenen Depot reagieren?<\/p>\n In Bezug auf Aktienportfolios, die \u00fcber die wesentlichen Branchen und L\u00e4nder hinweg breit diversifiziert sind, wird voraussichtlich auch diese unsch\u00f6ne Phase am Ende best\u00e4tigen, dass Buy-and-Hold rentabler ist als jetzt aktives Market Timing zu betreiben, beispielsweise indem man Teile des Aktienportfolios in risikolose Zinsanlagen umschichtet oder indem man jetzt als unattraktiv wahrgenommene Aktien oder Aktienmarktsegmente in vermeintlich attraktivere „tauscht“.<\/p>\n Dass bei Aktien konsequentes Buy-and-Hold, kombiniert mit breiter Diversifikation und regelbasiertem Rebalancing, die langfristig smarteste Anlagestrategie ist, kann man sich als Anleger in einer Situation wie der gegenw\u00e4rtigen nicht deutlich genug klar machen. Am besten geschieht das durch einen Blick auf harte Zahlen. Die liefert die Finanzanalyse-Firma Standard & Poor’s in Form ihrer neuesten, halbj\u00e4hrlich aktualisierten „SPIVA“-Analyse der Performance aktiv gemanagter Investmentfonds. [3]<\/span><\/strong> Aktive Aktienfonds praktizieren nahezu ausnahmslos moderate bis sehr starke Abweichungen von Buy-and-Hold. Bei den allermeisten geh\u00f6rt es explizit zur Anlagestrategie zu versuchen, die Verluste in „Down-Phasen“ im Markt durch Timing, also „Rein-Raus“\/“Hin-und-Her“ abzumildern.<\/p>\n <\/p>\n Die nachfolgenden Tabellen 2 und 3 fassen einige Ergebnisse aus der neuesten SPIVA-Analyse von aktiv gemanagten Aktienfonds, die ihren rechtlichen Sitz (ihr „Domizil“) in der EU haben und EU-weit vertrieben werden, zusammen.<\/p>\n Tabelle 2: Anteil von in Europa domizilierten, aktiv gemanagten Aktienfonds, die f\u00fcr unterschiedliche Zeitr\u00e4ume unter ihrer passiven Index-Benchmark lagen<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Quelle: S&P Dow Jones Indices „SPIVA Europe Scorecard Year End 2024“. \u25ba Originaldaten auf ganze Zahlen gerundet. \u25ba Ohne Ber\u00fccksichtigung von Kosten in der passiven Benchmark, aber auch ohne Kosten f\u00fcr etwaige Ausgabeaufschl\u00e4ge der aktiv gemanagten Fonds. Indexfonds\/ETFs sind in der zugrunde liegenden Datengesamtheit nicht enthalten. Rechtlich handelt es sich bei allen Fonds um UCITS-Fonds (Publikumsfonds).<\/span><\/p>\n Tabelle 2 zeigt, dass die gro\u00dfe Mehrheit aller aktiven Aktienfonds eine passive Index-Benchmark auf Buy-and-Hold-Basis, die sich leicht per ETF umsetzten l\u00e4sst, unterperformen.<\/p>\n Tabelle 3 basiert auf den gleichen Fondsdaten wie Tabelle 2, zeigt aber statt der Quote der aktiven Unterperformer nun die durchschnittliche Fondsrendite aller aktiven Fonds und kontrastiert diese mit der Rendite der jeweiligen passiven Index-Benchmark.<\/p>\n Tabelle 3: Die durchschnittlichen Renditen von in Europa domizilierten, aktiv gemanagten Aktienfonds und die Renditen ihrer Index-Benchmark f\u00fcr die Zeitr\u00e4ume 5 Jahre und 10 Jahre<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Quelle: siehe Tabelle 2. \u25ba Ohne Ber\u00fccksichtigung von Kosten in der Benchmark, aber auch ohne Kosten f\u00fcr etwaige Ausgabeaufschl\u00e4ge der aktiv gemanagten Fonds. \u25ba Renditen der Fonds auf Basis einfacher Durchschnitte („Equal Weighted“). \u25ba Weitere Anmerkungen: siehe Tabelle 2.<\/span><\/p>\n Nun k\u00f6nnte jemand einwenden, dass die Unter-Performance der meisten aktiven Fonds letztlich keine Rolle spiele, denn dieses Problem lasse sich ja umgehen, indem man einfach einen der wenigen Outperformer-Fonds herauspickt. Selbst, wenn nur ein Prozent aller Fonds langfristig zu dieser Siegergruppe geh\u00f6rte, sei diese Option m\u00f6glich.<\/p>\n Leider f\u00fchrt diese auf den ersten Blick naheliegende Schlussfolgerung in die Irre. Die kleine Gruppe der aktiven „Nicht-Verlierer-Fonds“ wechselt n\u00e4mlich in ihrer Zusammensetzung von Betrachtungsperiode zu Betrachtungsperiode nicht prognostizierbar. Das Zeitfenster kann ein bestimmtes Kalenderjahr sein, die letzten zehn Jahre, die 20 Jahre von 1996 bis 2015 oder jeder andere denkbare Zeitraum.<\/p>\n W\u00e4hlt man r\u00fcckblickend das „richtige“ Zeitfenster, wird fast jeder Anleger und jeder Fondsmanager irgendwann einmal ganz vorne oder weit vorne gelegen haben. Nur hilft das einem Investor leider nicht f\u00fcr die Zukunft oder f\u00fcr die „Gesamtperiode“. Es w\u00fcrde ihm nur helfen, wenn es hinreichend hohe „Performance-Konstanz“ g\u00e4be. Das ist aber nicht der Fall wie Tabelle 4 verdeutlicht.<\/p>\n Tabelle 4: Performance-Kontinuit\u00e4t: Wie viele der „Top-Quartil-Fonds“ (Top 25% aller aktiv gemanagten Fonds) aus dem Startjahr 2019 schafften es in den Folgejahren im Top-Quartil zu verbleiben? <\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Quelle: S&P Dow Jones Europe Persistence Scorecard 2023. \u25ba Die untersuchten Fonds sind in Europa domizilierte UCITS-Aktienfonds. \u25ba Persistence Scorecard 2024 zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Textes noch nicht verf\u00fcgbar.<\/span><\/p>\n Zur Interpretation der Daten in Tabelle 4: In den zwei Zeilen der Tabelle wird der Prozentsatz derjenigen aktiven Fonds gezeigt, die im Ausgangsjahr 2019 (Jahr 1) das Top-Quartil aller Fonds f\u00fcr die betreffende Anlageklasse bildeten (die 25% aller Fonds mit der h\u00f6chsten Rendite im Jahr 2019) und die danach ununterbrochen weiterhin im Top-Quartil lagen. Im auf das Ausgangsjahr 2019 (Jahr 1) anschlie\u00dfende Jahr 2020 wird der Prozentsatz der Fonds genannt, die in Jahr 1 und Jahr 2 zum Top-Quartil geh\u00f6rten, im Jahr 3 die Fonds, die ununterbrochen in allen drei Jahren im Top-Quartil blieben etc. Der Anteil dieser „kontinuierlichen Gewinnerfonds“ nimmt von Jahr zu Jahr ab.<\/p>\n <\/p>\n Insgesamt zeigt Tabelle 4, dass kaum Best\u00e4ndigkeit (Persistenz\/Kontinuit\u00e4t) in der Performance aktiv gemanagter Investmentfonds herrscht. Bei vollst\u00e4ndiger Performance-Konstanz m\u00fcsste in allen Zellen der Tabelle „100%“ stehen, weil die Top-Quartil-Fonds des Vorjahres auch im Folgejahr ausnahmslos ihre Zugeh\u00f6rigkeit zum obersten Quartil behaupten konnten. W\u00e4re das Verbleiben im obersten Quartil ab dem ersten Folgejahr (hier 2020) ein vollst\u00e4ndig zufallsgesteuerter Prozess, s\u00e4he die Zahlenreihe folgenderma\u00dfen aus: Jahr 2: 25,0%, Jahr 3: 6,3%, Jahr 4: 1,6%, Jahr 5: 0,4% (jeweils gerundet). Mit anderen Worten: Die tats\u00e4chliche Performance-Konstanz ist k\u00fcmmerlich und bewegt sich nur marginal \u00fcber derjenigen, die allein der Zufall hervorbr\u00e4chte. Das ist ein Indikator (wenn auch kein Beweis) daf\u00fcr, dass bei den betreffenden Fonds der (nicht prognostizierbare) Zufall die Ursache ihrer l\u00e4ngerfristigen Outperformance ist.<\/p>\n \u00c4hnliche Untersuchungen wurden von Wissenschaftlern in den letzten 30 Jahren auch f\u00fcr andere Typen von aktiv gemanagten Privatanleger-Portfolios durchgef\u00fchrt, z. B. solche, bei denen eine Bank oder ein Verm\u00f6gensverwalter das Portfolio betreut und solche, bei denen der Privatanleger in Eigenregie investiert, ferner f\u00fcr Hedge-Fonds und f\u00fcr Private Equity-Fonds. F\u00fcr solche anderen Typen aktiv gemanagter Portfolios werden SPIVA-\u00e4hnliche Untersuchungen zwar seltener durchgef\u00fchrt, da die Zusammenstellung der zugrundeliegenden Renditedaten au\u00dferhalb des UCITS-Fonds-Welt (normale Investmentfonds) aufwendiger ist, die grunds\u00e4tzlichen Ergebnisse sind jedoch identisch. Zusammengefasst und nur unwesentlich vereinfacht sehen sie so aus:<\/p>\n 1) Passiv gemanagte Portfolios schlagen die Mehrzahl aller korrekt vergleichbaren aktiv gemanagten Portfolios. Dieses Ergebnis ist von der Forschung in den vergangenen \u00fcber 50 Jahren immer und immer wieder neu best\u00e4tigt worden. [4]<\/span><\/strong> Seine zwei Hauptursachen sind:<\/p>\n a) Die „Informationseffizienz“ der Kapitalm\u00e4rkte: Mit \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Informationen ist es offenbar kaum m\u00f6glich nach Kosten, Steuern und Risiko einen verl\u00e4sslichen Renditevorteil gegen\u00fcber dem Markt zu generieren, weil diese Informationen zu jedem gegebenen Zeitpunkt vermutlich bereits vollst\u00e4ndig eingepreist sind. <\/p>\n Renditen sind in erster Linie Risikopr\u00e4mien, also die Kompensation f\u00fcr das Tragen so genannter „guter“ Risiken. Gute Risiken sind abzugrenzen von schlechten Risiken. Ein Beispiel f\u00fcr schlechte Risiken ist das Einzelwertrisiko, f\u00fcr das der Kapitalmarkt keine zuverl\u00e4ssige Renditekompensation liefert. Mit anderen Worten: Einzelwertanleger erzielen in Summe keine h\u00f6heren Renditen als diversifizierte Anleger, m\u00fcssen dabei aber h\u00f6here Volatilit\u00e4ten und st\u00e4rkere Drawdowns erdulden.<\/p>\n Das Schwankungsrisiko von Anlageklassen (Volatilit\u00e4t und Drawdown-Risiko) f\u00e4llt in die Kategorie der guten Risiken. Wer die hohen Renditen der Anlageklasse Aktien nachhaltig „ernten“ m\u00f6chte, dem wird das wahrscheinlich nur gelingen, wenn er dieses Schwankungsrisiko „nimmt“, [6]<\/span><\/strong> \u2013 dem Risiko sozusagen gestattet, sich im eigenen Portfolio von Zeit zu Zeit zu materialisieren. Der ber\u00fchmte Investor und Buchautor Andr\u00e9 Kostolany (1906 \u2013 1999) formulierte dieses fundamentale Gesetz mit einem sch\u00f6nen und klugen Bonmot: „Wer Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen.“<\/p>\n Wenn die gegenw\u00e4rtige Episode in einigen Jahren in die Kapitalmarktgeschichtsb\u00fccher eingegangen sein wird und ihre Marktdaten in den dann vorliegenden SPIVA-Untersuchungen enthalten sein werden, dann werden wir aller Voraussicht nach wieder sehen, dass Buy-and-Hold auch im Jahr 2025 die \u00fcberlegene Strategie war.<\/p>\n Und ein anderes legend\u00e4res B\u00f6rsen-Bonmot wird sich dann ebenfalls noch einmal best\u00e4tigt haben \u2013 so wie unz\u00e4hlige Male zuvor in den letzten 125 Jahren: „The five most dangerous words in investing are ‚This time it is different.'“ [7]<\/span><\/strong><\/p>\n Phasen extrem hoher Unsicherheit in den M\u00e4rkten hat es seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts und auch davor in gro\u00dfer Zahl gegeben und nat\u00fcrlich auch eine Reihe von Krisen und Crashes, die viel schlimmer waren, als die jetzige durch ein pl\u00f6tzliches Erstarken von Protektionismus nach menschlichem Ermessen werden kann. Man denke an den ersten und zweiten Weltkrieg. Im Verlauf dieser beiden ultimativen Konflikte und Krisen wurden \u00fcbrigens auch die Z\u00f6lle von vielen L\u00e4ndern dramatisch erh\u00f6ht.<\/p>\n Nebenbei gesagt mag man es als eine kuriose Ironie der Geschichte betrachten, dass dieser von einem konservativen Politiker angestossene Protektionismus nichts anderes ist als der teilweise R\u00fcckbau der von der linken H\u00e4lfte und einem Teil der rechten H\u00e4lfte des politischen Spektrums traditionell leidenschaftlich gehassten „Globalisierung“. Motto: Zur\u00fcck zum „Buy local\/Kaufe lokal“.<\/p>\n <\/p>\n So oder so hat sich ein weltweit diversifiziertes Aktienportfolio auf Buy-and-Hold-Basis in allen schweren historischen Krisen als erstaunlich resilient gezeigt. Resilient hei\u00dft hier in erster Linie rentabler als die allermeisten aktiv gemanagten Portfolios, rentabler als „rein-raus“ und nat\u00fcrlich weit rentabler als verzinsliche Bankguthaben. So wird es auch diesmal sein.<\/p>\n Wer dem vielen Menschen von der Evolution einprogrammierten „Action Bias“ in diesen „gew\u00f6hnlich unruhigen“ Zeiten nicht widerstehen kann, [8]<\/span><\/strong> der m\u00f6ge jetzt ein antizyklisches Rebalancing in seinem Portfolio durchf\u00fchren, sprich die aufgrund der k\u00fcrzlichen Verluste gesunkene prozentuale Aktienquote im Portfolio durch eine Umschichtung aus dem risikoarmen Portfolioteil wieder auf den urspr\u00fcnglich bewusst gew\u00e4hlten Prozentwert hinaufheben. Das jetzt zu tun, erfordert freilich Mut und \u00dcberzeugung. Wer diese nicht hat, sollte den aktuellen Downturn einfach aussitzen. Theorie und Praxis von Rebalancing haben wir hier<\/u><\/a> und hier<\/u><\/a> beschrieben.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Ein staatliches Handelsbilanzdefizit besteht, wenn der Wert der Importe denjenigen der Exporte in einer bestimmten Periode \u00fcberschreitet.<\/p>\n [2]<\/strong> Die Erh\u00f6hung der Umlaufrendite f\u00fcr zehnj\u00e4hrige US-Staatsanleihen unmittelbar nach der Zoll-Ank\u00fcndigung Anfang April 2025 um etwa 0,5 Prozentpunkte entspricht einem zus\u00e4tzlichen Zinsdienst von rund 180 Mrd. USD pro Jahr allein f\u00fcr den Staat. Generell sind diese Zinsen heute um etwa 0,2 Prozentpunkte h\u00f6her als bei der Wahl Trumps am 05.11.2024 w\u00e4hrend Trump energisch f\u00fcr niedrigere Zinsen eintritt.<\/p>\n [3]<\/strong> Die Abk\u00fcrzung SPIVA steht f\u00fcr „S&P Indices versus Active“.<\/p>\n [4]<\/strong> Die historisch erste Untersuchung, die die Unter-Performance der Mehrzahl aller aktiv gemanagter Aktienfonds belegte, war Michael Jensen: „The Performance of Mutual Funds in the Period 1945\u20131964“, Journal of Finance, Vol. 23, No. 2, 1968.<\/p>\n [5]<\/strong> Der im Internet frei zug\u00e4ngliche Aufsatz von Sharpe kann von jedem Laien verstanden werden: William Sharpe: „The Arithmetic of Active Management“, The Financial Analysts Journal, Vol. 47, No. 1, Jan.\/Feb. 1991.<\/p>\n [6]<\/strong> Im Englischen hei\u00dft es deswegen sch\u00f6n anschaulich „to take<\/em> investment risk“.<\/p>\n [7]<\/strong> „Die f\u00fcnf gef\u00e4hrlichsten Worte beim Investieren sind: Dieses Mal ist es anders.“ Es wird angenommen, dass diese Einsicht von John Templeton (1912 \u2013 2008) stammt. Templeton war ein ber\u00fchmter Fonds-Manager, Unternehmer und Philanthrop. Er starb sehr reich.<\/p>\n [8]<\/strong> Siehe die Artikel „Action Bias“ in der deutschen und der englischen Wikipedia, hier<\/u><\/a> und hier<\/u><\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" In diesem Beitrag geht es um den Kursr\u00fcckgang an den Aktienm\u00e4rkten seit Jahresbeginn 2025 und darum, wie Anleger damit umgehen sollten. <\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":15787,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,1,9],"tags":[57,47],"class_list":["post-13755","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktives-investieren","category-nicht-kategorisiert","category-ratgeber","tag-buy-and-hold","tag-crash"],"yoast_head":"\n
<\/p>\nWie jetzt reagieren?<\/strong><\/span><\/h2>\n
Wie gut funktioniert aktives Investment-Management?<\/strong><\/span><\/h2>\n
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<\/p>\n
<\/p>\nKeine Renditebest\u00e4ndigkeit bei aktiv gemanagten Fonds<\/strong><\/span><\/h2>\n
\n2) Die Siegerquote (gem\u00e4\u00df Tabelle 2) der passiven Portfolios steigt mit der L\u00e4nge des Auswertungszeitraums und n\u00e4hert sich \u00fcber Zeitr\u00e4ume von 10+ Jahren der 100%-Marke an.
\n3) In die kleine Minderheit der aktiven Outperfomer-Fonds oder -Strategien zu investieren ist vermutlich sinnlos, da ihre Zusammensetzung von Zeitfenster zu Zeitfenster wechselt und sich vorw\u00e4rtsgerichtet nicht verl\u00e4sslich prognostizieren l\u00e4sst. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fonds aus Quartil 2 oder 3 in der n\u00e4chsten Periode im obersten Quartil landet, ist genauso hoch wie die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr origin\u00e4re Quartil 1-Fonds. (Lediglich f\u00fcr Quartil 4 Fonds, die schlechtesten aller Fonds, scheint es eine gewissen Beharrungstendenz zu geben \u2013 mutma\u00dflich, weil diese Fonds tendenziell mit der Gruppe der teuersten Fonds zusammenfallen.)
\n4) Aus Feststellung (1), (2) und (3) resultiert, dass die wahrscheinlichkeits- oder h\u00e4ufigkeits-gewichtete Rendite aktiver Anleger niedriger ist als diejenige der passiven Anleger. Anders formuliert: Passive Anleger schlagen aktive Anleger mehrheitlich bereits auf die kurze Frist und zu \u00fcber 90% auf die lange Frist.<\/p>\n
\nb) Die „Arithmetik des aktiven Investment-Managements“. Dieser vom Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger William Sharpe formulierten \u00dcberlegung zufolge m\u00fcssen mit mathematischer Notwendigkeit mindestens 50% aller aktiv gemanagten Portfolios aufgrund ihrer h\u00f6heren Kosten schlechtere Renditen als korrekt vergleichbare passiv gemanagte Portfolios produzieren. (Die Details hierzu werden in den Investmentb\u00fcchern von Gerd Kommer erl\u00e4utert, z. B. in diesem<\/u><\/a>.) [5]<\/span><\/strong><\/p>\nGute Risiken versus schlechte Risiken<\/strong><\/span><\/h2>\n
Die Resilienz von global diversifizierten Portfolios<\/strong><\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n