{"id":1031,"date":"2018-03-28T00:00:33","date_gmt":"2018-03-27T22:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=1031"},"modified":"2025-09-05T13:51:12","modified_gmt":"2025-09-05T11:51:12","slug":"warren-buffetts-hedge-fonds-wette","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/warren-buffetts-hedge-fonds-wette\/","title":{"rendered":"Warren Buffetts Hedge-Fonds-Wette"},"content":{"rendered":"

Von Alexander Weis<\/a> und Gerd Kommer<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n

Man kann die \u00dcberlegenheit passiven Investierens \u2013 also Buy-and-Hold-Investments mit Indexfonds \u2013 gegen\u00fcber traditionellem aktivem Geldanlegen auf unterschiedliche Weise zeigen: Indem man ein Buch<\/a> \u00fcber „aktiv versus passiv“ schreibt, indem man eine wissenschaftliche Untersuchung \u00fcber Teilaspekte des Themas ver\u00f6ffentlicht [1]<\/span><\/strong> oder \u2013 besonders unterhaltsam \u2013 in dem man mit aktiven Anlegern wettet. Letzteres hat der gro\u00dfe Warren Buffett im Jahr 2007 kurz vor Beginn der Finanzkrise getan. Er ging damals eine Wette mit einem gewissen Ted Seides ein. Seides war ein bei der New Yorker Finanzboutique Prot\u00e9g\u00e9 Partners<\/em> angestellter Investment-Berater. Gegenstand der Wette war die Frage, ob ein Experte wie Seides eine Gruppe von besonders guten Hedge-Fonds ausw\u00e4hlen konnte, die auf lange Sicht einen simplen, breit diversifizierten Low-Cost-Indexfonds auf Buy-and-Hold-Basis renditem\u00e4\u00dfig schlagen w\u00fcrde. Buffett sagte nein, der Hedge-Fonds-Fachmann ja.<\/p>\n

Um sicherzustellen, dass nicht die Spezialbedingungen eines einzelnen Jahres das Ergebnis verzerren w\u00fcrden, einigten sich die beiden Kontrahenten auf einen hinreichend langen Wettzeitraum, n\u00e4mlich die zehn Jahre vom 01.01.2008 bis zum 31.12.2017. Der Wettverlierer w\u00fcrde dem Gewinner eine Million Dollar bezahlen m\u00fcssen. Der Gewinner verpflichtete sich, das Preisgeld einer karitativen Organisation seiner Wahl zu spenden.<\/p>\n

Buffett setzte auf den „Vanguard 500 Index Fund“ (US-WKN: VFINX), ein Indexfonds, der den S&P-500-Aktienindex abbildet, also die 500 gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten Unternehmen der USA. [2]<\/span><\/strong> Seides w\u00e4hlte f\u00fcnf Dach-Hedge-Fonds aus. [3]<\/span><\/strong> Der einfache Durchschnitt dieser f\u00fcnf Fonds sollte gem\u00e4\u00df Wettbedingungen die f\u00fcr die Wette ma\u00dfgebliche Hedge-Fonds-Rendite darstellen.<\/p>\n

Die Wette war insgesamt so gestaltet, dass (a) nicht die Rendite \u00fcber einen vielleicht wenig repr\u00e4sentativen Kurzfristzeitraum betrachtet wurde; (b) nicht die Leistung eines seltenen positiven oder negativen „Ausrei\u00dfer-Hedgefonds“ ma\u00dfgeblich sein sollte; und (c) auch nicht der „blo\u00dfe Durchschnitt“ aller rund 10.000 Hedgefonds weltweit, also ein breiter Hedge-Fonds-Index verwendet wurde. Vielmehr sollten in der Wette Hedge-Fonds von einer begrenzten Anzahl der in der langfristigen Zukunft besten<\/em> Hedge-Fonds repr\u00e4sentiert werden. Diese Fonds sollten durch einen Hedge-Fonds-Profi ausgew\u00e4hlt werden. In den Worten von Warren Buffett: „This assemblage [die Dach-Hedge-Fonds] was an elite crew, loaded with brains, adrenaline and confidence.“<\/em> (Zu Deutsch: Die Ansammlung einer Elite mit Grips, Adrenalin (also Ehrgeiz, Energie) und Selbstvertrauen.) [4]<\/span><\/strong><\/p>\n

Letztlich war die Ausgangssituation am Start der Wette gut vergleichbar mit der vieler institutioneller und privater Anleger in Hedge-Fonds bevor sie sich f\u00fcr ein Investment in das angebliche „Edel-Segment“ entscheiden: Sie kennen die in der Vergangenheit besten Hedge-Fonds, verwenden diese Vergangenheitsdaten als prim\u00e4res Auswahlkriterium, wissen aber nicht, wie ihre Auswahl in der Zukunft performen wird. Weil die Anleger diese Ungewissheit sp\u00fcren, setzten sie typischerweise nicht alles auf eine Karte, sondern investieren in mehrere Fonds gleichzeitig.<\/p>\n

Der fragliche Zehn-Jahres-Zeitraum, den die Wette abdeckte, war im R\u00fcckblick eine Achterbahn, deren Heftigkeit nur in einer Minderheit aller k\u00fcnftigen Dekaden erreicht werden d\u00fcrfte. In den zehn Jahren ereignete sich Folgendes: Die heftigste globale Wirtschafts- und Finanzkrise seit 80 Jahren, die seit 2008 andauernde Malaise der Euro-Zone mit Rekordverschuldung des Staats und der privaten Haushalte in den meisten EU-Staaten, der inzwischen schon wieder vergessene „Flash-Crash“ von 2010, der dramatische Einbruch des \u00d6lpreises ab 2015, erstmalig negativen nominale Renditen bei Staatsanleihen ab 2016, einer (noch nicht abgeschlossenen) europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingskrise, einer weiteren Intensivierung des islamischen Fundamentalismus, das Brexit-Votum in Gro\u00dfbritannien (2016), die Wahl Donald Trumps zum US-Pr\u00e4sidenten (2017), der Syrien-Krieg im Mittleren Osten und der Nordkorea-Konflikt \u2013 um nur die wichtigsten Geschehnisse zu nennen. Mit den beschriebenen Ereignissen gingen naturgem\u00e4\u00df auch dramatische Kursst\u00fcrze und -gewinne einher wie z. B. ein maximaler Kursverlust des globalen Aktienmarktes um real 57% im Februar 2009 oder einer atemberaubende Kurs-Rally von real +78% in den 24 Monaten danach (alle Daten in Euro).<\/p>\n

Eines ist also klar: Bei diesem Zehn-Jahres-Zeitraum handelt es sich nicht um Sch\u00f6nwetterdaten. Es gab darin mehr als genug Gelegenheiten f\u00fcr die „K\u00f6nige der Wallstreet“, eine einfache Buy-and-Hold-Strategie in Form eines S&P-500-Indexfonds-Investments zu outperformen. Mit anderen Worten: Wann nicht dann, wann denn?<\/p>\n

Doch schauen wir uns die nackten Zahlen in der nachfolgenden Tabelle an. Sie sind so eindeutig und klar, dass sich eine Kommentierung beinahe er\u00fcbrigt.<\/p>\n

 
\nTabelle: Nominale Rendite der Dach-Hedge-Fonds und des Indexfonds in der Zehn-Jahres-Wette zwischen Warren Buffett und Ted Seides (in USD)<\/strong><\/span><\/p>\n

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\u25ba Quelle: Berkshire Hathaway, Annual Report 2017. \u25ba Renditeangaben nach Kosten und vor Steuern, nominal in US-Dollar. \u25ba Die Namen der Dach-Hedge-Fonds wurden gem\u00e4\u00df offizieller Wettbedingungen nicht ver\u00f6ffentlicht. \u25ba (1) Renditen f\u00fcr alle Einzeljahre vom 1.1. bis 31.12. \u25ba (2) Endwert eines anf\u00e4nglich investierten Dollars nach 10 Jahren. \u25ba (3) Relativer Verm\u00f6gensendwert gegen\u00fcber dem Vanguard Indexfonds. \u25ba (4) Geometrische Rendite per annum (Compound Annual Growth Rate).<\/em><\/span><\/p>\n

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Was gibt es \u00fcber die Zahlen in der Tabelle zu sagen? Zun\u00e4chst einmal, dass das Versagen der Elite-Fonds so krass ist, dass sogar wir \u2013 ausgemachte Skeptiker gegen\u00fcber aktivem Investieren \u2013 erstaunt waren:<\/p>\n