[4]<\/span><\/strong><\/p>\nLetztlich war die Ausgangssituation am Start der Wette gut vergleichbar mit der vieler institutioneller und privater Anleger in Hedge-Fonds bevor sie sich f\u00fcr ein Investment in das angebliche „Edel-Segment“ entscheiden: Sie kennen die in der Vergangenheit besten Hedge-Fonds, verwenden diese Vergangenheitsdaten als prim\u00e4res Auswahlkriterium, wissen aber nicht, wie ihre Auswahl in der Zukunft performen wird. Weil die Anleger diese Ungewissheit sp\u00fcren, setzten sie typischerweise nicht alles auf eine Karte, sondern investieren in mehrere Fonds gleichzeitig.<\/p>\n
Der fragliche Zehn-Jahres-Zeitraum, den die Wette abdeckte, war im R\u00fcckblick eine Achterbahn, deren Heftigkeit nur in einer Minderheit aller k\u00fcnftigen Dekaden erreicht werden d\u00fcrfte. In den zehn Jahren ereignete sich Folgendes: Die heftigste globale Wirtschafts- und Finanzkrise seit 80 Jahren, die seit 2008 andauernde Malaise der Euro-Zone mit Rekordverschuldung des Staats und der privaten Haushalte in den meisten EU-Staaten, der inzwischen schon wieder vergessene „Flash-Crash“ von 2010, der dramatische Einbruch des \u00d6lpreises ab 2015, erstmalig negativen nominale Renditen bei Staatsanleihen ab 2016, einer (noch nicht abgeschlossenen) europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingskrise, einer weiteren Intensivierung des islamischen Fundamentalismus, das Brexit-Votum in Gro\u00dfbritannien (2016), die Wahl Donald Trumps zum US-Pr\u00e4sidenten (2017), der Syrien-Krieg im Mittleren Osten und der Nordkorea-Konflikt \u2013 um nur die wichtigsten Geschehnisse zu nennen. Mit den beschriebenen Ereignissen gingen naturgem\u00e4\u00df auch dramatische Kursst\u00fcrze und -gewinne einher wie z. B. ein maximaler Kursverlust des globalen Aktienmarktes um real 57% im Februar 2009 oder einer atemberaubende Kurs-Rally von real +78% in den 24 Monaten danach (alle Daten in Euro).<\/p>\n
Eines ist also klar: Bei diesem Zehn-Jahres-Zeitraum handelt es sich nicht um Sch\u00f6nwetterdaten. Es gab darin mehr als genug Gelegenheiten f\u00fcr die „K\u00f6nige der Wallstreet“, eine einfache Buy-and-Hold-Strategie in Form eines S&P-500-Indexfonds-Investments zu outperformen. Mit anderen Worten: Wann nicht dann, wann denn?<\/p>\n
Doch schauen wir uns die nackten Zahlen in der nachfolgenden Tabelle an. Sie sind so eindeutig und klar, dass sich eine Kommentierung beinahe er\u00fcbrigt.<\/p>\n
\nTabelle: Nominale Rendite der Dach-Hedge-Fonds und des Indexfonds in der Zehn-Jahres-Wette zwischen Warren Buffett und Ted Seides (in USD)<\/strong><\/span><\/p>\n
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\u25ba Quelle: Berkshire Hathaway, Annual Report 2017. \u25ba Renditeangaben nach Kosten und vor Steuern, nominal in US-Dollar. \u25ba Die Namen der Dach-Hedge-Fonds wurden gem\u00e4\u00df offizieller Wettbedingungen nicht ver\u00f6ffentlicht. \u25ba (1) Renditen f\u00fcr alle Einzeljahre vom 1.1. bis 31.12. \u25ba (2) Endwert eines anf\u00e4nglich investierten Dollars nach 10 Jahren. \u25ba (3) Relativer Verm\u00f6gensendwert gegen\u00fcber dem Vanguard Indexfonds. \u25ba (4) Geometrische Rendite per annum (Compound Annual Growth Rate).<\/em><\/span><\/p>\n <\/p>\n
Was gibt es \u00fcber die Zahlen in der Tabelle zu sagen? Zun\u00e4chst einmal, dass das Versagen der Elite-Fonds so krass ist, dass sogar wir \u2013 ausgemachte Skeptiker gegen\u00fcber aktivem Investieren \u2013 erstaunt waren:<\/p>\n
\n- Kein einziger der f\u00fcnf Dach-Hedge-Fonds konnte den S&P-500-Indexfonds \u00fcber den Zehn-Jahres-Zeitraum schlagen. (F\u00fcr die Wette war jedoch nur der Durchschnitt der f\u00fcnf Dachfonds ma\u00dfgeblich).<\/li>\n
- Der beste der f\u00fcnf Dachfonds unterperformte den S&P 500 um 17%, der schlechteste um schockierende 54%.<\/li>\n
- Aus einem anf\u00e4nglich investierten Dollar wurden im Vanguard-Indexfonds 2,26 Dollar. Dieser Dollar wuchs im Durschnitt der f\u00fcnf Hedge-Fonds dagegen lediglich auf etwas mehr als die H\u00e4lfte (1,38 Dollar).<\/li>\n<\/ul>\n
Hedge-Fonds zeigten sich in den letzten Jahren jedoch nicht nur in der Buffet-Seides-Wette als schlechte Seifenoper. Der gesamte globale Hedge-Fondssektor (gemessen am HFRX Hedge Fund Index) lag in 14 von 15 Kalenderjahren seit 2003 schlechter als der Weltaktienmarkt (MSCI-ACWI-Index). Die kumulative Unterperformance des Hedge-Fonds-Sektors \u00fcber diese 15 Jahre ist so dramatisch, dass man mit den „Regenmachern“ regelrecht Mitleid bekommen k\u00f6nnte, w\u00e4re da nicht das fantastisches Gehalt, mit dem sie f\u00fcr diese Minderleistung bezahlt werden. So etwas gibt es ansonsten nur bei der Deutschen Bank.<\/p>\n
Ted Seides, Buffets Wettpartner, stellte sich zum Schluss sogar noch als schlechter Verlierer heraus. Ende 2017 (kurz vor der schon absehbaren Niederlage) verwies er in einem Interview darauf, dass der S&P 500 2007\/2008, also in den ersten 14 Monaten der Wette, einen kumulativen Verlust von rund 50% einfuhr, w\u00e4hrend sein Hedge-Fonds-Portfolio mit etwa \u201325% nur halb so tief eingebrochen war. Seiner Argumentation zufolge seien im Jahr 2008 viele S&P-500-Anleger „ausgestiegen“ und h\u00e4tten gar nicht erst an der anschlie\u00dfenden Erholung der M\u00e4rkte teilgenommen, w\u00e4hrend Hedge-Fonds-Anleger viel eher „am Ball geblieben“ seien.<\/p>\n
Dumm nur, dass diese Behauptung erstens nichts mit den Wettbedingungen zu tun hatte und zweitens, Seides sie f\u00fcr den konkreten Vanguard-Indexfonds nicht belegen konnte. Dennoch sollte der Seides-Einwand uns allen zu denken geben: An den zwar sehr volatilen, aber langfristig hohen Aktienmarktrenditen wird vermutlich nur derjenige teilhaben, der auch tats\u00e4chlich kontinuierlich im Markt investiert ist, diese Volatilit\u00e4t also auszuhalten bereit ist. Zwischendurch „aussteigen“ f\u00fchrt weit \u00fcberwiegend zu langfristigen Unterrenditen. Eigentlich sollte das klar sein. Renditen sind Risikopr\u00e4mien. Wer kein Risiko tragen will, kann auch keine Rendite haben \u2013 au\u00dfer durch Gl\u00fcck und diesem Gl\u00fcck steht spiegelbildlich genauso zahlreiches Pech gegen\u00fcber.<\/p>\n
Eine weitere, allerdings nicht neue, Erkenntnis, die indirekt aus der Wette hervorgeht: Die Nebenkosten des Investierens spielen eine zentrale Rolle f\u00fcr den langfristigen Investmenterfolg. Diese Nebenkosten lagen f\u00fcr die Hedge-Fonds vermutlich zwanzigmal so hoch wie f\u00fcr den Vanguard Indexfonds. Die \u00fcbliche Kosten-Gr\u00f6\u00dfenordnung f\u00fcr Hedge-Fonds ist 2% Verwaltungsgeb\u00fchren plus Performance-Geb\u00fchr. Letztere schl\u00e4gt auf lange Sicht mit etwa einem weiteren Prozentpunkt j\u00e4hrlich zu Buche, sofern der Fonds eine mittlere oder gehobene Rendite erzielt (was freilich f\u00fcr die von Seides ausgew\u00e4hlten Dach-Hedge-Fonds in den meisten Jahren nicht der Fall war).<\/p>\n
Der Wetteinsatz, der w\u00e4hrend der Wette als Sicherheitsleistung in amerikanischen Staatsanleihen geparkt war, war zwischen den Parteien einvernehmlich bereits im November 2012 in Anteile an Warren Buffetts Investment-Holding Berkshire Hathaway<\/em> umgewandelt worden, um den Betrag zu maximieren, der bei F\u00e4lligkeit der Wette f\u00fcr einen wohlt\u00e4tigen Zweck gespendet werden sollte. Anfang 2018 flossen auf diese Weise 2,2 Millionen USD an die „Girls Incorporated of Omaha“, eine wohlt\u00e4tige Organisation, die benachteiligte M\u00e4dchen im US-Bundesstaat Nebraska f\u00f6rdert.<\/p>\n <\/p>\n
Fazit<\/strong><\/span><\/h2>\nDie Wette zwischen Warren Buffett und Ted Seides zeigte einmal mehr, dass konventionelles, also „aktives“ Investieren, typischerweise zu schlechten Anlageergebnissen f\u00fchrt; selbst dann, wenn man die „Besten der Besten“ daf\u00fcr engagiert. Weil das so ist, hat Warren Buffet \u2013 der m\u00f6glicherweise erfolgreichste aktive Investor der vergangenen sechs Jahrzehnte \u2013 testamentarisch verf\u00fcgt, dass jener Teil seines Verm\u00f6gens, der an seine Frau flie\u00dft, fast vollst\u00e4ndig in den Vanguard 500 Index Fund investiert werden soll.\u00a0Der schlaue Buffett wusste nat\u00fcrlich, dass er die Wette gewinnen w\u00fcrde, denn sie vollzog letztlich nur das nach, was die Wissenschaft vorher vielfach nachgewiesen hatte: \u00dcber einen hinreichend langen Zeitraum unterperformen zwischen 70% und 100% aller aktiven Anleger eine korrekt gew\u00e4hlte passive Benchmark und die kleine Minderheit der aktiven „Gewinner“ ist nicht zuverl\u00e4ssig prognostizierbar.<\/p>\n
\u00a0<\/strong><\/p>\n