{"id":7569,"date":"2022-12-02T00:00:18","date_gmt":"2022-12-01T23:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=7569"},"modified":"2026-05-27T15:39:46","modified_gmt":"2026-05-27T13:39:46","slug":"eigenheim-vs-weltportfolio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/eigenheim-vs-weltportfolio\/","title":{"rendered":"Kaufen oder mieten? \u2013 Eigenheim vs. Weltportfolio"},"content":{"rendered":"
<<< Dieser Blog-Beitrag ist auch als YouTube-Video verf\u00fcgbar. >>><\/a><\/strong><\/span><\/p>\n Von Alexander Weis<\/a>\u00a0und\u00a0Jonas Schweizer<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Eine aktualisierte Version dieses Artikels mit aktuellen Daten bis 2024 ist inzwischen erschienen: „Mieten oder Kaufen \u2013 was ist finanziell attraktiver?“<\/a>. Dieser \u00e4ltere Beitrag behandelt im Gegensatz dazu auch die nicht-finanziellen (Lifestyle-)Aspekte der Kaufen-oder-Mieten-Entscheidung.<\/em><\/p>\n Sollte man besser kaufen oder mieten? Die Frage, ob man sich zu Lebzeiten ein Eigenheim (Wohnung oder Haus) kaufen soll, besch\u00e4ftigt fast jeden Menschen in unseren Gefilden irgendwann. F\u00fcr viele Haushalte ist ein Eigenheimkauf eine der gr\u00f6\u00dften finanziellen Entscheidungen in ihrem ganzen Leben.<\/p>\n Die Auffassung, es sei eigentlich immer der schlauere, weil rentablere Weg, zum Eigentum statt zur Miete zu wohnen, ist weit verbreitet. Wir h\u00f6ren dieses Mantra seit Jahrzehnten von der Immobilienbranche, von Banken, von Politikern, von Finanzjournalisten und \u00fcberwiegend auch von den Menschen, die uns nahestehen: Eltern, Gro\u00dfeltern, Geschwister, Freunde und Kollegen \u2013\u00a0und gef\u00fchlt jeder hat eine starke Meinung zu dem Thema. In den letzten rund 15 Jahren schien das Mantra ja auch zu stimmen: Die Immobilienpreise stiegen immer weiter und die Zinsen fielen auf ein historisches Niedrigstniveau. Mit Eigenheimbesitz tolle Renditen zu erzielen schien ein Nobrainer<\/em> zu sein und Mieten nur etwas f\u00fcr die Armen oder Dummen.<\/p>\n In Wirklichkeit hat das Mantra „Kaufen ist fast immer wirtschaftlich schlauer als Mieten“ in dieser Form nie gestimmt. Und f\u00fcr das vor uns liegende Jahrzehnt k\u00f6nnte es besonders falsch sein. Dieser Blog-Beitrag wird das vor dem Hintergrund n\u00fcchterner historischer Daten und ein bisschen Sachlogik zeigen.<\/p>\n Gerd Kommer hat mit seinem 2021 in der dritten Auflage erschienenen Ratgeberbuch „Kaufen oder Mieten \u2013 wie Sie f\u00fcr sich die richtige Entscheidung treffen<\/a>“ („KOM“) einen Ratgeber ins Leben gerufen, der die Frage „Kaufen oder Mieten?“ in f\u00fcr ihn gewohnt k\u00fchl-rationaler und strikt wissenschaftlicher Manier untersucht. Dabei befasst er sich mit Lifestyle-Argumenten f\u00fcr und gegen Eigenheimbesitz genauso wie mit wirtschaftlichen Argumenten.<\/p>\n In diesem Blog-Beitrag haben wir die wichtigsten Argumente aus KOM kurz und knackig zusammengefasst. Der Beitrag ist zwar auch f\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse noch recht lang, doch ist auch der zugrunde liegende Sachverhalt anspruchsvoll, was die L\u00e4nge dieses Textes rechtfertigt, und man ist damit allemal schneller durch als mit dem Buch.<\/p>\n Die Frage, ob man besser Mieter bleiben oder sich zum Eigenheimbesitzer „upgraden“ soll, l\u00e4sst sich auf zwei Hauptaspekte herunterbrechen: Einmal w\u00e4re da der \u00f6konomische und einmal der Lifestyle<\/em>-Blickwinkel; man k\u00f6nnte auch sagen die emotionale Seite. Zun\u00e4chst schauen wir uns die reinen Zahlen an; danach die Lifestyle-Argumente.<\/p>\n So, jetzt legen wir aber auch endlich los: Soll ich kaufen oder mieten?<\/p>\n <\/p>\n Wenn man Umfragen Glauben schenken darf, dann ist f\u00fcr die Mehrheit der (angehenden) Eigenheimbesitzer („EHB“) der finanzielle Aspekt f\u00fcr den Eigenheimwunsch wichtiger als der Lifestyle-Aspekt. Aufgrund der weitreichenden Folgen eines Immobilienkaufs f\u00fcr Otto-Normal-Verdiener \u00fcberrascht das nicht. Deshalb geht es jetzt direkt ans Eingemachte: Wir vergleichen die Renditen, die f\u00fcr EHB und Mieter \u00fcber die letzten Jahrzehnte unter sonst gleichen Umst\u00e4nden zu holen waren. Herzst\u00fcck dieses Vergleichs sind die jeweiligen Endverm\u00f6genswerte unserer beiden „Wettk\u00e4mpfer“, d. h. wer \u2013 EHB oder Mieter \u2013 am Ende der jeweiligen Betrachtungsperiode wieviel Nettoverm\u00f6gen (Bruttoverm\u00f6gen abz\u00fcglich Schulden) erreicht hat. Darauf basierend k\u00f6nnen wir eine Aussage dar\u00fcber treffen, was rentabler war: Kaufen oder mieten.<\/p>\n <\/p>\n Aus Platzgr\u00fcnden beschr\u00e4nken wir uns in diesem Blog-Beitrag auf eine vereinfachte Form des Vergleichs, den Gerd Kommer in KOM durchgef\u00fchrt hat. Wir verzichten darauf, die historischen Datens\u00e4tze und Indizes, auf denen der Vergleich basiert, n\u00e4her zu beschreiben, weil das den Rahmen unseres Beitrags sprengen w\u00fcrde. Wen dieser Aspekt n\u00e4her interessiert, der sollte das Buch lesen.<\/p>\n Um einen fairen Vergleich anstellen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen nat\u00fcrlich bei beiden Haushalten dieselben Zahlungsstr\u00f6me unterstellt werden, d. h. alles Geld, das ein EHB in seine Immobilie steckt, investiert der konkurrierende Mieter, der eine identische Wohnung mietet, in ein global diversifiziertes Kapitalmarktportfolio bestehend aus Aktien und Anleihen („Weltportfolio“) auf Buy-and-hold-Basis. (Wie ein solches aufgesetzt wird, zeigen wir in unserem Blog-Beitrag <\/em>„Passiv investieren \u2013 die Basics<\/em><\/a>“.)<\/em><\/p>\n In der folgenden Tabelle haben wir die relevanten Zahlungsstr\u00f6me von EHB und Mieter veranschaulicht. Den negativen Cash-Flows (Aufwand) in roter Farbe haben wir ein Minuszeichen, den positiven Cash-Flows (Ertr\u00e4ge) in schwarzer Farbe ein Pluszeichen vorangesetzt.<\/p>\n Tabelle 1: Vergleich der Zahlungsstr\u00f6me zwischen Eigenheimbesitzer und Mieter<\/strong><\/span><\/p>\n Quelle: <\/em>Kaufen oder Mieten \u2013 wie Sie f\u00fcr sich die richtige Entscheidung treffen<\/em><\/a> von Gerd Kommer \/\/\/ [1] Kaufnebenkosten sind bei Immobilien 10- bis 20-mal so hoch wie bei Kapitalmarktinvestment per ETFs <\/em>\/\/\/<\/em> [2] Verkaufskosten bei Immobilien sind in der Regel deutlich h\u00f6her als bei Kapitalmarktinvestments <\/em>\/\/\/<\/em> [3] Bei Eigenheimen, die sich steuerlich im Privatverm\u00f6gen befinden, fallen in Deutschland normalerweise keine Steuern auf Wertsteigerungsgewinne an. Bei Kapitalmarktanlagen unterliegen Kursgewinne der Abgeltungsteuer \u2013 normalerweise 26,4% (und ggf. zzgl. Kirchensteuer).<\/em><\/span><\/p>\n In Prosa hei\u00dft das: Der EHB kauft zu Beginn unseres 30-j\u00e4hrigen Betrachtungszeitraums eine Immobilie aus Eigen- und Fremdkapital, stottert seinen Immobilienkredit ab und investiert immer brav in die notwendige Instandhaltung, um am Ende der Vergleichsperiode das Eigenheim wieder zu verkaufen (ein Verkauf ist f\u00fcr finanzmathematische Vergleichszwecke notwendig). Der Mieter hingegen legt anf\u00e4nglich denselben Eigenkapitalbetrag am Kapitalmarkt in einem 60\/40-Weltportfolio aus Aktien und Anleihen an, zahlt jeden Monat pflichtgetreu seine Miete und investiert den Mehrbetrag, den er im Vergleich zum EHB jeden Monat \u00fcbrig hat, ebenfalls in sein Weltportfolio. Dieses ver\u00e4u\u00dfert er am Ende der Betrachtungsperiode ebenfalls.<\/p>\n Die resultierenden Kontost\u00e4nde von Mieter und EHB lassen dann eine Schlussfolgerung dar\u00fcber zu, wer \u00f6konomisch gesehen mit seiner Geldanlage- und Altersvorsorge-L\u00f6sung besser performt hat. Falls beim EHB am Ende der Betrachtungsperiode noch Schulden bestehen, werden diese nat\u00fcrlich abgezogen, denn es geht um das Netto<\/em>verm\u00f6gen.<\/p>\n Bevor wir uns aber konkret ansehen, wer historisch gesehen die Renditenase vorne hatte, hier noch einige Annahmen, die unserem Vergleich zugrunde liegen, im Schweinsgalopp:<\/p>\n <\/p>\n Jetzt, da wir die Weichen f\u00fcr unseren Vergleich gestellt haben, pr\u00e4sentieren wir in Tabelle 2 zehn historische Kaufen-oder-mieten-Vergleichsrechnungen inklusive sofortiger Siegerehrung:<\/p>\n Tabelle 2: Vergleich des Endverm\u00f6gens zwischen Eigenheimbesitzer und Mieter (f\u00fcr zehn sich teilweise \u00fcberlappende Teilzeitr\u00e4ume zwischen 1970 und 2020)<\/strong><\/span><\/p>\n Quelle: <\/em>Kaufen oder Mieten \u2013 wie Sie f\u00fcr sich die richtige Entscheidung treffen<\/em><\/a> von Gerd Kommer \/\/\/ Alle Zahlen nominal, d. h. inklusive Inflation <\/em>\/\/\/<\/em> Verm\u00f6gensendwert in allen zehn F\u00e4llen jeweils per Ende des in der Kopfzeile der Tabelle angegebenen Zeitraums, also z. B. per Ende 1999 in Fall 1 <\/em>\/\/\/ <\/em>Da eine 30-j\u00e4hrige Kreditlaufzeit bis zur Volltilgung unterstellt wird, verbleibt in den F\u00e4llen 6 bis 10 beim EHB eine Restkreditschuld, die vom Marktwert der Immobilie am Ende des Betrachtungszeitraums abgezogen wird oder, mit anderen Worten: Die Restschuld ist im angegebenen Verm\u00f6gensendwert enthalten<\/em><\/span><\/p>\n Die wesentlichen Schlussfolgerungen aus dem Rendite- bzw. Endverm\u00f6gensvergleich in der Tabelle lassen sich wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n Mieten kann somit \u2013\u00a0\u00f6konomisch-historisch gesehen \u2013\u00a0genauso attraktiv sein wie Kaufen und war in den zur\u00fcckliegenden 51 Jahren h\u00e4ufig sogar die finanziell attraktivere Alternative zum Eigenheim. Wer prim\u00e4r darauf bedacht ist, das Meiste aus seinem Geld zu machen, wird also im Erwartungswert mit Mieten besser fahren als mit Kaufen.<\/p>\n Doch da Geld bekanntlich nicht alles ist, beleuchten wir im n\u00e4chsten Schritt verschiedene Lifestyle-Argumente f\u00fcr die f\u00fcr so viele schwerwiegende Kaufen-oder-mieten-Entscheidung.<\/p>\n <\/p>\n Geldanlage hat zwar in den meisten F\u00e4llen zum Ziel, bei gegebenem Risiko die Rendite zu maximieren, doch der damit erzielte Verm\u00f6genszugewinn ist letztlich immer nur Mittel zum Zweck: Im Grunde geht es darum, wieviel mehr an Lebenszufriedenheit man mit dem neu gewonnenen Geld erzielen kann. Aus diesem Grund schauen wir uns im Folgenden jeweils drei Argumente f\u00fcr Kaufen bzw. Mieten aus der Sicht eines Haushalts an, der seine Lebenszufriedenheit (und nicht nur seine Rendite) maximieren m\u00f6chte:<\/p>\n <\/p>\n Das in unseren Augen st\u00e4rkste Argument f\u00fcr den Kauf der eigenen vier W\u00e4nde ist, dass er in Kombination mit einer Kreditfinanzierung einen Zwangssparvertrag darstellt. Warum? Ein Kredit muss schlie\u00dflich abbezahlt werden \u2013\u00a0und zwar jeden einzelnen Monat<\/em> f\u00fcr einen typischerweise verdammt langen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren. Wer sich dagegen str\u00e4ubt, wird recht schnell Probleme mit der finanzierenden Bank bekommen. Hei\u00dft also, man ist \u00fcber Jahrzehnte gezwungen, Monat f\u00fcr Monat zu sparen, ob man will oder nicht, und das geht \u00fcblicherweise mit einem gewissen Konsumverzicht einher. Mieter haben zwar ebenfalls monatlich ihre Miete zu entrichten, diese f\u00e4llt aber meist geringer aus als der Kapitaldienst des EHB (zzgl. verdurchschnittlichte Kosten f\u00fcr Instandhaltung, Grundsteuer und Versicherung). Die Differenz k\u00f6nnte<\/em> nun gespart und in ein Weltportfolio investiert werden, aber eben auch f\u00fcr Konsumzwecke verprasst werden. Sparen ist f\u00fcr den Mieter im Gegensatz zum EHB also freiwillig. Sollten Sie Ihre Spardisziplin als „ausbauf\u00e4hig“ einsch\u00e4tzen und den Kampf gegen Ihren inneren Schweinehund regelm\u00e4\u00dfig verlieren, werden Sie mit einer fremdfinanzierten Immobilie und damit einem positiven Zwangssparvertrag vermutlich besser fahren als mit der Kombination aus einer Mietwohnung und einem Weltportfolio auf „Freiwilligenbasis“.<\/p>\n <\/p>\n Kauf und Besitz einer Wohnimmobilie gehen in unserer Gesellschaft oft mit einem Zugewinn an Sozialprestige einher. Das gilt absurderweise auch dann, wenn eine Immobilie \u00fcberwiegend fremdfinanziert ist und \u00f6konomisch betrachtet eher der Bank als dem EHB geh\u00f6rt. Trotzdem gilt: „100% Ansehen bei 30% Anzahlung“ \u2013 kein schlechter Deal. Dem Nachbar, der die baugleiche Wohnung nebenan zur Miete bewohnt, wird nicht nur weniger Ansehen zuteil, sondern er sieht sich oft auch mit Mitleid und gut gemeinten Ratschl\u00e4gen konfrontiert, wenn er Freunden beim Dinner davon erz\u00e4hlt, wie er sein sauer Erspartes Monat f\u00fcr Monat „in die Tasche seines Vermieters“ \u00fcberweist. Dass dieser Mieter ein ETF-Depot hat, das genauso viel oder mehr wert ist wie die Wohnung des EHB abz\u00fcglich der Schulden, bringt unserem Mieter bei seinen Mitmenschen ebenfalls selten Bewunderung ein. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchlen<\/em> sich EHB meist auch wohlhabender als Mieter, denn die menschliche Psyche kann mit dem Konzept einer Fremdkapitalfinanzierung wenig anfangen. Wer also auf Sozialprestige und gef\u00fchlten Reichtum bedacht ist, ist mit einer Eigentumswohnung vermutlich besser bedient als mit einer Wohnung zur Miete.<\/p>\n <\/p>\n Ein Eigenheim kann leichter und in gr\u00f6\u00dferem Umfang an pers\u00f6nliche Vorstellungen angepasst werden als eine Mietwohnung. Dieser Sachverhalt ist trivial, sodass er keiner weiteren Ausf\u00fchrung bedarf. Doch erlauben wir uns anzumerken, dass auch Mieter Gestaltungsm\u00f6glichkeiten haben, die bei einer durchschnittlichen Mietdauer von rund elf Jahren in Deutschland nicht nur psychologisch lohnenswert sein k\u00f6nnen, sondern selbst bei gr\u00f6\u00dferen Summen in den meisten F\u00e4llen vermutlich auch \u00f6konomisch vertretbar sind.<\/p>\n <\/p>\n Sie haben richtig gelesen: Mieten in Kombination mit einem Weltportfolio ist die risiko\u00e4rmere Alternative zu Kaufen. Warum? Erstens, (normalverm\u00f6gende) EHB haben einen Gro\u00dfteil ihres Verm\u00f6gens auf einen einzigen Verm\u00f6genswert konzentriert; im \u00d6konomen-Jargon nennt man das ein Klumpenrisiko. Diversifikation<\/a>? Fehlanzeige. Man legt also sprichw\u00f6rtlich alle Eier in einen Korb. Das kann<\/em> nat\u00fcrlich gutgehen und ist es in den letzten 15 Jahren auch, muss<\/em> es aber nicht. Es liegt in der Natur von Risiko, dass es sich ab und an manifestieren muss und wenn das dann meinen gr\u00f6\u00dften Verm\u00f6genswert betrifft, ist das, euphemistisch gesagt, nicht optimal. Ein Mieter mit Weltportfolio hat dieses Problem nicht. Er kann global \u00fcber verschiedene Asset-Klassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Edelmetalle und sogar Immobilien diversifizieren. Zweitens, Kreditfinanzierungen erh\u00f6hen das Risiko eines EHB betr\u00e4chtlich. (Wer das genauer nachlesen m\u00f6chte, der werfe einen Blick auf unseren Blog-Beitrag „<\/em>Das Risiko von Investments in Immobilien<\/em><\/a>“)<\/em>. Und drittens, ein EHB geht relativ zum Mieter ein h\u00f6heres Risiko unerw\u00fcnschter Opportunit\u00e4tskosten<\/a> (entgangene Gewinne) ein. Letzteres schl\u00e4gt eine stabile Br\u00fccke zu unserem n\u00e4chsten Pro-Mieten-Argument.<\/p>\n <\/p>\n Wie ihr Name schon sagt, sind Immobilien nicht mobil; sie sind fest an einen bestimmten Standort gebunden. Wer eine Immobilie erwirbt, der schr\u00e4nkt seine Mobilit\u00e4t ein; das muss sich jeder K\u00e4ufer in spe vor Augen f\u00fchren und das l\u00e4sst sich auch statistisch belegen. (Selbstverst\u00e4ndlich kann eine einmal erworbene Immobilie auch wieder ver\u00e4u\u00dfert oder vermietet werden, doch das bringt eine ganze Reihe anderer Probleme mit sich, auf die wir hier aus Platzgr\u00fcnden nicht eingehen.) Die negativen Konsequenzen von Immobilit\u00e4t k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig sein: Vielleicht kann man seinen „Traumjob“ nicht (oder nur unter Inkaufnahme einer unzumutbaren Pendelzeit) annehmen, weil er sich in einer anderen Stadt oder gar einem anderen Land befindet. Oder man verliebt sich in einen weit entfernt lebenden anderen EHB und die potenzielle Beziehung scheitert daran, dass keiner bereit ist, seine Immobilie f\u00fcr den jeweils anderen aufzugeben. Oder man will Existenzgr\u00fcnder werden, was erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht gut kompatibel ist mit einem Eigenheimkauf. Und dann war da noch das „Dead-Capital-Argument“, gem\u00e4\u00df dem ein EHB \u00fcber Jahre hinweg eine zu gro\u00dfe Immobilie bewohnt, da sich deren Gr\u00f6\u00dfe nicht mit seinen Lebensumst\u00e4nden (z. B. Scheidung oder Auszug von Kindern) \u00e4ndert. Ein Mieter hingegen kann immer genau die Wohnungsgr\u00f6\u00dfe und den Wohnort w\u00e4hlen, die seinen Bed\u00fcrfnissen am besten entsprechen (z. B. Studium, Single- oder Paarwohnung, Nachwuchs, altersgerechtes Wohnen oder Scheidung). Mieten ist unumstritten flexibler als Kaufen \u2013 und zwar gleich in mehreren Dimensionen.<\/p>\n <\/p>\n Eine Immobilie ist ein komplexes physisches Gebilde, das von der Natur („Wind und Wetter“) und seinen Bewohnern fortlaufend „abgenutzt“ und „besch\u00e4digt“ wird. Um diesen physikalischen Wertminderungsprozess zu kompensieren oder wenigstens zu verlangsamen, muss jemand die Instandhaltung einer Immobilie organisieren. Bei einem EHB ist das er selbst, beim Mieter ist es der Vermieter. Mit anderen Worten: Mieten macht wesentlich weniger Arbeit. Hinzu kommt, dass der Staat, das Finanzamt, die Bank und mehrere Versorgungsunternehmen f\u00fcr Strom, Energie, Wasser, Abwasser, M\u00fcll einen EHB st\u00e4ndig mit Rechnungen, Pflichten, Vorschriften und neuen „netten \u00dcberraschungen“ konfrontieren, die allesamt Arbeit bedeuten. Ein Mieter d\u00fcrfte nur einen Bruchteil dieses Aufwandes haben.<\/p>\n Da alle oben genannten Argumente qualitativer Natur und dadurch im Gegensatz zum einleitenden Renditevergleich nur schwer bis gar nicht quantifizierbar sind, muss jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden, welche Argumente f\u00fcr ihn pers\u00f6nlich \u00fcberwiegen.<\/p>\n Wer noch mehr Lifestyle-Argumente in der Kaufen-oder-Mieten-Abw\u00e4gung h\u00f6ren will, dem empfehlen wir noch einmal die Lekt\u00fcre von KOM<\/a>.<\/p>\n <\/p>\n Noch vor gut einem Jahr wollte es niemand glauben, doch jetzt passiert es: Die Zinsen sind wieder am Steigen. Hat man Mitte 2021 noch einen Immobilienkredit mit zehnj\u00e4hriger Zinsbindung f\u00fcr 1,0% p. a. bekommen, werden inzwischen (Stand: November 2022) wieder knapp 4,0% f\u00e4llig \u2013\u00a0Bau- und Immobilienzinsen haben sich im letzten Jahr also ungef\u00e4hr vervierfacht. Man muss kein Mathematiker sein, um zu sehen, dass sich dieser Zinsanstieg nicht zugunsten von EHB auswirken kann. Selbst f\u00fcr diejenigen ohne Kredit ist er schlecht, denn er tr\u00e4gt zu sinkendem Wertsteigerungspotenzial aller Immobilien bei.<\/p>\n Erschwerend kommt hinzu, dass Wohnimmobilien in Deutschland aktuell ein h\u00f6heres Bewertungsniveau haben als jemals seit 1970 (f\u00fcr die Zeit davor sind keine verl\u00e4sslichen Daten verf\u00fcgbar). Das macht eine Fortsetzung der Wertsteigerungen der letzten Jahre unwahrscheinlich.<\/p>\n Hohe Immobilienzinsen und -bewertungen stellen eine unsch\u00f6ne Kombination dar, die zu einem finanziell schlechten Deal f\u00fcr angehende EHB f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n Letztlich h\u00e4ngt die Entscheidung \u00fcber Kaufen oder Mieten nat\u00fcrlich auch von der konkreten Immobilie ab, die man bewohnen m\u00f6chte, also nicht nur von den Konditionen, zu denen sie zu haben ist, sondern auch davon, ob die gew\u00fcnschte Immobilie zum Kauf oder zur Miete angeboten wird.<\/p>\n Das landl\u00e4ufige Mantra, Kaufen sei auf lange Sicht fast immer rentabler als Mieten, r\u00fchrt zu gro\u00dfen Teilen daher, dass Politik, Medien, Banken, Bausparkassen, Makler sowie unsere Eltern und Gro\u00dfeltern es seit Jahrzehnten gebetsm\u00fchlenartig wiederholen. Gleichzeitig „best\u00e4tigen“ die letzten 15 Jahre Immobilien-Boom die \u00dcberlegenheit von „Betongold“ und eine von vielen gef\u00fchlte<\/em> Alternativlosigkeit bei Geldanlage und Altersvorsorge best\u00e4rken diese Auffassung.<\/p>\n Wer sich f\u00fcr ein Mieterdasein entschieden hat und selbst Hand anlegen m\u00f6chte, dem empfehlen wir unseren Blog-Beitrag „Passiv investieren \u2013 die Basics<\/a>“. Wer sich nicht selbst um seine Geldanlage k\u00fcmmern m\u00f6chte, f\u00fcr den k\u00f6nnte der Robo Advisor von Gerd Kommer Capital<\/a> interessant sein, bei dem man ein auf sich zugeschnittenes Weltportfolio erh\u00e4lt und sich um rein gar nichts k\u00fcmmern muss (der Mindestanlagebetrag f\u00fcr GKC betr\u00e4gt aktuell 25 Euro [Stand: November 2024] und Kapitalanlagen bergen Risiken)<\/em>.<\/p>\n <\/p>\n In diesem Blog-Beitrag haben wir zun\u00e4chst gezeigt, dass Mieten in Kombination mit einem Weltportfolio historisch \u00fcberwiegend attraktiver war als Kaufen. Danach haben wir jeweils drei Lifestyle-Argumente pro Kaufen und pro Mieten beleuchtet. Gegen Ende haben wir noch eine Reihe weiterer Denkanst\u00f6\u00dfe zum Besten gegeben.<\/p>\n Die Frage „Kaufen oder Mieten?“ ist vermutlich deswegen so schwierig zu beantworten, weil es eine Konsum- und Investmententscheidung zugleich ist, weil die Datenlage und die Finanzmathematik drum herum eher un\u00fcbersichtlich sind, weil die Finanzbranche und die Medien uns oft mit einseitigen Informationen verwirren und weil das ganze Thema mit vielen Emotionen verkn\u00fcpft ist. Dieser Blog-Beitrag will helfen, die h\u00f6chst pers\u00f6nliche Beantwortung dieser Frage etwas zu erleichtern.<\/p>\n (Wer sich f\u00fcr unsere Meinung zu Immobilien im Allgemeinen interessiert, dem empfiehlt sich ein Blick in die <\/em>Immobilien-Kategorie<\/em><\/a> auf unserem Blog).<\/em><\/p>\n <\/p>\n Kommer, Gerd (2021). „Kaufen oder Mieten \u2013 wie Sie f\u00fcr sich die richtige Entscheidung treffen<\/a>„; Campus Verlag, 3. Aufl., 2021 (Erstauflage 2010); 280 Seiten<\/p>\n Weis, Alexander; Gschossmann, Selina (2022): „Passiv investieren \u2013 die Basics“; Blog-Beitrag; September 2022; Link: https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/passiv-investieren-die-basics\/<\/a><\/p>\n Kommer, Gerd; Kanzler, Daniel (2022): „Aktieninvestments mit Kredit hebeln \u2013 Funktioniert das?\u201c; Blog-Beitrag; November 2022; Link: https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/leverage-effekt\/<\/a><\/p>\n Kommer, Gerd; Schweizer, Jonas (2018): „Das Risiko von Investments in Immobilien“; Blog-Beitrag; August 2018; Link: https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/das-risiko-von-direktinvestments-in-immobilien-besser-verstehen\/<\/a><\/p>\n Kommer, Gerd; Schweizer, Jonas (2018): „Die Rendite von Investments in Immobilien“; Blog-Beitrag; Okt. 2018; Link: https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/die-rendite-von-direktinvestments-in-wohnimmobilien-besser-verstehen\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Wir besch\u00e4ftigen uns aus rationaler Sicht mit der Gretchenfrage der Altersvorsorge: Kaufen oder Mieten?<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":7586,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[71,25,70,69],"class_list":["post-7569","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-immobilien","tag-eigenheim","tag-immobilien","tag-kaufen","tag-mieten"],"yoast_head":"\n\u00dcber die Renditen von Kaufen und Mieten<\/strong><\/span><\/h2>\n
Annahmen unseres Kaufen-oder-mieten-Vergleichs<\/strong><\/span><\/h3>\n
<\/p>\n\n
Kaufen-oder-mieten \u2013\u00a0das Renditeduell<\/strong><\/span><\/h3>\n
<\/p>\n
<\/p>\n\n
\u00dcber Lifestyle-Aspekte von Kaufen und Mieten<\/strong><\/span><\/h2>\n
Lifestyle-Argumente pro Kaufen <\/strong>\ud83c\udfe0<\/strong><\/span><\/h3>\n
Pro-Kaufen-Argument 1: Eine Immobilienfinanzierung ist ein „positiver Zwangssparvertrag“<\/strong><\/span><\/h4>\n
Pro-Kaufen-Argument 2: Kaufen bietet mehr Sozialprestige als Mieten<\/strong><\/span><\/h4>\n
Pro-Kaufen-Argument 3: Eigenheime bieten gr\u00f6\u00dfere Gestaltungsm\u00f6glichkeiten<\/strong><\/span><\/h4>\n
Lifestyle-Argumente pro Mieten <\/strong>\ud83c\udf0f<\/strong><\/span><\/h3>\n
Pro-Mieten-Argument 1: Mieten ist risiko\u00e4rmer als Kaufen<\/strong><\/span><\/h4>\n
Pro-Mieten-Argument 2: Mieter sind flexibler als Eigenheimbesitzer<\/strong><\/span><\/h4>\n
Pro-Mieten-Argument 3: Mieten macht weniger Arbeit als Kaufen<\/strong><\/span><\/h4>\n
Abschlie\u00dfende Gedanken zu Kaufen oder Mieten<\/strong><\/span><\/h2>\n
Fazit<\/strong><\/span><\/h2>\n
Literatur<\/strong><\/span><\/h2>\n