{"id":5887,"date":"2021-07-02T00:00:41","date_gmt":"2021-07-01T22:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=5887"},"modified":"2026-05-27T16:10:36","modified_gmt":"2026-05-27T14:10:36","slug":"wie-untergangspropheten-investieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/wie-untergangspropheten-investieren\/","title":{"rendered":"Wie die Untergangspropheten investieren"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und Felix Grossmann<\/a><\/em><\/p>\n In diesem Blog-Beitrag befassen wir uns mit vier in Deutschland bekannten „Untergangspropheten“: Marc Friedrich, Max Otte, Dirk M\u00fcller und Markus Krall. Wir zeigen die hohen Opportunit\u00e4tskosten, also entgangene Gewinne, die diejenigen erlitten, die in die Fonds und Portfolios dieses Quartetts investierten. Au\u00dferdem zeigen wir, dass und warum diejenigen, die mit den Thesen der Untergangspropheten sympathisieren, deren allgemeine Anlageempfehlungen wohl fast nie konsequent umsetzen.<\/p>\n Was wir in diesem Artikel nicht untersuchen, ist, wie schlecht die Prognosequalit\u00e4t unserer vier „Experten“ bisher war. Wer sich mit diesem f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit des Prognostikerquartetts wenig ermutigenden Sachverhalt genauer befassen m\u00f6chte, sei auf unsere ausf\u00fchrliche Liste von Ver\u00f6ffentlichungen am Ende dieses Beitrags verwiesen. In diesen Publikationen werden zahllose Fehlprognosen der Vier leserfreundlich dokumentiert.<\/p>\n Die B\u00fccher, auf die wir uns in diesem Blog-Beitrag beziehen, sind:<\/p>\n Schon die Titel und Untertitel dieser B\u00fccher lassen erkennen, dass es sich hier nicht um die \u00fcblichen Ank\u00fcndigungen von B\u00f6rsen-Crashes oder Marktkorrekturen handelt wie sie seit ewigen Zeiten in Printmedien und im Internet auf die Anlegergemeinschaft herunterregnen. Vielmehr verk\u00fcnden die hier genannten B\u00fccher und ihre Autoren die wirtschaftliche Apokalypse, den „System-Crash“, den Gesamtzusammenbruch unseres Bankensystems und Geldwesens, den „Zerfall der Eurozone“, die Staatskonkurse Deutschlands und anderer L\u00e4nder, darunter im Fall Friedrich\/Weik auch der USA und der Schweiz sowie die Entstehung einer „neuen Weltordnung“, den „Reset“.<\/p>\n Zwei von den vier Dauerschwarzmalern \u2013 Krall und Friedrich\/Weik \u2013 nennen jeweils ein konkretes Datum f\u00fcr den Zeitpunkt der „Kernschmelze“ in Deutschland: Krall das letzte Quartal 2020, Friedrich\/Weik „sp\u00e4testens 2023“. Kralls Prognose ist nicht eingetroffen und muss damit eigentlich bereits als falsch gelten. Bei Friedrich\/Weik m\u00fcssen wir noch zweieinhalb Jahre auf die Best\u00e4tigung oder Widerlegung der Armageddon-Vorhersage warten.<\/p>\n M\u00fcller und Otte bleiben in ihren B\u00fcchern in Bezug auf spezifische Zeitpunkte f\u00fcr die von ihnen beschriebene „gr\u00f6\u00dfte Wirtschaftskrise aller Zeiten“ beziehungsweise den „Weltsystem-Crash“ hasenf\u00fc\u00dfig im Ungef\u00e4hren, benutzen aber auch Vokabeln wie „absehbar“, „bald“ oder „wird so nicht mehr lange funktionieren“.<\/p>\n Apropos Zeitpunkte und Validierung von Prognosen: Zum Teil schon Jahre vor den Publikationszeitpunkten der oben aufgef\u00fchrten B\u00fccher weissagten drei der vier \u2013 Friedrich, Otte und M\u00fcller \u2013 mehrfach die nahe oder baldige „Staatspleite“ Deutschlands und den Zerfall der Eurozone, eine Deflation oder galoppierende Inflation. \u00a0Wie erw\u00e4hnt, befindet sich am Ende dieses Beitrags eine Zusammenstellung von Publikationen, die diese und andere Fehlprognosen recht detailliert beschreiben.<\/p>\n Allen vier Schwarzsehern gemeinsam ist, dass sie volkswirtschaftliche Probleme und Sachverhalte (viele davon nur Deutschland oder die Eurozone betreffend) implizit oder explizit auf den Investmentmarkt \u00fcbertragen. Das ist klar falsch. Warum es falsch ist, erl\u00e4utern wir hier<\/a><\/u>. Ob die Schwarzmaler diesen Fehler aus blo\u00dfem Unwissen oder mit manipulativer Absicht begehen, l\u00e4sst sich nicht kl\u00e4ren.<\/p>\n Im Folgenden werden wir nacheinander f\u00fcr alle vier Endzeitpropheten zwei Sachverhalte untersuchen:<\/p>\n Erstens, welche Anlageempfehlungen der jeweilige Untergangsprophet (nachfolgend der K\u00fcrze halber nur „UP“) in seinem oben genannten Buch macht und zweitens, wie hoch die Opportunit\u00e4tskosten (die entgangenen Gewinne) derjenigen Anleger sind, die die Anlagenempfehlungen der vier bei liquiden Verm\u00f6gensanlagen umsetzten.<\/p>\n <\/p>\n Wir beginnen mit dem schrillsten unter den vier Apokalyptikern, Marc Friedrich.<\/p>\n Tabelle 1: Was Marc Friedrich f\u00fcr den Untergang empfiehlt<\/b><\/span><\/p>\n \u25ba Angaben\u00a0gem\u00e4\u00df Friedrich\/Weik: „Der gr\u00f6\u00dfte Crash aller Zeiten“, 2019. \u25ba\u00a0[1] Friedrich\/Weik sind der Meinung, dass die Schweiz zusammen mit der Eurozone untergehen wird, da sich die Schweizerische Nationalbank zu sehr mit dem Euro und der Eurozone verbunden und von ihr „abh\u00e4ngig“ gemacht habe. \u25ba [2] In seinem neuen Buch („Die gr\u00f6\u00dfte Chance aller Zeiten“, 20. April 2021) sollen Bitcoin und andere Kryptow\u00e4hrungen „bis zu 20%“ des Gesamtportfolios eines Haushaltes umfassen. Seit Erscheinen des Buches ist der Bitcoin-Preis in Euro um rund 35% gefallen (Stand 29. Juni 2021).<\/span><\/p>\n Nach unserer Beratungserfahrung mit verm\u00f6genden Privathaushalten, die das Friedrich\/Weik-Buch gelesen haben und mit den darin getroffenen Kernaussagen sympathisieren, setzen diese Haushalte die in Tabelle 1 zusammengefassten Anlageempfehlungen praktisch nie um. Das d\u00fcrfte kaum \u00fcberraschen, wenn man sich die einzelnen Empfehlungen genauer ansieht. Letztlich sind sie relativ zur Investmentsituation normaler und mehr noch verm\u00f6gender Haushalte einfach zu „unkonventionell“ oder, weniger wohlwollend formuliert, zu weltfremd. Warum man das so sehen kann, erl\u00e4utern wir weiter unten.<\/p>\n Nun zu den Opportunit\u00e4tskosten. Diejenigen, die Friedrich\/Weik in den gut vier Jahren folgten, seit der nach ihren Vorstellungen gemanagte Investmentfonds („Solit Wertefonds“) existiert, sind damit alles in allem eher k\u00fcmmerlich gefahren. Ein simples ETF-Investment in den Weltaktienmarkt auf Buy-and-Hold-Basis h\u00e4tte die mehr als doppelte Rendite produziert. Immerhin erging es einem Anleger im Friedrich-Investmentfonds risikom\u00e4\u00dfig besser als dem ETF-Anleger.\u00a0<\/span><\/p>\n Tabelle 2: Rendite und Risiko des Friedrich-Investmentfonds im Vergleich zum allgemeinen Aktienmarkt<\/b><\/span><\/p>\n \u25ba[1] 01\/2017 = Auflagedatum des Solit Wertefonds. \u25ba\u00a0[2] Zeitraum seit Beginn des „Corona-Aktien-Crashs“. \u25ba\u00a0<\/span>[3] In der gezeigten Fondsrendite ist der Ausgabeaufschlag des Solit-Fonds von regul\u00e4r 4% nicht enthalten.\u25ba [4] Indexrendite abz\u00fcglich einer ETF-Kostenquote von 0,4% p.a.<\/span><\/p>\n Nicht erst ab der Auflage des Solit-Fonds im Januar 2017 sorgte Friedrich bei seinen Anh\u00e4ngern f\u00fcr entgangene Gewinne. Bereits vor neun Jahren, Mitte 2012, und seitdem immer und immer wieder, k\u00fcndigten Friedrich\/Weik Staatskonkurse, den Zerfall der Eurozone, das Ende des „Fiat-Geldsystems“, einen starken Anstieg der Inflation und das „absehbare“ Platzen diverser Blasen an, beispielweise der „Staatsanleihenblase“. Wer diese bisher weit \u00fcberwiegend nicht eingetroffenen Vorhersagen zum Anlass nahm risikobehaftete, in dieser Zeit renditestarke Assets wie europ\u00e4ische Aktien, langfristige Anleihen oder deutsche Immobilien abzusto\u00dfen, der d\u00fcrfte damit finanziell schlecht gefahren sein und umso schlechter je disziplinierter (also fr\u00fcher) er Friedrich\/Weik folgte. Die Empfehlung, 3% des freigesetzten Kapitals in Bitcoin zu investieren \u2013 einer seit Erscheinen des Friedrich-Buches im Oktober 2019 sehr profitablen Anlage \u2013 machte diesen entgangenen Ertrag nicht wett.<\/p>\n <\/p>\n Wir schreiten voran zu Max Otte, der im vergangenen Mai neue Schlagzeilen machte, als er Vorsitzender der Werteunion wurde, einer Parteieinheit innerhalb der CDU\/CSU.<\/p>\n Tabelle <\/strong>3<\/strong>: <\/strong>Was Max Otte f\u00fcr den Untergang empfiehlt<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Angaben gem\u00e4\u00df Otte „Weltsystem-Crash“, 2019. \u25ba [1] Gezeigt wird hier das „sehr konservative Krisendepot“ in Otte, 2019, S. 483.<\/span><\/p>\n Auch hier dr\u00e4ngt sich die Einsch\u00e4tzung auf, dass wohl nur wenige verm\u00f6gende Privathaushalte, die mit der \u00f6konomischen Weltsicht von Otte \u00fcbereinstimmen, diese Anlageempfehlungen konsistent umsetzen. Man denke an seinen Rat, s\u00e4mtliche Immobilienkredite maximal zu tilgen oder 60% des Verm\u00f6gens in physisches Bargeld, Bankguthaben und kurzfristige Anleihen h\u00f6chster Bonit\u00e4t in Euro oder ausl\u00e4ndische W\u00e4hrungen umzuschichten.<\/p>\n Bei Otte f\u00e4llt auf, dass er in seinen Empfehlungen deutlich von denjenigen von Friedrich\/Weik abweicht. Das gleiche gilt im Prinzip auch relativ zu den drei anderen UPs und es gilt letztlich f\u00fcr alle vier untereinander. Diese zum Teil betr\u00e4chtlichen Unterschiede sind insofern bemerkenswert, als die wirtschaftliche Weltsicht der Vier in hohem Ma\u00dfe \u00fcbereinstimmt. Auf den wichtigen, jedoch oft \u00fcbersehenen Sachverhalt, was die gro\u00dfen Abweichungen zwischen den Anlageempfehlungen der UPs f\u00fcr einen Privatanleger bedeuten, der grunds\u00e4tzlich mit diesen pessimistischen Anschauungen \u00fcbereinstimmt, kommen wir am Ende dieses Beitrags zu sprechen.<\/p>\n Zur\u00fcck zu Otte. Auch diejenigen, die in seinen Investmentfonds investierten, haben das bisher mit Opportunit\u00e4tskosten bezahlen m\u00fcssen, wie aus Tabelle 4 hervorgeht. Ein Trost: Der relative Nachteil \u2013 die prozentuale Unterrendite im Vergleich zur ETF-Benchmark \u2013 ist bei Otte unter allen vier Turbopessimisten am kleinsten.<\/p>\n Tabelle 4: Rendite und Risiko des Otte-Investmentfonds im Vergleich zum allgemeinen Aktienmarkt<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba\u00a0[1] Der Februar 2008 war das Auflagedatum des Otte-Fonds. \u25ba [2] Gr\u00f6\u00dfter und \u00e4ltester von zwei Otte-Fonds. \u25ba [2] In der gezeigten Fondsrendite ist der Ausgabeaufschlag des Fonds von regul\u00e4r 5% nicht enthalten. \u25ba [3] Indexrendite abz\u00fcglich einer ETF-Kostenquote von 0,4% p.a.<\/span><\/p>\n Ottes Anspruch, seine Anleger vor den schlimmsten Turbulenzen des Aktienmarkes zu sch\u00fctzen, hat er ebenfalls nicht eingel\u00f6st. Beim Risiko, gemessen am Maximalen Drawdown (maximaler kumulativer Verlust), lag er in den letzten 13 Jahren nur marginal besser als ein Welt-Aktien-ETF auf Buy-and-Hold-Basis, bei der in der Tabelle nicht gezeigten Volatilit\u00e4t sogar schlechter.<\/p>\n <\/p>\n Wir kommen nun zu Dirk M\u00fcller. Von ihm l\u00e4sst sich sagen, dass in den vergangenen 10+ Jahren vermutlich kein anderer Fondsmanager und „Investmentexperte“ in Deutschland mehr Medienpr\u00e4senz hatte als er.<\/p>\n Die Anlageempfehlungen von M\u00fcller \u00e4hneln in einigen Punkten denen von Krall, in anderen weichen sie von diesem deutlich ab, wie wir weiter unten in Tabelle 9 veranschaulichen.<\/p>\n Tabelle 5: Was Dirk M\u00fcller <\/strong>f\u00fcr den Untergang empfiehlt<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba\u00a0Angaben gem\u00e4\u00df M\u00fcller: „Machtbeben: Die Welt vor der gr\u00f6\u00dften Wirtschaftskrise aller Zeiten“, 2018. \u25ba [1] Zu kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen schreibt M\u00fcller nichts, obwohl diese in der klassischen Form vor allem in Staatsanleihen investieren, die er als Direktinvestment ablehnt. \u25ba [2] M\u00fcller zitiert Gerald H\u00f6rhan bzgl. Kryptow\u00e4hrungen zustimmend: „Ich habe noch keine Anlageform erlebt, die so viel Spinner, Irre, Papageien, schmierige Gesch\u00e4ftemacher und Wahnsinnige angezogen hat, wie die derzeitigen Kryptow\u00e4hrungen.“ \u25ba [3] M\u00fcller nennt keine Prozentwerte f\u00fcr die Aufteilung der in dieser Spalte genannten Asset-Klassen im Gesamtportfolio des Haushaltes. \u25ba [4] Bankguthaben: Auch \u00fcber die staatlichen Einlagensicherung von \u20ac100 Tsd. pro Bank-Kunde-Kombination hinaus.<\/span><\/p>\n Unter allen vier Turbopessimisten mussten die Anh\u00e4nger von M\u00fcller, soweit sie ihm folgten, die gr\u00f6\u00dften Investmentschmerzen in Form von Opportunit\u00e4tskosten erleiden, wie aus Tabelle 6 hervorgeht.<\/p>\n Tabelle 6: Rendite und Risiko des Dirk-M\u00fcller-Investmentfonds im Vergleich zum allgemeinen Aktienmarkt<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba [1] Mai 2015 war das Auflagedatum des M\u00fcller-Fonds. \u25ba [2] In der gezeigten Fondsrendite ist der Ausgabeaufschlag des Fonds von regul\u00e4r 4% nicht enthalten. \u25ba [3] Indexrendite abz\u00fcglich einer ETF-Kostenquote von 0,4% p.a.<\/span><\/p>\n Wer vor sechs Jahren in den M\u00fcller-Fonds investierte, dessen Anlage ist heute weniger Wert als beim Einstieg. Mit einem globalen Aktien-ETF h\u00e4tte dieser Investor sein Verm\u00f6gen dagegen kumulativ um fast 70% gesteigert. Diese enormen Opportunit\u00e4tskosten schlie\u00dfen jene nicht ein, die M\u00fcller durch seine perma-pessimistischen Warnungen bei Anlegern lange vor dem Start seines eigenen Fonds (Mai 2015) verursachte. So sagte er z. B. in einem seiner B\u00fccher im M\u00e4rz 2009 „Aktien und Aktienfonds geh\u00f6ren in diesen unsicheren Zeiten einfach nichts ins Depot.“ Die kumulative Rendite des globalen Aktienmarkts in den 36 Monaten ab dieser Prognose betrug +82% (MSCI-ACWI-IMI-Index in Euro).<\/p>\n Positiv zu vermerken ist, dass Anleger in M\u00fcllers Fonds in den zur\u00fcckliegenden sechs Jahren einen deutlich kleineren maximalen Drawdown aushalten mussten als ein globaler Aktien-ETF-Anleger. Ob das die gigantische Unterrendite in einem reinen Aktienfonds kompensiert, muss jeder f\u00fcr sich selbst entscheiden.<\/p>\n <\/p>\n Wir kommen nun zum letzten Mitglied im Vierergespann, Markus Krall. Er sticht insofern heraus, als dass er seine d\u00fcsteren Prognosen, insbesondere seine „Dominosteintheorie“ zu einer systemischen Bankenkrise in der Eurozone, detaillierter begr\u00fcndet. Aber auch Krall hat keine akademische Studie zu seiner Theorie und kein mathematisches Modell ver\u00f6ffentlicht, das andere nachpr\u00fcfen k\u00f6nnten.<\/p>\n Krall unterscheidet sich noch in einem zweiten Punkt von den drei anderen Ultra-Bedenkentr\u00e4gern. Er ist der Einzige unter den Vieren, der keinen eigenen Fonds betreibt. Krall ist seit September 2019 Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Degussa Goldhandel GmbH in M\u00fcnchen, vorher war er Unternehmensberater.<\/p>\n Krall trat unseres Wissens erst mit der Ver\u00f6ffentlichung seines Buches „Der Draghi-Crash“ Mitte 2017 \u2013 deutlich sp\u00e4ter als die anderen UPs \u2013 mit pessimistischen Vorhersagen in der \u00d6ffentichkeit in Erscheinung. In dem Buch prognostizierte er bis Ende 2020 oder Anfang 2021 eine systemische Bankenkrise in Europa und einen Kollaps der Eurozone.<\/p>\n Tabelle 7: Was Markus Krall f\u00fcr den Untergang empfiehlt<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Angaben gem\u00e4\u00df Markus Krall: „Wenn schwarze Schw\u00e4ne Junge kriegen“, 2018. \u25ba [1] \u00a0In 2021, nach der Publikation seiner hier analysierten beiden B\u00fccher, begann Krall eine weniger negative, lediglich „skeptische“ Position zu Bitcoin einzunehmen. \u25ba [2] Krall gibt in seinen beiden hier analysierten B\u00fcchern bez\u00fcglich kurzfristiger Staatsanleihen keine Prozentwerte f\u00fcr ihren Anteil am Gesamtportfolio an, aber aus dem Gesamtkontext kann man auf eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von deutlich \u00fcber 50% schlie\u00dfen, insbesondere da er f\u00fcr Edelmetalle spezifisch „5% bis 10%“ nennt.<\/span><\/p>\n Wie wir weiter unten in Tabelle 9 in der direkten Gegen\u00fcberstellung noch genauer sehen werden, unterscheiden sich Kralls Anlageempfehlungen stark von denen der drei anderen UPs. Krall setzt zu 90% auf das, was nach unserer Beratungserfahrung diejenigen, die seine Thesen f\u00fcr plausibel halten, instinktiv am meisten verabscheuen: Kurzfristige Staatsanleihen hoher Bonit\u00e4t. Diese unter Verm\u00f6genden verbreitete Aversion richtet sich nicht nur auf Euro-denominierte Anleihen, sondern auf kurzfristige Staatsanleihen schlechthin. Kurzfristige Staatsanleihen hoher Bonit\u00e4t \u2013 in der \u00f6konomischen Theorie das „Risk-free Asset“ \u2013 hatten in den letzten Jahren in allen westlichen W\u00e4hrungen im Wesentlichen die gleiche „Nullrendite“. (Dass das letztlich sogar f\u00fcr die letzten 120 Jahre gilt, haben wir hier<\/a> gezeigt.)<\/p>\n In Tabelle 8 berechnen wir die Rendite eines hypothetischen Krall-Portfolios. Die Struktur dieses Portfolios haben wir nach bestem Wissen und Gewissen aus den Angaben in seinen beiden hier analysierten B\u00fcchern abgeleitet. Die genaue Zusammensetzung des Portfolios wird in den Tabellenfu\u00dfnoten angegeben.<\/p>\n Tabelle 8: Rendite und Risiko eines Krall-Portfolios im Vergleich zum allgemeinen Aktienmarkt<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba [1] Juli 2017 war der Erscheinungszeitpunkt des Buches „Draghi-Crash“ von Krall. \u25ba [2] Von der Gerd Kommer Invest GmbH gem\u00e4\u00df den beiden hier zugrunde gelegten Krall-B\u00fcchern folgenderma\u00dfen strukturiertes hypothetisches Portfolio: 30% einmonatige US-Staatsanleihen, 30% einmonatige Schweizer Staatsanleihen, 30% einmonatige australische Staatsanleihen, 5% Gold, 5% Silber. Alle Renditen in Euro. \u25ba [3] Indexrendite abz\u00fcglich einer ETF-Kostenquote von 0,4% p.a.<\/span><\/p>\n In den knapp vier Jahren seit Publikation des hier zugrunde gelegten Krall-Buches mussten diejenigen, die Kralls Anlageempfehlungen folgten, empfindliche Opportunit\u00e4tskosten in Kauf nehmen. Krall w\u00fcrde das wohl damit rechtfertigen, dass die \u00dcberrendite seines Portfolios dann sp\u00e4testens kommen wird, wenn der „Draghi-Crash“ stattfindet, dessen Beginn er f\u00fcr Ende 2020 angek\u00fcndigt hatte. Danach, so Krall, sollten Anleger „die dann preislich niedergepr\u00fcgelten“ Assets wie Aktien und Immobilien in der Eurozone nach bis zu 90% Werteinbu\u00dfe zum Schn\u00e4ppchenpreis einkaufen und so auf lange Sicht attraktive Renditen erzielen.<\/p>\n <\/p>\n In ihrem Extrempessimismus zu Deutschland, der Eurozone und der in allen westlichen L\u00e4ndern seit ungef\u00e4hr 2008 \u00e4hnlichen Geldpolitik (auch in Staaten wie der Schweiz, Norwegen, Kanada oder Australien) liegen die vier UPs auf einer gemeinsamen Linie. Bei ihren Investmentempfehlungen f\u00fcr die von ihnen vorhergesagte „Systemkrise“ unterscheiden sie sich in einigen zentralen Gesichtspunkten jedoch betr\u00e4chtlich, wie Tabelle 9 veranschaulicht. F\u00fcr jemanden, den die weitgehend \u00fcbereinstimmend begr\u00fcndeten Problemdiagnosen der vier UPs \u00fcberzeugen, k\u00f6nnte das ein Glaubw\u00fcrdigkeits- und Umsetzungsproblem darstellen.<\/p>\n Tabelle 9: Wo und wie die vier Untergangspropheten voneinander abweichende oder einander widersprechende Empfehlungen geben<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba [1] Bankguthaben: Auch innerhalb der staatlichen Einlagensicherung von \u20ac100 Tsd. pro Bank-Kunde-Kombination. \u25ba [2] M\u00fcller: „China ist die gr\u00f6\u00dfte Blase in der Geschichte der Menschheit.“ \u25ba [3] M\u00fcller: „Bitcoin ist ein Schneeballsystem.“ \u25ba [4] Siehe Anmerkung zu Kralls Position zu Bitcoin in Tabelle 7.<\/span><\/p>\n Immerhin existieren auch einige wichtige Investmentratschl\u00e4ge, in denen die vier Unkenrufer \u00fcbereinstimmen, n\u00e4mlich<\/p>\n Aus unserer Beratungspraxis in den vergangenen Jahren schlie\u00dfen wir, dass nur ein winziger Bruchteil aller Privathaushalte, die grunds\u00e4tzlich mit der Armageddon-Weltsicht unserer vier Dauerpessimisten sympathisieren, bereit w\u00e4ren, deren Investmentempfehlungen konsequent umzusetzen. Illustrieren wir das am Beispiel Markus Krall.<\/p>\n Ihm zufolge m\u00fcsste ein Privatanleger sp\u00e4testens jetzt (eigentlich schon ab 2017, als sein erstes Buch publiziert wurde) alle Eurozonen-Verm\u00f6genswerte ver\u00e4u\u00dfern oder deutlich abbauen \u2013 mit der potenziellen Ausnahme des selbstgenutzten Eigenheims und des eigenen Unternehmens, sofern vorhanden. (In Bezug auf diese beiden Verm\u00f6genswerte bleibt Krall eher im Diffusen, obwohl die Logik seiner generellen Argumentation eigentlich auch ihre Ver\u00e4u\u00dferung nahelegt.)<\/p>\n Was bedeutet das konkret f\u00fcr einen konsequenten Krall-Anh\u00e4nger? Es bedeutet die Aufl\u00f6sung von Bankguthaben bei Banken in der Eurozone (auch innerhalb der staatlichen Einlagensicherung), die K\u00fcndigung aller Lebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen, die Ver\u00e4u\u00dferung aller Wertpapiere und Fondsinvestments von Emittenten in der Eurozone und die R\u00fcckf\u00fchrung s\u00e4mtlicher Schulden, soweit vertraglich m\u00f6glich. Die so freigesetzten Mittel soll der Haushalt danach in rund 10% physisches Gold und Silber und rund 90% in kurzfristigen Staatsanleihen einiger Nicht-Euro-Staaten in Lokalw\u00e4hrung transformieren \u2013 beides mit Verwahrstelle im Ausland. Nahe dem H\u00f6hepunkt des System-Crashs soll er danach zu den dann dramatisch tieferen Eurozonen-Asset-Preisen seine im Wert stabil gebliebenen Nicht-Euro-Staatsanleihen kurzer Laufzeit wieder in Aktien, Immobilien und andere Sachwerte<\/a> umschichten.<\/p>\n <\/p>\n Wir haben in diesem Beitrag dargestellt, dass diejenigen, die den vier Untergangspropheten \u2013 Marc Friedrich, Max Otte, Dirk M\u00fcller und Markus Krall \u2013 in den letzten Jahren gefolgt sind, schmerzhafte Opportunit\u00e4tskosten erleiden mussten. Solche Opportunit\u00e4tskosten sind das allgemeine Grundproblem von „Crash-Timing“ und von ultrapessimistischen Anlageans\u00e4tzen, die letztlich dazu f\u00fchren, dass Anleger jahrelang und damit zu lange an der Seitenlinie der M\u00e4rkte stehen bleiben. Dieses Grundproblem macht die vorgestellten Ans\u00e4tze langfristig unattraktiv.<\/p>\n Wir haben ferner gezeigt, dass die Anlageempfehlungen des Pessimistenquartetts „unkonventionell“ sind und vermutlich von verm\u00f6genden Privatanlegern, die mit diesen Weltsichten teilweise oder ganz \u00fcbereinstimmen, nicht umgesetzt werden \u2013 man k\u00f6nnte das sarkastisch als den sprichw\u00f6rtlichen Unterschied zwischen Theorie und Praxis sehen.<\/p>\n Drittens haben wir gezeigt, dass die Anlageempfehlungen \u00fcber die vier Untergangspropheten hinweg in ma\u00dfgeblichen Teilen voneinander abweichen oder sich sogar widersprechen, obwohl die Herleitung und Beschreibung der Ursachen des erwarteten Zusammenbruchs bei den Vieren weitgehend \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n <\/p>\n In diesem Beitrag befassen wir uns mit vier bekannten deutschen Untergangspropheten und ihren Anlageempfehlungen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5889,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[47,27,28,26],"class_list":["post-5887","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktives-investieren","tag-crash","tag-market-timing","tag-overconfidence-bias","tag-stock-picking"],"yoast_head":"\n\n
Untergangsprophet 1: Marc Friedrich (und Matthias Weik)<\/b><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n
<\/p>\nUntergangsprophet 2: Max Otte<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n
<\/p>\nUntergangsprophet 3: Dirk M\u00fcller<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n
<\/p>\nUntergangsprophet 4: Markus Krall<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n
<\/p>\nDie Investmentempfehlungen der vier Untergangspropheten in der Gesamtschau<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n\n
Fazit<\/span><\/h2>\n
Ausgew\u00e4hlte frei zug\u00e4ngliche Internet-Publikationen zu den \u00fcberwiegend falschen Prognosen von Friedrich, Otte, M\u00fcller, Krall und anderen Crash-Propheten<\/strong><\/span><\/h2>\n
\n