{"id":5140,"date":"2021-01-08T00:00:33","date_gmt":"2021-01-07T23:00:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=5140"},"modified":"2026-05-27T17:05:41","modified_gmt":"2026-05-27T15:05:41","slug":"sind-rohstoff-investments-sinnvoll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/sind-rohstoff-investments-sinnvoll\/","title":{"rendered":"Rohstoff-Investments \u2013 sind sie sinnvoll?"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Daniel Kanzler<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Neben Aktien, Anleihen, Immobilien, Edelmetallen und Sammlerobjekten sind Rohstoffe eine der sechs gro\u00dfen Haupt-Asset-Klassen, in die man als Anleger investieren kann. Ob und unter welchen Umst\u00e4nden ein Rohstoff-Investment aus Privatanlegersicht attraktiv ist, beleuchten wir in diesem Blog-Beitrag.<\/p>\n Rohstoffe, neudeutsch: Commodities, lassen sich in f\u00fcnf Hauptgruppen aufteilen: Energie (Kohle, Erd\u00f6l, Erdgas), Edelmetalle (Gold, Silber, Platin, Palladium), Basismetalle (Kupfer, Blei, Zink, Aluminium und andere), Mineralien (Bauxit, Phosphat, Schwefel und andere) sowie Agrarrohstoffe (z. B. Getreide, Tabak, Kaffee, Fleisch). \u00dcber alle f\u00fcnf Gruppen hinweg existieren ca. 40 einzelne Rohstoffe, wenn man die weltwirtschaftlich weniger bedeutsamen ignoriert.\u00a0<\/span><\/p>\n Edelmetalle und insbesondere Gold werden aus Investmentsicht oft als eigenst\u00e4ndige Asset-Klasse klassifiziert, getrennt von den \u00fcbrigen „gewerblichen“ Rohstoffen, die \u2013 im Unterschied zu Gold \u2013 im volkswirtschaftlichen Produktionsprozess tats\u00e4chlich „verbraucht“ oder „verwendet“ werden. F\u00fcr die Zwecke dieses Blog-Beitrages folgen wir dieser Konvention. Die folgenden Ausf\u00fchrungen beziehen sich also auf Rohstoffe exklusive Edelmetalle. Gold, haben wir Ende 2019 in einem gesonderten Blog-Beitrag<\/a> betrachtet.<\/p>\n Vergleicht man das j\u00e4hrliche globale Produktionsvolumen des Rohstoffmarktes mit der globalen Marktkapitalisierung der Asset-Klassen Akten, Anleihen und Immobilien, ist die Asset-Klasse Rohstoffmarkt sehr klein oder geradezu winzig.<\/p>\n Es mag f\u00fcr manchen \u00fcberraschend klingen: Privatanleger k\u00f6nnen in Rohstoffe nicht direkt investieren (wiederum mit der Ausnahme Edelmetalle). F\u00fcr Rohstoffdirektanlagen \u2013 im Finanzjargon „Commodity Spot Market Investments“ \u2013 w\u00e4ren die Lagerkosten viel zu hoch. Man versuche einmal f\u00fcr 10.000 Euro Eisenerz, \u00d6l, Kohle oder Weizen zu kaufen und dann notwendigerweise in Empfang zu nehmen. Jede denkbare Rendite eines solchen Vorhabens w\u00fcrde f\u00fcr Privatanleger durch die Kosten des Transports und der Lagerung aufgefressen.<\/p>\n Wer als Privatanleger in Rohstoffe investieren m\u00f6chte, der muss das \u00fcber „Rohstoff-Futures“ tun, zu deutsch Rohstoff-Termin-Gesch\u00e4fte. Rohstoff-Futures sind nichts esoterisches und letzten Endes nicht komplizierter als Aktien oder Anleihen, aber sie funktionieren ganz anders.\u00a0<\/span><\/p>\n Rohstoff-Futures sind Warenterminkontrakte, also „Termingesch\u00e4fte“. Bei einem Termingesch\u00e4ft fallen das Gesch\u00e4ftsabschlussdatum, an dem der Preis sowie die anderen wichtigen Bedingungen des Gesch\u00e4ftes festgelegt werden, und das sp\u00e4tere Liefer- und Bezahldatum des Kaufgegenstandes zeitlich auseinander. Eigentlich eine banale Sache, denn die meisten von uns haben in ihrem Privatleben wohl schon viele „Termingesch\u00e4fte“ get\u00e4tigt, ohne das als etwas Besonderes zu empfinden und vermutlich ohne es zu merken.<\/p>\n Die ersten organisierten Termingesch\u00e4fte und -m\u00e4rkte gab es in der japanischen Landwirtschaft unter Reisbauern und ihren Abnehmern schon im 17. Jahrhundert. Terminm\u00e4rkte sind also genau so alt und vielleicht sogar \u00e4lter als die ersten B\u00f6rsen f\u00fcr Aktien und Anleihen. Bei einem Termingesch\u00e4ft vereinbaren Verk\u00e4ufer (Rohstoffproduzenten, z. B. ein Reisbauer) und ein Abnehmer (z. B. ein Reisgro\u00dfh\u00e4ndler) am Tag T0 die Lieferung und den Verkauf von Waren (hier Reis als Agrarrohstoff) an einem k\u00fcnftigen Termin, z. B. T180 (sechs Monate nach T0). Der Preis wird jedoch zwischen den beiden Parteien bereits in T0 verbindlich festgelegt, die Lieferung und Bezahlung erfolgen jedoch erst in T180. F\u00fcr den Bauern hat das den Vorteil, dass er bereits am Tag T0 wei\u00df, welchen Preis er f\u00fcr seine Ware in sechs Monaten erl\u00f6sen wird. Durch das Termin-Arrangement kauft sich der Bauer eine „Preisversicherung“ und kann so besser und sicherer wirtschaften und kalkulieren. Beispielswiese ist er damit gesch\u00fctzt vor dem Risiko eines vielleicht existenzvernichtenden Preisr\u00fcckgangs wegen einer allgemeinen Rekordernte. Der Bauer muss f\u00fcr die Versicherung unmittelbar kein Geld aufwenden.<\/p>\n Der Abnehmer (der Reisgro\u00dfh\u00e4ndler), auf der anderen Seite des Termingesch\u00e4fts ist seinerseits vor Preisanstiegen zwischen T0 und T180 gesch\u00fctzt. Auch er hat dadurch mehr Planungssicherheit und zudem den risikosenkenden Vorteil, dass er den Reis erst bei physischer Lieferung in T180 bezahlen muss.<\/p>\n Ein Rohstoff-Futures-ETF funktioniert im Grunde genauso. Bei ihm nimmt der Privatanleger indirekt die Rolle des Warenk\u00e4ufers ein. Der Anleger hinterlegt den Kaufpreis f\u00fcr T180 (anders als der Reisgro\u00dfh\u00e4ndler) allerdings schon in T0 und bekommt daf\u00fcr bis T180 die Rendite des Geldmarktes (supersichere kurzfristige Staatsanleihen). Bei einem Rohstoff-ETF existiert jedoch nicht nur ein 6-Monate-Kontrakt, wie in unserem Reisbauernbeispiel, sondern viele, die laufend, „rollierend“ erneuert (verkauft und ersetzt) werden, kurz bevor sie auslaufen. Au\u00dferdem geht es bei den allermeisten Rohstoff-ETFs nicht nur um einen einzelnen Rohstoff, sondern um eine sachlogisch definierte Gruppe von Rohstoffen (einen Commodity-Futures-Index).<\/p>\n Die Gesamtrendite f\u00fcr den K\u00e4ufer eines Terminkontraktes bzw. eines Rohstoff-Futures-ETFs setzt sich wie folgt zusammen:\u00a0<\/span><\/p>\n (a) Den zugrundeliegenden Spot-Market-Preisver\u00e4nderungen des Rohstoffes im Zeitablauf. Diese Rendite d\u00fcrfte langfristig real (inflationsbereinigt) zwischen 0% und 1,5% p.a. liegen (vor Kosten und Steuern). Dazu mehr weiter unten.<\/p>\n (b) Dem sogenannten „Roll Return“, der sich aus der Differenz zwischen dem Spot-Market-Preis am Einl\u00f6setermin des Futures-Kontrakts und dem fr\u00fcher festgelegten Futures-Preis ergibt. Wenn diese Differenz f\u00fcr den K\u00e4ufer positiv ist (der Spot Market-Preis liegt \u00fcber dem Futures-Preis) ergibt sich ein Gewinn, eine positive Rollrendite. Die Rollrendite m\u00fcsste \u2013 wenn Rohstoff-Futures attraktive Investments sein sollen \u2013 im langfristigen Mittel zumindest leicht positiv sein. Sie war jedoch im vergangenen Jahrzehnt inflationsbereinigt \u00fcberwiegend negativ.\u00a0<\/span><\/p>\n (c) Den Zinseinnahmen aus kurzfristigen Staatsanleihen, die aus dem vom K\u00e4ufer des Kontrakts hinterlegten Kapital (Besicherung des Kontrakts) f\u00fcr die Kaufsumme erwirtschaftet werden.\u00a0<\/span><\/p>\n Die Renditen von Rohstoff-Futures k\u00f6nnen und werden sich in Zeitr\u00e4umen von einem Jahr bis rund zehn Jahren oft stark von den Renditen der Rohstoff-Spot-M\u00e4rkte abkoppeln. Letztlich deswegen, weil es sich um zwei unterschiedliche M\u00e4rkte handelt.<\/p>\n Die langfristige inflationsbereinigte Preissteigung von Rohstoffen gemessen am Spot-Markt ist sehr niedrig; sie liegt nicht weit \u00fcber Null. Wie hoch der konkrete Wert aussieht, h\u00e4ngt von mehreren Faktoren ab: Beginnt die Datenreihe vor, w\u00e4hrend oder nach der industriellen Revolution? (W\u00e4hrend dieser welthistorisch einmaligen Phase von etwa 1780 bis 1870 zogen Rohstoffpreise stark an, bevor sie sp\u00e4ter wieder fielen.) Wie ist der zu betrachtende Rohstoffindex zusammengesetzt? Bei Rohstoffindizes existiert n\u00e4mlich keine sachlogische, allgemein akzeptierte Gewichtungsmethode f\u00fcr die vielen individuellen Rohstoffe oder Rohstoffgruppen, wie das z. B. bei Aktienindizes oder bei Anleihenindizes der Fall ist. Energie-Rohstoffe scheinen sehr langfristig etwas h\u00f6here Renditen als z. B. Agrarrohstoffe zu haben, aber generell existiert keine Rohstoffgruppe oder kein Einzelrohstoff, f\u00fcr den der grobe Langfristrichtwert von 0% p.a. bis 1,5% p.a. nicht zutrifft. Der dem Produktionswert nach bedeutendste Rohstoff Erd\u00f6l wies in den 120 Jahren von 1900 bis 2019 eine reale Rendite (Preissteigerung) von 1,24% p.a. in USD auf (vor Kosten) \u2013 also nicht sehr viel.<\/p>\n Diese niedrigen Zahlen werden alle jene \u00fcberraschen, die glauben, dass Rohstoffe zwangsl\u00e4ufig immer knapper werden und ihre Preise deswegen langfristig unweigerlich steigen (Preise sind Knappheitsindikatoren). Die Rohstoffverknappungstheorie ist ein nicht ausrottbares M\u00e4rchen, das Untergangspropheten seit gut 150 Jahren verbreiten. Manche Vertreter der in den 1970er Jahren entstandenen \u00d6kologiebewegung stimmen in diesen Unsinn mit ein, weil es zu ihrem Wunschweltbild passt.<\/p>\n Der erste Untergangsprophet, der die scheinplausible These Ende des 18. Jahrhunderts von den immer knapper werdenden Rohstoffen verbreitete, war der britische \u00d6konom Thomas Malthus (1766 \u2013 1834). Er sah eine wachsende Weltbev\u00f6lkerung und stellte sie einem angeblich endlichen, limitierten Rohstoffvorrat der Erde gegen\u00fcber. Daraus schloss er, dass die Menschheit auf die unvermeidbare Katastrophe zusteuere: Hungersn\u00f6te oder Kriege.<\/p>\n Die Fehler, die Malthus machte und die seine Geisteskinder bis zum heutigen Tage immer wieder neu machen: Periodenspezifische Entwicklungen in der j\u00fcngeren Vergangenheit werden unver\u00e4ndert in die Zukunft extrapoliert, der marktwirtschaftliche Preismechanismus und der Anreizeffekt steigender Preise wird nicht verstanden, heute bekannte Rohstoffvorkommen werden als die einzig relevanten betrachtet, das sehr wahrscheinliche Auffinden gro\u00dfer, heute unbekannter Rohstoffvorkommen in der Zukunft, vor allem, wenn die Preise steigen, wird ignoriert, genauso wie Rohstoffsubstitution und -einsparung durch technischen Fortschritt. Dass Agrarrohstoffe nachwachsen, wird „vergessen“. Die Erde wird als geschlossenes System betrachtet, was sie dank gigantischer Energiezufuhr durch die Sonne nicht ist. Und es wird wiederum „vergessen“, dass die Wachstumsrate der Weltbev\u00f6lkerung schon seit rund 50 Jahren sinkt und in den n\u00e4chsten 60 bis 80 Jahren vermutlich auf nahe null zur\u00fcckgehen wird (siehe engl. Wikipedia „Projections of population growth“).<\/p>\n Soviel zum historischen Kontext einer Menschheit, die mit vermeintlicher Endlichkeit von Rohstoffen und ihrer Verknappung konfrontiert werde.\u00a0<\/span><\/p>\n In der nachfolgenden Tabelle betrachten wir die historischen Renditen von Rohstoffen und vergleichen Sie mit zwei anderen Asset-Klassen. Dabei unterscheiden wir zwischen dem wie oben erw\u00e4hnt nicht investierbaren Rohstoff-Spot-Markt (Direktanlagen in Rohstoffe) und dem investierbaren Rohstoff-Termin-Markt (Commodity Futures-Markt), hier in Gestalt des bekanntesten Rohstoff-Futures-Index, des GSCI Total Return-Index<\/i>.\u00a0<\/span><\/p>\n Man kann in den Rohstoff-Terminmarkt „aktiv“ investieren (\u00fcber bestimmte Hedge-Fonds) oder „passiv“ \u00fcber einen ETF, der den besagten GSCI-Index oder einen anderen Rohstoff-Futures-Index abbildet.<\/p>\n Tabelle: Reale (inflationsbereinigte) Renditen von Rohstoffen und ausgew\u00e4hlten anderen Asset-Klassen in USD vor Kosten und Steuern von Januar 1970 bis November 2020 (50,9 Jahre)<\/b><\/span><\/p>\n \u25ba [A] Bank of Canada Commodity Price Index. Ein gemischter Rohstoff-Index, der die Preise von 28 Rohstoffen abbildet und nach Produktionsvolumen gewichtet ist.\u00a0 <\/span>Wie im Text erw\u00e4hnt, ist dieser Index nicht investierbar. \u25ba [B] Standard and Poor’s Goldman Sachs Commodity Index Total Return, der bekannteste Commodity Futures Index mit der am weitesten zur\u00fcckreichenden Datenhistorie. Diesen Index bilden in den USA viele Commodity-ETFs ab. \u25ba [C]\u00a0Maximaler kumulativer Verlust (real) im Gesamtzeitraum. \u25ba [D]\u00a0 <\/span>Annualisierte Standardabweichung der realen Monatsrenditen. \u25ba Datenquellen: Bank of Canada, Standard & Poor’s, Bloomberg, MSCI, Dimensional Fund Advisors.<\/span><\/p>\n Was l\u00e4sst sich aus der Tabelle ablesen und schlie\u00dfen?<\/p>\n \u2014 Der Rohstoff-Spot-Markt (BCP-Index) lieferte in den vergangenen 51 Jahren eine negative Realrendite (\u20131,1% p.a.). Dieser Index ist aus den im Text genannten Gr\u00fcnden nicht investierbar.\u00a0<\/span><\/p>\n \u2014 Der S&P GSCI TR-Index, in den man per ETF investieren kann, produzierte in diesen 51 Jahren eine laue Realrendite von 2,0% p.a. Vollends „inakzeptabel“ erscheint dieses Ergebnis, wenn man es vor dem Hintergrund des enormen Risikos betrachtet, das mit ihm einherging, und wenn man, ferner, das Renditemuster in den f\u00fcnf einzelnen Dekaden in Augenschein nimmt. In jeder Dekade war die Rendite niedriger als in der vorhergehenden. Ein bedenklich stimmender Trend, auf dessen vermutliche Ursache wir weiter unten zur\u00fcckkommen. Allenfalls die niedrige Korrelation zum MSCI World Aktienindex von +0,20 k\u00f6nnte man als kleinen Lichtblick beachten, aber auch dieser relativiert sich, wenn man sich vergegenw\u00e4rtigt, dass die Korrelation trendm\u00e4\u00dfig in der j\u00fcngeren Vergangenheit deutlich zugenommen hat (nicht in der Tabelle sichtbar). Besonders negativ zu bewerten ist, dass die Korrelation zum Aktienmarkt in der Vergangenheit oft in Aktienmarktkrisen stieg und somit die erhoffte Diversifikation genau dann, wenn sie besonders wichtig war, nicht griff. Auch im j\u00fcngsten Corona-Crash brachen Rohstoffe genauso stark wie oder st\u00e4rker ein als Aktien und im Unterschied zu diesen haben sich Rohstoffe bis heute (05.01.2021) nur in geringem Ma\u00dfe wieder berappelt.<\/p>\n \u2014 Anleihen hoher Qualit\u00e4t hatten in diesen 51 Jahren nicht nur bessere Renditen als Rohstoff-Futures, sie waren auch wesentlich risiko\u00e4rmer und leisteten einen st\u00e4rkeren Diversifizierungs- oder Hedging-Beitrag zu Aktien, erkennbar an ihrer niedrigeren Korrelation (+0,08) zur ertragreichsten aller Asset-Klassen: Aktien.\u00a0<\/span><\/p>\n Warum zeigt der Renditetrend bei Rohstoff-Futures in diesen 51 bzw. in den letzten rund 40 Jahren so konsistent nach unten? Das k\u00f6nnte drei Ursachen haben:\u00a0<\/span><\/p>\n Erstens, der abnormale, enorme Rohstoffpreisanstieg in den 1970er Jahren (bis Ende 1980), der durch die politisch motivierte \u00d6lverknappung seitens der von arabischen Staaten dominierten und damals sehr m\u00e4chtigen OPEC geschah. Zweitens, die ab Anfang der 1980er bis heute in den meisten entwickelten L\u00e4ndern recht kontinuierlich und signifikant fallenden Inflationsraten. Drittens, die so genannte „Financialization“ des Rohstoff-Termin-Marktes seit Mitte der 1990er Jahre.<\/p>\n Zum \u00d6lpreisanstieg in den 1970er Jahren: Die Wiederholdung einer realen Verzehnfachung des \u00d6lpreises wie von 1972 bis Ende 1980 erscheint in die Zukunft gerichtet unwahrscheinlich.\u00a0<\/span><\/p>\n Zur Inflation: Rohstoffe haben zumeist dann gute Renditen, wenn die Inflation merklich steigt oder hoch ist. Das war in den 1970er Jahren der Fall. Sollte irgendwann einmal die Inflation wieder stark anziehen, d\u00fcrften Rohstoff-Futures davon renditem\u00e4\u00dfig profitieren.\u00a0<\/span><\/p>\n Zur Financialization: Mit diesem Fachbegriff ist gemeint, dass von ungef\u00e4hr 1995 an Rohstoff-Futures-Investments von reinen Finanzinvestoren (Profi- und Privatanleger) stark zunahmen. Vorher waren in diesem vergleichsweise kleinen Markt nur Rohstoffproduzenten und Rohstoffh\u00e4ndler aktiv. Nun traten Finanzinvestoren neben die H\u00e4ndler. Das senkte die Renditen auf der H\u00e4ndler- bzw. Anlegerseite und erh\u00f6hte die Korrelation zum Aktienmarkt. \u00dcber die Financialization im Rohstoff-Termin-Markt und ihre renditesenkende und korrelationerh\u00f6hende Wirkung ist in der Wissenschaft viel geschrieben worden. Ein endg\u00fcltiger Konsens dazu existiert bisher nicht. Aus unserer Sicht tendiert die Mehrheitsmeinung in der Wissenschaft dazu, das Financialization-Argument f\u00fcr valide zu halten. Wir tun das auch. Am Ende dieses Beitrages werden drei akademische Artikel genannt, die die kontr\u00e4ren Positionen vertreten (renditesenkende Wirkung durch Financialization ja\/nein).<\/p>\n Im deutschen Privatanlegermarkt sind derzeit 24 breite Rohstoff-Futures-ETFs verf\u00fcgbar, die mehrere etwas voneinander abweichende Futures-Indizes abbilden. Aufgrund der Unterschiede bei den Indizes unterscheiden sich die historischen Renditen der einzelnen ETFs vor allem \u00fcber k\u00fcrzere Zeitr\u00e4ume bis zu rund f\u00fcnf Jahren zum Teil recht stark. Im Einzelfall f\u00fchren auch Spezialeigenschaften zu abweichenden Renditen, wie beispielsweise W\u00e4hrungs-Hedging oder der Ausschluss einzelner Rohstoffgruppen.<\/p>\n So genannte Rohstoff-Zertifikate posieren als Rohstoff-Investments, sind in Wirklichkeit aber Bankschuldverschreibungen, deren Pay-Off-Profil (die Renditeeigenschaften) an einen bestimmten einzelnen Rohstoff oder einen eher willk\u00fcrlich zusammen gew\u00fcrfelten Korb von Rohstoffen gekn\u00fcpft ist. Wenn die Bank ausf\u00e4llt, die das Zertifikat emittiert hat, kommt es vermutlich zu einem hohen Verlust bei solchen Pseudo-Rohstoff-Anlagen. (In den USA und den allermeisten anderen westlichen L\u00e4ndern mit besserem Anlegerschutz als in Deutschland sind Zertifikate, dort „Structured Notes“ genannt, bezeichnender Weise zum Vertrieb an Privatanleger nicht zugelassen.)<\/p>\n Generell werden Rohstoffe von den Anh\u00e4ngern des Sachwerte-Konzepts (das wir aus Anlegersicht f\u00fcr eher nutzlos halten<\/a>) den so genannten Sachwerte-Anlagen zugeordnet. Dabei bleibt aber kurioserweise offen, ob diese Zuordnung auch f\u00fcr Rohstoff-Futures gelten soll.<\/p>\n Privatanleger, die aus \u00f6kologischen oder ethischen Gr\u00fcnden mit nachhaltigem Investieren sympathisieren, werden tendenziell keine Anh\u00e4nger von Rohstoff-Investments sein. Dieses Argument k\u00f6nnen wir jedoch aus Platzgr\u00fcnden hier nicht weiter ausf\u00fchren.<\/p>\n Die Aktien von Rohstoff-Unternehmen erzeugen langfristig zwar h\u00f6here Renditen als Rohstoffe, sind jedoch insofern kein guter Ersatz f\u00fcr echte Rohstoff-Investments, da solche Aktien st\u00e4rker mit dem allgemeinen Aktienmarkt korrelieren als mit dem Rohstoffmarkt.<\/p>\n In gewisser Weise hilft es uns allen, wenn Rohstoffpreise fallen. Dann profitieren wir alle als Konsumenten davon. Umgekehrt, wenn sie steigen, wird das Rohstoff-Futures-Anlegern tendenziell helfen. Nur „tendenziell“, weil der Futures-Markt sich oft anders entwickelt als der Spot-Markt.<\/p>\n <\/p>\n Direkte Investments in physische Rohstoffe sind mit Ausnahme von Edelmetallen f\u00fcr Privatanleger nicht m\u00f6glich.<\/p>\n Rohstoffe \u2013 sowohl der Spot-Markt als auch der Futures-Markt \u2013 hatten historisch niedrige Renditen, kombiniert mit hoher Volatilit\u00e4t (Schwankungsintensit\u00e4t). Auch in Aktienmarktkrisen sind Rohstoff-Investments keine zuverl\u00e4ssige Absicherung (Hedge).<\/p>\n Die Rendite von Rohstoff-Futures ist trendm\u00e4\u00dfig in den vergangenen 40 Jahren recht kontinuierlich gefallen. Die Hauptursachen daf\u00fcr k\u00f6nnten sinkende oder niedrige Inflation und Financialization sein.<\/p>\n Zwar weisen Rohstoff-Futures immer noch eine attraktiv niedrige Korrelation zu Aktien auf. Diese ist jedoch unseres Erachtens kein ausreichend starkes Pro-Argument f\u00fcr Rohstoffe als Beimischung in einem Weltportfolio. Daf\u00fcr sind die Rohstoffrenditen zu niedrig und die Stabilit\u00e4t von Rohstoffen in Aktienabschw\u00fcngen zu unzuverl\u00e4ssig.<\/p>\n Die Rendite von Rohstoff-Futures k\u00f6nnte in Zukunft dann nennenswert steigen, wenn die Inflation deutlich anzieht und\/oder es zu einer schweren weltpolitischen (nicht weltwirtschaftlichen) Krise kommt, die zu Angst vor Versorgungsengp\u00e4ssen und zu Hoarding f\u00fchrt.\u00a0<\/span><\/p>\n Wer in Rohstoff-Futures investieren m\u00f6chte, ist gut beraten einige einfache Regeln zu beachten: Rohstoffe sollten nicht mehr als 5% bis 10% des risikobehafteten Portfolioteils eines Anlegerhaushaltes ausmachen und der ETF sollte einen maximal breiten Rohstoff-Index abbilden. ETFs auf einzelne Rohstoffe oder Rohstoffgruppen sind aus unserer Sicht aufgrund ihres nochmals erh\u00f6hten Risikos ohne zus\u00e4tzliche Ertragserwartung eine schlechte Idee.<\/p>\n In Bezug auf die Frage ob eine moderate Rohstoffbeimischung in einem Weltportfolio sinnvoll ist, halten wir die hier pr\u00e4sentierten Contra-Argumente f\u00fcr \u00fcberzeugender als die Pro-Argumente.<\/p>\n <\/p>\n Die ersten beiden der folgenden drei Aufs\u00e4tze sehen Rohstoff-Futures und ihre Financialization kritisch, der letzte Aufsatz vertritt eine Gegenposition:<\/p>\n Erb, Claude\/Harvey, Campbell (2016): „Conquering Misperceptions about Commodity Futures Investing“; In: Financial Analysts Journal; Volume 72; Number 4; 2016<\/p>\n Bianchi, Robert\/John HuaFanNedaTodorova (2020): „Financialization and De-Financialization of Commodity Futures: A Quantile Regression Approach“; In: International Review of Financial Analysis; Volume 68, March 2020<\/p>\n Bhardwaj, Geetesh\/Gorton, Gary\/Rouwenhorst, Geert (2015): „Facts and Fantasies about Commodity Futures \u2013 Ten Years Later“; May 25, 2015; Internet-Fundstelle: http:\/\/ssrn.com\/abstract=2610772<\/a><\/p>\n Eignen sich Rohstoffe als Beimischung in einem passiven Portfolio? Wir er\u00f6rtern das anhand historischer Daten und sachlogischer Argumente.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":5142,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[54,40],"class_list":["post-5140","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asset-klassen","tag-etc","tag-rohstoffe"],"yoast_head":"\n
<\/p>\nFazit<\/b><\/span><\/h2>\n
Literatur<\/b><\/span><\/h2>\n