{"id":4155,"date":"2020-05-01T00:00:28","date_gmt":"2020-04-30T22:00:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=4155"},"modified":"2025-09-05T14:19:02","modified_gmt":"2025-09-05T12:19:02","slug":"pains-of-factor-investing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/pains-of-factor-investing\/","title":{"rendered":"The Pains of Factor Investing"},"content":{"rendered":"
<<< Dieser Blog-Beitrag ist auch als YouTube-Video verf\u00fcgbar. >>><\/a><\/strong><\/span><\/p>\n Von Alexander Weis<\/a>\u00a0und\u00a0Gerd Kommer<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Der vorliegende Blog-Beitrag erg\u00e4nzt unsere im Mai und Juni 2019 erschienenen Beitr\u00e4ge zu Factor Investing „Factor Investing \u2013 die Basics<\/a>“ und „Integriertes Multifactor Investing<\/a>“ und komplettiert unsere Trilogie zu Smart Beta Investing. Interessierte Leser, die noch nicht hinreichend mit Factor Investing vertraut sind, sollten zuerst diese beiden fr\u00fcheren Teile lesen.<\/em><\/p>\n Factor Investing, also das regelbasierte \u00dcbergewichten sogenannter Faktorpr\u00e4mien wie beispielsweise Value<\/em> und Small Size <\/em>in einem Aktienportfolio, hat in der Vergangenheit \u00fcber hinreichend lange Zeitr\u00e4ume zu einer Mehrrendite gegen\u00fcber „marktneutralem“ Investieren gef\u00fchrt, bei dem die Marktkapitalisierung [1]<\/span><\/strong> einer Aktie als Gewichtungskriterium im Portfolio herangezogen wird. (In der Fachliteratur wird die Bezeichnung \u201cmarktneutral\u201d anders verwendet als in diesem Blog-Beitrag und bezeichnet dort in der Regel Long-short-Strategien, die zum Ziel haben, das Gesamtmarktrisiko zu eliminieren.)<\/span><\/i>\u00a0Das Risiko gemessen an der Volatilit\u00e4t (Schwankungsintensit\u00e4t der Renditen) war bei Factor Investing etwa gleich gro\u00df wie bei marktneutralem Investieren. Die Einschr\u00e4nkung „hinreichend lange“ muss in diesem Zusammenhang betont werden, da eine gegebene Faktorpr\u00e4mie nicht in jedem Jahr und nicht einmal \u00fcber jeden Drei-, F\u00fcnf-, Zehn- oder im schlechtesten Fall sogar 20-Jahreszeitraum positiv sein muss. Das ist f\u00fcr die Anwender von Factor Investing (nachfolgend „FI“ abgek\u00fcrzt) zwar nicht erfreulich, muss<\/em> aber letztlich so sein, weil die mit Faktorpr\u00e4mien erzielbare Mehrrendite sonst ja risikofrei erzielbar w\u00e4re \u2013\u00a0dann w\u00e4re sie jedoch schon l\u00e4ngst wegarbitriert.<\/p>\n Wie lange kann die Durststrecke einer Faktorpr\u00e4mie in der Praxis sein? Wie lange kann sie gegen\u00fcber marktneutral Investieren unterperformen? Zur \u00dcberpr\u00fcfung dieser Frage bietet sich die vielleicht bekannteste aller Faktorpr\u00e4mien, der Value-Effekt an. Die Value-Pr\u00e4mie lief \u00fcber die \u00fcber die letzten zehn Jahre relativ schlecht und \u00fcber die letzten drei Jahre sogar ganz besonders schlecht. Aus diesem Grund und um diesen Blog-Beitrag einigerma\u00dfen kurz zu halten, werden wir uns in unserer Argumentationslinie \u00fcberwiegend auf die Value-Pr\u00e4mie beschr\u00e4nken. Grunds\u00e4tzlich gilt unsere Argumentation jedoch auch f\u00fcr andere Faktorpr\u00e4mien, die von der Wissenschaft als hinreichend gut belegt gelten. Das sind\u00a0neben Value prim\u00e4r Small Size, Momentum, Quality, Investment und Political Risk.\u00dcbrigens kann auch die so genannte „Equity Pr\u00e4mie“ (die Mehrrendite der Asset-Klasse-Aktien relativ zur „risikofreien“ Geldmarktanlagen) \u00fcber zehn und mehr Jahre negativ sein (siehe Tabelle weiter unten).<\/p>\n Zur\u00fcck zur Value-Pr\u00e4mie: Value-Aktien sind, gemessen an bestimmten betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, g\u00fcnstig bewertete Unternehmen und werden im Deutschen oft als „Substanzwertaktien“ bezeichnet. Growth-Aktien (zu Deutsch „Wachstumsaktien“) sind das Gegenst\u00fcck zu Value-Aktien, also hoch bewertete oder „teure“ Aktien.<\/p>\n Die g\u00e4ngigsten Kennzahlen zur Klassifizierung von Aktien auf dem Value-Growth-Spektrum sind das Kurs-Buchwert-Verh\u00e4ltnis (KBV) und das Kurs-Gewinn-Verh\u00e4ltnis (KGV). Diese geben an, wie hoch der Aktienkurs eines Unternehmens im Verh\u00e4ltnis zum Buchwert des Eigenkapitals bzw. Gewinn pro Aktie ist. In anderen Worten: Das KBV bzw. das KGV dr\u00fcckt aus, wieviel der Investor f\u00fcr einen Euro an Bucheigenkapital bzw. Jahresgewinn bezahlen muss. \u00dcber den Zeitraum von 1927 bis 2018 betrug die Mehrrendite von Value- gegen\u00fcber Growth-Aktien in den USA 2,9% pro Jahr (Dimson, Marsh & Staunton, 2019).<\/p>\n Seit etwa 2005 l\u00e4sst die Performance der Value-Pr\u00e4mie allerdings zu w\u00fcnschen \u00fcbrig: Der MSCI ACWI IMI Value<\/em> Index hat den MSCI ACWI IMI Index \u2013 den wir hier als marktneutralen „Proxy“ f\u00fcr den Weltaktienmarkt verwenden \u2013 bis Ende M\u00e4rz 2020 um 1,4% p. a. unterperformt.\u00a0[2]<\/span><\/strong> \u00dcber den Drei-Jahres-Zeitraum von M\u00e4rz 2017 bis M\u00e4rz 2020 lag die annualisierte Unterrendite sogar bei 5,4%.<\/p>\n Daher stellt sich die Frage, ob die Unterperformance der Value-Pr\u00e4mie (die negative Value-Pr\u00e4mie) in der unmittelbaren Vergangenheit Anlass gibt, am dauerhaften Fortbestand der Pr\u00e4mie in der Zukunft zu zweifeln. (Um Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Eine negative Value-Pr\u00e4mie bedeutet nicht, dass die Rendite einer Value-Strategie negativ ist, sondern nur, dass die Rendite niedriger ist als die Rendite einer marktneutralen Benchmark, die definitionsgem\u00e4\u00df keinen Value-„Tilt“ aufweist.)<\/p>\n Wirft man einen Blick auf die gesamte verf\u00fcgbare Datenhistorie von Faktorpr\u00e4mien, wird man feststellen, dass solche Durststrecken eigentlich ganz normal sind und in der langfristigen Vergangenheit schon oft aufgetreten sind. Diesen Umstand haben wir in der folgenden Tabelle anhand der Equity-, Small-Size- und Value-Pr\u00e4mie dargestellt.<\/p>\n Tabelle: Anteil von Zeitr\u00e4umen mit negativen Faktorpr\u00e4mien (US-Aktienmarkt im Zeitraum von Juni 1927 bis Dezember 2018)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Quelle: Daten von Dimensional Fund Advisors, Fama & French, Ibbotson Associates, S&P, Morningstar Direct, CRSP und Compustat. \u25ba Alle Daten vor Kosten und Steuern. \u25ba Equity Pr\u00e4mie = Aktienmarktrendite minus Rendite der „risikofreien Anlage“ (Geldmarktrendite). \u25ba Historische Renditen bieten keine Gew\u00e4hr daf\u00fcr, dass sie sich in der Zukunft in \u00e4hnlicher Gr\u00f6\u00dfenordnung wiederholen.<\/span><\/p>\n Die Tabelle macht deutlich, dass es zwischen 1927 und 2018 immer wieder kurze und lange Perioden gegeben hat, in denen einzelne Faktorpr\u00e4mien schlechter rentiert haben als ihr Gegenpart. Sogar die Equity-Pr\u00e4mie (auch Marktpr\u00e4mie genannt) war wiederholt \u00fcber Zeitfenster von zehn Jahren (und l\u00e4nger, was hier nicht ausgewiesen wird) negativ, d. h. mit dem „Sparbuch“ h\u00e4tte man \u00fcber zehn Jahre hinweg den Aktienmarkt geschlagen \u2013 bei weit geringerem Risiko (Volatilit\u00e4t).<\/p>\n Der „Tod“ bestimmter Faktorpr\u00e4mien \u2013 z. B. der Small-Size-Pr\u00e4mie \u2013 wurde in der Vergangenheit schon mehrfach falsch proklamiert. Auch solche „Erkenntnisse“ sind somit nicht neu.<\/p>\n In ihrem Aufsatz „Volatility Lessons“ aus 2019 zeigen die Forscher Eugene Fama und Kenneth French, die als „V\u00e4ter“ des FI gelten, anhand von US-Aktienmarktdaten im Zeitraum 1963 bis 2016, dass die Wahrscheinlichkeit des Fortbestehens der Small-Value-Pr\u00e4mie (einer Kombination der beiden Pr\u00e4mien Small Size und Value; siehe hierzu auch den zweiten Teil unserer FI-Blog-Beitrags-Reihe mit dem Titel „Integriertes Multifactor Investing“<\/a>) sogar h\u00f6her ist als die der Equity-Pr\u00e4mie (Fama & French, 2019). Dass kleine, niedrig bewertete Unternehmen gro\u00dfe, teure Unternehmen outperformen ist also wahrscheinlicher als dass Aktien besser rentieren als kurzfristige Anleihen h\u00f6chster Bonit\u00e4t.<\/p>\n Unterstellt man Regression zum Mittelwert<\/em> in Aktienm\u00e4rkten \u2013\u00a0was wir auf sehr lange Sicht tun \u2013, dann f\u00fchren unterdurchschnittliche Renditen in der Vergangenheit zu tendenziell h\u00f6heren Renditen in der Zukunft (oder anders formuliert: Die f\u00fcr die Zukunft erwartete Rendite ist eine Funktion des Bewertungsniveaus).\u00a0[3]<\/span><\/strong> Um das in anderen Worten auszudr\u00fccken: Niedrige Bewertungsniveaus erh\u00f6hen die Renditeerwartung einer Faktorpr\u00e4mie in die Zukunft gerichtet (wie auch die Renditeerwartung f\u00fcr Aktien insgesamt nach einem Aktien-Crash erh\u00f6ht ist). Man k\u00f6nnte also sagen, dass eine Faktorpr\u00e4mie nach einer langen Durststrecke „g\u00fcnstiger“ ist und damit eine im Vergleich zu ihrer Historie erh\u00f6hte Renditeerwartung relativ zu ihrem historischen Mittel aufweist. Was das in der Vergangenheit konkret bedeutet hat, haben wir in folgender Grafik dargestellt.<\/p>\n Abbildung: Annualisierte Faktorpr\u00e4mien \u00fcber 10-Jahres-Zeitr\u00e4ume nach vorhergehenden 10-Jahres-Zeitr\u00e4umen mit negativen Faktorpr\u00e4mien (in den USA von Juni 1927 bis Dezember 2018)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Quelle: Daten von Dimensional Fund Advisors, Fama & French, Ibbotson Associates, S&P, Morningstar Direct, CRSP und Compustat. \u25ba Bei den Faktorpr\u00e4mien handelt es sich um „Long-only-Faktorpr\u00e4mien“ (siehe Endnote 2). \u25ba Alle Daten vor Kosten und Steuern. \u25ba Wissenschaftlichen Studien zu historischen Faktorpr\u00e4mien kommen bzgl. deren H\u00f6he zu jeweils leicht abweichenden Ergebnissen, je nach Land oder Region, Zeitabschnitt und spezieller Forschungsmethodik. \u25ba Historische Renditen bieten keine Gew\u00e4hr daf\u00fcr, dass sie sich in der Zukunft in \u00e4hnlicher Gr\u00f6\u00dfenordnung wiederholen.<\/span><\/p>\n Die Abbildung zeigt die H\u00f6he der Equity-, Small-Size- und Value-Pr\u00e4mien im US-Aktienmarkt seit 1927 in den zehn Jahren, die auf einen jeweils vorhergehenden negativen Zehnjahreszeitraum folgen. Es d\u00fcrfte damit deutlich werden, dass man f\u00fcr das Ausharren in einer Durststrecke einer Faktorpr\u00e4mie im Nachgang in der Vergangenheit im Durchschnitt reichlich belohnt wurde. Wir sehen aktuell keinen \u00fcberzeugenden Grund daf\u00fcr, dass es sich damit in Zukunft anders verhalten sollte.<\/p>\n Ein weiteres Argument f\u00fcr Optimismus zur Entwicklung der Value-Pr\u00e4mie in der Zukunft ergibt sich aus einer Untersuchung von Cliff Asness von AQR Capital Management zum sogenannten Value Spread<\/i> (Asness 2019). Vereinfacht gesagt geht das Argument so: Wenn man f\u00fcr Value- und Growth-Aktien das durchschnittliche Kurs-Buchwert-Verh\u00e4ltnis („KBV“) berechnet und die beiden Werte ins Verh\u00e4ltnis zueinander stellt, ergibt das den Value Spread. \u00dcber den Zeitraum von 2010 bis 2017 war der Value Spread relativ konstant, da f\u00fcr Value- wie auch Growth-Aktien die Kurse (der Z\u00e4hler des KBV) und die Buchwerte (der Nenner des KBV) gleicherma\u00dfen anstiegen \u2013\u00a0nur im Falle von Growth-Aktien eben mehr, was zur besseren Rendite von Growth- relativ zu Value-Aktien beitrug. In den letzten zwei Jahren verbreitete sich der Value Spread jedoch merklich. Einen h\u00f6heren Value Spread hat es in den letzten Jahrzehnten nur w\u00e4hrend der Dot-Com-Blase gegeben. Und unmittelbar danach hatte Value eine besonders gute Phase. Zusammenfassend deutet das darauf hin, dass Value heute so g\u00fcnstig ist wie schon lange nicht mehr.<\/p>\n Mancher Leser mag einwenden, dass es einen Unterschied macht, ob man sein Portfolio bereits auf die Value-Faktorpr\u00e4mie ausgerichtet hat und man somit schon unter der mauen Value-Performance der letzten Jahre gelitten hat oder noch vor der Entscheidung steht, ob man Faktorpr\u00e4mien in seinem Portfolio \u00fcbergewichten sollte. Wir halten diesen Einwand f\u00fcr wenig \u00fcberzeugend. Grunds\u00e4tzlich gelten die dargelegten Argumente f\u00fcr alle Anleger gleicherma\u00dfen \u2013\u00a0egal, ob sie Faktorpr\u00e4mien bereits seit l\u00e4ngerer Zeit in ihrem Portfolio \u00fcbergewichten oder noch nicht. F\u00fcr all die, die sich zu den „Opfern“ der Unterperformance einer Faktorpr\u00e4mie z\u00e4hlen, erscheint es aus unserer Sicht angeraten, dem eingeschlagenen Kurs treu zu bleiben \u2013 so wie es statistisch die rentabelste Vorgehensweise ist, gerade nach einer Phase stark negativer Aktienmarktrenditen (sprich einem Aktien-Crash) nicht zu verkaufen, weil an diesem Punkt die f\u00fcr die Zukunft erwartete Rendite von Aktien h\u00f6her als vorher ist.<\/p>\n \u00c4hnlich schlecht wie der Value-Pr\u00e4mie erging es im vergangenen Jahrzehnt \u00fcbrigens auch der Political-Risk-Pr\u00e4mie, also der erwarteten Mehrrendite von Schwellenl\u00e4nderaktien gegen\u00fcber Industriel\u00e4nderaktien. Merkw\u00fcrdigerweise h\u00f6rt man hier \u2013 anders als bei der Value-Pr\u00e4mie \u2013 in den Fachmedien selten, man solle oder m\u00fcsse Schwellenl\u00e4nder-Investing deswegen aufgeben.<\/p>\n Die Faktorpr\u00e4mien Quality, Momentum und Minimum Volatility haben Marktneutral<\/em> in den letzten f\u00fcnf und zehn Jahren (einschlie\u00dflich des aktuellen Corona-Crashs) jeweils erheblich outperformt (auf der konservativen „Long-Only-Basis“, siehe Endnote [2]<\/span><\/strong>).<\/p>\n Die wichtigste Schlussfolgerung aus allem hier Gesagten betrifft nicht nur Factor Investing: Eine wohldurchdachte, korrekt ausgef\u00fchrte wissenschaftlich orientierte Investmentstrategie allein anhand ihres Ergebnisses in einem Ein-, F\u00fcnf- oder Zehn-Jahres-Zeitraum zu beurteilen, f\u00fchrt oft zu Fehlschl\u00fcssen. Diese Zeitr\u00e4ume sind ganz einfach zu kurz (die Datenstichprobe ist zu klein), um \u00fcber die Strategie zu einem verl\u00e4sslichen Ergebnis zu gelangen.<\/p>\n Das illustriert auch folgender Sachverhalt: M\u00fcnchner Wohnimmobilien erlitten in den 17 Jahren von 1991 bis 2007 inflationsbereinigt einen Preisr\u00fcckgang von 40% \u2013 ein „Zeitlupen-Crash“, der heute schon wieder vergessen ist. Zu bedenken ist dabei au\u00dferdem, dass die Kreditzinsen in diesem Zeitraum durchschnittlich um \u00fcber f\u00fcnf Prozentpunkte h\u00f6her waren als heute. Wer im Jahr 2006 oder 2007 diese lange Durststrecke v\u00f6llig unattraktiver und in vielen Jahren negativer Immobilienrenditen in M\u00fcnchen und (noch extremer) anderen St\u00e4dten zum Anlass nahm, seinen Immobilienbestand zu verkaufen oder nie mehr in M\u00fcnchner Immobilien zu investieren, der verpasste einen ab Anfang 2008 einsetzenden spektakul\u00e4ren Immobilien-Bullenmarkt.<\/p>\n <\/p>\n Factor Investing hat in der Vergangenheit \u00fcber hinreichend lange Zeitr\u00e4ume zu einer attraktiven Mehrrendite gegen\u00fcber einer marktneutralen Benchmark gef\u00fchrt. Gleichwohl gab es immer wieder Perioden von f\u00fcnf, zehn oder 15 Jahren, in denen eine gegebene Faktorpr\u00e4mie negativ war, sie also schlechter lief als Marktneutral oder als ihr Gegenst\u00fcck. Dieser Umstand in Isolation kann unseres Erachtens nicht als Evidenz f\u00fcr das endg\u00fcltige Verschwinden der entsprechenden Faktorpr\u00e4mie gesehen werden. Vermutlich sind solche langen Durststrecken eine Auspr\u00e4gung genau des Risikos, das Faktorpr\u00e4mien \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glicht. Auf sehr lange Sicht sollte dieses Risiko durch eine erh\u00f6hte Rendite kompensiert werden.<\/p>\n Weil das so ist, sollte man auch bei Factor Investing nie alles auf ein Pferd setzen und daher \u00fcber mehrere gut erforschte, gut belegte Faktorpr\u00e4mien hinweg diversifizieren. Wie man das tut, haben wir in den beiden anderen Blog-Beitr\u00e4gen unserer Reihe zum Thema Factor Investing „<\/em>Factor Investing \u2013 die Basics<\/em><\/a>“ und „<\/em>Integriertes Multifactor Investing<\/em><\/a>“ <\/em>dargelegt.<\/p>\n Generell sollten nur solche Anleger Factor Investing betreiben, die es verstanden haben. Das hei\u00dft, die historischen Factor-Investing-Daten (inklusive der Pr\u00e4mienschwankungen) kennen und akzeptieren, die Sachlogik hinter Factor Investing f\u00fcr \u00fcberzeugend halten und das subjektive „Referenzrahmenrisiko“ (die oft mehrj\u00e4hrige Unter-Performance zu einem relevanten Referenzindex<\/span>), das mit Factor Investing einhergeht, aushalten k\u00f6nnen.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Die Marktkapitalisierung (auch B\u00f6rsenkapitalisierung oder B\u00f6rsenwert genannt) einer Aktiengesellschaft ist der Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl der umlaufenden Aktien (der Marktwert des Eigenkapitals des Unternehmens).<\/p>\n [2]<\/strong> Wir verwenden bei der zugrundeliegenden Berechnung sogenannte Long-only-Pr\u00e4mien. Das ist die konservative Berechnungsmethode und diejenige, die f\u00fcr Privatanleger in ETFs relevant ist (zur Erl\u00e4uterung des Konzepts von Long-only-Pr\u00e4mien siehe der erste unserer drei Blog-Beitr\u00e4ge zu Factor Investing).<\/p>\n [3]<\/strong> Diese in der Wissenschaft unstrittige Feststellung wird nach unserer Erfahrung immer wieder dahingehend missverstanden, dass bewertungsgetriebenes Market Timing sinnvoll sei. Eine solche Schlussfolgerung l\u00e4sst sich jedoch allein aus der Aussage „die erwartete Rendite ist eine Funktion des Bewertungsniveaus“ nicht ableiten, weil diese (falsche) Timing-These die Opportunit\u00e4tskosten von Market Timing vor einem etwaigen Markteintritt, ausgel\u00f6st von einer g\u00fcnstigen Bewertung, ignoriert.<\/p>\n <\/p>\n Asness, Cliff (2019): „It\u2019s Time for a Venial Value-Timing Sin“; Internet-Fundstelle: https:\/\/www.aqr.com\/Insights\/Perspectives\/Its-Time-for-a-Venial-Value-Timing-Sin<\/a><\/p>\n Baltussen, Guido; Swinkels, Laurens; Van Vliet, Pim (2019): „Global Factor Premiums“; Internet-Fundstelle: https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=3325720<\/a><\/p>\n Deere, Robert (2017): „Understanding the Performance of Small Cap Stocks“; Dimensional Fund Advisors; Working Paper; Unver\u00f6ffentlicht<\/p>\n Dimson, Elroy; Marsh, Paul; Staunton, Mike (2019): „Credit Suisse Global Investment Returns Yearbook 2018“; Long Version; Credit Suisse Research Institute; 256 pages<\/p>\n Fama, Eugene; French, Kenneth (2019): „Volatility Lessons“; Financial Analysts Journal; 74.3; pages 42-53<\/p>\n Jacobs, Heiko; M\u00fcller, Sebastian (2020): „Anomalies across the globe: Once public, no longer existent?“ In: Journal of Financial Economics; 135 (2020); pages 213\u2013230<\/p>\n Kommer, Gerd; Weis, Alexander (2019): „Integriertes Multifactor Investing“; Blog-Beitrag; Juni 2019; Link: https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/integriertes-multifactor-investing\/<\/a><\/p>\n Kommer, Gerd; Weis, Alexander (2019): „Factor Investing \u2013 die Basics“; Blog-Beitrag; Mai 2019; Link: https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/factor-investing-die-basics\/<\/a><\/p>\n Eine Factor-Investing-Strategie kann ein marktneutrales Portfolio jahrelang unterperformen. Wir zeigen auf, welche Schlussfolgerungen man daraus ziehen sollte.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4156,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1],"tags":[49,5],"class_list":["post-4155","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-factor-investing","category-nicht-kategorisiert","tag-faktorpraemien","tag-video"],"yoast_head":"\n
<\/p>\n
<\/p>\nFazit<\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/span><\/h2>\n
Literatur<\/span><\/h2>\n