{"id":3068,"date":"2019-09-06T00:00:44","date_gmt":"2019-09-05T22:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=3068"},"modified":"2025-09-05T14:13:12","modified_gmt":"2025-09-05T12:13:12","slug":"performance-fees","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/performance-fees\/","title":{"rendered":"Performance Fees \u2013 Schein und Wirklichkeit"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und Jonas Schweizer<\/a><\/em><\/p>\n Mit Beginn der Gro\u00dfen Finanzkrise 2008\/2009 haben Low-Cost-Indexfonds einschlie\u00dflich ETFs einen weltweiten Popularit\u00e4tsschub erfahren. Der Marktanteil von Indexfonds am Segment Investmentfonds f\u00fcr Privatanleger ist in den letzten Jahren erfreulich stark gewachsen. Insgesamt d\u00fcrfte der korrekt berechnete globale Marktanteil „passiven Investierens“ jedoch nach wie vor unter 2% liegen (siehe hier, insbes. Berechnung auf Folie 10<\/u><\/a>). Dieses Marktanteilswachstum \u00fcbt Margendruck auf die Finanzbranche aus \u2013 auch dar\u00fcber d\u00fcrfen sich Anleger freuen. Wie hoch die Produktkosten traditioneller, aktiv gemanagter Fondsprodukte im Vergleich zu denjenigen von Indexfonds noch immer sind, illustriert Tabelle 1.<\/p>\n Tabelle 1: Vergleich typischer Kosten zwischen aktiv gemanagten Investmentfonds und Indexfonds (ETFs) in Deutschland und \u00d6sterreich<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Alle Angaben in der Tabelle sind als Mittelwerte einer in der Praxis betr\u00e4chtlichen Spannbreite zu verstehen. \u25ba Nachweis der Angaben zu aktiv gemanagten Fonds siehe z. B. „FMA-Marktstudie \u00fcber Fondsgeb\u00fchren von \u00f6sterreichischen Publikumsfonds \u2013 Stichtag 31.12.2018“. Bei den Kaufkosten aktiv gemanagter Fonds handelt es sich um den Ausgabeaufschlag (dieser kann durch Kauf \u00fcber eine Direktbank z. T. gesenkt werden). Bei den ETFs handelt es sich um die Geld-Brief-Spanne und andere Transaktionskosten. \u25ba „TER“ = Total Expense Ratio („Laufende Kosten“).<\/span><\/p>\n Dass optisch vielleicht gering erscheinende Unterschiede bei den laufenden Kosten zwischen z. B. 1,75% und 0,25% bei Aktienfonds (siehe Tabelle 1) aufgrund des in diesem Fall negativen Zinseszinseffekts auf lange Sicht enorme Endverm\u00f6gensunterschiede produzieren, ist in weiten Teilen der Privatanleger-Community inzwischen angekommen. Dennoch schadet es nicht, sich diesen Sachverhalt immer wieder mit konkreten Zahlen vor Augen zu f\u00fchren: Unterstellt man bei Aktien eine nominale Bruttorendite von 8% p. a., Kosten in derselben H\u00f6he wie die in Tabelle 1, einen Steuersatz von 27% auf die j\u00e4hrliche Bruttorendite sowie einen Anlagehorizont von 30 Jahren, dann f\u00fchrt das passive ETF-Investment bei Aktien zu einem um 43% h\u00f6heren Endwert als ein Investment in den aktiven Fonds; bei Anleihen f\u00fchrt die kosteng\u00fcnstigere ETF-Alternative zu einem ungef\u00e4hr 19% h\u00f6heren Endwert, wenn man eine nominale Bruttorendite von 3% p. a. annimmt. (Eine h\u00f6here Bruttorendite der aktiven Fonds zu unterstellen w\u00e4re deswegen falsch, weil die Vorkostenrendite des durchschnittlichen aktiven Fonds bekanntlich sehr nahe bei derjenigen von Indexfonds liegt, wie eine nicht mehr z\u00e4hlbare Menge wissenschaftlicher Studien innerhalb der letzten Jahrzehnte belegt.)<\/p>\n Angesichts des Umstands, dass immer mehr Privatanleger die Vorz\u00fcge kosteng\u00fcnstiger passiver Produkte und Anlagestrategien f\u00fcr sich entdecken, sollte es nicht \u00fcberraschen, dass die etablierte Finanzbranche \u2013 Banken, Verm\u00f6gensverwalter und Fondsgesellschaften \u2013 hier „kreativ“ gegensteuert. Eine der vielen Ma\u00dfnahmen, die den Marketing-Experten in den letzten Jahren eingefallen sind, besteht darin, die laufende Verwaltungsgeb\u00fchr von Verm\u00f6gensverwaltungs-Portfolios und\/oder aktiv gemanagter Fonds zu senken und im Gegenzug eine neue zus\u00e4tzliche Geb\u00fchr mit einem hippen Namen einzuf\u00fchren: Sogenannte „Performance Fees“, also „leistungsabh\u00e4ngige“ Geb\u00fchren oder „Gewinnbeteiligungen“.<\/p>\n Performance Fees (nachfolgend der K\u00fcrze halber „P-Fees“ abgek\u00fcrzt) haben aus Sicht ihrer Sch\u00f6pfer drei Vorteile: (a) Sie erlauben dem Anbieter, die normale Verwaltungsgeb\u00fchr zu senken, ohne tats\u00e4chlich billiger werden zu m\u00fcssen. (b) Wohl 99% aller Privatanleger k\u00f6nnen die echten Kosten von P-Fees nicht beziffern. Damit bleiben sie bei Gesamtgeb\u00fchrensch\u00e4tzungen und -vergleichen potentieller Neukunden au\u00dfen vor \u2013 genau das, was sich der Anbieter w\u00fcnscht. (c) P-Fees klingen zun\u00e4chst sogar irgendwie gut, denn bei ihnen scheint es, als ob das Finanzunternehmen nur dann bezahlt wird, „wenn die Leistung stimmt“. Und wer w\u00fcrde nicht f\u00fcr gute Leistung zahlen wollen?<\/p>\n In Bezug auf Sachverhalt (b) haben wir in Tabelle 2 eine Quantifizierung einiger real existierender P-Fee-Klauseln von Banken und Verm\u00f6gensverwaltern vorgenommen. (Die Berechnungsmethodik wird im nachfolgenden Text erl\u00e4utert.) Sachverhalt (c) \u2013 die P-Fee f\u00e4llt nur an, wenn die Leistung stimmt \u2013 entpuppt sich bei n\u00e4herem Hinsehen als Wunschdenken. Eine P-Fee ist de facto auch dann zu zahlen, wenn die Bank, der Verm\u00f6gensverwalter oder der Fonds seine Benchmark mittel- und langfristig unter-performt, er also gar keine Mehrleistung erzeugt, sondern das Investment nur mau oder gar schlecht rentiert.<\/p>\n Tabelle 2: Quantifizierung von Performance Fees verschiedener Anbieter in Form einer langfristigen durchschnittlichen Kostenquote<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Berechnungsmethodik siehe laufender Text. \u25ba In allen vier F\u00e4llen liegen die Original-Formeln der Banken und des Verm\u00f6gensverwalters zugrunde, einschlie\u00dflich einer „High-Watermark-Regelung“ in drei der vier F\u00e4lle. \u25ba Performance Fees fallen nahezu ausnahmslos zus\u00e4tzlich\u00a0<\/em>zu normalen Verwaltungsgeb\u00fchren an.<\/span><\/p>\n In Tabelle 2 haben wir exemplarisch vier handels\u00fcbliche P-Fee-Klauseln aus realen Verm\u00f6gensverwaltungsvertr\u00e4gen von drei anonymisierten Banken und einem bankunabh\u00e4ngigen Verm\u00f6gensverwalter in eine langfristige Jahresdurchschnittsgeb\u00fchr transformiert. Dazu haben wir beispielhaft die Jahresrenditen des FONDAK\u00a0A-Fonds (ISIN DE0008471012) seit dem fr\u00fchestm\u00f6glichen Zeitpunkt, d. h. von 1962 bis 2018 (57 Jahre) zugrunde gelegt und dann kalkuliert, was die annualisierten P-Fees auf der Basis dieser Renditen gewesen w\u00e4ren. Der FONDAK\u00a0A ist der \u00e4lteste \u00fcberlebende deutsche Aktienfonds. Er geh\u00f6rt zur Allianz-Versicherungsgruppe. Der Fonds investiert in deutsche Standardwerte. Der FONDAK\u00a0A hat den DAX-Index \u00fcber diese 57 Jahre um 1,3 Prozentpunkte p. a. unter-performt (6,4% p. a. f\u00fcr den DAX und 5,1% p.a. f\u00fcr den FONDAK\u00a0A \u2013 ohne Ber\u00fccksichtigung des FONDAK-Ausgabeaufschlages von (regul\u00e4r) 5%. Trotz dieser Schlechtleistung war der FONDAK A im Betrachtungszeitraum in seinem Segment sogar ein \u00fcberdurchschnittlich guter aktiv gemanagter Fonds \u2013 ansonsten h\u00e4tte er nicht so lange \u00fcberlebt. Der FONDAK A belastet seinen Anlegern laufende Kosten von 1,7% („TER“). F\u00fcr die Zwecke der Simulation in Tabelle\u00a02 haben wir diese Geb\u00fchr rechnerisch jedoch auf 1,3% gesenkt, weil davon auszugehen ist, dass sie um von uns gesch\u00e4tzte 0,4 Prozentpunkte niedriger gewesen w\u00e4re, wenn es eine P-Fee gegeben h\u00e4tte.<\/p>\n Die Quintessenz dieser Auswertung: Selbst bei einer langfristigen Rendite, die unter Benchmark (Referenzgr\u00f6\u00dfe) liegt, fallen P-Fees, je nach konkreter P-Fee-Formel, zwischen ungef\u00e4hr 0,50% und 0,80% p. a. an. Von einer Belohnung oder Verg\u00fctung f\u00fcr die besondere Leistung oder Outperformance des Verm\u00f6gensverwalters oder Fondsmanagers kann also keine Rede sein. Tats\u00e4chlich zahlt der Anleger auch bei Minderleistung und Mittelm\u00e4\u00dfigkeit. Dieses absurde Ergebnis kommt deswegen zustande, weil P-Fees eben so konstruiert sind, wie sie konstruiert sind: Ihre H\u00f6he wird konstruktionsbedingt in der Realit\u00e4t eher von hoher Volatilit\u00e4t (Schwankung der Jahresrenditen) bestimmt als von attraktiver Langfristrendite.<\/p>\n P-Fees kommen urspr\u00fcnglich aus der „Nobelwelt“ von Hedge-Fonds und Private Equity-Fonds. Das dort markt\u00fcbliche „2\/20-Kostenmodell“ (2% Verwaltungsgeb\u00fchr + 20% P-Fee [1]<\/span><\/strong> kombiniert mit einer sogenannten High Watermark<\/em>) w\u00fcrde auf der Grundlage der Rohrenditezahlen in Tabelle 2 zu einer durchschnittlichen P-Fee-Belastung von 1,28% p. a. f\u00fchren \u2013 exklusive der normalen Verwaltungsgeb\u00fchr von 2% p. a. Autsch!<\/p>\n Die tats\u00e4chlichen Hedge-Fonds-P-Fees in den letzten Jahren d\u00fcrften jedoch niedriger gewesen sein, da die rund 10.000 Hedge-Fonds weltweit als Gruppe in den vergangenen 15 Jahren katastrophale Renditen weit unter der des allgemeinen Aktienmarktes ablieferten. Die Resultate beim typischen Private Equity-Investment waren etwas besser, lagen aber ebenfalls deutlich unter einer ad\u00e4quaten Aktien-Benchmark (siehe z. B. Kommer, Souver\u00e4n Investieren mit Indexfonds und ETFs<\/em>, 2018, Abschnitt 2.18).<\/p>\n Neben ihrer unerfreulichen Kosten- und Renditeauswirkung schmuggeln P-Fees noch einen weiteren Foulspieler auf das Spielfeld: Unn\u00f6tige Interessenkonflikte. Der Grund liegt wiederum in der speziellen Konstruktion von P-Fees, die fast immer auf der Basis von Kalenderjahres- oder halbjahresrenditen kalkuliert werden. Liegt nun ein Fondsmanager \u2013 sagen wir, Anfang Oktober \u2013 renditem\u00e4\u00dfig deutlich „hinten“, hat er nur bei einem starken „Turnaround“ in den letzten drei Monaten eine Aussicht darauf, eine P-Fee zu verdienen, was ihn dazu inzentivieren wird, f\u00fcr diese drei Monate besonders hohe Risiken einzugehen. Nur so wird er \u2013 mit etwas Gl\u00fcck \u2013 doch noch zu seinem „Bonus“ im betroffenen Kalenderjahr gelangen. Dieses sachfremde Verhalten hat mit der eigentlichen Fondsstrategie jedoch nichts zu tun und l\u00e4uft ex ante<\/em>\u00a0gegen die Interessen der Anleger. Der Fondsmanager wird also f\u00fcr das Eingehen eines h\u00f6heren, sachfremden Risikos zus\u00e4tzlich bezahlt.<\/p>\n Am Ende stellt sich die Frage, ob P-Fees, die mittel- und langfristig sogar bei mediokrer oder schlechter Performance anfallen und unheilvolle Interessenkonflikte beg\u00fcnstigen, stets abzulehnen sind. Die Antwort lautet Ja<\/em>. Die einzige denkbare Ausnahme von dieser Schlussfolgerung w\u00e4ren „symmetrische“ P-Fees, also P-Fees, die grunds\u00e4tzlich beide Seiten in gleicher Weise bevorteilen k\u00f6nnen, nicht nur den Verm\u00f6gensverwalter bzw. die Fondsgesellschaft, wie es bei normalen „asymmetrischen“ P-Fees der Fall ist. Bei einer symmetrischen P-Fee zahlen Fondsgesellschaft oder Verm\u00f6gensverwalter in jedem Kalenderjahr, in dem die Rendite unter der Referenzgr\u00f6\u00dfe (Benchmark) liegt, Geld aus ihrer eigenen Tasche in entsprechender H\u00f6he an den Anleger, da der Fondsmanager oder Verwalter ja die schlechte Leistung verschuldet. Das w\u00e4re zur Abwechslung mal eine faire Regelung.<\/p>\n In den USA \u2013 einem Land, in dem der Anlegerschutz wesentlich weiterentwickelt ist als im deutschsprachigen Raum \u2013 sind bei Investmentfonds f\u00fcr Privatanleger deswegen nur symmetrische P-Fees gesetzlich zul\u00e4ssig. Weil sich aber keine US-Fondsgesellschaft auf soviel Fairness einlassen will, existieren im US-Publikumsfondsmarkt gar keine P-Fees. In Deutschland hingegen werden sie immer zahlreicher. Das sollte nicht wundern, da sich der Gesetzgeber hierzulande in Bezug auf echten, wirksamen Privatanlegerschutz seit Jahrzehnten im Wachkoma befindet.<\/p>\n <\/p>\n Performance Fees sind eine doppelte Mogelpackung, denn sie fallen de facto selbst dann an, wenn die Bank, der Fonds oder der Verm\u00f6gensverwalter nur eine durchschnittliche oder sogar eine unter der Referenzgr\u00f6\u00dfe (Benchmark) liegende Rendite liefert. Zus\u00e4tzlich erzeugen sie h\u00e4ssliche Interessenkonflikte. Wer sich auf andere als symmetrische Performance Fees einl\u00e4sst, macht einen gravierenden Fehler, den er auf l\u00e4ngere Sicht vermutlich teuer bezahlen wird.<\/p>\n <\/p>\n [1]\u00a0<\/strong>Die 20%-Zahl bezieht sich auf die Kalenderjahresrendite. Sofern der Wert des Portfolios einschlie\u00dflich laufender Ertr\u00e4ge (Zinsen, Dividenden) am Ende des Kalenderjahres h\u00f6her ist als in allen vorhergehenden Jahren seit Beginn des Anlegerinvestments, gilt: P-Fee im betreffenden Jahr = 20% \u00d7 Jahresrendite.<\/p>\n <\/p>\n Andrew Clare \/ Nick Motson \/ Richard Payne \/ Steve Thomas (Oct. 2014): „Heads we win, tails you lose; Why don\u2019t more fund managers offer symmetric performance fees? Internet-Fundstelle: https:\/\/papers.ssrn.com\/sol3\/papers.cfm?abstract_id=2525545<\/a><\/p>\n Henri Servaes \/ Kari Sigurdsson (Dec. 2018): „The Costs and Benefits of Performance Fees in Mutual Funds“; AQR Capital Management); Internet-Fundstelle: https:\/\/ecgi.global\/sites\/default\/files\/working_papers\/documents\/finalservaessigurdsson.pdf<\/a><\/p>\n In diesem Beitrag befassen wir uns mit den unerfreulichen Auswirkungen von „Performance Fees“ bei Banken, Verm\u00f6gensverwaltern und aktiv gemanagten Investmentfonds.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3064,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,9],"tags":[38,37],"class_list":["post-3068","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert","category-ratgeber","tag-kosten","tag-ter"],"yoast_head":"\n
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<\/p>\nFazit<\/strong><\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n
Literatur<\/strong><\/span><\/h2>\n