{"id":3030,"date":"2019-08-02T00:00:25","date_gmt":"2019-08-01T22:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=3030"},"modified":"2025-09-05T14:12:00","modified_gmt":"2025-09-05T12:12:00","slug":"risiko-von-bankguthaben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/risiko-von-bankguthaben\/","title":{"rendered":"Das untersch\u00e4tzte Risiko von Bankguthaben"},"content":{"rendered":"

<<< Dieser Blog-Beitrag ist auch als YouTube-Video verf\u00fcgbar. >>><\/a><\/strong><\/span><\/p>\n

Von Jonas Schweizer<\/a>\u00a0und\u00a0Gerd Kommer<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n

Dieser Blog-Beitrag wurde im Dezember 2024 aktualisiert.<\/em><\/p>\n

In zwei Disziplinen hat Deutschland ein Abonnement auf den Weltmeistertitel: Im Dressurreiten und beim Anteil von Bankguthaben am liquiden Verm\u00f6gen von Privathaushalten. Im Dressurreiten hat die deutsche Nationalmannschaft seit 1966 zw\u00f6lf von bisher 15 m\u00f6glichen Weltmeistertiteln im Team-Wettbewerb gewonnen. [1]<\/span><\/strong> Beim Anteil von Bankguthaben am liquiden Verm\u00f6gen d\u00fcrften wir im globalen Vergleich ebenso stark dominieren. Regelm\u00e4\u00dfig bringen Medien die Schlagzeile „Deutsche sind Sparweltmeister“, also Champions im Anh\u00e4ufen von Bankeinlagen. Leider ist das \u2013 anders als die Reitsporttitel \u2013 kein Grund zum Jubeln. Warum nicht, werden wir in diesem Blog-Beitrag beleuchten.<\/p>\n

Tabelle 1 zeigt die Gr\u00f6\u00dfenordnung und Struktur des liquiden Verm\u00f6gens der Deutschen. Bankeinlagen, also Guthaben auf Girokonten, Sparkonten, Tagesgeldkonten und Festgeldkonten, machen dabei mit 41% den gr\u00f6\u00dften Teil aus. Kapitalbildende Lebensversicherungen, eine aus Rendite- und Risikosicht ebenfalls eher kontraproduktive Verm\u00f6gensanlage, folgen mit 30% an zweiter Stelle.<\/p>\n

Tabelle 1: Zusammensetzung des liquiden Verm\u00f6gens der Deutschen per Ende 2021<\/strong><\/span><\/p>\n

\"\"<\/p>\n

\u25ba [A] Guthaben auf Girokonten und verzinslichen Bankkonten. \u25ba [B] Kapitalbildende Lebens- und Rentenversicherungen. \u25ba [C] Investmentfonds\/ETFs und Einzelwertpapiere wie Aktien, Anleihen, Zertifikate, Derivate. \u25ba Nicht in dieser Tabelle enthalten sind illiquide Verm\u00f6gensanlagen wie Direktinvestments in Immobilien, nicht-b\u00f6rsennotierte Unternehmensbeteiligungen sowie Anspr\u00fcche an die gesetzliche Rentenversicherung oder \u00e4quivalente Versorgungswerke. \u25ba Quelle: Bundesbank. <\/span><\/p>\n

F\u00fcr rationale Haushalte, die das Ziel des Verm\u00f6gensaufbaus haben, sind Bankguthaben aus den folgenden zwei Gr\u00fcnden keine sinnvollen Anlagen:<\/p>\n

Grund Nr. 1<\/strong>: Mit verzinslichen Bankguthaben kann man bei \u00f6konomisch korrekter Betrachtung kein Verm\u00f6gen bilden (mit unverzinslichen naturgem\u00e4\u00df noch weniger). Das strukturelle und letztlich nicht \u00fcberwindbare „Renditemangelproblem“ verzinslicher Bankeinlagen haben wir in einem eigenen Blog-Beitrag analysiert (hier<\/u><\/a>). In vorliegenden Beitrag wollen wir uns daher auf Grund Nr. 2 konzentrieren.<\/p>\n

Grund Nr. 2<\/strong>: Bankguthaben sind zu risikoreich. Warum und in welcher Weise sie das sind, und welche Ausnahmen es von diesem seltsam wenig bekannten Faktum gibt, zeigen wir nachfolgend.<\/p>\n

Noch eine begriffliche Kl\u00e4rung. Wenn wir in diesem Blog-Beitrag von „Einlagen“ oder „Guthaben“ sprechen, sind Cash-Guthaben bei Banken gemeint, z. B. Girokontoeinlagen, verzinsliche Tagesgelder, Festgelder, Sparbuchguthaben, nicht jedoch Wertpapier- oder Fondsanlagen auf einem Depot. Der Inhalt eines Depots ist \u2013 anders als der Saldo auf einem Konto \u2013 durch den Konkurs der depotf\u00fchrenden Bank grunds\u00e4tzlich nicht gef\u00e4hrdet, da die Bank bei einem Depot nur als Treuh\u00e4nderin oder Verwalterin agiert.<\/p>\n

Nun zur Kl\u00e4rung, warum Bankguthaben risikoreich sind.<\/p>\n

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Ursachen f\u00fcr das Ausfallrisiko bei Bankeinlagen<\/strong><\/span><\/h2>\n

Bei einem Bankguthaben ist die Bank der Schuldner und der Einleger (Sparer) der Gl\u00e4ubiger, sprich der Kreditgeber. Leider sind Banken betriebswirtschaftlich fragile Schuldner. Das hat zwei Ursachen: In keiner, wirklich keiner anderen Branche sind die Eigenkapitalquoten so konsistent niedrig und damit umgekehrt die Verschuldungsquoten so hoch wie im Bankensektor. \u00dcber 90% einer typischen Bankbilanz besteht aus Schulden. Zu diesen Schulden geh\u00f6ren die Einlagen der Sparer.<\/p>\n

Die zweite Ursache: Banken sind die einzige Branche, die nennenswert vom Risiko des „Runs“ ihrer Einleger (Kunden), also ihrer Hauptkreditgeber, betroffen sind. In einem Bank-Run<\/em> versuchen viele oder alle Einleger einer Bank aus Angst um die Sicherheit ihres Geldes gleichzeitig ihre Guthaben abzuziehen, w\u00e4hrend ca. 95% bis 99% dieser Guthaben bei der Bank gar nicht in liquider, sofort verf\u00fcgbarer Form vorhanden sind. Das kann innerhalb kurzer Zeit, oft nur wenigen Tagen, zur liquidit\u00e4tsm\u00e4\u00dfigen oder aufsichtsrechtlichen Insolvenz der Bank f\u00fchren. Vor kurzem best\u00e4tigte der Chef der Bundesbank, Joachim Nagel, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Bank-Runs mit dem Aufkommen der sozialen Medien noch vergr\u00f6\u00dfert hat (hier<\/u><\/a>).<\/p>\n

Oben haben wir erw\u00e4hnt, dass ein Bankguthaben zivilrechtlich ein Kredit des Einlegers an die Bank darstellt. Weil das so ist, geh\u00f6rt das Bankguthaben rechtlich der Bank und nicht dem Einleger, wie fast alle Bankkunden irrt\u00fcmlich annehmen. Der Einleger hat lediglich eine Forderung, einen R\u00fcckzahlungsanspruch gegen die Bank. Wenn die Bank zahlungsunf\u00e4hig wird, dann kann der realisierbare Wert dieses R\u00fcckzahlungsanspruches unter 100% und sogar bis auf null sinken.<\/p>\n

Bankpleiten einzelner Institute oder Bankpleiten im Rahmen einer systemischen Bankenkrise sind in gewisser Weise wie Erdbeben. Sie kommen zwar selten vor und ihr Auftreten ist nicht verl\u00e4sslich prognostizierbar, aber dass<\/em> sie vorkommen, ist sicher. Die letzte gro\u00dfe globale Bankenkrise mit Hunderten von formalen oder de-facto-Bankkonkursen (rund 15 in Deutschland) ereignete sich 2008 bis 2011. Im M\u00e4rz 2023 geschah eine Minibankenkrise, in der eine der gr\u00f6\u00dften Banken Europas, die Credit Suisse und drei mittelgro\u00dfe US-Banken, kollabierten. Zwischen 2011 und heute sind in Deutschland etwa ein halbes Dutzend von 1.700 Banken aufgrund bankindividueller Probleme (zumeist Inkompetenz der Gesch\u00e4ftsleitung) unfreiwillig ins Jenseits \u00fcbergesiedelt. Bankenpleiten geschehen gleicherma\u00dfen bei privaten Banken, bei genossenschaftlichen Banken, bei staatlichen Banken (Sparkassen) und bei den Quasi-Banken namens Bausparkassen. [2]<\/span><\/strong><\/p>\n

Bankpleiten und systemische Bankenkrisen waren wirtschaftsgeschichtlich in den letzten Jahrhunderten \u2013 wie auch in den letzten 50 Jahren \u2013 „v\u00f6llig normal“, wenngleich sie \u00fcberwiegend nur in gro\u00dfen zeitlichen Abst\u00e4nden auftreten. „Bankenpleite“ bedeutet hier nicht unbedingt formal-rechtlicher Konkurs, sondern eine existenzielle wirtschaftliche Notlage (neudeutsch „Bank Failure“), welche entweder staatliche St\u00fctzungsma\u00dfnahmen nach sich ziehen, die \u00dcbernahme durch einen Konkurrenten oder eben einen formalen Konkurs mit anschlie\u00dfender Liquidierung. In allen diesen F\u00e4llen bedeutet „Pleite“, dass manche oder alle Kontoinhaber um die R\u00fcckzahlung ihrer Einlagen \u00fcber eine l\u00e4ngere Zeit bangen m\u00fcssen und\/oder tats\u00e4chliche Verluste erleiden. Die Aktion\u00e4re und Anleihengl\u00e4ubiger der betroffenen Bank werden in der Regel einen gro\u00dfen Teil ihres Investments verlieren.<\/p>\n

Zur Illustration ein paar Zahlen zu Bank Failures aus der j\u00fcngeren Vergangenheit: In den f\u00fcnf Jahren von 2008 bis 2012 gingen in den USA 465 Banken unter (etwa 7% aller Institute) und in Deutschland etwa 15, darunter die damals zweitgr\u00f6\u00dfte und drittgr\u00f6\u00dfte Bank wie auch die gr\u00f6\u00dfte Immobilienbank (Commerzbank, Dresdner Bank, Hypo Real Estate) sowie mehrere staatliche Landesbanken. Und auch nach dem Ende der damaligen systemischen Bankenkrise (ungef\u00e4hr 2012\/2013) sind bis in Deutschland mehr als ein Dutzend Banken formal oder de facto pleite gegangen und vermutlich mehr als 20 weitere wurden wegen chronischer Ertragsschw\u00e4che von der Konkurrenz \u00fcbernommen, bevor die unausweichliche Insolvenz geschehen konnte.<\/p>\n

Es gab kaum ein Land in der EU, das 2008\/2009 keine Bankenkrise erlebte. Auch die beiden gr\u00f6\u00dften Schweizer Bankh\u00e4user UBS und Credit Suisse erlitten schwerste und, aus der damaligen Sicht, existenzbedrohende Verluste. Die Credit Suisse kollabierte dann einige Jahre sp\u00e4ter 2023 im Rahmen einer „kleinen“ systemischen Bankenkrise Anfang 2023. Die Zeit um 2008\/2009 war jedoch kein einmaliger Sonderfall. Gravierende nationale Bankenkrisen zwischen dem Zweiten Weltkrieg und 2008\/2009 gab es in den USA, Japan, Norwegen, Spanien, Schweden, der Schweiz und Gro\u00dfbritannien, um nur die bekannteren F\u00e4lle zu nennen. In wirtschaftlich weniger entwickelten L\u00e4ndern sind Bankkonkurse und -beinahekonkurse (Insolvenzen) noch h\u00e4ufiger.<\/p>\n

Weltweit sind in den Industriel\u00e4ndern in den zur\u00fcckliegenden 150 Jahren und davor viele Tausend Banken zugrunde gegangen, zumeist im Kontext eines Bank-Runs (siehe hier<\/u><\/a> und hier<\/u><\/a> und hier<\/u><\/a> und hier<\/u><\/a> und hier<\/u><\/a>).<\/p>\n

Die manchmal von Privatanlegern ge\u00e4u\u00dferte \u00dcberzeugung, dass die lokale Kleinbank sicherer sei als nationale oder internationale Gro\u00dfbanken, ist drollig naiv. Vermutlich r\u00fchrt dieses Wunschdenken daher, dass entsprechende „Kleinpleiten“ nie im Spiegel<\/em>, der Tagesschau<\/em> oder auf YouTube<\/em> auftauchen und\/oder aus der Verwechslung von Vertrautheit mit Sicherheit \u2013 ein bekannter kognitiver Irrtum, dem bis zu einem gewissen Grad wohl jeder Mensch unterliegt. Kleine Banken, die kein Rating haben, h\u00e4tten typischerweise ein schlechtes.<\/p>\n

In Bezug auf Einlagen bei Sparkassen glauben viele B\u00fcrger, dass die Einlagen dieser Staatsbanken durch ihren Eigent\u00fcmer (Stadt, Landkreis) garantiert w\u00fcrden. Fehlanzeige. Diese so genannte „Gew\u00e4hrtr\u00e4gerhaftung“ aus dem Jahr 1931 wurde 2005 zurecht abgeschafft, da wettbewerbsverzerrend. Daher darf eine Kommune selbst dann keinen Bailout ihrer insolventen Sparkasse durchf\u00fchren, wenn sie es ausnahmsweise k\u00f6nnte.<\/p>\n

Bankpleiten sind also eine normale Erscheinung der Marktwirtschaft, auch wenn sie weniger zahlreich und unregelm\u00e4\u00dfiger sind als Unternehmenskonkurse in anderen Branchen. Selbstverst\u00e4ndlich wird es auch k\u00fcnftig einzelne Bankkonkurse und nationale oder systemische internationale Bankenkrisen geben.<\/p>\n

Manche Leser werden an dieser Stelle einwenden, dass es Sicherungssystem f\u00fcr Bankeinlagen gebe. Ja, es gibt verschiedene Sicherungssysteme, aber ihre Sicherungswirkung ist leider sehr begrenzt.<\/p>\n

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Die staatliche Einlagensicherung<\/strong><\/span><\/h2>\n

In Deutschland und alle EU-Mitgliedsstaaten existiert seit 2014 eine so genannte gesetzliche Einlagesicherung f\u00fcr Bankeinlagen bis zur Obergrenze von 100.000 Euro pro Bank-Kunde-Kombination.<\/p>\n

Die „gesetzliche Einlagensicherung“ bis 100.000 Euro repr\u00e4sentiert jedoch keine formale Staatsgarantie wie in den USA, [3]<\/span><\/strong> sondern nur einen „gesetzlichen Rechtsanspruch auf eine Entsch\u00e4digung durch ein privates, staatlich beaufsichtigtes Entsch\u00e4digungssystem“. Aus Bankkundensicht fehlt damit die Rechtssicherheit, die es in den USA gibt. Gleichwohl d\u00fcrfte die gesetzliche Einlagensicherung in der EU einer formalen staatlichen Garantie im Umfang von 100.000 Euro pro Kunde nahekommen, aber sie stellt keinen harten Rechtsanspruch dar. Warum ist die staatliche Einlagensicherung auf 100.000 Euro begrenzt?<\/p>\n

Zwei Gr\u00fcnde: (a) Schon 100.000 Euro in einer systemischen Bankenkrise f\u00fcr Millionen von Kunden zu ersetzen, w\u00fcrden jeden Staat in Europa an die Grenze seiner Finanzkraft bringen. Mehr als 100.000 Euro w\u00e4re schlichtweg unm\u00f6glich, wie wir weiter unten zeigen werden. (b) \u00dcber 90% aller Kontoguthaben in Deutschland (und wohl jedem anderen EU-Land) weisen einen Saldo von unter 100.000 Euro auf. Aus der Sicht der meisten Politiker im Bundestag w\u00fcrden die gr\u00f6\u00dferen Guthaben damit der bekanntlich nicht sch\u00fctzenswerten Minderheit der „Reichen“ geh\u00f6ren.<\/p>\n

Stichwort „Grenzen seiner Finanzkraft“: Kein westlicher Staat verf\u00fcgt \u00fcber ausreichend Finanzreserven, um in einer gro\u00dfen systemischen Bankenkrise alle<\/em> Bankguthaben oder auch nur den \u00fcberwiegenden Teil zu st\u00fctzen. Am Beispiel Deutschlands l\u00e4sst sich das einfach zeigen: Die gesamten Bankguthaben hierzulande beliefen sich Ende 2023 auf rund 3.260 Milliarden Euro. Dem standen Steuereinnahmen des Staates in 2023 von 916 Mrd. Euro gegen\u00fcber. Diese Mittel sind jedoch zu 100% bereits f\u00fcr andere Zwecke verplant, z. B. f\u00fcr Beamtengeh\u00e4lter, den Unterhalt der \u00f6ffentlichen Infrastruktur und sonstige Staatsausgaben.<\/p>\n

K\u00f6nnte der Staat Schulden aufnehmen, um einen allgemeinen Banken-Bailout zu finanzieren? Leider noch einmal Fehlanzeige. Ein solcher unbegrenzter schuldenfinanzierter Bailout im Rahmen einer gro\u00dfen systemischen Bankenkrise d\u00fcrfte heute f\u00fcr kein westliches Land m\u00f6glich sein, da die Verschuldungsquoten bei den meisten Staaten bereits auf einem nicht mehr nennenswert ausdehnbaren Niveau liegen, ohne gravierend negative Konsequenzen auszul\u00f6sen.<\/p>\n

Auch „Gelddrucken“ zur Finanzierung eines unbegrenzten Banken-Bailouts einschlie\u00dflich aller Bankeinlagen w\u00fcrde als L\u00f6sung wahrscheinlich nicht funktionieren. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrden die Kapitalm\u00e4rkte, vor allem der Anleihenmarkt, dieses billige T\u00e4uschungsman\u00f6ver durchschauen. Die nominalen und die realen Zinsen w\u00fcrden vermutlich steigen und somit die in die Zukunft gerichtet die Refinanzierung des Staates verteuern. Ferner k\u00e4me es aufgrund des gestiegenen Zinsniveaus zu starken Kursverlusten bei bereits existierenden Staatsanleihen \u2013 mit m\u00f6glicherweise schlimmen Auswirkungen auf institutionelle Anleger wie Versicherungen, Pensionskassen, Banken und gemeinn\u00fctzige Stiftungen, die diese Anleihen halten. Die erh\u00f6hte Zinslast f\u00fcr Staatsschulden k\u00f6nnte der Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine Staatskrise oder gar einen Staatskonkurs einige Zeit sp\u00e4ter werden.<\/p>\n

W\u00fcrde ein Staat \u2013 gleichg\u00fcltig, ob er USA, Deutschland, Schweiz oder Liechtenstein hei\u00dft \u2013 ex ante<\/em>, also au\u00dferhalb einer Bankenkrise eine betraglich unbegrenzte, formale Garantie f\u00fcr alle nationalen Bankeinlagen aussprechen (entweder m\u00fcndlich durch ein Regierungsmitglied oder in Gesetzesform), m\u00fcssten die Rating-Agenturen aufgrund dieser gigantischen, nicht realistisch erf\u00fcllbaren „Eventualverbindlichkeit“ die Bonit\u00e4t des betreffenden Staates sofort drastisch herabstufen (die Bonit\u00e4tsnoten der betreffenden Staatsanleihen senken). Wieder k\u00e4me es zu starken Kursverlusten bei bereits existierenden Staatsanleihen und einem Anstieg der Zinskosten neuer Anleihen. M\u00f6gliche Folgen siehe oben.<\/p>\n

Weil das so ist, existieren entweder \u00fcberhaupt keine formalen staatlichen Garantien f\u00fcr Bankeinlagen wie in der Schweiz oder der EU oder sie sind auf „relativ kleine“ Obergrenzen pro Bankkunde begrenzt wie in den USA (dort 250.000 Dollar pro Kunde).<\/p>\n

Zwischenfazit: Der Staat kann zwar einzelne Banken retten, aber sehr wahrscheinlich nicht viele Banken, die in einer systemischen Bankenkrise gleichzeitig insolvent werden. Die Finanzkraft des Staates w\u00fcrde in einer gro\u00dfen systemischen Bankenkrise realistischerweise kaum \u00fcber 100.000 Euro pro Bankkunde hinausreichen.<\/p>\n

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K\u00f6nnten die privaten, freiwilligen Einlagensicherungssysteme der Banken helfen?<\/strong><\/span><\/h2>\n

Neben der staatlichen Einlagensicherung betreiben jede der drei Bankengruppen in Deutschland \u2013 Genossenschaftsbanken, \u00f6ffentliche\/staatliche Banken und private Banken \u2013 jeweils noch ein rein freiwilliges, also gesetzlich nicht vorgeschriebenes privates Sicherungssystem mit deutlich h\u00f6heren Sicherungsgrenzen als die 100.000-Euro-Grenze der gesetzlichen Einlagensicherung. Ist damit das Problem des Ausfallrisiko von Bankeinlagen f\u00fcr Sparer gel\u00f6st? [4]<\/span><\/strong> Ein drittes Mal Fehlanzeige. Auch diese Systeme werden in einer systemischen Bankenkrise mit dem gleichzeitigen Ausfall mehrerer Banken aufgrund ihrer l\u00e4cherlich geringen Mittelreserven sofort kollabieren. Sie helfen nur dann, wenn eine einzelne oder wenige einzelne Banken au\u00dferhalb<\/em> einer systemischen Krise umkippen. [5]<\/span><\/strong><\/p>\n

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Warum glauben die meisten B\u00fcrger Bankguthaben seien sichere Investments?<\/strong><\/span><\/h2>\n

In der Denke eines normalen Privatanlegers erscheint ein Bankguthaben als „irgendwie“ sicher oder sogar als „das sicherste Investment“, weil der Saldo auf dem Kontoauszug beim Bankguthaben \u2013 anders als z. B. bei einem Geldmarktfonds oder einer kurzfristigen Anleihe \u2013 nie schwankt (wenn man Einzahlungen und Abhebungen ignoriert). Man wei\u00df mit einer scheinbaren 100%-Sicherheit heute, was morgen auf dem Kontoauszug stehen wird. Leider f\u00fchrt diese naive Risikodenke bei sehr selten auftretenden, aber dann besonders hohen Risiken, wie sie Bankpleiten darstellen, in die kognitive Sackgasse. Aus den typischerweise gro\u00dfen zeitlichen Abst\u00e4nden zwischen zwei Bankenmarktkrisen abzuleiten, dass man sie ignorieren k\u00f6nne, w\u00e4re t\u00f6richt. Ein Risiko verschwindet nicht deswegen, weil man es nicht regelm\u00e4\u00dfig beobachten oder die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr seine Materialisierung w\u00e4hrend der n\u00e4chsten 20 Jahre nur schwer beziffern kann.<\/p>\n

Cash oberhalb der gesetzlichen Einlagensicherung f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit auf einem Bankkonto zu belassen ist wie in einer stark erdbebengef\u00e4hrdeten Region ein Eigenheim f\u00fcr seine Familie zu bauen, das \u2013 um Geld zu sparen \u2013 keine Erdbebensicherheitsstandards erf\u00fcllt und dieses eigentlich haarstr\u00e4ubende Verhalten damit zu begr\u00fcnden, dass das letzte Erdbeben ja schon 40 Jahre zur\u00fcckliege.<\/p>\n

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Warum man nicht auf einen Bank-Bailout wetten sollte<\/strong><\/span><\/h2>\n

In Bezug auf dieses Ausfallrisiko glauben viele Anleger, dass der Staat Banken im Falle ihrer Pleite immer retten wird, so dass Einleger keinen Schaden erleiden. So war das in der globalen Bankenkrise ab 2008 oder bei der Minibankenkrise im M\u00e4rz 2023. (Die Aktion\u00e4re und die Anleihengl\u00e4ubiger von Banken erlitten allerdings Verluste in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 70% bis 100%. Bei Banken in Zypern verloren auch Einleger Geld.)<\/p>\n

Ja, der Staat wird versuchen wackelnde Banken zu retten, wenn er es kann. Die Frage ist also nicht, ob er es will, sondern, ob er es kann. Wie wir oben illustriert haben, w\u00fcrde eine systemische Bankenkrise, die nur geringf\u00fcgig heftiger ist als die von 2008 bis 2013 die Grenze zu „nicht mehr k\u00f6nnen“ vermutlich \u00fcberschreiten.<\/p>\n

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Wie legen gro\u00dfe Firmen und institutionelle Anleger „Cash“ an?<\/strong><\/span><\/h2>\n

Beim L\u00f6sen kniffliger Herausforderungen im Leben besteht eine naheliegende und nat\u00fcrliche Methode in der Nachahmung des Handelns der Besten und Professionellsten auf dem betreffenden Gebiet. Wie investieren gro\u00dfe institutionelle Investoren, wenn sie eine hochliquide „Cash-artige“ Anlage mit niedrigst-m\u00f6glichem Volatilit\u00e4tsrisiko und niedrigst-m\u00f6glichem R\u00fcckzahlungsrisiko wollen? Sie investieren in wertpapierbasierte High-Quality-„Geldmarktanlagen“, also in stark diversifizierte kurzlaufende Staats- und Unternehmensanleihen innerhalb der oberen Rating-Stufen (Bonit\u00e4tsnoten) und nat\u00fcrlich ohne Wechselkursrisiko.<\/p>\n

In diesem Zusammenhang lassen sich viele Privatanleger von einem rein begrifflichen Sachverhalt in einen Denk- oder Verst\u00e4ndnisfehler f\u00fchren: In Medienartikeln oder Publikationen von Gro\u00dfunternehmen wird deren „Liquidit\u00e4t“ typischerweise mit Begriffen wie „Barmittel“ oder „liquide Mittel“ bezeichnet. Im Englisch hei\u00dft es zumeist \u2013 und beinahe noch verwirrender \u2013 „Cash“. Hier sind zwei Beispiele f\u00fcr solche Pressemeldungen:<\/p>\n

„Warren Buffett keeps selling Apple stock as Berkshire\u2019s cash pile swells to $325 billion“ (Fortune Magazine, Online-Ausgabe 02.11.2024)“<\/em> [6]<\/span><\/strong><\/p>\n

„Buffett trennt sich erneut von Apple-Anteilen \u2013 und h\u00e4lt mehr als 300 Milliarden in bar.“ (Handelsblatt Online-Ausgabe 03.11.2024)<\/em><\/p>\n

Tats\u00e4chlich handelt es sich bei dem „cash pile“ und den „Barmitteln“ hier nicht um Bankguthaben wie man vielleicht aus den Bezeichnungen „Cash“ und „bar“ falsch ableiten k\u00f6nnte, sondern nahezu ausnahmslos um Wertpapierinvestments, n\u00e4mlich kurzlaufende Hiqh-Quality-Anleihen in der heimischen W\u00e4hrung des Unternehmens. Im Falle Berkshire sind das typischerweise kurzlaufende US-Staatsanleihen. Bankguthaben w\u00e4ren in diesen Gr\u00f6\u00dfenordnungen aus der Sicht der Unternehmen viel, viel zu risikoreich.<\/p>\n

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Wann machen Bankguthaben trotz des Ausfallrisikos von Banken rational Sinn?<\/strong><\/span><\/h2>\n

Bankguthaben sind also zu risikoreich in Bezug auf ihr Ausfallrisiko. Gleichwohl existieren Konstellationen, in denen sie sinnvoll sind \u2013 die folgenden beiden:<\/p>\n

Konstellation 1<\/strong>: Bankguthaben sind dann risikom\u00e4\u00dfig als Geldanlage f\u00fcr einen Privathaushalt (oder ein kleines Unternehmen) tolerierbar, wenn das betreffende Bankguthaben maximal 100.000 Euro pro Privatperson und Bank betr\u00e4gt und daher (in der EU) vollumf\u00e4nglich von der gesetzlichen Einlagensicherung erfasst und gesch\u00fctzt wird. Der garantierende Staat muss ein Bonit\u00e4ts-Rating von A+\/A1 (f\u00fcnftbeste Note) oder besser aufweisen und das Guthaben muss auf die „Heimatw\u00e4hrung“ des Anlegers lauten, sodass kein Wechselkursrisiko besteht. (Am Ende dieses Blog-Posts<\/u><\/a> befindet sich eine erkl\u00e4rende Tabelle zu Bonit\u00e4ts-Ratings.)<\/p>\n

Konstellation 2<\/strong>: Bankeinlagen oberhalb der staatlichen Einlagensicherung sind dann tolerierbar, wenn das betreffende Guthaben nur wenige Wochen oder maximal einige Monate auf dem Bankkonto zwischengeparkt wird, bevor es in ein renditetr\u00e4chtigeres und\/oder risiko\u00e4rmeres Langfristinvestment flie\u00dft. Hier sollte die Bank selbst ein Bonit\u00e4ts-Rating von nicht schlechter als A+\/A1 besitzen.<\/p>\n

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Fazit<\/strong><\/span><\/h2>\n

Bankguthaben sind lediglich in Bezug auf den Risikotyp Renditevolatilit\u00e4t<\/em> risikoarm. In Bezug auf den Risikotyp R\u00fcckzahlungsrisiko<\/em> (Ausfallrisiko) sind sie \u00fcberhaupt nicht risikoarm.<\/p>\n

Mit verzinslichen Bankguthaben l\u00e4sst sich aufgrund ihrer strukturell k\u00fcmmerlichen Rendite nach Steuern und Inflation kein Verm\u00f6gen aufbauen (siehe dazu unser gesonderter Blog-Beitrag hier<\/u><\/a>).<\/p>\n

Informierte, rationale Anleger werden Bankguthaben aus Risikogr\u00fcnden nur halten, soweit die Anlagesumme unterhalb der gesetzlichen Einlagensicherungsgrenze von (in der EU) 100.000 Euro pro Bank-Kunde-Kombination liegt. Sofern und soweit die Anlagesumme diese Grenze \u00fcbersteigt, werden rationale Anleger dieses Verm\u00f6gen innerhalb weniger Monate in eine bzgl. Ausfallrisiko risiko\u00e4rmere langfristige Anlageform umschichten.<\/p>\n

Eine einfache und \u00fcberlegene Alternative zu verzinslichen Bankguthaben sind Geldmarkt-ETFs (siehe hier<\/u><\/a>). Sie sind nahezu so liquide wie ein Tagesgeld, produzieren eine bessere Rendite als das durchschnittliche Tagesgeld und sind als diversifiziertes Anleiheinvestment auf einem Bankdepot grunds\u00e4tzlich nicht dem „Kontrahentenrisiko Bank“ ausgesetzt.<\/p>\n

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Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n

[1]<\/strong> Eine Team-Wertung bei Weltmeisterschaften gab es erstmalig 1966. Im Einzelwettbewerb ist die Siegerquote der Deutschen seit 1966 nicht ganz so hoch, aber auch darin ist DE mit betr\u00e4chtlichem Abstand die erfolgreichste Nation.<\/p>\n

[2]<\/strong> Eine der gr\u00f6\u00dften systemischen Bankenkrisen der letzten 50 Jahre war die massenhafte Pleitewelle bei amerikanischen Bausparkassen im Zeitraum 1986 bis 1995, die so genannte Savings and Loans-Krise (in den USA hei\u00dfen Bausparkassen „Savings & Loans“ oder „Thrifts“). \u00dcber 1.000 von rund 3.200 dieser kleinen und mittelgro\u00dfen Finanzinstitute gingen damals Konkurs.<\/p>\n

[3]<\/strong> Dort hei\u00dft die Einlagensicherung „Federal Deposit Insurance“. Sie ist eine formale staatliche Garantie bis zur H\u00f6he von 250.000 USD pro Bank-Kundekombination.<\/p>\n

[4]<\/strong> Hier einige weitere alternative Namen f\u00fcr Ausfallrisiko: Bonit\u00e4tsrisiko, R\u00fcckzahlungsrisiko, Kreditrisiko (Credit Risk), Default Risk, Gegenparteirisiko (Counterparty Risk), Adressrisiko, Kontrahentenrisiko.<\/p>\n

[5]<\/strong> In gewisser Weise sind die privaten Sicherungssysteme zum Lachen. Aus ihren formalen „Formeln“ ergeben sich utopisch hohe betragliche Sicherungsgrenzen. Das betreffende Sicherungssystem verf\u00fcgt relativ zu diesen theoretischen Betragsgrenzen \u00fcber hoffnungslos wenig Mittel. Es ist also gerade so, als ob H\u00e4nschen Klein, von Beruf Hausmeistergehilfe und mit einem Gesamtverm\u00f6gen von 30.000 Euro, die Schulden von Ren\u00e9 Benko (mehre Milliarden Euro) „absichern“ w\u00fcrde.<\/p>\n

[6]<\/strong> „Warren Buffett f\u00e4hrt fort, Apple-Aktien zu verkaufen. Sein Cash-Berg (seine Cash-Reserve) schwillt auf 325 Milliarden US-Dollar an.“<\/p>\n

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Literatur<\/strong><\/span><\/h2>\n

Baron, Matthew\/Daniel Dieckelmann (2021): „Historical Banking Crises: A New Database and a Reassessment of their Incidence and Severity“; 23 March 2021; SSRN; Internet-Fundstelle hier<\/a><\/p>\n

Correia, Sergio\/Stephan Luck\/Emil Verner (2024): „Failing Banks“; NBER Working Paper No. w32907; 11 Sep 2024; SSRN; Internet-Fundstelle hier<\/a><\/p>\n

Metrick, Andrew\/Paul Schmelzing (2023): „Banking-Crisis Interventions Across Time and Space“; NBER Working Paper No. w29281; 05 July 2023; SSRN; Internet-Fundstelle hier<\/a><\/p>\n

Park, Sangkyun (2023): „Bank Runs and Design Flaws of Deposit Insurance“; SSRN; 11 June 2023; SSRN; Internet-Fundstelle hier<\/a><\/p>\n

Wikipedia-Artikel (englisch)<\/strong>:<\/p>\n