{"id":2467,"date":"2019-05-03T00:00:05","date_gmt":"2019-05-02T22:00:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=2467"},"modified":"2025-09-05T14:09:34","modified_gmt":"2025-09-05T12:09:34","slug":"factor-investing-die-basics","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/factor-investing-die-basics\/","title":{"rendered":"Factor Investing \u2013 die Basics"},"content":{"rendered":"

<<< Dieser Blog-Beitrag ist auch als YouTube-Video verf\u00fcgbar. >>><\/a><\/strong><\/span><\/p>\n

Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und Alexander Weis<\/a><\/em><\/p>\n

Der vorliegende Blog-Beitrag ist der erste Teil unserer Trilogie zu Factor Investing (Smart Beta Investing). Interessierten Lesern empfehlen wir im Anschluss die Lekt\u00fcre der im Juni 2019 bzw. Mai 2020 ver\u00f6ffentlichten Beitr\u00e4ge\u00a0„Integriertes Multifactor Investing<\/a>“ und „The Pains of Factor Investing<\/a>“ .<\/em><\/p>\n

Hinweis: Die Datengrundlage in diesem Blog-Beitrag wurde im November 2021 um die Jahre 2019 und 2020 erweitert.<\/em><\/p>\n

„Passiv investieren“ \u2013 also sehr breite Diversifikation mit marktneutralen Indexfonds auf Buy-and-hold-Basis \u2013 d\u00fcrfte eine der weltweit gr\u00f6\u00dften Erfolgsstorys beim Investieren mit Kapitalmarktanlagen in den vergangenen 50 Jahren sein. Doch egal wie beeindruckend eine Innovation ist, es wird immer jemanden geben, der auch angesichts ihres gro\u00dfen Erfolges weitere Fragen stellt und noch tiefer bohrt. So ist das in den vergangenen gut zwanzig Jahren auch bei „Passiv investieren“ mit marktneutralen Indexfonds gewesen. (In der Fachliteratur wird die Bezeichnung „marktneutral“ anders verwendet als in diesem Blog-Beitrag und bezeichnet dort in der Regel Long-short-Strategien, die zum Ziel haben, das Gesamtmarktrisiko zu eliminieren.)<\/em>\u00a0Die Forschungsergebnisse einiger hundert Finanz\u00f6konomen haben in den letzten Jahrzehnten zu einer Variante des Passiv-investieren-Ansatzes, n\u00e4mlich „Factor Investing“, oft auch „Smart Beta Investing“ gef\u00fchrt.<\/p>\n

Was sind „Faktoren“ bzw. „Faktorpr\u00e4mien“? Faktorpr\u00e4mien sind statistisch identifizierbare Treiber von Rendite und Risiko in einer Asset-Klasse wie z. B. Aktien, Anleihen oder Immobilien. Sie erkl\u00e4ren einen gro\u00dfen Teil der Risiko-Rendite-Kombination innerhalb der Asset-Klasse. Statistisch k\u00f6nnen Rendite und Risiko eines Wertpapierportfolios nur dann zu \u00fcber 90% erkl\u00e4rt werden, wenn man das „Factor Exposure“ in diesem Portfolio identifiziert und misst – also wie stark ein Portfolio diesen Faktorpr\u00e4mien ausgesetzt ist. Ein Vergleich: Die Anzahl der Stunden, die Sch\u00fcler auf eine Matheklausur lernen, erkl\u00e4rt statistisch gesehen einen betr\u00e4chtlichen Teil der Abweichung der Noten der Sch\u00fcler vom Klassendurchschnitt. In diesem Beispiel ist „Stundenzahl“ der Faktor. Andere Faktoren wie z. B. der IQ eines Sch\u00fclers erkl\u00e4ren weitere Teile der statistischen Abweichung vom Durchschnitt.<\/p>\n

In diesem ersten Teil unserer Blog-Trilogie zu Factor Investing in der Asset-Klasse Aktien widmen wir uns zun\u00e4chst den Grundlagen. Im zweiten Teil, der kommenden Monat erscheinen wird, beschreiben wir, wie man Faktorpr\u00e4mien am kl\u00fcgsten in sein Portfolio holt und was es dabei zu beachten gilt.<\/p>\n

Die bekannteste Faktorpr\u00e4mie bei Aktien ist die „Small-Size-Pr\u00e4mie“, oft auch nur „Size-Pr\u00e4mie“ oder „Small-Cap-Pr\u00e4mie“ genannt. Sie besagt, eigentlich ganz banal, dass kleine b\u00f6rsennotierte Unternehmen (klein, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung) im Durchschnitt h\u00f6here Aktienrenditen produzieren als gro\u00dfe Unternehmen bzw. der Gesamtmarkt (siehe Tabelle weiter unten f\u00fcr den Zeitraum 1975 bis 2020).<\/p>\n

Durch rein mechanisches, diszipliniertes \u00dcbergewichten<\/em> von Faktorpr\u00e4mien in einem Portfolio ist es m\u00f6glich, gegen\u00fcber dem Gesamtmarkt eine Zusatzrendite nach Kosten und Steuern zu erwirtschaften; daher auch die Bezeichnung „Pr\u00e4mie“. In Bezug auf Small Caps w\u00fcrde „\u00dcbergewichten“ bedeuten, ihren prozentualen Anteil im Portfolio \u00fcber den Anteil hinaus zu erh\u00f6hen, den Small Caps in einem marktneutralen „Gesamtmarktportfolio“ haben (der Anteil von Small Caps betr\u00e4gt rund 15% an der gesamten Marktkapitalisierung des Weltaktienmarktes). „\u00dcbergewichten“ klingt komplizierter, als es ist, denn eine solche \u00dcbergewichtung kann man recht einfach durch den Kauf eines Small-Cap-ETFs bewirken.<\/p>\n

Exposure (Exponiertheite) zur Small Cap-Pr\u00e4mie hat somit nicht derjenige, der Small Caps im „normalen Ausma\u00df“ im Portfolio hat, sondern nur der, der Small Caps in st\u00e4rkerem<\/em> Ma\u00dfe im Portfolio hat, als dies im zugrundeliegenden Asset-Klassen-Universum ohnedies der Fall ist.<\/p>\n

Factor Investing ist im Kern passives Investieren, also der Verzicht auf aktives „Stock Picking“ (gezielte Auswahl einzelner Aktien; allgemeiner formuliert „Asset Picking“) oder aktives „Market Timing“ (taktisches „Rein-Raus“ bezogen auf ganze Marktsegmente).<\/p>\n

In einem wichtigen Punkt unterscheidet sich Factor Investing von traditionellem passivem Investieren. Bei Factor Investing werden die einzelnen Wertpapiere im Portfolio nicht rein nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet, sondern es findet eine Aufweichung dieses Gewichtungsprinzips statt, z. B. durch die \u00dcbergewichtung von Small Cap-Aktien.<\/p>\n

Die bekanntesten und in der wissenschaftlichen Literatur unseres Erachtens am besten etablierten Pr\u00e4mien listen wir nachfolgend auf:<\/p>\n