{"id":19138,"date":"2025-11-12T10:52:27","date_gmt":"2025-11-12T09:52:27","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=19138"},"modified":"2026-01-12T11:18:21","modified_gmt":"2026-01-12T10:18:21","slug":"steigen-aktienkurse-ewig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/steigen-aktienkurse-ewig\/","title":{"rendered":"K\u00f6nnen Aktienkurse ewig steigen?"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Robert Wilke<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Wenn der Aktienmarkt \u00fcber lange Zeit stark gestiegen ist \u2013 so wie die meisten nationalen Aktienm\u00e4rkte in den gut 16 Jahren von Mitte 2009 bis heute \u2013 stellt sich mancher Anleger die Frage „k\u00f6nnen Aktien ewig steigen“? Die intuitive Antwort darauf scheint „Nein“ zu sein, denn eigentlich \u2013 so unser Bauchgef\u00fchl \u2013 kann weder ein nat\u00fcrlicher Organismus noch eine von Menschen geschaffene Institution „f\u00fcr immer wachsen“.<\/p>\n Trotz dieses Bauchgef\u00fchls ist die Antwort auf die Frage „K\u00f6nnen Aktien ewig steigen?“ (also dauerhaft positive Renditen haben): Ja, das k\u00f6nnen sie<\/em>. Das werden wir in diesem Blog-Beitrag zeigen und aus den wichtigsten Blickwinkeln beleuchten. <\/p>\n Aktien k\u00f6nnen „ewig steigen“, also prinzipiell zeitlich unbegrenzt positive (inflationsbereinigte) Renditen erzeugen, wenn man dabei zwei einfache Voraussetzungen annimmt. <\/p>\n <\/p>\n Die Aussage „Ja, Aktien k\u00f6nnen ewig steigen“ muss sich, um mit hinreichender Sicherheit wahr zu sein, auf den globalen<\/em> Aktienmarkt beziehen, nicht auf kleinere nationale M\u00e4rkte oder einzelne Branchen. Individuelle nationale Aktienm\u00e4rkte und individuelle Branchen k\u00f6nnen durchaus \u00fcber Jahrzehnte hinweg negative nominale oder reale (inflationsbereinigte) Renditen haben und in seltenen F\u00e4llen sogar endg\u00fcltige Totalverluste. [1]<\/span><\/strong> Letztere erfolgten z. B. ab 1917 im russischen und 1949 im chinesischen Aktienmarkt \u2013 in beiden F\u00e4llen aufgrund von kommunistischen Revolutionen und der damit verbundenen kompensationslosen Enteignung aller Aktion\u00e4re. Der japanische Aktienmarkt produzierte von Mitte 1989 als die damalige Japan-Blase zu platzen begann \u2013 je nach W\u00e4hrung, in der man rechnet \u2013 f\u00fcr etwa 20 bis 30 Jahre eine kumulative Nullrendite. (In den 30 Jahren vor 1989 hatte der japanische Aktienmarkt allerdings die h\u00f6chsten Renditen unter allen nationalen Aktienm\u00e4rkten weltweit.)<\/p>\n Anders sieht es f\u00fcr den weit besser diversifizierten globalen Aktienmarkt aus. Da auf der Erde rund acht Milliarden Menschen leben, die f\u00fcr ihr nacktes \u00dcberleben buchst\u00e4blich jeden Tag G\u00fcter und Dienstleistungen ben\u00f6tigen und die dar\u00fcber hinaus zum allergr\u00f6\u00dften Teil ihren Lebensstandard f\u00fcr ihre Kinder verbessern wollen, muss es jemanden geben, der diese G\u00fcter und Dienstleistungen herstellt und in wachsender Qualit\u00e4t herstellt. Das tun die Unternehmen der Weltwirtschaft. Unter diesen machen b\u00f6rsennotierte Unternehmen (der Aktienmarkt) zahlenm\u00e4\u00dfig zwar nur einen kleinen Teil (weniger als 0,1%) aus. Aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe generieren sie aber rund 30% aller globalen Unternehmensgewinne und wohl einen \u00e4hnlich gro\u00dfen Anteil der G\u00fcter und Dienstleistungen.<\/p>\n <\/p>\n Die Weltwirtschaft wird auf lange Sicht weiter wachsen \u2013 so wie sie das in den letzten gut 200 Jahren seit etwa 1800 mit der Entstehung der modernen Marktwirtschaft getan hat, trotz zahlloser Kriege, B\u00fcrgerkriege, W\u00e4hrungskrisen, Wirtschaftskrisen, Staatskonkurse, [2]<\/span><\/strong> B\u00f6rsen-Crashes, Naturkatastrophen, Pandemien und gro\u00dfer demographischer Ver\u00e4nderungen. Abbildung 1 illustriert dieses Wachstum seit Entstehung der modernen Marktwirtschaft Anfang des 19. Jahrhunderts.<\/p>\n Abb. 1: Das Wachstum des globalen Bruttoinlandproduktes in Billionen US-Dollar von 1820 bis 2023 (204 Jahre) \u2013 inflationsbereinigt (in USD von 2022)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba 1 Billion = 1.000 Milliarden. \u25ba Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes ist die Summe aller im Inland erzielten Einkommen innerhalb eines Kalenderjahres: L\u00f6hne, Geh\u00e4lter, Unternehmereinkommen (z.B. Gewinne) und Kapitaleinkommen (z. B. Zinsen, Dividenden).<\/span><\/p>\n In den 1.800 Jahren von Christi Geburt bis 1800, in der vorkapitalistischen Zeit, wuchs die Weltwirtschaft nur mit durchschnittlich 0,1% p.a. und auch dieses geringe Wachstum resultierte zu vier F\u00fcnfteln allein aus der Zunahme der Bev\u00f6lkerung, nicht aus Wachstum pro Kopf. <\/p>\n Die moderne Marktwirtschaft in ihrer heutigen Form entstand, wie oben erw\u00e4hnt, ab etwa dem Jahre 1800. Zu dieser Zeit begann der religi\u00f6s legitimierte Feudalismus (der absolutistische Monarchismus), eine in zentralen Aspekten antimarktwirtschaftliche Gesellschaftsordnung, in den westlichen L\u00e4ndern schrittweise \u00fcber 100 Jahre bis zum Ende des Ersten Weltkriegs abzusterben. Zwar existierten auch vor 1800 M\u00e4rkte als Orte des Austausches von G\u00fctern und Dienstleistungen, aber die essenziellen rechtlichen und institutionellen Grundelemente der modernen Marktwirtschaft waren in den vorherigen Jahrhunderten nur auf einen winzigen Teil der Gesamtbev\u00f6lkerung beschr\u00e4nkt: Berufsfreiheit und Freiz\u00fcgigkeit f\u00fcr Privatpersonen, Gewerbefreiheit, Kapitalverkehrsfreiheit und Niederlassungsfreiheit f\u00fcr Unternehmen. [3]<\/span><\/strong> Das Recht auf Eigentum bestand f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung, z. B. Frauen und Leibeigene, vor ca. 1800 ebenfalls nur eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n In den meisten westlichen L\u00e4ndern existieren seit einigen Jahren radikal\u00f6kologische Bewegungen mit einer „Degrowth“-Agenda [4]<\/span><\/strong>. Diese verfolgen das politische Ziel das Wirtschaftswachstum stark abzusenken. Sollten sich die „Degrowther“ in gro\u00dfem Umfang \u00fcber L\u00e4ndergrenzen hinweg durchsetzen \u2013 wovon nicht auszugehen ist \u2013 und k\u00e4me es dadurch zu einem politisch veranlassten dauerhaften Nullwachstum der Weltwirtschaft, w\u00fcrde das auch zu einer Nullrendite des globalen Aktienmarktes im Sinne der Anlageklasse Aktien-Global f\u00fchren. [5]<\/span><\/strong> Dies deswegen, weil der Weltaktienmarkt nur dann eine langfristig positive reale Rendite erzeugt, wenn auch die Unternehmensgewinne auf globalem Level langfristig real steigen, also Wirtschaftswachstum stattfindet. Gleichbleibende (stagnierende) Unternehmensgewinne (ein Nullwachstum) w\u00fcrden nicht f\u00fcr positive Renditen ausreichen.<\/p>\n Wie wir nun gesehen haben, sind die grunds\u00e4tzlichen Bedingungen f\u00fcr positive Renditen des globalen Aktienmarktes auch in der langfristigen Zukunft wahrscheinlich erf\u00fcllbar. Dennoch begegnet man in den traditionellen und sozialen Medien oft Zweifeln an der M\u00f6glichkeit eines solchen „ewigen Anstiegs des Aktienmarktes“. Die meisten dieser Zweifel basieren auf Missverst\u00e4ndnissen oder Denkfehlern. Die wichtigsten drei adressieren wir im Folgenden. <\/p>\n <\/p>\n Abbildung 2 zeigt die Entwicklung des US-Aktienmarktes in den letzten 155 Jahren in Gestalt einer konventionellen Aktienmarktgrafik. Aufgrund des Zinseszinseffektes (eine einfache mathematische Exponentialfunktion) in Verbindung mit einer linearen vertikalen Wertzunahmeskala (die kumulative Rendite) erscheint uns die Entwicklung dieses nationalen Aktienmarktes, als ob sie im Zeitablauf „nicht nachhaltig“ sei, da in den letzten rund 20% des gezeigten Zeitfensters der Wertzuwachs regelrecht zu explodieren scheint.<\/p>\n Abb. 2: Indexierte Entwicklung des US-Aktienmarkts von 01-1871 bis 10-2025 (154,8 Jahre), inflationsbereinigt \u2013 lineare vertikale Skala<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba L\u00e4ngst m\u00f6glicher Zeitraum, f\u00fcr den die Datenreihe vorliegt. \u25ba Gesamtrenditen = Kurssteigerungen + Dividenden. \u25ba Es wird der US-Aktienmarkt gezeigt, da f\u00fcr den globalen Aktienmarkt Monatsrenditen (die hier zugrunde liegen) erst ab 1970 verf\u00fcgbar sind.<\/span><\/p>\n Allerdings ist diese Rendite- oder Wachstums-„Explosion“ in Abbildung 2 lediglich eine optische Illusion. Das wird erkennbar, wenn man Abbildung 2 mit Abbildung 3 vergleicht. Den beiden Grafiken liegen die gleichen Daten zugrunde. Abbildung 2 hat eine „normale“ lineare Y-Achse (vertikale Skala), Abbildung 3 hingegen eine logarithmische Skala. Die logarithmische Skala f\u00fchrt dazu, dass ein gegebener prozentualer Zuwachs in einem Intervall \u2013 z. B. 10% pro Jahr \u2013 optisch immer der gleichen Steigung der Kurve entspricht, egal ob dieser 10%-Zuwachs am Anfang der horizontalen Zeitachse oder am Ende stattfindet. Das ist bei der linearen vertikalen Achse im Falle von langfristig positiven Renditen nicht der Fall. Daher f\u00fchrt sie unsere Intuition in die Irre, denn sie vermittelt den Eindruck, dass der Aktienmarkt im letzten F\u00fcnftel des Zeitraums viel st\u00e4rker rentiert habe als im restlichen Zeitraum, also irgendwie eine „ungesunde Entwicklung“ oder „Blasenbildung“ stattgefunden habe.<\/p>\n Abbildung 3 hingegen l\u00e4sst erkennen, dass in der renditem\u00e4\u00dfigen Entwicklung des US-Aktienmarktes w\u00e4hrend dieser 155 Jahre eine hohe Stabilit\u00e4t und „Gleichf\u00f6rmigkeit“ in Bezug auf den Langfristtrend bestand. Von einer Konzentration der Wertzunahme im letzten Drittel oder F\u00fcnftel des Zeitraumes ist hier \u2013 korrekterweise \u2013 nichts zu sehen. Die Gesamtentwicklung erscheint nun viel kontinuierlicher, „nachhaltiger“ und in gewisser Weise „harmloser“. <\/p>\n Abb. 3: Indexierte Entwicklung des US-Aktienmarkts von 01-1871 bis 10-2025 (154,8 Jahre), inflationsbereinigt \u2013 logarithmische vertikale Skala<\/strong><\/span><\/p>\n Auch die in Abbildung 3 erkennbare 45-Grad-Steigung der trendm\u00e4\u00dfigen kumulativen Rendite ist letztlich „willk\u00fcrlich“. H\u00e4tten wir die vertikale Skala nicht bei 32.700 Punkten enden lassen, sondern bei einem h\u00f6heren Wert, dann verliefe die rote Linie flacher und das angezeigte Wachstum (die Rendite) erschiene optisch moderater.<\/p>\n \u00dcbrigens nimmt die Marktkapitalisierung, also der Marktwert des Eigenkapitals aller b\u00f6rsennotierten Unternehmen (der Marktwert aller Aktien), sowieso deutlich langsamer zu als es die nominale oder reale kumulative Rendite des Aktienmarktes, wie sie in den Abbildungen gezeigt wird, suggeriert. Grund: Aktienrenditen werden typischerweise als Total Returns<\/em> (Kurssteigerungen + Dividenden) angegeben, wie auch in den Abbildungen 2 und 3. Diese Total Returns schlie\u00dfen jedoch die „Entnahmen“ der Anleger f\u00fcr die Finanzierung von Steuern, Nebenkosten des Investierens und \u2013 am wichtigsten \u2013 f\u00fcr Konsum nicht<\/em> mit ein. Die tats\u00e4chlichen Nettorenditen im Sinne des Anstieges der Kapitalisierung des Marktes nach Abzug dieser Ausgaben d\u00fcrften merklich niedriger sein. Vielleicht nicht einmal halb so hoch.<\/p>\n <\/p>\n Einer der in der Anlegerpraxis wichtigsten Gr\u00fcnde, warum sich Privatanleger, nachdem der Aktienmarkt \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum hinweg nach oben lief, sorgen, der Markt k\u00f6nne nun eigentlich nicht mehr lange weiter so steigen, ist die beinahe fortw\u00e4hrende „Allzeithoch-Propaganda“ der Medien. Allzeithochs im Aktienmarkt werden von Medien und Finfluencern [6]<\/span><\/strong> als Signal „Achtung der Aktenmarkt ist hei\u00dfgelaufen. Jetzt vorsichtig sein!“ missbraucht. In Wirklichkeit sagt ein Allzeithoch nichts dar\u00fcber aus, ob ein Aktienmarkt „teuer“ oder „hoch bewertet“ ist \u2013 ganz einfach deswegen, weil das Allzeithoch keine Bewertungskennzahl ist, nicht einmal n\u00e4herungsweise. <\/p>\n Allzeithochs treten st\u00e4ndig auf. In den vier Jahren vom 8. Nov. 2021 bis zum 7. Nov. 2025 gab es z. B. beim MSCI World Index (in Euro) an 108 B\u00f6rsentagen (Werktagen) ein Allzeithoch. Das war etwa jeder zehnte Tag. Selbst wenn Aktien \u00fcber 100 Jahre lang nur eine k\u00fcmmerliche nominale Durchschnittsrendite von 1% p.a. h\u00e4tten (also etwa ein Neuntel, der tats\u00e4chlichen nominalen Durchschnittsrendite und weit unter dem durchschnittlichen Gewinnwachstum von Unternehmen) g\u00e4be es dennoch st\u00e4ndig neue Allzeithochs. <\/p>\n Weil die Medien den „Allzeithoch-als-Warnsignal-Unsinn“ in den letzten Jahren immer h\u00e4ufiger und schriller verbreiten, um Views und Auflage zu steigern, haben wir ihn in einem gesonderten Blog-Beitrag<\/u><\/a> analysiert.<\/p>\n <\/p>\n Eine im Vergleich zum Allzeithoch-Unsinn weniger h\u00e4ufig zu vernehmende, fachlich anspruchsvollere Falschbehauptung \u00fcber die Fortsetzbarkeit der historischen Aktienrenditen lautet so: Die in der Vergangenheit beobachteten globalen Aktienmarktrenditen (im langfristigen Mittel inflationsbereinigt 5% bis 6,5% p.a.) sind in der Zukunft so nicht fortsetzbar, da diese Renditen das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich \u00fcberschreiten. Zum zahlenm\u00e4\u00dfigen Hintergrund: Das reale Wachstum der Weltwirtschaft lag in den letzten 60 Jahren bei durchschnittlich etwa 3,0% p.a. (ca. 1,5% p.a. auf Pro-Kopf-Basis). Der globale Aktienmarkt produzierte in dieser Zeit jedoch eine Realrendite von \u00fcber 6% p.a. <\/p>\n In einem akademischen Aufsatz ist dazu zu lesen: „Financial assets cannot outperform the economy indefinitely because financial assets would ultimately become the economy itself.“ [7]<\/span><\/strong> \u00c4hnliche Statements werden auch immer wieder von wachstumskritischen Finanzjournalisten verbreitet. <\/p>\n Erfreulicherweise handelt es sich hier ebenfalls um einen Denkfehler, einen, der auf zwei fachlichen Irrt\u00fcmern basiert: <\/p>\n Irrtum 1: Ein betr\u00e4chtlicher Teil der Ertr\u00e4ge von Aktien oder anderen Investments werden von ihren Eigent\u00fcmern f\u00fcr Konsumzwecke und die Deckung von Kosten und Steuern verbraucht (wie weiter oben bereits erw\u00e4hnt). Mit anderen Worten: Die „Nettorendite“ von Aktien nach Abzug des Verbrauchs ist ohnehin viel niedriger als die Bruttorendite vor Entnahmen und Kosten. Damit schrumpft der Abstand zwischen (Netto-)Aktienmarktrenditen und Wirtschaftswachstum deutlich.<\/p>\n Irrtum 2: Das Bruttoinlandsprodukt besteht aus mehreren Komponenten, die man in gewisser Weise „Anlagenklassen“ nennen k\u00f6nnte: L\u00f6hne\/Geh\u00e4lter (Humankapital), unterschiedlichen Formen von Kapitaleink\u00fcnften, darunter Eigenkapitaleink\u00fcnfte, Fremdkapitaleink\u00fcnfte und Mieteink\u00fcnfte (bei Vermeidung von Doppelz\u00e4hlungen). Da Eigenkapitaleink\u00fcnfte die risikoreichste unter all diesen Einkunftsarten ist, muss sie auch die h\u00f6chste Langfristrendite haben, die anderen Einkunftsarten entsprechend niedrigere. Die genaue Logik dieses \u00f6konomischen Sachverhaltes haben wir in einem eigenen Blog-Beitrag<\/u><\/a> dargelegt.<\/p>\n <\/p>\n Zum Schluss werfen wir in der folgenden Tabelle noch einen kurzen Blick auf die aktuellen Bewertungen des globalen Aktienmarktes und einiger seiner kleineren Teilsegmente. <\/p>\n Tabelle: Die Forward-KGVs per 31.10.2025 im Weltaktienmarkt und in einigen gro\u00dfen Teilsegmenten des Marktes<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba [A] KGV = Kurs-Gewinn-Verh\u00e4ltnis, eine Bewertungskennzahl. Der KGV-Variante „Forward-KGV“ liegt nicht der historische Gewinn aus den letzten 12 Monaten zugrunde, sondern der prognostizierte Gewinn f\u00fcr die kommenden 12 Monate. Forward-KGVs sind aus unserer Sicht tendenziell aussagekr\u00e4ftiger als konventionelle, historische „Trailing“-KGVs. Die Trailing-KGVs w\u00e4ren f\u00fcr alle hier gezeigten Indizes h\u00f6her. \u25ba [B] „Tech-Aktien-Sektor“. \u25ba [C] Der MSCI World Index besteht aktuell zu 73% aus US-Aktien und zu 29% aus Tech-Sektor-Aktien. \u25ba [D] ACWI IMI = All Country World Index IMI = Industriel\u00e4nder + Schwellenl\u00e4nder inkl. Nebenwerte = 99% der Marktkapitalisierung des Weltaktienmarktes. \u25ba [E] EAFE = MSCI World ex USA und Kanada (EAFE = Europe, Asia, Far East). \u25ba Quelle: MSCI Index Fact Sheets.<\/span><\/p>\n Die KGV-Tabelle illustriert, dass mit Ausnahme des globalen Tech-Sektors und des US-Aktienmarktes die aktuellen Bewertungen f\u00fcr die L\u00e4nder und Regionen au\u00dferhalb der USA und au\u00dferhalb des Tech-Sektors relativ nahe an ihren historisch durchschnittlichen („normalen“) Bewertungen liegen. Diese Mittelwerte variieren von Index zu Index und in Abh\u00e4ngigkeit davon, ob man 20 Jahre, 50 Jahre oder noch l\u00e4nger zur\u00fcckrechnet. Zur Vereinfachung kann man jedoch ein Richtgr\u00f6\u00dfe von 17 f\u00fcr Industriel\u00e4nder und 15 f\u00fcr Schwellenl\u00e4nder als einigerma\u00dfen „normal“ annehmen. Abweichungen von plus\/minus 10% vom historischen Mittelwert kann man in der Praxis eher ignorieren.<\/p>\n Vor diesem Hintergrund d\u00fcrfte ein global diversifiziertes Aktienportfolio, in dem darauf geachtet wird, US-Aktien und Tech-Aktien nicht sehr hoch zu gewichten, aktuell eine historisch ann\u00e4hernd normale Bewertung aufweisen und damit nicht „teuer“ sein.<\/p>\n <\/p>\n Dieser Blog-Beitrag versucht die Frage zu beantworten: „K\u00f6nnen Aktien ewig steigen?“ Die Antwortet lautet ja, wenn in der Frage mit „Aktien“ der globale Aktienmarkt gemeint ist, nicht eines seiner vielen Teilsegmente, und wenn wir zugleich unterstellen, dass die Weltwirtschaft auch in den n\u00e4chsten 50+ Jahren, etwa so w\u00e4chst, wie im Mittel der letzten 200 Jahre. <\/p>\n Sollte die Weltwirtschaft in Zukunft ein wesentlich niedrigeres Wachstum produzieren, wird das allerdings nicht nur die Rendite der Anlageklasse Aktien senken, sondern sehr wahrscheinlich die aller wichtigen Anlageklassen, einschlie\u00dflich der f\u00fcr die Menschheit wichtigsten, n\u00e4mlich Humankapital, also L\u00f6hne und Geh\u00e4lter. <\/p>\n Wachstumshemmende Strukturfaktoren in der vor uns liegenden Zukunft k\u00f6nnten sein (a) Demographie (\u00dcberalterung, Erh\u00f6hung des Dependency Ratios [8]<\/span><\/strong>), (b) die heute historisch hohen Verschuldungsquoten von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten, und (c) die in den westlichen L\u00e4ndern immer offensichtlicher werdende politische und gesellschaftliche Unf\u00e4higkeit schmerzhafte \u00f6konomische Reformen durchzuf\u00fchren (Beispiel: Unf\u00e4higkeit zur Reform der \u00fcberschuldeten staatliche Rentensysteme). Auf der Habenseite steht der wachstumsf\u00f6rdernde Effekt aus der Weiterentwicklung und Verbreitung k\u00fcnstlicher Intelligenz.<\/p>\n Exkurs: Unterliegt der Kapitalismus einem „Wachstumszwang“?<\/strong> <\/p>\n [1]<\/strong> Einzelne b\u00f6rsennotierte Unternehmen erleben h\u00e4ufig Kursverluste von 80% und mehr, auf kurze Sicht oder auf lange Sicht, aber um Einzelwertrisiko soll es hier nicht gehen. Zu Einzelwertrisiko haben wir einen eigenen Blog-Beitrag geschrieben: Kommer\/Weis: „Die Fragw\u00fcrdigkeit von Einzelaktien\u00adinvestments“<\/u><\/a> In diesem Blog-Beitrag beantworten wir die Frage, ob Aktienkurse „ewig steigen“ k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":19174,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[19],"class_list":["post-19138","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asset-klassen","tag-aktienmarkt"],"yoast_head":"\nBedingung 1 f\u00fcr die Aussage „Ja, Aktien k\u00f6nnen ewig steigen“<\/strong><\/span><\/h2>\n
Bedingung 2 f\u00fcr die Aussage „Ja, Aktien k\u00f6nnen ewig steigen“<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nDenkfehler 1: Exponentielle Funktionen missverstehen<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n
<\/p>\nDenkfehler 2: „Das Erreichen eines Allzeithochs im Aktienmarkt signalisiert, dass der Markt ‚hei\u00dfgelaufen‘ ist und man nun vorsichtig sein muss“<\/strong><\/span><\/h2>\n
Denkfehler 3: „Der globale Aktienmarkt kann langfristig nicht schneller wachsen als die Weltwirtschaft“<\/strong><\/span><\/h2>\n
Wie sehen die aktuellen Bewertungen aus?<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nFazit<\/strong><\/span><\/h2>\n
\nUnter linken Intellektuellen, gro\u00dfen Teilen der Medien und unter vielen Politikern ist die These popul\u00e4r, der Kapitalismus unterliege einem „Wachstumszwang“. Hier<\/u><\/a> ein YouTube-Video mit einem Vertreter dieser falschen These. Sie basiert auf einem rhetorischen „Vertauschungstrick“.
\nJa, eine offene Gesellschaft unterliegt in der Tat einem „Wachstumszwang“, da dauerhaft negatives Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum und vielleicht sogar schon blo\u00dfes „Nullwachstum“ in einer solchen Gesellschaft nach zehn oder 15 Jahren zu schweren innergesellschaftlichen Verteilungskonflikten, zu Massenauswanderung von Personen mit \u00fcberdurchschnittlichen beruflichen Qualifikationen, zu Kapitalflucht (Abwanderungen von Unternehmen), zu einer Erh\u00f6hung der Kriminalit\u00e4t und m\u00f6glicherweise sogar zu einem B\u00fcrgerkrieg f\u00fchren w\u00fcrde. „Offene, demokratische Gesellschaft“ hei\u00dft hier offen im Sinne der M\u00f6glichkeit zur freien Auswanderung von Menschen und offen im Sinne von Kapitalverkehrsfreiheit, also des Wegzugs von Unternehmen.
\nDie genannten schlimmen Folgen von lang andauerndem negativem Wirtschaftswachstum h\u00e4ngen aber nicht mit dem spezifischen Wirtschaftssystem der davon betroffenen Gesellschaft zusammen, sondern sind im Gegenteil unabh\u00e4ngig von diesem. Diese adversen Folgen w\u00fcrden in jeder offenen Gesellschaft auftreten, egal ob sie ein marktwirtschaftliches, ein sozialistisches oder ein fundamentalistisch-religi\u00f6s-kollektivistisches Wirtschaftssystem h\u00e4tte.
\nBeispielsweise waren die kommunistischen Staaten des fr\u00fcheren Ostblocks keine offenen Gesellschaften. Diese Ein-Partei-Diktaturen konnten sich ein sehr niedriges und \u00fcber lange Jahre vermutlich sogar negatives Pro-Kopf-Wachstum leisten, weil in ihnen keine Freiz\u00fcgigkeit (freie Auswanderung) und keine Kapitalverkehrsfreiheit existierte. [9]<\/span><\/strong>
\nDer von Ideologen behauptete „Wachstumszwang des Kapitalismus“ ist also nicht kapitalismusspezifisch. Er ist vielmehr spezifisch f\u00fcr eine offene, moderne Gesellschaft. Nur ein radikal-autorit\u00e4res Regime mit geschlossenen Grenzen und strikten Kapitalverkehrskontrollen kann \u00fcber l\u00e4ngere Zeit mit Nullwachstum oder negativem Wirtschaftswachstum \u00fcberleben, kann also dem „Wachstumszwang“ entgehen.<\/p>\nEndnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n
\n[2]<\/strong> „Staatskonkurs“ bedeutet, dass ein Staat den Kapitaldienst (Zins, Tilgung) auf die von ihm zu einem gegebenen Zeitpunkt ausgegebenen Anleihen (Schulden) vor\u00fcbergehend nicht mehr vollst\u00e4ndig erbringt.
\n[3]<\/strong> Das sind im Wesentlichen auch die so genannten „vier Grundfreiheiten“ f\u00fcr Arbeitnehmer und Unternehmen innerhalb der EU.
\n[4]<\/strong> Siehe die Artikel „Degrowth“<\/u><\/a> in der englischen Wikipedia oder „Wachstumskritische Bewegung“<\/u><\/a> in der deutschen Wikipedia.
\n[5]<\/strong> Auf die dramatisch negativen Folgen von langfristigem Nullwachstum gehen wir am Ende dieses Blog-Beitrags ein.
\n[6]<\/strong> Finfluencer = Influencer auf dem Gebiet von Finanzen.
\n[7]<\/strong> „Finanzielle Verm\u00f6genswerte k\u00f6nnen die Wirtschaftsleistung nicht auf Dauer outperformen, weil sie ansonsten auf lange Sicht selbst die gesamte Wirtschaft darstellen w\u00fcrden.“ Quelle: Ibbotson, Roger\/Straehl, Philip: „The Long-Run Drivers of Stock Returns: Total Payouts and the Real Economy“; In: Financial Analysts Journal; Vol. 73; No. 3; 2017.
\n[8]<\/strong> Dependency Ratio = Zahlenverh\u00e4ltnis der berufst\u00e4tigen Personen zu den nicht berufst\u00e4tigen Personen in einem Staat.
\n[9]<\/strong> Die von diesen L\u00e4ndern damals ver\u00f6ffentlichten Wirtschaftswachstumsraten waren nach oben manipuliert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"