{"id":17544,"date":"2025-10-09T12:57:39","date_gmt":"2025-10-09T10:57:39","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=17544"},"modified":"2026-05-27T14:51:47","modified_gmt":"2026-05-27T12:51:47","slug":"toxische-glaubenssaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/toxische-glaubenssaetze\/","title":{"rendered":"Toxische Glaubenss\u00e4tze, die Ihren finanziellen Erfolg sabotieren"},"content":{"rendered":"

Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Selina Gschossmann<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n

Deutschland und \u00d6sterreich haben ein Altersarmutsproblem, das sich aufgrund der bekannten Misere der gesetzlichen Rentenversicherungssysteme in Zukunft noch verschlimmern wird. Wer als normaler B\u00fcrger, vor allem als Mensch in der ersten Lebensh\u00e4lfte in der Verm\u00f6gensaufbauphase, diesem Problem individuell entgehen m\u00f6chte, f\u00fcr den ist Verm\u00f6gensbildung \u00fcber den globalen Aktienmarkt die beste Option. Das gilt ganz besonders f\u00fcr die einkommensschw\u00e4chere H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung, da f\u00fcr diese die am meisten verbreitete Verm\u00f6gensbildungsalternative zum Aktienmarkt \u2013 der kreditfinanzierte Erwerb eines Eigenheims (Haus, Wohnung) \u2013 wegen mangelnder Bonit\u00e4t selten offensteht. [1]<\/span><\/strong><\/p>\n

Nun existiert der Aktienmarkt bereits seit mehr als 200 Jahren und ist jedenfalls seit den 1950ern auch f\u00fcr normale Haushalte in Deutschland, \u00d6sterreich und der Schweiz in der Praxis gut zug\u00e4nglich. Diese Zug\u00e4nglichkeit hat sich besonders in den letzten zwei, drei Jahrzehnten noch weiter vereinfacht und verbilligt.<\/p>\n

Dennoch besitzen heute nur rund 15% aller deutschen Haushalte Aktien oder Aktienfonds gegen\u00fcber etwa 66% der amerikanischen. Das ist einer der Gr\u00fcnde, warum das Nettoverm\u00f6gen des Median-Amerikaners weit \u00fcber dem des Median-Deutschen liegt. [2]<\/span><\/strong> <\/p>\n

Eine Hauptursache f\u00fcr das Desinteresse der Deutschen am Aktienmarkt d\u00fcrfte ihre generelle Skepsis gegen\u00fcber der Marktwirtschaft, dem „Kapitalismus“ sein. Die B\u00f6rse ist ein zentrales Element der Marktwirtschaft. Einer l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Umfrage zufolge sehen unter den Befragten in 34 L\u00e4ndern nur die Befragten in 11 L\u00e4ndern den Kapitalismus, die Marktwirtschaft, noch kritischer als die Deutschen, w\u00e4hrend die Menschen in 22 L\u00e4ndern weniger antikapitalistisch oder sogar prokapitalistisch (z.B. Polen, USA) eingestellt sind. [3]<\/span><\/strong><\/p>\n

Wer der Marktwirtschaft skeptisch gegen\u00fcbersteht oder sie generell ablehnt, wird sich wahrscheinlich weder Wissen noch praktische F\u00e4higkeiten im Umgang mit marktwirtschaftlichen Formen des Verm\u00f6gensaufbaus aneignen, z. B. Basiswissen \u00fcber Aktien, Investmentfonds oder die B\u00f6rse.<\/p>\n

Das Desinteresse am Aktienmarkt \u2013 dem gesellschaftlich wirksamsten und zugleich am einfachsten umsetzbaren Instrument zur Verhinderung bzw. Verringerung von Altersarmut \u2013 basiert auf Ebene des Individuums oft auf toxischen Glaubenss\u00e4tzen \u00fcber Geld, Verm\u00f6gensaufbau, B\u00f6rse und Marktwirtschaft.<\/p>\n

Sich mental und praktisch f\u00fcr B\u00f6rseninvestments zu \u00f6ffnen und sei es anf\u00e4nglich nur einem bescheidenen Aktien-ETF-Sparplan von 20 Euro pro Monat, gelingt umso eher, wenn Menschen ihre toxischen Glaubenss\u00e4tze und Annahmen ablegen.<\/p>\n

Vor diesem Hintergrund analysieren wir in diesem Blog-Beitrag elf sch\u00e4dliche Glaubenss\u00e4tze und „giftige Stereotype“ \u00fcber die Marktwirtschaft, \u00fcber Geld, B\u00f6rse und verm\u00f6gend werden.<\/p>\n

Bevor wir mit dem ersten sch\u00e4dlichen Glaubenssatz zu Geld beginnen vorab ein paar Worte zur Marktwirtschaft, das System, das direkt und indirekt den Rahmen und die Grundlage f\u00fcr privaten Verm\u00f6gensaufbau und Verm\u00f6gensschutz bildet.<\/p>\n

In ihrer heutigen Form entstand die Marktwirtschaft \u2013 der „Kapitalismus“ \u2013 allm\u00e4hlich ab etwa 1800. Zu dieser Zeit begann der religi\u00f6s legitimierte Feudalismus (der absolutistische Monarchismus), eine in zentralen Aspekten antimarktwirtschaftliche Gesellschaftsordnung in den westlichen L\u00e4ndern schrittweise abzusterben. Zwar existierten auch vor 1800 M\u00e4rkte als Orte des Austausches von G\u00fctern und Dienstleistungen, aber die essenziellen rechtlichen und institutionellen Grundelemente der modernen Marktwirtschaft waren vor etwa 1800 nur auf einen winzigen Teil der Gesamtbev\u00f6lkerung beschr\u00e4nkt: Berufsfreiheit und Freiz\u00fcgigkeit f\u00fcr Privatpersonen, Gewerbefreiheit, Kapitalverkehrsfreiheit und Niederlassungsfreiheit f\u00fcr Unternehmen. [4]<\/span><\/strong> Das Recht auf Eigentum bestand f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung, z. B. Frauen oder Leibeigene, vor ca. 1800 ebenfalls nur eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n

Das allm\u00e4hliche Absterben des Feudalismus vollzog sich \u00fcber rund 120 Jahre bis zum Ende des Ersten Weltkriegs. Wichtige Meilensteine f\u00fcr das einsetzende Ende dieser antimarktwirtschaftlichen Gesellschaftsordnung waren die amerikanische und die franz\u00f6sische Revolution in den Jahren 1776 und 1789. Einige Jahrzehnte zuvor, Mitte des 18. Jahrhunderts, hatte die industrielle Revolution in Gro\u00dfbritannien begonnen und dehnte sich sp\u00e4ter auf Kontinentaleuropa und Nordamerika aus. <\/p>\n

Wie gewaltig sich das Los der Menschheit insgesamt durch das Entstehen der Marktwirtschaft ab ungef\u00e4hr 1800 verbessert hat, illustriert Abbildung 1 anhand des Wachstums des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) pro Kopf in den vergangenen 2000 Jahren. [5]<\/span><\/strong><\/p>\n

Abbildung 1: Die Entwicklung des inflationsbereinigten, globalen Bruttoinlandprodukts (BIP) pro Kopf in den letzten 2.000 Jahren<\/strong><\/span><\/p>\n

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\u25ba Quelle: www.ourworldindata.org, Maddison Project Database 2023. \u25ba Alle Zahlen in USD von 2021 = inflationsbereinigt<\/span><\/p>\n

Abbildung 1 zeigt, dass das globale BIP pro Kopf (n\u00e4herungsweise vergleichbar mit dem durchschnittlichen privaten Haushaltseinkommen), inflationsbereinigt mit Entstehen des Kapitalismus von 1820 bis heute um etwa 1300% stieg, eine Vervierzehnfachung.<\/p>\n

In den rund 1.800 Jahren von Christi Geburt bis ins Jahre 1800 vor Entstehen der Marktwirtschaft war die globale Wirtschaftsleistung pro Kopf praktisch \u00fcberhaupt nicht gewachsen. Angesichts dessen \u00fcberrascht es kaum, dass der britische Philosoph Thomas Hobbes (1588\u20131679) das Dasein f\u00fcr einfache Menschen im Jahr 1651 in seiner staatsphilosophischen Abhandlung Leviathan<\/em> als „solitary, poor, nasty, brutish, and short“ beschrieb (einsam, arm, scheu\u00dflich, brutal und kurz). Erst mit der Entstehung der Marktwirtschaft konnten Eltern realistisch hoffen, dass es ihren Kindern einmal besser gehen w\u00fcrde als ihnen selbst.<\/p>\n

Genauso bedeutsam wie das Wachstum der volkswirtschaftlichen Einkommen und damit die starke, dauerhafte Verbesserung des wirtschaftlichen Loses der Menschen \u00fcber alle Schichten hinweg war der Anstieg der Lebenserwartung des durchschnittlichen Erdenb\u00fcrgers. Diese betrug im Jahr 1820 k\u00fcmmerliche 29 Jahre gegen\u00fcber 73 Jahren im Jahr 2023 \u2013 in den westlichen L\u00e4ndern, wo sich die Marktwirtschaft tendenziell fr\u00fcher und umfassender etabliert hat, als in der \u00fcbrigen Welt, sogar bei rund 79 Jahren.<\/p>\n

Diese Entwicklungen illustrieren, wie geradezu dramatisch die Marktwirtschaft das Wohl der Menschen auf dem Planeten Erde \u00fcber einen langen Zeitraum verbessert hat. <\/p>\n

Kommen wir nun zu den elf toxischen Glaubenss\u00e4tzen, die viele von uns auf der pers\u00f6nlichen Ebene abhalten, der Marktwirtschaft und ihrem wichtigen Teilsystem B\u00f6rse und Aktienmarkt zu vertrauen, um \u00fcber marktwirtschaftliche Institutionen und Wege Verm\u00f6gen aufzubauen. <\/p>\n

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Toxischer Glaubenssatz \u00fcber Geld Nr. 1: „Geld ist die Wurzel allen \u00dcbels.“ <\/strong><\/span><\/h2>\n

Dass b\u00f6se Taten von Menschen oft von Gier nach Geld als einem Symbol f\u00fcr Verm\u00f6gen motiviert werden, ist unstrittig und banal. Dennoch ist der Glaubenssatz, Geld sei die Wurzel allen \u00dcbels, ganz einfach falsch. Schon die Formulierung ist eine sinnentstellende, manipulative Abwandlung einer Aussage aus der Bibel: „Geldgier ist die Wurzel allen \u00dcbels“ (Neues Testament, 1 Timotheus 6,10). Geldgier und Geld sind jedoch zwei verschiedene Dinge. <\/p>\n

Geld entstand evolution\u00e4r aus der ungesteuerten, spontanen Interaktion von Menschen vor etwa 4.000 Jahren in Mesopotamien. [6]<\/span><\/strong> Es war eine der wichtigsten Innovationen f\u00fcr die Entwicklung der Menschheit am \u00dcbergang von der Steinzeit zur Bronzezeit. In seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung steht Geld auf einer Ebene mit anderen Schl\u00fcsselinnovationen derselben Epoche (6000 v. Chr. bis 500 v. Chr.): der Erfindung der Schrift, der Formulierung der Grundlagen der Mathematik, der Erfindung des Kalenders, des Kompasses, von Papier, der Nutzung von Kohle zur W\u00e4rmeerzeugung, der Metallverarbeitung (Bronze, Eisen), des Rades, von Beton\/Zement und des Pflugs. <\/p>\n

Geld war menschheitsgeschichtlich notwendig, um den heute kaum vorstellbar ineffizienten und wohlstandshemmenden Tauschhandel der Steinzeit durch einen effizienteren, einfacheren Modus f\u00fcr den Austausch von G\u00fctern und Dienstleistungen abzul\u00f6sen und damit die „volkswirtschaftliche Kapitalallokation“ dramatisch zu verbessern, also Verschwendung zu reduzieren und sch\u00f6pferische Spezialisierung zu erleichtern. Eine effiziente, sparsame Kapitalallokation hei\u00dft, gesellschaftliche Kapitalressourcen dahin zu lenken, wo sie den gr\u00f6\u00dften kollektiven Nutzen stiften. Ohne die Erfindung von Geld h\u00e4tte der zivilisatorische Ausstieg der Menschheit aus der Steinzeit nicht stattfinden k\u00f6nnen und ohne Geld w\u00fcrde die heutige Weltwirtschaft in kurzer Zeit buchst\u00e4blich zusammenbrechen mit katastrophalen Folgen f\u00fcr die Menschheit. Geld ist kein \u00dcbel, sondern eine geniale kulturgeschichtliche Innovation. <\/p>\n

Auch ist Geld per se moralisch neutral. Es ist nicht daran schuld, wenn einzelne Menschen danach gieren, es Neid ausl\u00f6st oder eine Minderheit zu b\u00f6sen Taten motiviert, genauso wenig wie ein K\u00fcchenmesser daran schuld ist, wenn es f\u00fcr einen Mord missbraucht wird.<\/p>\n

\u2794 B\u00fccher\/Fachartikel:<\/p>\n