{"id":1614,"date":"2018-11-02T00:00:18","date_gmt":"2018-11-01T23:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=1614"},"modified":"2025-04-24T11:01:25","modified_gmt":"2025-04-24T09:01:25","slug":"monte-carlo-simulation-als-prognoseverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/monte-carlo-simulation-als-prognoseverfahren\/","title":{"rendered":"Monte-Carlo-Simulation als Prognoseverfahren"},"content":{"rendered":"
Von Alexander Weis<\/a>\u00a0und\u00a0Gerd Kommer<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Dieser Beitrag wurde im April 2025 aktualisiert.<\/em><\/p>\n Wer sich \u00fcberlegt, heute, in zehn oder auch erst in 20 Jahren seinen Ruhestand anzutreten, aber nicht Bill Gates, Jeff Bezos oder Elon Musk hei\u00dft, der wird sich die Frage stellen, ob sein Verm\u00f6gen ausreichend sein wird, um den gew\u00fcnschten Lebensstandard bis zum Lebensende aufrechtzuerhalten. <\/p>\n Das \u00fcbliche Verfahren, um diese Frage zu beantworten, besteht darin, bei gegebenem Verm\u00f6gen eine Portfoliorendite und „Portfolioentnahmerate“ zu unterstellen und dabei anzunehmen, dass beide Variablen jedes Jahr unver\u00e4ndert bis zum Ende des Betrachtungszeitraums (der typischerweise mit der gesch\u00e4tzten Restlebenserwartung zusammenf\u00e4llt) eintreten werden. <\/p>\n \u00c0 propos Restlebenserwartung: Im Internet sind zahlreiche Rechner zur Kalkulation der Restlebenserwartung verf\u00fcgbar, z. B. dieser<\/u><\/a>. Sie liefern die „mittlere“ Restlebenserwartung, auch Median-Restlebenserwartung genannt. Nach ihr wird die betreffende Person mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% l\u00e4nger leben als die statistisch vergleichbaren F\u00e4lle und mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% weniger lang. Um jedoch f\u00fcr die Zwecke einer Monte-Carlo-Simulation kalkulatorisch auf der sicheren Seite zu sein, sollte man mit einer Restlebenserwartung rechnen, die die betreffende Person statistisch nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 10% oder 20% \u00fcberschreitet. Das auszurechnen geht beispielsweise mit diesem<\/u><\/a> internet-basierten Rechner. <\/p>\n Zur\u00fcck zur Berechnung der Portfolioentnahmerate: Die hierzu \u00fcblichen Kalkulationen kann man recht einfach auf verschiedenen Finanzportalen oder mit einem Tabellenkalkulationsprogramm anstellen. Es handelt sich dabei in der Regel um lineare, „deterministische“ Berechnungen; so genannte „Punktsch\u00e4tzungen“. Solche Sch\u00e4tzungen sind zwar besser als gar keine Berechnung, besitzen dennoch nur begrenzten Erkenntniswert. Begrenzt deswegen, weil sie den ganz fundamentalen Aspekt der Unsicherheit zuk\u00fcnftiger Renditen au\u00dfer Acht lassen: Die Unsicherheit der Renditen des Portfolios in der Zukunft also ihre Schwankungen und speziell die spezifische Abfolge dieser Schwankungen. Solche Punktsch\u00e4tzungen unterstellen realit\u00e4tsfremd, dass der Weg in die Zukunft ein einfacher, linearer, schwankungsfreier Pfad ist.<\/p>\n Bei linearen Kalkulationsverfahren wird also ausgeblendet, dass Portfolio-Renditen in die Zukunft gerichtet um einen Mittelwert herum schwanken und die spezifische Schwankung nach oben oder unten f\u00fcr ein bestimmtes Jahr nicht prognostiziert werden kann. Dieser Geburtsfehler der \u00fcblichen linearen Methode l\u00e4sst sich in geringem Umfang \u2013 aber eben nicht wirklich \u2013 heilen, indem man beispielsweise unterschiedlich optimistische und pessimistische Punktsch\u00e4tzungen anstellt („Worst Case“, „Best Case“, „mittler Case“ oder „Base Case“).<\/p>\n Will man Fragen wie „reicht mein Verm\u00f6gen?“ oder „wieviel Entnahme pro Monat kann ich mir leisten?“ oder „wann fr\u00fchestens kann ich aufh\u00f6ren zu arbeiten?“ f\u00fcr einen langen Zeitraum aussagekr\u00e4ftiger als mit Punktsch\u00e4tzungen beantworten, muss man zu einer anspruchsvolleren Prognosetechnik \u00fcbergehen, zur Monte-Carlo-Simulation<\/em>. <\/p>\n Bei einer Monte-Carlo-Simulation („MCS“) wird ein simpler mathematischer Algorithmus zur L\u00f6sungsfindung einer stochastischen (wahrscheinlichkeitsmathematischen) Problemstellung eingesetzt. <\/p>\n MCS als Simulations- und Vorhersage-Technik wurde w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs von den ber\u00fchmten Mathematikern Stanislaw Ulam und John von Neumann im Rahmen eines Nuklearwaffenprojekts im Los Alamos Scientific Laboratory in den USA entwickelt. Aufgrund der Geheimhaltungspflicht des Projekts war ein Codename f\u00fcr das neue Verfahren erforderlich. Die beiden w\u00e4hlten „Monte-Carlo-Simulation“, weil Ulams reicher Onkel gelegentlich im Monte-Carlo-Casino in Monaco dem Gl\u00fccksspiel fr\u00f6nte. <\/p>\n MCS wird heutzutage in praktisch allen naturwissenschaftlichen Disziplinen wie der Biologie, der Chemie, der Mathematik und der Physik eingesetzt; sie ist also keine neue Methode und keine, die nur in der Finanz\u00f6konomie f\u00fcr Prognosen (eigentlich eher Simulationen) verwendet wird.<\/p>\n In dem f\u00fcr unsere Zwecke relevanten Investment-Kontext werden bei einer MCS auf der Basis von Annahmen \u00fcber die erwartete Rendite und Volatilit\u00e4t (Unsicherheit der Rendite) eines Portfolios, die Restlebenserwartung des Anlegers sowie seine periodischen Portfolio-Zuf\u00fchrungen und -entnahmen von einem Computer einige hunderte oder tausende m\u00f6gliche unterschiedliche F\u00e4lle, so genannte „Iterationen“, erzeugt (eine Iteration oder ein „Fall“ ist eine einzelne, individuelle Prognose). Der Computer sortiert dann die resultierenden F\u00e4lle vom besten bis zum schlechtesten Fall und bereitet diesen „Blumenstrau\u00df“ aus Iterationen mit einfachen statistischen Kennzahlen in tabellarischer und grafischer Form f\u00fcr den Anwender auf. Der Anwender kann dann auf der Basis dieser Ergebnisse wichtige Entscheidungen treffen.<\/p>\n Die Mindestanzahl der notwendigen Iterationen, die ben\u00f6tigt wird, um zu einem belastbaren Ergebnis zu gelangen, h\u00e4ngt davon ab, was man simulieren m\u00f6chte. F\u00fcr die im Vergleich zur L\u00f6sung bestimmter Probleme in der Biologie oder Physik einfachen Zwecke der Simulation eines Investmentportfolios werden 1.000 bis 10.000 Iterationen pro Simulation in der Regel als ausreichend betrachtet.<\/p>\n Technisch formuliert hilft MCS dabei, das so genannte Renditereihenfolgerisiko („Sequence of Returns Risk“) besser zu verstehen und zu managen. Renditereihenfolgerisiko bedeutet, dass die spezifische Reihenfolge von schwankenden Monats- oder Jahresrenditen w\u00e4hrend des Betrachtungszeitraums dann eine hohe Auswirkung auf die Gesamtrendite und damit auch auf den Endwert des Portfolios hat, sofern dem Portfolio im Zeitablauf Mittel zugef\u00fchrt oder entnommen werden. Nur bei einem Portfolio, das im Betrachtungszeitraum keinerlei Zu- oder Abf\u00fchrungen erlebt, spielt das Sequence of Returns Risk f\u00fcr Rendite und Endverm\u00f6gen keine Rolle, aber die v\u00f6llige Abwesenheit von Zu- oder Abf\u00fchrungen kommt im typischen Kontext f\u00fcr MCS sowieso nie vor, denn es geht ja gerade um die Bestimmung einer nachhaltigen Entnahmerate.<\/p>\n MCS kann methodisch auf verschiedene Arten durchgef\u00fchrt werden. Bei der am meisten verbreiteten Methode werden eine durchschnittliche Rendite (Jahresrendite oder Monatsrendite) und eine Volatilit\u00e4t dieser Renditen angenommen. [1]<\/span><\/strong> Mit diesen beiden Eingabewerten werden dann auf der Basis einer unterstellten statistischen Normalverteilung der zuk\u00fcnftigen Renditen vom Computer tausende von Iterationen (individuelle Einzelprognosen) berechnet. Dieses Standardverfahren wird als „klassische MCS“ bezeichnet.<\/p>\n Eine andere Methode besteht darin, historische Portfoliorenditen zu verwenden (z. B. die Monatsrenditen aus den letzten 50 Jahren), um daraus einzelne Periodenrenditen wie aus einer Urne zuf\u00e4llig zu ziehen und aneinanderzureihen (nach dem Ziehen wird die Rendite wieder in die Urne zur\u00fcckgelegt). Das wird dann wiederum vom Computer tausende Male wiederholt. Dieses Verfahren nennt sich „Bootstrapping with Replacement“. Es ist weniger verbreitet, aber genauso relevant und aussagekr\u00e4ftig wie die klassische MCS. <\/p>\n Bei den zwei vorhergehenden Methoden wird in der Simulation eine zuf\u00e4llige Abfolge der periodischen Portfoliorenditen angenommen. <\/p>\n Bei einer dritten Methode werden hingegen komplette historische Renditereihenfolgen verwendet (z. B. die Monatsrenditen der Jahre 1970 bis zur Gegenwart in derselben Reihenfolge, wie sie historisch aufgetreten sind). Das Simulationselement bei diesem Verfahren besteht darin, den Startzeitpunkt innerhalb der historischen Datenreihe zuf\u00e4llig zu w\u00e4hlen, was dann vom Computer wieder einige tausende Male wiederholt wird. Bei den Iterationen deren Startzeitpunkt innerhalb der historischen Datenreihe so sp\u00e4t liegt, dass der Endpunkt hinter der letzten historischen Monatsrendite in der Datenreihe l\u00e4ge, f\u00e4ngt der Simulator wieder „vorne“ beim ersten Datenpunkt an, um eine ausreichend lange Prognose generieren zu k\u00f6nnen\u2013 vergleichbar einem Pater Noster-Aufzug, der immer „durchl\u00e4uft“. Diese Methode wird im Fachjargo „Historical Sequences Method“ genannt. Insbesondere wird bei ihr die in den historischen Aktienmarktdaten vorhandene schwache „Regression zum Mittelwert“ nicht eliminiert (Wikipedia-Eintrag zu Regression zum Mittelwert hier<\/u><\/a>). Analoges gilt f\u00fcr Anleihendaten, bei denen in den historischen Daten eine leichte „Anti-Regression zum Mittelwert“ enthalten ist.<\/p>\n Wendet man in einem gegebenen Fall alle drei Methoden an, dann unterscheiden sich die Ergebnisse im Sinne z. B. der „Failure Rate“\/“Pleitequote“ (der Anteil aller Einzelprognosen, bei dem das Portfolio nicht bis zum Ende des Betrachtungszeitraums ausreicht) ungef\u00e4hr so:<\/p>\n In Ratgeberb\u00fcchern und auf Finanzportalen ist h\u00e4ufig zu lesen, eine „4%-Entnahme-Rate“ sei „machbar“, „nachhaltig“ oder „eine gute Faustformel“. [2]<\/span><\/strong> Die 4%-Zahl stammt aus einer vom wissenschaftlichen Fortschritt inzwischen \u00fcberholten Interpretation der historisch ersten akademischen Untersuchung zum Thema „nachhaltige Entnahmerate“ („save withdrawal rate“). 1994, also vor gut 30 Jahren, ver\u00f6ffentlichte der US-\u00d6konom William Bengen hierzu die erste systematische Studie (Bengen, 1994). Daraus abgeleitet verbreitete sich in den Jahren danach in der Finanzbranche und in der Ratgeberliteratur die so genannte „4%-Regel“. Gem\u00e4\u00df dieser Regel k\u00f6nne man aus einem 50\/50-Aktien-Anleihen-Portfolio j\u00e4hrlich 4% des Anfangswerts in Geldeinheiten plus Inflation entnehmen, ohne Gefahr zu laufen, das Portfolio jemals ganz aufzubrauchen. Das entspricht einer 100%-Portfolio\u00fcberlebenswahrscheinlichkeit und einer 0%-Failure-Rate. Die 4%-Regel ist aus heutiger Sicht allerdings klar \u00fcberoptimistisch (McQuarrie 2025). Vor ihrer unkritischen \u00dcbertragung auf die eigenen Verh\u00e4ltnisse kann nur gewarnt werden. Aus Platzmangel k\u00f6nnen wir hier jedoch nicht auf die vielf\u00e4ltigen Gr\u00fcnde f\u00fcr den mangelnden Realismus der 4%-Zahl eingehen. <\/p>\n Gelegentlich ist zu h\u00f6ren, dass die Annahme einer Normalverteilung von Wertpapierrenditen innerhalb der klassischen MCS eine zu optimistische Abbildung der Realit\u00e4t an den Kapitalm\u00e4rkten sei, da es in der Realit\u00e4t „Fat Tails“ gebe, also Renditeextremwerte nach oben und unten, die au\u00dferhalb einer Normalverteilung liegen. Allerdings f\u00fchrt ein Abr\u00fccken von der Normalverteilungsannahme bei MCS, wie hier beschrieben, eher zu besseren Ergebnissen als beim klassischen Verfahren. Infolgedessen geht die „Normalverteilungskritik“ hier wohl am Thema vorbei (Tharp, 2017). <\/p>\n Welche der drei Methoden „die richtige“ oder „die beste“ ist, l\u00e4sst sich nicht allgemein beantworten. F\u00fcr eine endg\u00fcltige Kl\u00e4rung dieser Frage br\u00e4uchte man weit l\u00e4ngere historische Datenreihen als sie verf\u00fcgbar sind; vermutlich mehr als 1.000 Jahre an Kapitalmarktrenditen statt lediglich 30 bis 120 Jahre (je nach Land), wie tats\u00e4chlich der Fall. <\/p>\n Unabh\u00e4ngig von der gew\u00e4hlten Methode gilt: In die Zukunft gerichtet ist die Entwicklung von Verm\u00f6gensanlagen unsicher und je l\u00e4nger der Prognosezeitraum, desto gr\u00f6\u00dfer die Streubreite der m\u00f6glichen Endverm\u00f6genswerte. Diese Unsicherheit wirkt sich f\u00fcr Portfolios, die im Zeitablauf Zuf\u00fchrungen oder Entnahmen erleben (was ja die Regel ist) besonders stark auf die Rendite und damit auf den Verm\u00f6gensendwert aus. Bei einer MCS wird versucht, diese Unsicherheit f\u00fcr Erkenntniszwecke des Anlegers mathematisch zu modellieren. Die Ber\u00fccksichtigung der Unsicherheit k\u00fcnftiger Renditen, insbesondere ihrer zeitlichen Abfolge, unterscheidet MCS fundamental von den eingangs erw\u00e4hnten linearen Portfolioentwicklungs- bzw. Entnahmerechnungen, die keine Unsicherheit miteinbeziehen und deshalb f\u00fcr die Beantwortung der hier relevanten Anlegerfragen nur sehr eingeschr\u00e4nkt geeignet sind.<\/p>\n So viel zur Theorie. Nun aber zur Praxis, das hei\u00dft zu konkreten Konstellationen, in denen MCS sinnvoll eingesetzt werden kann. <\/p>\n MCS kann daf\u00fcr verwendet werden zu beurteilen, wie wahrscheinlich es ist, dass das Verm\u00f6gen eines Haushalts bei einem gegebenen Lebensstandard f\u00fcr einen bestimmten Zeitraum ausreicht. MCS kann jedoch auch schon zu einem viel fr\u00fcheren Zeitpunkt Einsatz finden, n\u00e4mlich um herauszufinden, wie lange und wieviel ein Haushalt noch sparen muss, bis er sich zur Ruhe setzen kann. Hierzu werden im Grunde genommen und hier etwas vereinfacht zwei zeitliche Phasen des zugrundeliegenden Portfolios in der Simulation abgebildet: Eine Sparphase (Verm\u00f6gensaufbau) und eine Entnahmephase (Verm\u00f6gensverwendung). In der Sparphase bildet der Anlegerhaushalt Verm\u00f6gen, das hei\u00dft die Portfoliozuf\u00fchrungen \u00fcbersteigen die -entnahmen; in der Entnahmephase konsumiert der Haushalt das angesparte Verm\u00f6gen ganz oder teilweise, das hei\u00dft die Portfolioentnahmen \u00fcbersteigen die -zuf\u00fchrungen.<\/p>\n F\u00fchrt man eine MCS lange bevor man in den Ruhestand eintreten m\u00f6chte durch, lassen sich daraus besonders n\u00fctzliche Erkenntnisse und Schlussfolgerungen f\u00fcr die Gegenwart ableiten. Besonders n\u00fctzlich, weil dann n\u00e4mlich noch Zeit daf\u00fcr ist, auf der Basis der MCS-Ergebnisse in der Gegenwart grundlegende Weichenstellungen vorzunehmen, also z. B. mehr zu sparen, weniger auszugeben oder l\u00e4nger zu arbeiten. Zehn oder zwanzig Jahre sp\u00e4ter k\u00e4men solche Anpassungen wahrscheinlich zu sp\u00e4t. <\/p>\n Allgemein formuliert bietet MCS einen zus\u00e4tzlichen Plausibilit\u00e4ts-Check f\u00fcr die fundamentale \u00f6konomische Frage, die sich jeder Haushalt stellen sollte: „Ist mein finanzieller Langfristplan einigerma\u00dfen realistisch und durchf\u00fchrbar?“ Falls sich aus einer MCS ergibt, dass die Antwort auf diese Frage kein „Ja“ verbunden mit einem einigerma\u00dfen guten Gef\u00fchl ist, kann man sich noch einmal hinsetzen und seinen Plan modifizieren \u2013 und zwar viele Jahre bevor die Dinge tats\u00e4chlich anbrennen und nicht wiedergutgemacht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n Wie geht man bei der Durchf\u00fchrung einer MCS vor? Zun\u00e4chst bestimmt man die Eingabegr\u00f6\u00dfen: (a) Die H\u00f6he des vorhandenen Verm\u00f6gens, (b) die monatliche Spar- bzw. Entnahmerate, (c) den Betrachtungshorizont (in der Regel ist das die gesch\u00e4tzte Restlebenserwartung) und (d) die erwartete Portfolio-Rendite und -volatilit\u00e4t. Das MCS-Computer-Programm berechnet daf\u00fcr dann z. B. 1.000 oder mehrere Tausend m\u00f6gliche F\u00e4lle. <\/p>\n In der folgenden Tabelle haben wir die Ergebnisse einer beispielhaften Testsimulation f\u00fcr den Haushalt Meierhofer zu Illustrationszwecken dargestellt. Wir verwenden die klassische MCS-Methode. Das Ehepaar Paul und Anna Meierhofer sind beide 50 und planen in zehn Jahren zeitgleich mit 60 Jahren relativ fr\u00fch in Rente zu gehen; die Ansparphase dauert also noch eine Dekade. Danach soll das angesparte Verm\u00f6gen 30 Jahre ausreichen. Es handelt sich um ein 60\/40 (risikobehaftet\/risikoarm) Portfolio. Die detaillierte Beschreibung der Input-Variablen befindet sich unterhalb der Tabelle.<\/p>\n Tabelle: Die Ergebnisse einer Monte-Carlo-Simulation auf Basis einer Normalverteilung („klassische MCS“) f\u00fcr den Beispielfall des Haushalts Meierhofer<\/b><\/span><\/p>\n \u25ba Quelle: Eigene Berechnungen mithilfe des MCS-Tools der Gerd Kommer Invest GmbH. \u25ba Alle Zahlen real (inflationsbereinigt) und in EUR; da mit realen Renditen gerechnet wurde, sind weder eine Sch\u00e4tzung der Inflation noch eine Anpassung der Spar- und Entnahmeraten an die Inflation notwendig. \u25ba Zugrundeliegende Annahmen: Der Haushalt investiert die n\u00e4chsten zehn Jahre lang j\u00e4hrlich 50.000 EUR in sein Portfolio und entnimmt daraus dann 30 Jahre lang j\u00e4hrlich 50.000 EUR; das Anfangsverm\u00f6gen des Haushalts betr\u00e4gt 1.000.000 EUR; die arithmetische (reale\/inflationsbereinigte) Portfoliorendite betr\u00e4gt 2,9% p.a. (nach Kosten und Steuern) und die Standardabweichung der Jahresrenditen liegt bei 12,2%.\u00a0<\/span>\u00a0\u25ba\u00a0Spalte 1: Alter des Haushalts;\u00a0\u25ba <\/span>Spalte 2: Kumulative Einzahlungen des Haushalts in das Portfolio;\u00a0\u25ba <\/span>Spalte 3\/4\/6: Die 10.\/50.\/90. „Perzentile“ der Haushaltsverm\u00f6gen;\u00a0\u25ba <\/span>Spalte 5: Arithmetischer Durchschnitt des Haushaltsverm\u00f6gens (Endverm\u00f6gen);\u00a0\u25ba <\/span>Spalte 7: Standardabweichung des Endverm\u00f6gens;\u00a0\u25ba\u00a0<\/span>Spalte 8: „Success Rate“ (Erfolgsquote) des Portfolios = der prozentuale Anteil der F\u00e4lle, in denen das Haushaltsverm\u00f6gens bis zum Ende der vorgegebenen Betrachtungsperiode reicht („Portfolio\u00fcberlebenswahrscheinlichkeit“).\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n Zur Interpretation der Tabelle: In unserem Beispiel des Haushalts Meierhofer wurden insgesamt 1.500.000 EUR in das Portfolio einbezahlt (Spalte 2). In den schlechtesten 10% der F\u00e4lle h\u00e4tte das Portfolio nicht bis zum Lebensalter von 85 Jahren gereicht (Spalte 3). In 50% der F\u00e4lle w\u00e4re das Portfolio des Haushalts am Ende des Zeitraums noch \u00fcber 1.240.000 EUR wert gewesen (Spalte 4). In den besten 10% der F\u00e4lle w\u00e4re das Portfolio am Ende des Zeitraums auf mehr als 5.260.000 EUR angewachsen (Spalte 6). Das Verm\u00f6gen hat in 18% (100% – 82%) der F\u00e4lle nicht bis zum 90. Lebensjahr des Haushalts ausgereicht (Spalte 8).<\/p>\n Insgesamt kann das Ergebnis in diesem Beispiel als nicht zufriedenstellend bezeichnet werden, weil das Portfolio in 18% der F\u00e4lle nicht bis zum 90. Lebensjahr reicht. Diese Failure Rate (Pleitequote) d\u00fcrfte f\u00fcr manche Haushalte intolerierbar hoch sein. Bei einem solchen Ergebnis muss sich der Haushalt \u00fcberlegen, wie er seinen Plan \u00e4ndern m\u00f6chte. Denkbar w\u00e4re eine Erh\u00f6hung der Sparquote (also eine Senkung des Lebensstandards jetzt), eine Verschiebung des Ruhestandsdatums auf einen sp\u00e4teren Zeitpunkt, eine Absenkung des Entnahmebetrags im Ruhestand, eine Kombination aus diesen Ma\u00dfnahmen oder der „G\u00fcrtel-enger-schnallen-Ansatz“, auf den wir weiter unten eingehen.<\/p>\n W\u00e4re eine Erh\u00f6hung der Aktienquote im Portfolio (also eine Erh\u00f6hung der erwarteten Rendite) eine L\u00f6sung f\u00fcr die Meierhofers? Nicht unbedingt. Ein h\u00e4ufig beobachtetes Ph\u00e4nomen bei MCS in Bezug auf die Variierung der Asset-Allokation lautet wie folgt: Je „aggressiver“, also aktienlastiger\/risikobehafteter, die gew\u00e4hlte Asset-Allokation, desto besser werden die mittleren und guten F\u00e4lle und desto schlechter werden die rund 10% bis 30% der schlechtesten F\u00e4lle. Anders formuliert: Die guten F\u00e4lle werden in dem Ma\u00dfe wie die Aktienquote zu Lasten der Anleihequote noch besser und die schlechten F\u00e4lle noch schlechter. Umgekehrt wirkt eine Bewegung in Richtung konservativere, also anleihenlastigere, Asset-Allokation. Eine Erh\u00f6hung der Aktienquote im Portfolio wird also jenseits eines bestimmten Wertes keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung bei der Failure Rate bewirken. Hier kommt wieder einmal das ber\u00fchmte Grundgesetz der \u00d6konomie zum Ausdruck: „There is no free lunch“.<\/p>\n Eine Verbesserung (= Verringerung) der Failure Rate kann allerdings durch die Einf\u00fchrung einer „Dynamisierung“ der Entnahmerate erreicht werden. Damit ist gemeint, dass die j\u00e4hrliche (oder monatliche) Entnahme nach einem Jahr mit schlechter Kapitalmarktentwicklung auf der Basis einer Regel vor\u00fcbergehend gesenkt wird. Man k\u00f6nnte das salopp als „in schlechten Zeiten zeitweilig den G\u00fcrtel-enger-schnallen-Ansatz“ bezeichnen. Die meisten MCS-System k\u00f6nnen allerdings solche Dynamisierungen nicht abbilden. Das MCS-Tool der Gerd Kommer Invest GmbH kann es. <\/p>\n Kommen wir zu einer zusammenfassenden Einsch\u00e4tzung des MCS-Verfahrens und dessen, was es leisten kann und was es nicht leisten kann:<\/p>\n Zusammenfassend k\u00f6nnen wir festhalten, dass Monte-Carlo-Simulation ein sehr n\u00fctzliches Tool ist, wenn es darum geht, ruhestandsbezogene Fragen wie „wieviel muss ich sparen?“, „reicht mein Verm\u00f6gen?“, „wie bald kann ich meine Berufst\u00e4tigkeit beenden?“ oder „wieviel Entnahme pro Monat kann ich mir leisten?“ zu beantworten. Hierbei ist MCS vielen anderen Prognosemethoden \u00fcberlegen, insbesondere dem in der Finanzbranche \u00fcblichen Standardverfahren der einfachen Punktsch\u00e4tzung.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Die MCS muss mit dem arithmetischen Durchschnitt der Renditen gef\u00fcttert werden, nicht mit dem geometrischen Durchschnitt, der typischerweise in Ratgeberb\u00fcchern und im Internet berichtet wird.<\/p>\n [2]<\/strong> Die Entnahmerate in Prozent ist definiert als der absolute Entnahmebetrag im ersten Jahr relativ zum anf\u00e4nglichen Depotwert. Dieser Geldbetrag wird dann j\u00e4hrlich um die Inflationsrate erh\u00f6ht, so dass der Geldbetrag inflationsbereinigt im Zeitablauf gleichbleibt. Die „4%“ stimmen also numerisch nur im ersten Jahr.<\/p>\n <\/p>\n Bengen, William (1994). „Determining Withdrawal Rates Using Historical Data“; Journal of Financial Planning: Oct. 1994; Internet-Fundstelle: hier<\/u><\/a><\/p>\n Schreiber, Schreiber\/Weber, Martin (2023): „Entsparen im Alter – Entnahmestrategien f\u00fcr die Rentenphase“; Universit\u00e4t Mannheim; Internet-Fundstelle: hier<\/u><\/a><\/p>\n Tharp, Derek (2017): „Does Monte Carlo Analysis Actually Overstate Tail Risk in Retirement Projections?“; www.kitces.com; 05.07.2017; Internet-Fundstelle: hier<\/u><\/a><\/p>\n McQuarrie, Edward (2025): „How the 4% Rule Would Have Failed in the 1960s: Reflections on the Folly of Fixed Rate Withdrawals“; Social Sciences Research Network; 06 Feb 2025; Internet-Fundstelle: hier<\/u><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" Monte-Carlo-Simulation ist eine stochastische Methode zur Prognose der Entwicklung von Investmentportfolios.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2147,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,9],"tags":[87,29,30],"class_list":["post-1614","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nicht-kategorisiert","category-ratgeber","tag-aktualisiert","tag-depotentnahme","tag-ruhestand"],"yoast_head":"\n\n
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Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n
Literatur<\/strong><\/span><\/h2>\n