{"id":14241,"date":"2025-05-20T09:23:24","date_gmt":"2025-05-20T07:23:24","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=14241"},"modified":"2025-12-15T16:36:33","modified_gmt":"2025-12-15T15:36:33","slug":"kunst-als-investment","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/kunst-als-investment\/","title":{"rendered":"Kunst: Eine attraktive Anlageform?"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Tobias Jerschensky<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Die Entwicklung der heutigen Finanzbranche d\u00fcrfte in der Bronzezeit vor rund 3000 Jahren begonnen haben. Seitdem versuchen jeden Tag irgendwo auf der Welt Finanzvertriebler den Rest der Menschheit davon zu \u00fcberzeugen, man habe „ein neues, besonders attraktives Investment“ gefunden, in das schlaue, ertragsorientierte Zeitgenossen unbedingt investieren m\u00fcssten. In diese Kategorie f\u00e4llt seit j\u00fcngster Zeit „Kunst als Investment“ [1]<\/span><\/strong>. <\/p>\n Um das zu illustrieren, hier sechs kurze Zitate aus dem aktuellen Marketing von Kunstmaklern und Finanzdienstleistern, die mit Kunstinvestments von Privatanlegern Geld verdienen wollen: <\/p>\n In den vertriebsbezogenen Publikationen solcher Firmen zur vermeintlichen Attraktivit\u00e4t von Kunst als Investment werden insbesondere die folgenden Argumente angef\u00fchrt: <\/p>\n (a) \tKunstinvestments produzieren attraktive Renditen, die die Langfristrenditen von Aktien \u00fcbersteigen.<\/p>\n (b) \tKunstinvestments haben eine hohe Wertstabilit\u00e4t. Ihre Rendite schwankt weniger als die des Aktienmarktes. Kunstpreise sind w\u00e4hrend einiger schwerer Einbr\u00fcche des globalen Aktienmarktes in den vergangenen 25 Jahren oftmals nicht gefallen oder sogar gestiegen.<\/p>\n (c) \tKunst weist eine niedrige Korrelation mit dem Aktienmarkt und anderen etablierten Anlageklassen auf. Daher funktioniert Kunst gut als Diversifizierer f\u00fcr Aktien und Anleihen. <\/p>\n (d) \tZwar ist Kunst \u2013 \u00e4hnlich wie Immobilien \u2013 eine sehr illiquide Anlageform, aber gerade diese Illiquidit\u00e4t ist als Illiquidit\u00e4tspr\u00e4mie urs\u00e4chlich f\u00fcr die guten Renditen von Kunst.<\/p>\n (e) \tKunst hat (in Deutschland) Steuervorteile.<\/p>\n (f) \tKunst liefert eine „emotionale Dividende“, die traditionelle Investments nicht bieten.<\/p>\n So betrachtet muss man den Eindruck gewinnen, ein Privatanleger, der in seinem Verm\u00f6gensportfolio auf Kunst \u2013 zumindest im Umfang einer begrenzten Beimischung \u2013 verzichtet, sei ein Dummkopf. <\/p>\n <\/p>\n Leider sehen die Fakten weniger rosig aus, jedenfalls, wenn man unter Fakten die Mehrheitsmeinung in der Wissenschaft zu Rendite und Risiko der Anlageklasse Kunst und eine korrekte Analyse des vorhandenen historischen Renditedatenmaterials versteht.<\/p>\n Beginnen wir mit der Wissenschaft.<\/p>\n Im Vergleich zu den Anlageklassen Aktien, Anleihen, Immobilien, Edelmetalle und Rohstoffe (und Finanzprodukten, die auf diesen Anlageklassen aufsetzen) existieren nur wenig wissenschaftliche Untersuchungen zur langfristigen Rendite-Risiko-Kombination von Kunst. Die Hauptursachen sind ein Mangel an verl\u00e4sslichen historischen Renditedaten zu Kunst, hohe methodische H\u00fcrden bei der Konstruktion von Kunstindizes und die mikroskopische volkswirtschaftliche Bedeutung von Kunst in der Verm\u00f6gensbildung von Privathaushalten und institutionellen Investoren.<\/p>\n Aus Platzgr\u00fcnden werden wir die Ursachen f\u00fcr den Mangel an aussagekr\u00e4ftigen High Quality-Datenserien zur langfristigen Rendite der Anlageklasse Kunst hier nicht weiter ausf\u00fchren. Dieser Mangel hindert allerdings viele Kunstmakler und Anbieter von Kunstinvestments nicht daran in ihrem Marketingmaterial fragw\u00fcrdig hohe Renditezahlen zu Kunst und historische Renditevergleiche zwischen Kunst und Aktien zu publizieren, in denen die Aktienrenditen „merkw\u00fcrdig“ niedrig sind. Ein konkretes Beispiel schildern wir weiter unten.<\/p>\n Trotz des erw\u00e4hnten Mangels an Qualit\u00e4tsdaten zu den langfristigen Renditen der Anlageklasse Kunst hat eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern vor allem in den letzten zwei Jahrzehnten n\u00fctzliche empirische Studien zu Rendite und Risiko von Kunst publiziert \u2013 am h\u00e4ufigsten zu Gem\u00e4ldekunst. Der Konsens in diesen wissenschaftlichen Analysen ist recht klar und er sieht folgenderma\u00dfen aus: <\/p>\n Am Ende dieses Blog-Beitrages listen wir elf wissenschaftliche Artikel auf, die auf empirischen Analysen der historischen Rendite von bildender Kunst basieren. Nur ein einziger unter den elf (Levy\/Nicolas 2024) berichtet von einer attraktiven Rendite-Risiko-Kombination im Gem\u00e4ldesektor. Bei allen elf Artikeln haben wir die Quelle verlinkt, so dass unsere Leser bequem die Zusammenfassungen (Abstracts) oder den ganzen Aufsatz lesen k\u00f6nnen, wenn sie sich selbst \u00fcberzeugen wollen.<\/p>\n Besonders lesenswert ist der Aufsatz von Li\/Ma\/Renneboog (2022). Diese Wissenschaftler errechnen eine inflationsbereinigte Rendite von Gem\u00e4ldekunst \u00fcber die 58 Jahre von 1959 bis 2016 von 1,22% p.a. (in USD) \u2013 ohne Kosten und Steuern. Dem steht die reale Rendite des S&P 500 Index von 6,70% p.a. in diesem Zeitraum gegen\u00fcber.<\/p>\n Damit sind wir beim ersten Zwischenfazit: Aus der Sicht von Wissenschaft stellt Gem\u00e4ldekunst insbesondere nach Ber\u00fccksichtigung ihrer weiter unten bezifferten exorbitanten Nebenkosten des Investierens bestenfalls eine mittelm\u00e4\u00dfig attraktive Anlagekasse dar und auch nur dann, wenn der Investor in eine hinreichend gro\u00dfe Stichprobe von Gem\u00e4lden im gehobenen Preissegment investieren kann.<\/p>\n <\/p>\n Doch diese einfache Feststellung ist nicht differenziert genug. Es lohnt, ein wenig tiefer zu bohren.<\/p>\n Wie gehen manche Kunstmakler und andere Kunstdienstleister vor, die mit der \u2013 wie wir zeigen werden \u2013 falschen Vorstellung „Gem\u00e4ldekunst ist ein strukturell interessantes Investment “ Kunden gewinnen wollen? Wir geben die Antwort anhand einer kleinen Fallstudie.<\/p>\n Der britische Kunstmakler Maddox publiziert auf seiner Website einen 43-seitigen „Contemporary Art Investment Guide“ im PDF-Format, dessen aktuelle Ausgabe wir am 15. Mai 2025 herunterluden. Das Dokument soll seinen Lesern anhand vieler Zahlen und Daten zeigen, dass verm\u00f6gende Privatanleger und institutionelle Anleger \u00fcberall auf der Welt Gem\u00e4ldekunst zunehmend als attraktive Anlageklasse entdecken und dass Kunstinvestments finanziell sehr lukrativ seien. Auf Seite 18 der von uns heruntergeladenen Ausgabe des Guides findet sich die in Abbildung 1 gezeigte Renditegrafik.<\/p>\n Abbildung 1: Renditevergleich eines Gem\u00e4lde-Index mit zwei Aktien-Indizes f\u00fcr den Zeitraum 2000 bis 2024 (25 Jahre) \u2013 Kunstmakler Maddox<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Quelle: „Maddox Contemporary Art Investment Guide“, Download von www.maddoxgallery.com am 15.05.2025. \u25ba Der „Artnet Contemporary Art Index“ bildet gem\u00e4\u00df Artnet-Website die Preisrendite der „top 50 contemporary artists“ aus dem Bereich „bildende Kunst“ ab. \u25ba Ohne Kosten und Steuern.<\/span><\/p>\n Auf den ersten Blick m\u00fcsste ein Privatanleger das, was diese Grafik anzeigt, im h\u00f6chsten Ma\u00dfe erstaunlich finden: Zeitgen\u00f6ssische Gem\u00e4ldekunst hat in den zur\u00fcckliegenden 24 Jahren (Ende 2000 bis Ende 2024) den amerikanischen und britischen Aktienmarkt um Gr\u00f6\u00dfenordnungen outperformt.<\/p>\n Weil wir diese Vorstellung \u00fcberraschend fanden, haben wir die Renditedaten in der Grafik f\u00fcr den S&P-Index und den FTSE-100-Index nachgepr\u00fcft und vergleichen sie in Tabelle 1 mit den Renditedaten, die sich aus der Maddox-Grafik in Abbildung 1 ableiten lassen.<\/p>\n Tabelle 1: Vergleichende \u00dcberpr\u00fcfung der im Maddox Art Investment Guide angegebenen Aktienrenditen (siehe Abbildung 1)<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Daten in Spalte B gem\u00e4\u00df „Maddox Contemporary Art Investment Guide“ (siehe Angaben zu Abbildung 1). \u25ba Quelle f\u00fcr Daten in Spalte C: Dimensional Fund Advisors. \u25ba Ohne Kosten und Steuern.<\/span><\/p>\n Der Maddox Investment Guide macht keine Angaben zur W\u00e4hrung, in der die Renditedaten in Abbildung 1 berechnet sind, da aber Maddox ein britischer Kunstmakler ist und da der Artnet Contemporary Art Index<\/em> laut Artnet-Website origin\u00e4r in GBP berechnet wird, gehen wir davon aus, dass alle Daten in Abbildung 1 mit Ausnahme der Inflationsrate (CPI) in britischem Pfund denominiert sind. W\u00e4ren die Renditedaten in USD, w\u00fcrde das das grunds\u00e4tzliche Bild jedoch nicht wesentlich \u00e4ndern. (Die CPI-Daten k\u00f6nnen sich ihrer H\u00f6he nach und der in der Grafik angegebenen Quelle nach \u2013 US Bureau of Labour Statistics \u2013 nur auf die USA beziehen.)<\/p>\n Folgende Schlussfolgerungen lassen sich ziehen:<\/p>\n Schr\u00e4ge, nicht nachvollziehbar hohe Renditeangaben f\u00fcr Kunst und zu niedrige Vergleichsrenditen f\u00fcr Aktien sind uns bei der Recherche f\u00fcr diesen Blog-Beitrag auf einer Reihe von Web-Seiten von Kunstmaklern und in deren Marketing-Material aufgefallen \u2013 siehe beispielhaft die ersten drei Zitate am Beginn dieses Blog-Beitrags. <\/p>\n Wer das Thema „Renditen von Kunst“ im Internet googelt, wird in den Publikationen von Kunstmaklern auf viele „kuriose“ Berechnungen und Zahlen sto\u00dfen. (Eine zu Abbildung 1 sehr \u00e4hnliche Renditegrafik mit ebenfalls seltsam niedrigen Aktienmarktrenditen gibt es z. B. auf der Website des britischen Kunstdaten-Informationsdienstes Artprice – Link hier<\/u><\/a>.) <\/p>\n <\/p>\n Aber damit endet die Ern\u00fcchterung zu den im Vergleich mit Aktien vermeintlich attraktiven Renditen von Gem\u00e4ldekunst noch nicht. Unabh\u00e4ngig von der reinen Renditefrage wirft das praktische Umsetzen von Investieren in Kunst noch eine Vielzahl anderer H\u00fcrden auf, die im Marketing-Material der Kunstmakler nicht erw\u00e4hnt werden.<\/p>\n (1) Zun\u00e4chst einmal kann man in einen Kunstindex, anders als in einen Index auf Aktien, Anleihen, Edelmetalle, Kryptoanlagen oder Rohstoffe, nicht investieren. Das ist insofern von Bedeutung als das das durchschnittliche einzelne Kunstwerk eine dramatisch h\u00f6here Wertschwankungsvolatilit\u00e4t aufweist als ein Kunstindex, der \u00fcber Hunderte von K\u00fcnstlern und Tausende von Kunstwerken hinweg diversifiziert ist. Wer von einem Kunstindex auf die wahrscheinliche Preisvolatilit\u00e4t seines einzelnen Kunstwerks schlie\u00dft, begeht damit einen schweren Irrtum. Dass 95% aller Kunstanleger schon allein aus finanziellen Gr\u00fcnden nicht in der Lage sind, ein breit diversifiziertes Kunstportfolio zu finanzieren, muss nicht betont werden. <\/p>\n (2) Kein Kunstindex bildet den zugrundeliegenden Markt wirklich repr\u00e4sentativ und damit objektiv ab, da alle Indizes schwer an „Selection Bias“-Problemen leiden. Beispielsweise ber\u00fccksichtigen die meisten Kunstindizes nur Auktionsverk\u00e4ufe, nicht jedoch private Verk\u00e4ufe \u00fcber Makler oder maklerlose Transaktionen zwischen zwei Anlegern. Auktionsverk\u00e4ufe machen au\u00dferhalb der „Superstar-Kunst“ nur eine Minderheit aller Transaktionen aus. [5]<\/span><\/strong> Ein weiterer verzerrender Bias ist, dass teure Kunst relativ zu ihrer tats\u00e4chlichen Bedeutung und H\u00e4ufigkeit im Markt in wohl allen Kunstindizes stark \u00fcberrepr\u00e4sentiert ist. Drittens k\u00f6nnen wir recht sicher davon ausgehen, dass im Wert gestiegene Kunstwerke statistisch h\u00e4ufiger gekauft\/verkauft werden als im Wert stagnierende oder fallende Kunstwerke. Auch dieses Ph\u00e4nomen verzerrt die Indexrendite nach oben, denn Indizes reflektieren konstruktionsbedingt nur die Preisentwicklung von Kunstwerken, die im Betrachtungszeitraum getradet wurde. Die Investment Bank Morgan Stanley schreibt dazu „Most art indices don’t include work that fails to sell.“ (\u00c0 propos „most art indices \u2026“ uns ist kein Kunstindex bekannt, der Preisdaten f\u00fcr nicht getradete Kunst enth\u00e4lt.) Vergleichbare Probleme existieren bei Kapitalmarktindizes nicht.<\/p>\n (3) Innerhalb der Gem\u00e4ldekunst war zeitgen\u00f6ssische Kunst in den letzten rund 25 Jahren rentabler als Kunst fr\u00fcherer Epochen, z. B. Mittelalter, Renaissance, 17. Jahrhundert, 18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert, Kunst der Moderne von 1900 bis 1950 und Kunst andere Epochen- oder Stilrichtungsdefinitionen. Das konnte aber vor 25 Jahren niemand wissen. Welcher Typus von Gem\u00e4ldekunst in den n\u00e4chsten 25 Jahren die besten Renditen haben wird, l\u00e4sst sich vermutlich nicht aus der Vergangenheit ableiten. Wer Kunstrenditen darstellt und nur Indizes f\u00fcr „zeitgen\u00f6ssische Gem\u00e4ldekunst“ zeigt (Kunst, die in den letzten 30 bis 50 Jahren entstanden ist), ohne Hinweis auf die deutlich schlechteren Renditen anderer Epochen und Stilrichtungen, handelt unlauter und praktiziert den Look Back Bias<\/em> f\u00fcr manipulative Zwecke.<\/p>\n (4) Fast alle bekannten Kunstindizes werden von Kunstmaklern oder Auktionsh\u00e4usern erstellt und betrieben, also von offensichtlich interessenkonfliktbehafteten Parteien. Einige Indizes schlie\u00dfen sogar von den jeweiligen K\u00fcnstlern selbst an den Indexersteller kommunizierten Preise mit ein. In Bezug auf die Vertrauensw\u00fcrdigkeit dieser Daten ist das keine gute Ausgangsvoraussetzung.<\/p>\n (5) Ein individuelles Kunstwerk ist in der Regel hochgradig illiquide, typischerweise noch illiquider als eine Wohnimmobilie. Deswegen wird es ohne merklichen Preisnachlass selten kurzfristig zum gesch\u00e4tzten „Marktpreis“ ver\u00e4u\u00dferbar sein.<\/p>\n (6) Wer wirtschaftlich erfolgreich in Kunst investieren will, muss spezifischen Kunstsachverstand haben, um die Angemessenheit von Angebotspreisen beurteilen zu k\u00f6nnen, um Manipulationen bei der so genannten „Provenance“ [6]<\/span><\/strong> zu erkennen und um Verdachtsmerkmale auf F\u00e4lschungen, gestohlene Kunst oder Kunst, die zu Geldw\u00e4schezwecken gehandelt wird, nicht zu \u00fcbersehen. Derartige Probleme und Risiken existieren bei b\u00f6rsennotierten Kapitalmarktanlagen kaum oder gar nicht.<\/p>\n <\/p>\n Kunst ist ein unregulierter Markt. Deswegen und weil er aufgrund seiner ganz eigenen Merkmale hochgradig intransparent ist, kann in diesem Markt jeder alles behaupten und publizieren und genau das geschieht auch. Nicht nur ist der Kunstmarkt unreguliert, er ist auch sehr klein. Das globale Transaktionsvolumen im Kunstmarkt betr\u00e4gt nur etwa 70 Mrd. Dollar pro Jahr \u2013 Tendenz sinkend. Das sind k\u00fcmmerliche 0,06% des Transaktionsvolumens des globalen Aktienmarktes (sogar exklusive der M\u00e4rkte f\u00fcr Anleihen, Devisen, Rohstoffe, Edelmetalle, Derivate). Amazon allein setzt j\u00e4hrlich rund zehnmal so viel um wie der gesamte globale Kunstmarkt zusammen. Die winzige Gr\u00f6\u00dfe des Kunstmarktes h\u00e4ngt auch damit zusammen, dass gesch\u00e4tzt \u00fcber 95% aller High-End-Kunst in Museen, Kirchen und anderen \u00f6ffentlichen Einrichtungen liegt und daher so gut wie nie auf dem Kunstmarkt gehandelt wird. Je kleiner und enger ein Markt ist, desto manipulationsanf\u00e4lliger ist er.<\/p>\n Wer sich n\u00e4her mit der finanziellen Seite des Kunstmarktes besch\u00e4ftigt, wird bald nachvollziehen k\u00f6nnen, was innerhalb der Kunstszene nach unserer Einsch\u00e4tzung eine Art Konsens ist: „High-end art is one of the most manipulated markets in the world“ (Schrager 2013). Im Anhang dieses Blog-Beitrags nennen wir einige YouTube-Videos, die einen ersten Eindruck von dieser „problematischen Seite“ des Kunstmarktes geben.<\/p>\n Zum Schluss wollen wir die erfreulich n\u00fcchterne und ehrliche Aussage einer Berliner Kunstmaklerin in einem Interview im Spiegel aus dem Jahr 2023 zitieren (M\u00fcller\/Sp\u00e4th 2023):<\/p>\n Spiegel-Magazin: „Auch wenn es Ihnen widerstrebt, dar\u00fcber zu sprechen: Wo liegt denn die langfristige Rendite bei Kunst im Schnitt?“<\/p>\n Diandra Donecker [Kunstmaklerin]: „Wenn Sie unbedingt wollen: Auf 20 Jahre betrachtet [kumulativ, GK] wahrscheinlich nur im einstelligen Bereich. Der Wert der meisten Kunstwerke ver\u00e4ndert sich in diesem Zeitraum nicht.“<\/em><\/p>\n <\/p>\n Aus einer rein finanziellen Sicht repr\u00e4sentiert Gem\u00e4ldekunst f\u00fcr normale Privathaushalte ein unattraktives B\u00fcndel von Investmenteigenschaften: (a) Die statistischen Renditen von Kunst sind \u2013 insbesondere nach Kosten \u2013 niedrig, (b) die Liquidit\u00e4t von Kunstinvestments ist gering, (c) das kurz- und mittelfristige Wertschwankungsrisiko des durchschnittlichen einzelnen Gem\u00e4ldes ist sehr hoch (nicht nur, aber vor allem, weil Diversifikation innerhalb eines Kunstportfolios f\u00fcr normal verm\u00f6gende Haushalte nicht realistisch erzielbar ist). Hinzu kommen noch einige „Kunstspezialrisiken“, wie wie etwa das „Provenance-Problem“ und das Risiko, F\u00e4lschungen, gestohlener Kunst oder Geldw\u00e4sche-verseuchter Kunst aufzusitzen. <\/p>\n Kunstindizes als Indikatoren von Rendite und Risiko der Anlagekasse Kunst sind wahrscheinlich verzerrt und generell weniger verl\u00e4sslich als Indizes im Kapital- oder Immobilienmarkt. <\/p>\n Kunstmaklern scheint eine Tendenz eigen zu sein, beim Renditevergleich von Kunstindizes und Aktienindizes sehr kreativ vorzugehen, beispielsweise bei Aktienindizes die Dividenden wegzulassen. <\/p>\n Wer nennenswerte Geldsummen f\u00fcr Kunst ausgibt oder ausgeben will, sollte das in erster Linie aus reinem Kunstgenuss, aus intrinsischer Motivation tun, nicht in der wohl wenig verl\u00e4sslichen Hoffnung, mit diesen Ausgaben eine nachhaltig attraktive Rendite-Risikokombination zu erzielen.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Im vorliegenden Blog-Beitrag \u00fcber Kunst geht es ausschlie\u00dflich um Kunst unter Renditegesichtspunkten. Nicht-finanzielle Aspekte von Kunst, die selbstverst\u00e4ndlich genauso wichtig oder wichtiger sind, werden aus Platzgr\u00fcnden nicht behandelt.<\/p>\n [2]<\/strong> Der Markt f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst hat sich in den letzten 40 Jahren sehr gut entwickelt und den S&P 500 Index seit 1986 um 240 % \u00fcbertroffen. Im Laufe der Jahre hat er Schwankungen des Aktienmarktes \u00fcberstanden und gezeigt, dass er nicht den Bewegungen anderer Arten von Verm\u00f6genswerten folgt.<\/p>\n [3]<\/strong> Kunst bleibt eine der ertragreichsten Anlageklassen \u2013 selbst in Zeiten schwankender Finanzm\u00e4rkte.<\/p>\n [4]<\/strong> Die prozentualen Transaktionskosten fallen tendenziell mit einem steigenden Gem\u00e4ldepreis.<\/p>\n [5]<\/strong> Spezifische Auspr\u00e4gungen von Selection Bias sind Look Back Bias<\/em>, auch Hindsight Bias<\/em> genannt, und Survivorship Bias<\/em>.<\/p>\n [6]<\/strong> Die „Provenance“ (ein Fachausdruck im Kunst-Jargon) ist, sozusagen der Lebenslauf eines Kunstwerks, also die chronologische Liste aller historischen Vorbesitzer und Transaktionspreise, sowie die schriftlichen Nachweise, die diese Chronologie und Preisabfolge belegen.<\/p>\n <\/p>\n Baumol, William (1986): „Unnatural Value: Or Art Investment as Floating Crap Game“; In: The American Economic Review; Vol. 76, No. 2, May, 1986; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Dimson, Elroy\/Christophe Spaenjers (2014): „Investing in emotional assets“; In: Financial Analysts Journal; 1 March 2014; Volume 70, Issue 2; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Dimson, Elroy\/Kuntara Pukthuanthong\/Blair Vorsatz (2023): „Convenience Yields of Collectibles“; November 1, 2023; Social Sciences Research Network SSRN; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Dimson, Elroy\/Paul Marsh\/Mike Staunton, Mike (2018): „Credit Suisse Investment Returns Yearbook 2018“ \u2013 Langfassung; Credit Suisse Research Institute<\/p>\n Korteweg, Arthur u. a. (2016): „Does It Pay to Invest in Art? A Selection-Corrected Returns Perspective“; in: Review of Financial Studies, Band 29; Nr. 4; 2016; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Leonova, Liudmila\/Anna Vodopyanova (2016): „Empirical analysis of investments on the fine art market“; 03 Dec. 2016; Social Sciences Research Network SSRN;Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Levy, Simon\/Maxime Nicolas (2024): „Modern Portfolio Diversification with Arte-Blue Chip Index“; 1 Nov 2024; Social Sciences Research Network SSRN; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Li, Yuexin \/Marshall Xiaoyin Ma\/Luc Renneboog (2022): „Pricing Art and the Art of Pricing: On Returns and Risk in Art Auction Markets“; In: European Financial Management; Volume 28, Issue5; Nov. 2022; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Mei, Jiangping\/Michael Moses (2002): „Art as an Investment and the Underperformance of Masterpieces“; In: The American Economic Review; Vol. 92, No. 5, Dec. 2002; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Renneboog, Luc\/Christophe Spaenjers (2013): „Buying Beauty: On Prices and Returns in the Art Market“; In: Management Science, Vol. 59, No. 1, 2013; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Ulibarri, Carlos (2009): „Perpetual options: revisiting historical returns on paintings“; In: Journal of Cultural Economics; Vol. 33, No. 2; 2009; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n <\/p>\n M\u00fcller, Martin\/Sebastian Sp\u00e4th (2023): „Wenn jemand sein Geld mit einer Tabledance-Bar verdient, geht mich das nichts an“; Interview mit der Auktionshaus-Chefin Donecker im Spiegel; Der Spiegel Heft 8\/2023; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n Schrager, Allison (2013): „High-end art is one of the most manipulated markets in the world“; Quartz Magazine; July 11, 2013; Internet-Fundstelle hier<\/u><\/a><\/p>\n <\/p>\n Alle folgenden Videos sind in englischer Sprache.<\/p>\n „The Art Market is a Scam (And Rich People Run It)“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n „You Won\u2019t Make Money From Buying Art, But Rich People Can And Do“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n „Adam Ruins Everything – How the Fine Art Market is a Scam“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n „Is the Art Market Tanking?“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n \u201cArt Market Collapse?“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n „[Die US-Firma] ‚Masterworks‘: A Terrible Investment“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n „Washing dirty moey with fine art \u2013 Inside the art market’s dark sescrets“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n „The Cunning Genius Who Fooled The Art World“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n „The Great Contemporary Art Bubble \u2013 Fake Prices, Real Greed“ \u2013 YouTube-Video, Link hier<\/u><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" In diesem Beitrag zeigen wir, wie die Rendite von Kunst von Kunstmaklern nach oben und das Risiko nach unten verzerrt werden.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":15785,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,9],"tags":[100],"class_list":["post-14241","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-asset-klassen","category-ratgeber","tag-kunst"],"yoast_head":"\n\n
Die Realit\u00e4t von Kunst aus Investmentsicht<\/strong><\/span><\/h2>\n
Kunstrenditen, wenn man genauer hinsieht<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\n
<\/p>\n\n
Weitere Weckrufe beim Investieren in Kunst<\/strong><\/span><\/h2>\n
Ein intransparenter Markt ohne Aufsichtsbeh\u00f6rde<\/strong><\/span><\/h2>\n
Fazit<\/strong><\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n
Literatur<\/strong><\/span><\/h2>\n
Medien-Artikel<\/strong><\/span><\/h2>\n
Eine Auswahl kritischer Videos zum Kunstmarkt<\/strong><\/span><\/h2>\n