{"id":1394,"date":"2018-06-30T00:00:55","date_gmt":"2018-06-29T22:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=1394"},"modified":"2025-09-05T13:52:48","modified_gmt":"2025-09-05T11:52:48","slug":"ueberbewertung-des-aktienmarkts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/ueberbewertung-des-aktienmarkts\/","title":{"rendered":"\u00dcberbewertung des Aktienmarkts \u2013 was tun?"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und Jonas Schweizer<\/a> \u00a0<\/em><\/p>\n In den Medien ist derzeit beinahe t\u00e4glich von der „\u00dcberbewertung der Aktienm\u00e4rkte“ zu lesen und davon, dass „jetzt nicht die richtige Zeit“ sei, „in den Markt einzusteigen“. Im April 2018 warnte der Fondsmanager und „B\u00f6rsenexperte“ Dirk M\u00fcller, auch als „Mr. DAX“ bekannt, in einem Interview: „Die Situation an den M\u00e4rkten ist brandgef\u00e4hrlich; so gef\u00e4hrlich wie noch nie zu unseren Lebzeiten“. M\u00fcller rechnet mit einem „systematischen Crash, von dem sich die B\u00f6rsen jahrzehntelang nicht erholen“.<\/p>\n Zu den Lebzeiten von Dirk M\u00fcller gab es vier gro\u00dfe Aktienmarkteinbr\u00fcche: Den ersten in den 70er-Jahren, ausgel\u00f6st von der \u00d6lkrise 1973; den vierten in Gestalt der Gro\u00dfen Finanzkrise ab Ende 2007. Bei einem dieser Einbr\u00fcche, der Dot-Com-Krise, verlor der DAX in den 39 Monaten bis M\u00e4rz 2003 fast 70%. Glaubt man Mr. DAX, werden die Dinge, die sich aus der aktuellen Marktsituation entwickeln, vermutlich noch schlimmer als damals, d. h. uns steht ein noch tieferer als der 70%-Absturz eines breiten Aktienindex und\/oder mehr als ein Jahrzehnt an Null-Renditen bevor. Auweh!<\/p>\n Ignorieren wir f\u00fcr einen Moment diese einzelne unter den Dutzenden von Crash-Prognosen, die an jedem beliebigen Zeitpunkt in den vergangenen 20 Jahren, einschlie\u00dflich jedem Jahr seit 2014, die Runde machten und konzentrieren uns darauf, was die Fakten sagen, die nicht selektiv ausgew\u00e4hlt wurden, um die individuelle Anlagestrategie eines Fondsmanagers zu rationalisieren.<\/p>\n Tabelle: Vergleich aktueller Aktienmarktbewertungen f\u00fcr unterschiedliche Regionen mit dem historisch durchschnittlichen Bewertungsniveau \u25ba Anmerkungen zur Tabelle: Der MSCI ACWI IMI Index (All Country World Index IMI) deckt alle Industrie- und Schwellenl\u00e4nder ab (ca. 98% der Marktkapitalisierung des Weltaktienmarktes). \u25ba Der historische Mittelwert wurde aus den letzten zehn Jahren ermittelt.<\/span><\/p>\n <\/p>\n Insgesamt k\u00f6nnen wir res\u00fcmieren: Wer an der Seitenlinie des Aktienmarktes steht, wie die meisten Deutschen das tun, den wird diese Passivit\u00e4t auf lange Sicht teuer zu stehen kommen und zwar durch entgangenen Verm\u00f6genszuwachs in m\u00f6glicherweise saftigen Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Effektive Altersvorsorge von der Seitenlinie aus ist unm\u00f6glich.<\/p>\n Wem die Aktienm\u00e4rkte (oder die Asset-Klasse Immobilien oder irgendeine andere Asset-Klasse) zu risikoreich erscheinen, der muss seine Asset-Allokation konservativer ausrichten statt \u00fcber kurz- und mittelfristige Marktbewegungen zu spekulieren.<\/p>\n Aus unserer Sicht am kl\u00fcgsten ist es, die Geldmittel, die einem im Laufe eines Lebens zuflie\u00dfen, immer sofort gem\u00e4\u00df der haushaltsspezifischen Asset-Allokation zu investieren, wenn die Mittel auf dem eigenen Girokonto eingehen; ganz und gar unabh\u00e4ngig von den angeblichen oder tats\u00e4chlichen Marktbedingungen in diesem Moment und dem Medienget\u00f6se drum herum. Das gilt f\u00fcr kleine Betr\u00e4ge, die man jeden Monat vom Gehalt abzwacken kann, mittlere Betr\u00e4ge wie einen Gehaltsbonus oder hohe Betr\u00e4ge wie eine gro\u00dfe Erbschaft oder einen Lotteriegewinn. Risikomanagement sollte man nicht \u00fcber langfristig in den meisten F\u00e4llen renditesch\u00e4dliches Market Timing machen, sondern \u00fcber eine den eigenen Verh\u00e4ltnissen angemessene Asset-Allokation. Dazu geh\u00f6rt bei Aktien eine systematische globale Diversifikation, die einen betr\u00e4chtlichen Teil des Wertschwankungsrisikos von Einzelwerten in diesen Asset-Klassen eliminiert.<\/p>\n Die folgende, an der Anlegerpsychologie orientierte, „Einstiegsstrategie“ mag demjenigen weiterhelfen, der einen gr\u00f6\u00dferen Einmalbetrag erstmalig in den Aktienmarkt investieren m\u00f6chte: Die Aufstellung eines „Investmentphasenplans mit Selbstverpflichtung“. Dieser Phasenplan k\u00f6nnte beispielsweise wie folgt, aussehen: (a) Man investiert ein Viertel heute und in jedem der drei folgenden Quartale ein weiteres Viertel (Gesamtdauer 9 Monate). (b) Man investiert ein Sechstel des Anlagebetrages sofort und dann alle sechs Monate ein weiteres Sechstel (Gesamtdauer 30 Monate). In jedem Fall muss man den urspr\u00fcnglich geplanten Plan konsequent und rein mechanisch umsetzen, egal in welche Richtung sich die M\u00e4rkte kurzfristig bewegen. Mit einem solchen Plan kann ein Anleger gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig eigentlich nur gewinnen: Steigt der Markt nach dem Anfangsinvestment, freut sich der Anleger \u00fcber den Wertzuwachs seines Portfolios und \u00fcber seine Klugheit, das Investment nicht aufgeschoben zu haben. F\u00e4llt der Markt, hat er nun die Gelegenheit, zu g\u00fcnstigeren Preisen zu kaufen und wird sich in der Entscheidung best\u00e4tigt f\u00fchlen, nicht alles auf einmal investiert zu haben.\u00a0<\/span><\/p>\n Zu ber\u00fccksichtigen ist allerdings, dass dieser rein psychologisch risikosenkend motivierte Einstiegsfahrplan im R\u00fcckblick immer nur die zweitbeste L\u00f6sung darstellt. Sind die Kurse in der „gestreckten“ Investitionsphase per saldo gestiegen, dann w\u00e4re es besser gewesen, alles sofort zu investieren; sind sie gefallen, w\u00e4re es besser gewesen, alles erst am Ende zu investieren. Mit diesem Ansatz liegt der Investor im Nachhinein somit nie ganz falsch, aber auch nie ganz richtig.<\/p>\n Alles in allem sollten wir das nie endende Trommelfeuer der Medien \u00fcber den bevorstehenden Untergang der Welt, des Abendlandes oder des Aktienmarktes ganz einfach ignorieren und stoisch, stur und langfristig \u00fcber Jahrzehnte hinweg einen auf die pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnisse abgestimmten, festen Teil unseres Verm\u00f6gens in die Weltwirtschaft investieren. Das geht am besten und recht einfach mit einem global diversifizierten Indexfonds.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Siehe englische Wikipedia, Stichwort „Cyclically adjusted price-to-earnings ratio“. Das Shiller-P\/E wurde vom Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger Robert Shiller entwickelt.<\/p>\n <\/p>\n Boudoukh, Jacob \/ Ronen Israel \/ Matthew P. Richardson (2018): „Long Horizon Predictability: A cautionary Tale“; Internet-Fundstelle: hier<\/a><\/u>; Zugriff am 28.5.2018<\/p>\n Wie so oft, zeigen die Daten, dass aktuelle Aktienmarktbewertungen weniger dramatisch sind als dargestellt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2159,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,1],"tags":[19,21,20],"class_list":["post-1394","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-investmentfehler","category-nicht-kategorisiert","tag-aktienmarkt","tag-kbv","tag-kgv"],"yoast_head":"\n\n
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Endnoten<\/b><\/span><\/h2>\n
Literatur<\/b><\/span><\/h2>\n