{"id":1122,"date":"2017-12-22T00:00:18","date_gmt":"2017-12-21T23:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gerd-kommer-invest.de\/?p=1122"},"modified":"2025-09-05T13:46:28","modified_gmt":"2025-09-05T11:46:28","slug":"ausschuettende-vs-thesaurierende-fonds","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/ausschuettende-vs-thesaurierende-fonds\/","title":{"rendered":"Aussch\u00fcttende vs. thesaurierende Fonds"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Alexander Weis<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Da es von vielen Investmentfonds \u2013 seien es aktiv gemanagte Fonds oder ETFs, seien es Aktienfonds oder Anleihenfonds \u2013 sowohl eine aussch\u00fcttende als auch eine thesaurierende Variante gibt, steht ein Anleger grunds\u00e4tzlich vor der Frage, welche Fondsvariante er w\u00e4hlen soll. Bei aussch\u00fcttenden Fonds (nachfolgend der Einfachheit halber „A-Fonds“ genannt) werden die Zins- oder Dividendenzahlungen der Wertpapiere im Fonds nach Abzug der Steuern an den Anleger ausgesch\u00fcttet. Der Wert eines Fondsanteils vermindert sich um die Aussch\u00fcttungen.<\/p>\n Bei thesaurierenden Fonds (nachfolgend „T-Fonds“) bezieht der Fonds diese laufenden Ertr\u00e4ge aus den darin enthaltenden Wertpapieren (Aktien, Anleihen) zwar ebenfalls, sch\u00fcttet sie jedoch nicht unmittelbar an die Anleger aus, sondern reinvestiert (thesauriert) sie f\u00fcr den Anleger kostenlos ins Fondsverm\u00f6gen. In der Folge nimmt der Fondsanteilswert in H\u00f6he dieser laufenden Ertr\u00e4ge abz\u00fcglich Steuern im Zeitablauf zu.<\/p>\n Um die Frage angemessen zu beantworten, welche Aussch\u00fcttungsart bei einem Fonds \u2013 aussch\u00fcttend oder thesaurierend \u2013 aus der eigenen pers\u00f6nlichen Sicht zu bevorzugen ist, muss man drei unterschiedlicher Anlegerkonstellationen unterscheiden, denn die Antwort „was ist f\u00fcr mich besser?“ h\u00e4ngt letztlich von der jeweiligen Konstellation ab, in der sich der Anleger befindet.<\/p>\n Bevor wir jedoch auf die drei Konstellationen eingehen, m\u00fcssen wir zuerst noch kurz drei grunds\u00e4tzliche Sachverhalte auseinanderdr\u00f6seln.<\/p>\n (a) Wenn ein Anleger aus einem Fonds, einem Portfolio aus Fonds oder einzelnen Wertpapieren Cash abzieht, ist das \u00f6konomisch eine „Entnahme“. Ob diese Entnahme im Wege des Empfangs einer Dividende oder Zinszahlung geschieht oder im Wege des Verkaufs eines Fondsanteils bzw. eines Wertpapiers (Aktie oder Anleihe), ist wirtschaftlich zun\u00e4chst unerheblich. In allen F\u00e4llen ist es das Geld des Anlegers, das aus dem Depot bzw. Portfolio abflie\u00dft. Dividenden als Quelle von Entnahmen haben gegen\u00fcber Entnahmen via Anteilsverk\u00e4ufen \u2013 vorbehaltlich m\u00f6glicher Unterschiede bei Steuern (auf die wir weiter unten eingehen) und Transaktionskosten (Kosten f\u00fcr Kaufen und Verkaufen) \u2013 keine Vorteile. (Auch auf Transaktionskostenthematik gehen wir weiter genauer n\u00e4her ein.)<\/p>\n Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden: Alle Aussagen zu Steuern in diesem Blog-Beitrag unterstellen, dass der Anleger in Deutschland unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtig ist, die Fondsanteile im Privatverm\u00f6gen gehalten werden und sich die Depotstelle in Deutschland befindet. Allerdings w\u00fcrde die allermeisten Aussagen, die wir machen, auch ohne diese Einschr\u00e4nkungen gelten.<\/p>\n In einem unserer n\u00e4chsten Blog-Beitr\u00e4ge werden wir uns mit der in der wissenschaftlichen Literatur vielfach untersuchten „Dividend Fallacy“ (Dividenden-Denkfehler) befassen (siehe hier<\/a>), dem Irrglauben, dass Aktien mit hoher Dividendenrendite aufgrund ihrer hohen Dividendenrendite h\u00f6here Gesamtrenditen produzieren als \u00e4quivalente Aktien mit niedriger Dividendenrendite. Zwei weitere Denkfehler innerhalb der Dividend Fallacy sind: F\u00fcr eine nennenswerte Zahl von Privatanlegern ist eine Gesamtrendite von \u2013 sagen wir 10% \u2013 gef\u00fchlt wertvoller, wenn sie aus 7% Kursgewinnen und 3% Dividenden besteht als eine Gesamtrendite „nur“ aus 10% Kursgewinnen. Damit verwandt empfinden viele Privatanleger eine Entnahme via Dividende „irgendwie“ weniger als Reduktion ihres Portfolioverm\u00f6gens als eine betragsgleiche Entnahme via Anteilsverkauf. Diese unterschiedlichen Wahrnehmungen sind irrational, weil rein \u00f6konomisch nicht begr\u00fcndbar.<\/p>\n (b) Zum Steuereffekt von Entnahmen: Generell ist der Steuereffekt bei einer Cash-Entnahme via Dividende und einer Cash-Entnahme via Anteilsverkauf bei einem Fondsportfolio auf Anlegerebene in den allermeisten normalen Konstellationen und bei methodisch korrekter Berechnung identisch oder nahezu identisch. Das ist schon deswegen so, weil der Gesetzgeber nicht will, dass hier „Steuerarbitragem\u00f6glichkeiten“ bestehen. Beispielsweise wurde der vor vielen Jahren bestehende steuerliche Vorteil von Nullkuponanleihen (Anleihen ohne Verzinsung, aber mit einer daf\u00fcr h\u00f6heren Kursrendite) aufgehoben. Dass steuerlich zwischen aussch\u00fcttenden und thesaurierenden Fonds, zwischen einer Entnahme in Gestalt einer Aussch\u00fcttung oder eines Anteilsverkaufs kein nennenswerten Unterschied existiert, ist zwar trivial, muss aber dennoch explizit festgehalten werden, denn immer wieder zeigt sich, dass manche Privatanleger hier nicht vorhandene Unterschiede vermuten. Wenn \u00fcberhaupt, dann haben Investments, bei denen die Gesamtrendite zu einem hohen Anteil aus Wertsteigerungsgewinnen, statt aus laufenden Ertr\u00e4gen stammt, einen Steuervorteil, aber auch dann und nur dann, wenn der Anleger \u00fcber viele Jahre hinweg striktes Buy-and-Hold betreibt. Diese Steuervorteil beschreiben wir hier<\/a>. (F\u00fcr die Abw\u00e4gung zwischen A-Fonds und T-Fonds spielt dieser Gesichtspunkt jedoch keine Rolle.)<\/p>\n (c) Privatanleger befinden sich bez\u00fcglich ihres Portfolios (Depots) definitionsgem\u00e4\u00df in einer von drei m\u00f6glichen Phasen: Der Ansparphase (Verm\u00f6gensaufbauphase), der Entsparphase (Verm\u00f6gensnutzung bzw. -verbrauch) oder einer „neutralen“ Phase. Die Ansparphase ist so definiert, dass \u00fcber einen hinreichend langen Zeitraum mehr Geld in das Portfolio eingezahlt als entnommen wird (Nettozuf\u00fchrung). In der Entsparphase werden dem Portfolio \u00fcber einen hinreichend langen Zeitraum hingegen mehr Mittel entnommen als zugef\u00fchrt (Nettoentnahme). Diese Nettoentnahme durch den Anleger kann kleiner oder gr\u00f6\u00dfer sein als die laufenden Ertr\u00e4ge (Dividenden) oder die laufende Gesamtrendite (Dividenden und Kursgewinne). Wie hoch die erwarteten Entnahmen relativ zu etwaigen erwarteten Aussch\u00fcttungen bei A-Fonds sein werden, ist ein in diesem Zusammenhang oft \u00fcbersehener wichtiger technischer Aspekt. Wir werden weiter unten auf ihn zur\u00fcckkommen. In der neutralen Phase finden \u00fcber l\u00e4ngere Zeit betrachtet keine Nettozuf\u00fchrungen oder -entnahmen statt. Empirisch betrachtet d\u00fcrfte diese Phase \u00fcber ein ganzes „Privatanlegerleben“ hinweg die k\u00fcrzeste der drei Phasen sein.<\/p>\n Kommen wir nun zu den eingangs erw\u00e4hnten drei Anlegerkonstellationen, die ma\u00dfgeblich bestimmten, ob ein aussch\u00fcttender oder thesaurierenden Fonds f\u00fcr einen gegebenen Anleger vorzuziehen ist.<\/p>\n <\/p>\n In dieser Konstellation wird es fast immer sinnvoller sein, sich f\u00fcr T-Fonds zu entscheiden. Daf\u00fcr gibt es vier Gr\u00fcnde, die sich partiell \u00fcberlappen: (a) Niedrigere Transaktionskosten, da keine Kosten f\u00fcr die Wiederanlage anfallen, (b) weniger Arbeitsaufwand f\u00fcr die Wiederanlage, (c) vorteilhafte Selbstdisziplinierung und (d) Erzielung eines kleinen Renditevorteils.<\/p>\n W\u00e4hrend (a) und (b) selbsterkl\u00e4rend sein d\u00fcrften, holen wir bei Punkt (c) bis (d) ein wenig aus. Bei (c) \u2013 der Selbstdisziplinierung \u2013 besteht die Versuchung, eine Aussch\u00fcttung f\u00fcr Konsum zu verballern definitionsgem\u00e4\u00df nur bei A-Fonds (aussch\u00fcttende Fonds). Manche Anleger m\u00f6gen gegen solche Versuchungen immun sein, bei ihnen ist dieses Argument pro T-Fonds unbeachtlich aber wohl nicht alle.<\/p>\n Was den (kleinen) Renditevorteil (d) anbelangt, muss man sich folgendes vergegenw\u00e4rtigen: Die Verwendung eines A-Fonds f\u00fchrt nicht selten dazu, dass die Aussch\u00fcttungen mehr oder weniger lange auf dem renditelosen Verrechnungskonto (Depotkonto) „herumliegen“ bis sie wieder reinvestiert werden. Je nach Aufmerksamkeitsgrad des Anlegers bedeutet das entgangene Ertr\u00e4ge (im \u00d6konomenjargon „Opportunit\u00e4tskosten“), denn innerhalb eines T-Fonds h\u00e4tte dieses Geld eine im Durchschnitt h\u00f6here Rendite erzielt. Der Effekt mag klein sein, aber \u00fcber einen sehr langen Zeitraum vermutlich nicht vernachl\u00e4ssigbar.<\/p>\n <\/p>\n In dieser Konstellation sind die Handlungsempfehlungen etwas weniger eindeutig als in Konstellation 1. Es lassen sich drei F\u00e4lle unterscheiden: (a) Der j\u00e4hrliche Liquidit\u00e4tsbedarf des Anlegers ist etwa gleich hoch wie die erwarteten Aussch\u00fcttungen (aus allen Fonds zusammengenommen), (b) er ist h\u00f6her oder (c) er ist niedriger.<\/p>\n Da Fall (a) auf l\u00e4ngere Sicht wohl selten bis gar nie eintrifft, betrachten wir ihn als wenig realistisch und somit f\u00fcr die Zwecke unserer Betrachtung nicht weiter relevant.<\/p>\n F\u00fcr den Fall (b) \u2013 die erwarteten j\u00e4hrlichen Portfolioentnahmen sind immer oder meistens h\u00f6her<\/em> als die erwarteten j\u00e4hrlichen Aussch\u00fcttungen \u2013 d\u00fcrften T-Fonds leicht zu bevorzugen sein. In diesem Fall m\u00fcssen definitionsgem\u00e4\u00df weitere Fondsanteile verkauft werden, weil die Aussch\u00fcttungen alleine nicht gen\u00fcgen. Die denkbaren Vorteile von A-Fonds (z. B. Bequemlichkeit und niedrigere Transaktionskosten) verpuffen damit weitgehend. Man bedenke hierbei, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil der Transaktionskosten von Anteilsverk\u00e4ufen im normalen Privatkundengesch\u00e4ft bei den meisten Depotbanken fix ist, also wenig von der H\u00f6he des Kaufvolumens abh\u00e4ngt. Betraglich kleine Kauf- oder Verkaufsorders kosten fast genauso viel wie betraglich gro\u00dfe Orders.<\/p>\n Nun zum letzten Fall (c) \u2013 die ben\u00f6tigte Liquidit\u00e4t (Portfolioentnahme) ist niedriger<\/em> als die Aussch\u00fcttungen. Hier k\u00f6nnte man als Pro-Argument von A-Fonds anf\u00fchren, dass kein Arbeitsaufwand f\u00fcr den Verkauf von Fondsanteilen anf\u00e4llt. Das stimmt zwar, aber es f\u00e4llt definitionsgem\u00e4\u00df Arbeitsaufwand f\u00fcr die Reinvestition der nicht verbrauchten Aussch\u00fcttungen an, den es bei einem T-Fonds nicht g\u00e4be. Insofern d\u00fcrfte das Argument des Arbeitsaufwandes in Summe hier eher nicht ausschlaggebend sein. Aus analogen Gr\u00fcnden wird das Transaktionskostenargument hier nicht oder nur in vernachl\u00e4ssigbarer Weise f\u00fcr A-Fonds sprechen, denn es fallen zwar keine Kosten f\u00fcr den Verkauf von Anteilen an, aber eben Kosten f\u00fcr den Kauf neuer Anteile. Und wie erw\u00e4hnt, ist der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser Kosten fix, h\u00e4ngt also nicht von der H\u00f6he der gehandelten Fondsposition ab.<\/p>\n <\/p>\n Vor dem Hintergrund des bereits Gesagten ist f\u00fcr diese Konstellation eigentlich klar, dass T-Fonds vorzuziehen sind.<\/p>\n <\/p>\n Wie ist zu verfahren, wenn f\u00fcr einen in Frage kommenden Fonds nur eine der beiden Ertragsverwendungsvarianten existiert? Wie die vorhergehenden Ausf\u00fchrungen angedeutet haben, sind die Vor- und Nachteile von A-Fonds versus T-Fonds in den meisten F\u00e4llen wirtschaftlich nicht gewichtig genug, als dass man allein deswegen auf einen ansonsten pr\u00e4ferierten Fonds verzichten sollte, weil er nur in einer der beiden Formen verf\u00fcgbar ist. Diese Feststellung setzt voraus, dass der Anleger strikt rational handelt. Ist diese Bedingung erf\u00fcllt, gilt daher die einfache Regel: Existiert ein aus sonstigen Gr\u00fcnden klar pr\u00e4ferierter Fonds nicht in der bevorzugten Ertragsverwendungs-Variante, sollte man diesen Fonds vermutlich dennoch verwenden.<\/p>\nKonstellation 1: Der Anleger ist in der Ansparphase (Verm\u00f6gensaufbauphase)<\/strong><\/span><\/h2>\n
Konstellation 2: Der Anleger ist in der Entsparphase (Verm\u00f6gensnutzungsphase)<\/strong><\/span><\/h2>\n
Konstellation 3: Der Anleger ist in der neutralen Phase (netto keine Entnahmen und keine Zuf\u00fchrungen)<\/strong><\/span><\/h2>\n
Weitere Gesichtspunkte<\/strong><\/span><\/h2>\n