{"id":10648,"date":"2024-03-06T15:12:31","date_gmt":"2024-03-06T14:12:31","guid":{"rendered":"https:\/\/gerd-kommer.de\/?p=10648"},"modified":"2026-05-27T14:53:53","modified_gmt":"2026-05-27T12:53:53","slug":"alternatives-rebalancing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gerd-kommer.de\/blog\/alternatives-rebalancing\/","title":{"rendered":"„Safe Asset Floor Rebalancing“: Ein alternativer Rebalancing-Ansatz"},"content":{"rendered":"
Von Gerd Kommer<\/a>\u00a0und\u00a0Daniel Ganowski<\/a>\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n Rebalancing ist ein zentrales Element beim passiven, prognosefreien Investieren mit Indexfonds\/ETFs. Unter Rebalancing versteht man die periodische Wiederherstellung der urspr\u00fcnglich gew\u00e4hlten prozentualen Portfoliostruktur (Asset-Allokation), nachdem sich diese im Zeitablauf durch die unterschiedliche Renditeentwicklung der individuellen Portfoliokomponenten verschoben hat \u2013 eine Situation, die fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zwangsl\u00e4ufig eintreten wird und normal ist.<\/p>\n In Tabelle 1 zeigen wir ein simples Rebalancing-Beispiel anhand eines Portfolios, das lediglich aus zwei Komponenten (z. B. aus zwei ETFs) besteht. Im Beispiel wird unterstellt, dass das Rebalancing (nachfolgend mit „RB“ abgek\u00fcrzt) durch Umschichtung zwischen den beiden Komponenten erfolgt, da dem Portfolio im Betrachtungszeitraum kein „frisches“ Geld zugef\u00fchrt wird oder Mittel aus ihm entnommen werden. [1]<\/span><\/strong> W\u00fcrde Geld nachinvestiert oder Mittel entnommen werden, w\u00fcrde das RB nicht durch Umschichtungen (Verk\u00e4ufe und K\u00e4ufe) zwischen den Portfoliokomponenten geschehen, sondern \u00fcber diese Zahlungsstr\u00f6me (Cash-Flows). Man unterscheidet daher zwischen „Umschichtungs-RB“ und „Cash-Flow-basiertem RB“.<\/p>\n Tabelle 1: Beispiel f\u00fcr Rebalancing mittels Umschichtung (traditionelle RB-Methode)<\/strong><\/span><\/p>\n RB hat die wichtige Funktion, den Rendite-Risiko-Charakter, also das Chance-Risiko-Profil des Anlegerportfolios im Zeitablauf in demjenigen Korridor zu halten, den der Anlegerhaushalt einmal bewusst gew\u00e4hlt hat \u2013 also nicht zuzulassen, dass sich dieser Rendite-Risiko-Charakter aufgrund von Marktentwicklungen (die der Anlegerhaushalt ja nicht beeinflusst) zu stark ver\u00e4ndert.<\/p>\n Wesentlich detaillierter als an dieser Stelle gehen wir auf dieses traditionelle Verst\u00e4ndnis von RB in unserem Blog-Beitrag „Rebalancing: Vorteile, Methoden, Prinzipien“ vom Dezember 2021 ein (siehe hier<\/a><\/u>).<\/p>\n <\/p>\n Neben dieser allgemein bekannten, „traditionellen“ RB-Methode existiert jedoch auch eine ganz andere, einfachere Methode, die weniger bekannt ist und die wir in diesem Beitrag vorstellen. Diesen alternativen Ansatz nennen wir Safe Asset Floor Rebalancing<\/em> (SAF-RB). [2]<\/span><\/strong> Er ist abzugrenzen von der vorhin geschilderten traditionellen RB-Methode, die wir nachfolgend der K\u00fcrze halber als T-RB bezeichnen.<\/p>\n Das zentrale Merkmal beim T-RB sind die vom Anleger am Beginn der Periode festgelegten prozentualen Anteile f\u00fcr die einzelnen Portkomponenten. Im Englischen ist T-RB deswegen auch unter den Bezeichnungen Constant Proportion Rebalancing<\/em> oder Fixed Percentages Rebalancing<\/em> bekannt. Bei SAF-RB existieren hingegen keine<\/u> konstanten prozentualen Proportionen.<\/p>\n Am einfachsten l\u00e4sst sich SAF-RB anhand einer Minifallstudie beschreiben. Wir nehmen daf\u00fcr das Ehepaar Leonhard und Laura Bergm\u00fcller an. Beide sind 50 Jahre alt und leben in NRW. Das gemeinsame Nettoeinkommen der Bergm\u00fcllers betr\u00e4gt 6.000 Euro im Monat. Davon k\u00f6nnen sie komfortabel leben und noch monatlich 500 Euro f\u00fcr Altersvorsorgezwecke zur\u00fccklegen. Die drei Kinder der Bergm\u00fcllers sind aus dem Haus und stehen wirtschaftlich auf eigenen Beinen. Beide Ehepartner sind berufst\u00e4tig und wollen bis 65 arbeiten \u2013 also noch rund 15 Jahre. Die Bergm\u00fcllers leben zur Miete. Ihr gesamtes gemeinsames Verm\u00f6gen betr\u00e4gt 670.000 Euro. Es stammt aus Ersparnissen w\u00e4hrend der zur\u00fcckliegenden rund 20 Jahre und aus einer Schenkung von Lauras Eltern. Die 670.000 Euro liegen auf einem Bankkonto und in einem Bankdepot. Schulden haben die Bergm\u00fcllers nicht. Das kombinierte Humankapital des Ehepaars \u2013 der finanzmathematische Gegenwartswert der erwarteten gemeinsamen Nettogehaltseinkommen bis zur geplanten Beendigung der Berufst\u00e4tigkeit \u2013 betr\u00e4gt ungef\u00e4hr 850.000 Euro und ist somit, wie bei den meisten noch berufst\u00e4tigen Haushalten, h\u00f6her als das Finanz- und Immobilienverm\u00f6gen nach Abzug der Schulden. [3]<\/span><\/strong> Hervorzuheben ist dabei, dass Humankapital bei normalen Angestellten ein risikoarmes Asset darstellt.<\/p>\n Die Bergm\u00fcllers haben sich an diesem Punkt ihres Lebens f\u00fcr einen Safe Asset Floor<\/em> (SAF) von 200.000 Euro entschieden. Der SAF entspricht dem Volumen an „Safe Assets“, die Leonhard und Laura aktuell als f\u00fcr sich angemessen betrachten, um ausreichend finanziellen Seelenfrieden zu haben. Warum 200.000 Euro? Das ist die Geldsumme, mit der die Bergm\u00fcllers ihre jetzigen Lebenshaltungskosten volle drei Jahre finanzieren k\u00f6nnten, sofern ihre beruflichen Einkommen schlagartig auf null fielen und es auch sonst keine Ersatzeink\u00fcnfte z. B. aus Arbeitslosenunterst\u00fctzung\/B\u00fcrgergeld g\u00e4be. Die Zahl 200.000 Euro ergibt sich aus den durchschnittlichen monatlichen Lebenshaltungskosten von 5.500 Euro \u00d7 12 Monate \u00d7 3 Jahre = 198.000 Euro. [4]<\/span><\/strong> Letztlich ist die spezifische H\u00f6he dieses Zielbetrags willk\u00fcrlich oder subjektiv. Ein anderes Ehepaar h\u00e4tte sich vermutlich f\u00fcr einen h\u00f6heren oder niedrigeren SAF entscheiden.<\/p>\n Diese 200.000 Euro investieren die Bergm\u00fcllers in Safe Assets<\/em>, in diesem Fall in ein verzinsliches Tagesgeld von 50.000 Euro bei einer Online-Bank in Deutschland und in einen Geldmarktfonds-ETF von 150.000 Euro, also einen Indexfonds, der supersichere<\/em> kurzlaufende High-Quality-Anleihen repr\u00e4sentiert (Staatsanleihen und\/oder Unternehmensanleihen). Mehr zu Geldmarktfonds siehe hier<\/a><\/u> in unserem Blog-Beitrag „Geldmarktfonds \u2013 die smarte Alternative zum Tagesgeld“. Das Tagesgeld liegt betraglich innerhalb der gesetzlichen Einlagensicherungsgrenze von 200.000 Euro f\u00fcr das Ehepaar und ist damit auch als sehr sicher einzustufen.<\/p>\n Zwingende Eigenschaften\/Voraussetzungen f\u00fcr das „Safe Asset“ sind: (a) Nicht mehr weiter reduzierbares Ausfallrisiko (Bonit\u00e4tsrisiko), [5]<\/span><\/strong> (b) kein oder nahezu kein Volatilit\u00e4tsrisiko (Wertschwankungsrisiko), (c) maximale Liquidit\u00e4t (das Asset muss immer<\/em> innerhalb von wenigen Tagen ohne nennenswerte Transaktionskosten in Cash umwandelbar sein) und (d) kein Wechselkursrisiko.<\/p>\n Aus der globalen Kapitalmarktgeschichte der letzten rund 120 Jahre wissen wir, dass solche Safe Assets nach Abzug von Inflation, Steuern und Kosten langfristig eine Rendite erbringen, die nahe bei Null liegt. Diese geringe Rendite ist der Preis f\u00fcr ihre maximale Sicherheit und maximale Liquidit\u00e4t. Dass diese reale Nettorendite auf lange Sicht so niedrig ist, hat \u00fcbrigens wenig bis nichts zu tun mit der Zinspolitik der Zentralbanken, obwohl viele „Experten“ das seit Jahren behaupten. Die \u00f6konomischen Hintergr\u00fcnde schildern wir hier<\/a><\/u>.<\/p>\n Die verbleibenden 470.000 Euro aus dem Gesamtverm\u00f6gen von 670.000 Euro, wie auch die monatliche Sparrate von 500 Euro, legen die Bergm\u00fcllers zu 100% in global diversifizierten Aktien-ETFs an. 200.000 Euro in Safe Assets und 470.000 im risikobehafteten Portfolioteil gibt eine prozentuale Asset-Allokation von (gerundet) 70\/30.<\/p>\n Nehmen wir nun an, den Bergm\u00fcllers flie\u00dft von Leonhards soeben verstorbener Gro\u00dftante in Kanada eine Erbschaft von 330.000 Euro in Cash zu (Erbschaftsteuern bereits abgezogen). Das Gesamtverm\u00f6gen des Ehepaars w\u00e4chst dadurch von 670.000 Euro auf eine Million. Es stellt sich die Frage, wie diese neuen Mittel investiert werden sollen (gr\u00f6\u00dfere Nachinvestitionen f\u00fchren stets zur Rebalancing-Frage).<\/p>\n <\/p>\n In der nachfolgenden Tabelle 2 illustrieren wir den Unterschied zwischen den beiden Rebalancing-Ans\u00e4tzen \u2013 wiederum anhand der Fallstudie des Ehepaars Bergm\u00fcller. Bei T-RB wird unterstellt, dass die Bergm\u00fcllers ihre urspr\u00fcngliche (anf\u00e4ngliche) prozentuale Asset-Allokation von 70\/30 nach Empfang der Erbschaft von 330.000 Euro beibehalten. Bei SAF-RB halten die Bergm\u00fcllers dagegen ihren Safe Asset Floor konstant und investieren die gesamten Erbschaft in den risikoreichen Portfolioteil. Dadurch kommt es zu einer deutlichen Verschiebung der prozentualen Portfoliostruktur.<\/p>\n Tabelle 2: Ehepaar Bergm\u00fcller: Vergleich traditionelles Rebalancing und SAF-Rebalancing<\/strong><\/span><\/p>\n \u25ba Ohne Kosten und Steuern. \u25ba Geldbetr\u00e4ge auf volle Tausend gerundet.<\/span><\/p>\n <\/p>\n Was ist die \u00f6konomische Logik von SAF-RB und wie unterscheidet sie sich von der Logik hinter traditionellem RB?<\/p>\n Hinter SAF-RB steckt das finanz\u00f6konomische Konzept des Asset Liability Matching<\/em>, auch Asset Liability Management<\/em> genannt. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Man stelle sich einen Haushalt wie ein kleines Unternehmen mit einer Bilanz vor. Auf der linken Seite der Bilanz (die man sich bildlich als T-Konto vergegenw\u00e4rtigt) stehen die Assets (die Verm\u00f6genswerte) und auf der rechten Seite die Liabilities, die Verbindlichkeiten oder Verpflichtungen an die Kapitalgeber (Fremdkapital und Eigenkapital). Bei einer nat\u00fcrlichen Person kann man sich diese Verpflichtungen gedanklich als die Summe der zuk\u00fcnftigen Lebenshaltungskosten vorstellen (oder genauer den auf die Gegenwart abgezinsten Barwert dieser Summe). Da diese Lebenshaltungskosten in der erwarteten H\u00f6he sehr sicher tats\u00e4chlich anfallen werden (also z. B. nicht durch Markteinfl\u00fcsse oder andere Faktoren abnehmen werden), sollten diesen k\u00fcnftigen „Verbindlichkeiten“ ein Asset\/Verm\u00f6genswert auf der linken Seite der Bilanz gegen\u00fcberstehen, der ebenfalls mit maximaler Sicherheit nie im Wert fallen wird, sprich das Safe Asset. Das ist die Grundidee hinter Asset Liability Matching. Sein Zweck ist Risikomanagement oder Risikominderung. [6]<\/span><\/strong><\/p>\n Bei einem Haushalt, der noch berufliches Einkommen bezieht, der also noch nicht in den Ruhestand eingetreten ist, in welchem er sein Verm\u00f6gen zumindest zum Teil zum Bestreiten von Lebenshaltungskosten „anzapfen“ muss, ist die gr\u00f6\u00dfenm\u00e4\u00dfige Quantifizierung des SAF schlussendlich subjektiv\/willk\u00fcrlich. Die spezifische Gr\u00f6\u00dfenordnung des Betrags h\u00e4ngt vom individuellen Sicherheitsbed\u00fcrfnis des Haushaltes und von seinen finanziellen M\u00f6glichkeiten ab \u2013 siehe das oben beschriebene Beispiel der Bergm\u00fcllers.<\/p>\n Bei einem Haushalt, der kein berufliches Einkommen mehr bezieht, dessen Humankapital also auf Null gefallen ist (z. B. einem Rentnerhaushalt), l\u00e4sst sich hingegen recht einfach eine simple, einigerma\u00dfen objektive Faustregel f\u00fcr das „Sizing“ des SAF-Zielwertes formulieren.<\/p>\n Generell stellt SAF-RB deutlicher als T-RB auf die absoluten<\/em> Gr\u00f6\u00dfenordnungen der Portfoliokomponenten ab (Gr\u00f6\u00dfen gemessen in Geldeinheiten), weniger auf die relative prozentuale Struktur wie T-RB. Diese andere Grundphilosophie d\u00fcrfte dem intuitiven Risikoempfinden vieler Privatanleger entsprechen.<\/p>\n <\/p>\n Die geht so: Jedes Haushaltsmitglied berechnet seine Restlebenserwartung. Daf\u00fcr gibt es zahlreiche einfach zu bedienende webbasierte Rechner, bspw. diesen hier<\/a><\/u>. Zur damit kalkulierten „mittleren Restlebenserwartung“ sollte man noch vier bis f\u00fcnf Jahre addieren. Dann ist man ungef\u00e4hr bei dem Wert, den man mit 80%-iger Wahrscheinlichkeit nicht \u00fcbertreffen wird (statt mit einer 50% Wahrscheinlichkeit im Falle der mittleren Restlebenserwartung).<\/p>\n Wer sehr vorsichtig, also sehr konservativ, sein will, nimmt diese Zahl \u2013 sagen wir sie betr\u00e4gt 30 Jahre \u2013 und multipliziert sie mit den gesamten j\u00e4hrlichen Lebenshaltungskosten, die nicht aus anderen sehr sichereren Quellen (wie bspw. der gesetzlichen Rentenversicherung) finanziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n Dazu wieder eine Minifallstudie: Ricarda ist Single und 60 Jahre alt. Sie hat ihre Berufst\u00e4tigkeit vor Kurzem beendet. Ricardas errechnete mittlere Restlebenserwartung betr\u00e4gt 29 Jahre (bis zum Lebensalter 89). Ricarda addiert \u2013 wie oben empfohlen \u2013 f\u00fcnf Jahre, um zu einem Alterswert zu gelangen, den sie nur noch mit einer ungef\u00e4hren 20%-Wahrscheinlichkeit \u00fcbertreffen wird. Daraus resultiert eine kalkulierte Restlebenszeit von 34 Jahren. Ricardas Rentenl\u00fccke \u2013 die L\u00fccke aus ihrem gew\u00fcnschten monatlichen Lebensstandard und ihrer Beamtenpension \u2013 betr\u00e4gt 900 Euro monatlich. Somit kommen wir auf einen maximalen SAF-Zielwert von 900 Euro \u00d7 12 \u00d7 34 = 367.000 Euro (gerundet). [7]<\/span><\/strong> Ricardas liquides Verm\u00f6gen betr\u00e4gt 500.000 Euro. Das bedeutet, dass Ricarda, von der wir annehmen, dass sie „auf Nummer sehr sicher“ gehen m\u00f6chte, 367.000 Euro in Safe Assets (siehe oben) anlegt und den Rest (133.000 Euro) in einem global diversifizierten Aktien-ETF.<\/p>\n W\u00e4re Ricarda weniger konservativ (weniger risikoavers) oder w\u00e4ren ihre finanziellen M\u00f6glichkeiten eingeschr\u00e4nkter, k\u00f6nnte sie sich auch mit 20 Jahren oder 15 Jahren Deckung Lebenshaltungskostenl\u00fccke durch ihren Safe Asset Floor begn\u00fcgen, da wir ja unterstellen k\u00f6nnen, dass der Aktienteil ihres Depots in sp\u00e4testens 15 oder 20 Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit (aber keineswegs mit 100%-iger Wahrscheinlichkeit) inflationsbereinigt genauso viel oder mehr wert ist als zum Startzeitpunkt. [8]<\/span><\/strong><\/p>\n Unterstellen wir jetzt ferner, dass Ricarda mit ihrem Aktien-ETF-Investment gleich im ersten Jahr des Ruhestands ein sehr gutes Aktienjahr erwischt und 25% verdient (33.000 Euro). In einem SAF-RB-Konzept l\u00e4sst sie ihr Portfolio im Jahr danach unver\u00e4ndert (wir unterstellen, dass der SAF-Wert nach Inflation, Steuern und Kosten unver\u00e4ndert blieb). Generell erlaubt sie in der SAF-RB-Welt dem risikobehafteten Portfolioteil im Zeitablauf beliebig zu wachsen oder zu schrumpfen. Sein prozentuales Gewicht im Gesamtportfolio kann sich im Prinzip frei in jede Richtung ver\u00e4ndern.<\/p>\n Da die Anlageklasse Aktien eine deutlich h\u00f6here Renditeerwartung hat als Safe Assets (wie wir diese hier definiert haben) sollte das Aktiengewicht im Zeitablauf zunehmen. Umschichtungen, um die prozentuale Asset-Allokation konstant zu halten, wie bei traditionellem RB, erfolgt bei SAF-RB nicht.<\/p>\n Ricarda entnimmt die j\u00e4hrlichen Mittel zur Deckung ihrer Rentenl\u00fccke (900 Euro \u00d7 12 = 10.800 Euro) dem SAF-Teil ihres Depots, denn mit jedem neuen Jahr sinkt ja auch ihre Restlebenserwartung um (etwa) ein Jahr und dementsprechend kann auch der Safe Asset Floor parallel reduziert werden. Das jedenfalls ist die Entnahmevorgehensweise, wenn man sich eng an die SAF-Philosophie h\u00e4lt. Wahlweise und ganz nach ihrem pers\u00f6nlichen Gusto k\u00f6nnte Ricarda die 10.800 Euro j\u00e4hrlich auch aus dem Aktienteil ihres Portfolios entnehmen. Dann w\u00fcrde der Sicherheitsgrad ihres Portfolios vorw\u00e4rtsgerichtet steigen.<\/p>\n Die beiden Fallstudien sollten deutlich machen, dass eine „klare mathematische Regel“ f\u00fcr die Bestimmung des SAF-Zielwertes an sich nur f\u00fcr Haushalte existiert, die endg\u00fcltig nicht mehr berufst\u00e4tig sind (deren Humankapital auf null gesunken ist) und die Entnahmen aus ihrem liquiden Verm\u00f6gen vornehmen m\u00fcssen, um Lebenshaltungskosten (mit) zu finanzieren. Bei diesen Haushalten errechnet sich die H\u00f6he des SAF aus der oben beschriebenen Formel in Abh\u00e4ngigkeit von Restlebenserwartung und aus dem Verm\u00f6gen zu bestreitenden Lebenshaltungskosten. Sofern letztere Notwendigkeit nicht besteht (alle Lebenshaltungskosten k\u00f6nnen komfortabel aus anderen Quellen wie z. B. der gesetzlichen Rente oder Mieteink\u00fcnften gedeckt werden) k\u00f6nnte hier der SAF sehr niedrig angesetzt werden und nur die \u00fcbliche „pers\u00f6nliche Liquidit\u00e4tsreserve“ (siehe weiter unten) umfassen.<\/p>\n Bei Angestellten-Haushalten, die noch Einkommen aus Berufst\u00e4tigkeit beziehen und daher noch ein positives, risikoarmes Humankapital haben, erfolgt die Bestimmung des SAF-Zielwertes wie oben erw\u00e4hnt rein subjektiv und einzelfallabh\u00e4ngig \u2013 ohne allgemeine rechnerische Regel.<\/p>\n <\/p>\n Wie ist der Faktor der Inflation bei den Lebenshaltungskosten und damit dem „SAF-Sizing“ einzusch\u00e4tzen? Wie oben angedeutet, k\u00f6nnen wir erwarten, dass man mit der SAF-Komponente nach Abzug von Kosten und Steuern auf lange Sicht die Inflation hereinverdient (aber nicht viel mehr) und dies bei nahezu null Volatilit\u00e4t.<\/p>\n Sollte die inflationsbereinigte Nettorendite des SAF ausnahmsweise \u00fcber mehrere Jahre nennenswert negativ sein, muss es gegebenenfalls zu einer Aufstockung des SAFs im Portfolio kommen, entweder durch Lenkung von Sparraten in die Safe-Asset-Komponente (wenn der Haushalt noch in der Spar-\/Verm\u00f6gensaufbauphase ist) oder durch Umschichtung aus dem risikobehafteten Portfolioteil (wenn keine Sparraten mehr flie\u00dfen). Eine solche Aufstockung des SAFs im Portfolio kann auch dann erforderlich werden, wenn ein Haushalt seinen Lebensstandard im Zeitablauf erh\u00f6ht. Grunds\u00e4tzlich sollte ein Haushalt die H\u00f6he des Safe Asset Floors in seinem Portfolio jedes Jahr \u00fcberpr\u00fcfen und ggf. nach oben oder unten anpassen.<\/p>\n Die in vielen Finanzratgeberb\u00fcchern und von allen Verm\u00f6gensberatern Privathaushalten empfohlene „pers\u00f6nliche Liquidit\u00e4tsreserve“ (der „Notgroschen“) von z. B. dreimal bis zw\u00f6lfmal die durchschnittlichen monatlichen Lebenshaltungskosten sollte man als Teil des Safe Asset Floors betrachten.<\/p>\n SAF-RB bezieht sich ausschlie\u00dflich auf die oberste Portfolioebene, also die Aufteilung eines passiv gemanagten Portfolios in (a) „risikofreie“ Assets (den Safe Asset Floor) und (b) risikobehaftete Portfolioteile, also alle ETFs, die den globalen Aktienmarkt abbilden und ggf. andere risikoreiche Beimischungen wie Schwellenl\u00e4nderanleihen, Rohstoffe, Gold oder Krypto. Im Weltportfoliokonzept von Gerd Kommer entspricht das der „Level-1-Asset-Allokation“. Auf der darunter liegenden, tieferen Strukturebene, der Ebene der einzelnen ETFs oder anderer Investmentformen muss auch bei Anwendung von SAF-RB immer noch \u2013 zus\u00e4tzlich \u2013 das traditionelle RB praktiziert werden. Der gesamte Arbeitsaufwand mit SAF-RB wird dennoch niedriger sein, als wenn nur T-RB alleine stattfindet.<\/p>\n Naturgem\u00e4\u00df sind im Einzelfall noch weitere Kriterien denkbar, die den SAF-Zielwert bestimmten. Aus Platzgr\u00fcnden gehen wir auf diese jedoch nicht ein.<\/p>\n Was sind die Vor- und Nachteile von SAF-Rebalancing relativ zu traditionellem Rebalancing?<\/p>\n <\/p>\n Die Vorteile von SAF-RB:<\/p>\n Die Nachteile von SAF-RB:<\/p>\n Neben diesen Nachteilen k\u00f6nnte ein Kritiker gegen SAF-RB ferner einwenden, dass dieses gar kein echtes Rebalancing sei, da dabei ja gerade keine periodische R\u00fcckkehr zu einer festen Portfoliostruktur stattfindet, nachdem sich diese wegen Markteffekten von ihren ex ante<\/em> gew\u00e4hlten Proportionen wegentwickelt hat. Formal betrachtet ist dieser Einwand korrekt, materiell ist er falsch, denn SAF-RB stellt durchaus einen regelbasierten Kontrollplan f\u00fcr die Entwicklung der Portfoliostruktur im Zeitablauf dar. Allerdings basiert dieser Plan auf fundamental anderen Prinzipien als derjenige bei T-RB. Feste Prozentwerte f\u00fcr die oberste Portfoliostruktur existieren bei SAF-RB nicht, lediglich ein in absoluten Zahlen fester Safe Asset Floor.<\/p>\n Bleibt anzumerken, dass bei Portfolios, die keine nennenswerten Zuf\u00fchrungen (Nachinvestments) oder keine Entnahmen erleben, der Unterschied zwischen SAF-RB und T-RB kurz- und mittelfristig im Regelfall gering sein wird.<\/p>\n <\/p>\n Wir betrachten Safe Asset Floor Rebalancing in Bezug auf normale Privatanlegerhaushalte als eine bedenkenswerte Alternative zu traditionellem Rebalancing. SAF-RB passt gut zur Risikomanagement-Intuition vieler Privatanleger. Es f\u00fchrt auf lange Sicht typischerweise zu einem h\u00f6heren Portfolioendwert, da die gering rentierlichen Safe Assets im Durchschnitt der Gesamtperiode einen kleineren Portfolioanteil haben. SAF-RB erfordert tendenziell weniger „Trades“, was insbesondere bei einem Portfolio, in dem keine laufenden Zuf\u00fchrungen (Nachinvestments) oder laufende Desinvestments (Entnahmen) stattfinden, ein kostenm\u00e4\u00dfiger und steuerlicher Vorteil sein kann. Ein Nachteil von SAF-RB besteht darin, dass es langfristig zu mehr Volatilit\u00e4t und h\u00f6heren Drawdowns (Kursr\u00fcckg\u00e4ngen) gemessen in Geldeinheiten f\u00fchrt.<\/p>\n <\/p>\n [1]<\/strong> Nicht sofort reinvestierte Aussch\u00fcttungen (Dividenden, Zinsen) entsprechen aus \u00f6konomischer Sicht ebenfalls Entnahmen.<\/p>\n [2]<\/strong> Safe Asset Floor = „Untergrenze\/Boden sicherer Verm\u00f6genswerte“.<\/p>\n [3]<\/strong> Auf dem Informationsportal www.finanzfluss.de<\/em> gibt es einen kostenlosen Humankapital-Rechner.<\/p>\n [4]<\/strong> Mit Lebenshaltungskosten sind hier wirklich alle Lebenshaltungskosten gemeint, einschlie\u00dflich verdurchschnittlichter Betr\u00e4ge f\u00fcr „klumpige Ausgaben“, die nur alle paar Jahre anfallen, z. B. f\u00fcr den Kauf eines neuen Autos oder gr\u00f6\u00dfere Instandhaltungskosten einer selbstgenutzten Wohnimmobilie.<\/p>\n [5]<\/strong> Bankguthaben oberhalb der staatlichen\/gesetzlichen Einlagensicherungsgrenze von 100.000 Euro pro Bank-Kunde-Kombination erf\u00fcllen dieses Kriterium nicht.<\/p>\n [6]<\/strong> In der englischsprachigen Fachliteratur zu institutionellem Investieren (in Abgrenzung zur Verm\u00f6gensanlage von Privathaushalten) werden Konzepte, die \u00c4hnlichkeiten zu dem hier skizzierten SAF-RB-Ansatz aufweisen, teilweise als Liability Matching Portfolios<\/em> (LMP) oder Liability Driven Investing<\/em> (LDI) bezeichnet. Ansonsten ist uns keine Fachliteratur spezifisch zum SAF-RB-Ansatz f\u00fcr die Verm\u00f6gensanlage von Privathaushalten bekannt. Die Bezeichnungen „Safe Asset Floor“ und „Safe Asset Floor Rebalancing“ stammen von uns.<\/p>\n [7]<\/strong> Der Autor William Bernstein nennt diese Kosten in seinen Ratgeberb\u00fcchern Residual Living Expenses<\/em>. Bei ihrer Quantifizierung schl\u00e4gt er die gleiche Vorgehensweise wie wir hier vor.<\/p>\n [8]<\/strong> Voraussetzung f\u00fcr diese Annahme ist ein systematisch global diversifiziertes Aktienportfolio. Bei Einzelwerten (auch z. B. 30 verschiedenen Einzelwerten) w\u00e4re das Renditerisiko weitaus h\u00f6her.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":" In diesem Beitrag stellen wir eine alternative Rebalancing-Methode f\u00fcr passive Anleger vor.<\/p>\n","protected":false},"author":9,"featured_media":15807,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[29,79,76],"class_list":["post-10648","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ratgeber","tag-depotentnahme","tag-rebalancing","tag-wissen"],"yoast_head":"\n
<\/p>\nDie Neuerung: „Safe Asset Floor Rebalancing“<\/strong><\/span><\/h2>\n
Gegen\u00fcberstellung: Safe Asset Floor Rebalancing und traditionelles RB<\/strong><\/span><\/h2>\n
<\/p>\nDie Sachlogik hinter Safe Asset Floor Rebalancing<\/strong><\/span><\/h2>\n
Den SAF-Zielwert f\u00fcr sich bestimmen<\/strong><\/span><\/h2>\n
Weitere Umsetzungsaspekte zu SAF-RB<\/strong><\/span><\/h2>\n
Vor- und Nachteile von Safe Asset Floor Rebalancing<\/strong><\/span><\/h2>\n
\n
\n
Fazit<\/strong><\/span><\/h2>\n
Endnoten<\/strong><\/span><\/h2>\n